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von der eigentlichen und ebenbürtigen, auf mehr als eine Art in den Weg treten. Denn erstens wird der Fürst, welcher in seinem Erstgeborenen gewissermaßen fortzuleben hofft, höchst wahrscheinlich des Staates Zukunft sorgfältiger bedenken und williger ihm selbst ein Opfer zu bringen be­reit sein, als jener andere, welcher voraussichtlich den Thron einem mehr oder weniger ihm gleichgültigen, wo nicht wi­drigen, Nachfolger hinterlassen muß. Ist zweitens die morganatische Ehe eines Regenten mit zahlreichen Kindern gesegnet, so wird in dem nämlichen Herzen, dessen warme Regungen einst schon jede Einrede des Verstandes zurück- wiesen, die Vaterpflicht nun mit besserm Rechte den Wunsch ichs Auge fassen, die Zukunft jener Sprößlinge in reich­licher, den anerzogenen Gewohnheiten des höchsten Wohl­standes entsprechender Weise zu sichern. Daraus könnte nun allzuleicht eine elterliche Sparsucht hervorgehen, welche sowohl dem gebührenden Aufwande des Hofes, als dem kheilweise davon abhängenden Gedeihen der Hauptstadt Ab­bruch thäte, sowie diese drittens durch solche Mißver­hältnisse auch mancher fürstlichen und anderer vornehmen Besuche um so mehr beraubt werden dürfte, je entschiedener etwa eine morganatische Gemahlin selbst an der festlichsten Tafel des Landes und bei andern feierlichen Gelegenheiten den Ehrenplatz einer wirklichen und berechtigten Fürstin in Anspruch nehmen wollte. Doch muß einer verständigen Frau in dieser Lage, meint man, leicht anschaulich zu ma­chen sein, wie viel besser sie in der Regel durch eine be­scheidene Zurückgezogenheit in den engern Kreis der Häus­lichkeit für sich selbst, für ihren hohen Beschützer und für die künftige Stellung ihrer Kinder zu sorgen vermag.

Ob es viertens, um auf die Hauptfrage zurückzu- kommcn, bei der möglichen Wiederkehr einer solchen poli­tischen Zeit, wie sie schon einigemal seit fünfzig Jahren in die bestehenden Grenzen deutscher Staatsgebiete und ihrer Selbstständigkeit eingegriffen hat, ob es da für irgend einen, besonders für einen minder mächtigen Fürsten eine ganz gleichgültige Sache sei, sich seiner Standesgenossenschaft und ebenbürtigen Familienverbindungen allzusehr entfremdet zu haben, dieser Zweifel möge nur schließlich hier zur Bestä­tigung der wohlmeinenden Unbefangenheit angeregt werden, mit welcher diese Zeilen geschrieben sind. 4-|-4.

daß Niemandem ein Haar gekrümmt werde, daß Jeder in Frieden sein Spielchen machen könne, und daß alle Welt wohl thun werde, sich ehebaldigst nach ihren Heil­quellen auf den Weg zu machen. Nur Nauheim schweigt. Und doch ist auch Nauheim — vollkommen ruhig. In der That, Nauheim ist vollkommen ruhig! Kein Crawall-Lärm, kein Waffengeräusch stört die ländliche Stille. Die Saline besitzt zwar eine Art fliegende Batterie von drei Böllern; allein auch die braucht Niemand zu fürchten, weil sie aus Angst vor dem Zerplatzen nur ungern lösgehen. Wahrlich, wer ein paar Wochen in Frieden verdämmern will, der eile gen Nauheim! Wie still und versteckt sitzt fich's im Kurgarten, wie gemüthlich wandelt man auf der Gänse­wiese, wie leidenschaftslos fließt die Ufa, wie ernst und gemessen bewegt sich Herr N. N. und das Gestänge der großen Wasserräder, wie behaglich schaut man aus den Hütten der Gradirungen auf das niedere Leben! Und nun gar ein flüsterndes Herz-an-Herz oder ein verschwiegenes Zwiegespräch mit einer reizenden Seele oder eventualiter mit dem Monde! Auch an Opulenz hat Nauheim zuge- nommen. Früher hatte der Kursaal keine Vorhänge und von zwei Lichtscheuen war immer, wenn die eine fehlte „die andere" auf dem Teichhause; aber jetzt .... O die kur­hessische Regierung spart nicht, wenn es darauf ankommt, „fühlbaren Mängeln" abzuhelfen, und wenn man ihr oft zum Vorwurf gemacht hat, daß sie Nichts thue, um die herrlichsten Gottesgaben zu benutzen und eins der ersten Bäder der Welt zu schaffen, so beweiset das nur recht, wie kurzsichtig die Menschen sind! Hätte man früher ein gro­ßes Welt-Bad in's Leben gerufen, wo wäre jetzt die Ruhe? Und hätte man vor Jahren eine Spielbank zugelassen, könnten wir da wohl mit edlem Stolze sagen: „wir haben in Hessen nur drei, sage drei Spielhöllen, nämlich zu Nenndorf, Hof­geismar und Wilhelmsbad?" -—Hessen besitzt in Hofgeis­mar und Wilhelmsbad ja Bäder ohne Wasser, warum sollte es nicht in Nauheim Wasser ohne Bäder haben?

C. Fried.

Nauheim

AuS allen Bädern werden Anpreisungen und An­lockungen in die Welt geschickt: Wiesbaden, Baden-Baden, Homburg, Ems, Pyrmont und wie sie alle heißen, geben die feierlichsten Versicherungen, daß es bei ihnen herrlicher sei als je, daß bei ihnen vollkommene Ruhe herrsche,

Zur Beruhigung.

Von einer Dame geht so eben die Anfrage ein, ob die Neue Hessische Zeitung künftig auch Todes- und Hei- raths-Anzeigen aufnehmen werde. Wir beeilen uns, diese Frage zu bejahen, und fügen erläuternd hinzu, daß nicht bloß Verheirathungen, sondern auch Verlobungen, Kind­taufen, Feuersbrünste und andere Unglücksfälle darin an­gezeigt werden können. Die Redaction.

Verantwortlicher Herausgeber: Fr. Oetker. — Redaktion: Fr. Oetker und A. Pfaff. — Druck und Verlag von Th. Fischer in Caffel.