Minzen feien nicht mehr so reactionslustig, doch lei das Militär gewiß verlässig und die Reactionspartei werde damit offen heraustreten, Preußen werde in feinen Ostseeprovinzen wieder sein Ansehen Herstellen und dürfte dabei auch einen momentanen Verlust seiner Rheinprvvinz kaum scheuen. Alles komme darauf an, daß bei Ler Gegenwirkung gegen die Anarchie der politischen Reaction dann nicht die leiseste Concession gemacht werde. Auch kommt es darauf an — erlauben wir uns hinzuzufügen — nicht durch solche Uebertreibungen, wie sie hier gemacht werden, beiden Theilen, der Reaction und der Anarchie, in die Hände zu arbeiten.
Von der Elbe, 15. Juni. Eine russische Flotte kreuzt in der Ostsee. In der zweiten Hälfte des vorigen Monats herrschte in Kronstadt in der Marine große Thätigkeit, die Schiffe sind für längere Zeit vollständig und mit größerer Sorgfalt, als gewöhnlich in Rußland geschieht, ausgerüstet worden, da die genaueste Aufsicht und schärfste Kontrolle stattfand. Nach und nach wurden etwa fünfzehntausend Mann Landungstruppen an Lord geschafft. Wir werden in der nächsten Zeit hören, daß die Flotte im westlichen Theile der Ostsee kreuzt. Großfürst Konstantin hat sich bereits in Dänemark gemeldet.
Von der russischen Grenze. Ein Korrespondent der Breslauer Zeitung von O st r o w o will aus authentischen Quellen die Nachricht von Kalisch haben, daß 60,000 Russen die preußische Grenze überschreiten würden, um Posen zu besetzen. Ein Posener Korrespondent meldet, daß die Preußen unmittelbar bei Thorn eine Schiffbrücke geschlagen, die Russen aber 5 Meilen weiter hinauf dasselbe gethan haben. Im Thorner Wochenblatt wird den Bewohnern der Stadt Thorn der Rath ertheilt, sich jetzt, da die Festung armirt und Lie Besatzung mit Proviant versehen fei, in Zeiten mit Lebensmitteln, wenigstens mit einem angemessenen Vorrath von Roggenmehl, zu versorgen.
Schleswig-Holstein. Die Bewegungen der Deutschen schreiten unbegreiflich langsam vorwärts. Wenn man den ersten Siegessturm mit dem jetzigen zögernden Vorwärtsrücken, oder vielmehr mit dem jetzigen Stillstände vergleicht, dann muß sich wohl der Gedanke an geheime Hindernisse unserer Nationalehre zur Gewißheit steigern. Das edle Tannsche Freicorps ist, wie es in einem Berichte aus Flensburg vom 18. d. M. heißt, „immer noch in Apenrade und scheint nicht nur dort bleiben zu wollen, sondern auch diese Stadt bis aufs Aeußerste zu vertheidigen entschlossen zu sein." Der Major v. d. Tann will, wie er sich ausdrückt, ein zweites Saragossa daraus machen, eine Barrikade wird neben der andern errichtet durch alle Straßen hindurch und an den Eingängen in der Stadt sind die Kanonen ausgepflanzt. Wir haben uns der Sicherheit Ler heimgekehrten Bürger der Stadt gefreut, die uns auf ihrer Flucht Lauerten; sie selbst sind aber nichts weniger als froh darüber. Die Barrikaden geniren sie, auch fürchten sie in solchem Vertheidigungszustande von der Seeseite ein Bombardement und endlich wollen sie, falls die Dänen wirklich heranrücken, nicht gern Las Gefecht in ihren Straßen
haben. Der Agent Bruhn und Rector Nissen waren daher in dieser Angelegenheit gestern hier, um mit General Wrangel zu sprechen, der sie damit vertröstete, daß es bald ein Ende haben werde. — Nachrichten vom Kriegsschauplätze zufolge verschanzen die Dänen sich zwischen Hadersleben und Christiansfeld. Ihre Vorposten stehen etwa eine Meile südlich Hadersleben. Dieselben ziehen sich bei Re- cognoscirungen nach Hadersleben zurück. In der Linie von Apenrade stehen preußische und schleswig-holsteinsche Truppen, erstere bilden den linken Flügel. Das Tannsche Freicorps steht auf dem äußersten rechten Flügel.
Schleswig, 18. Juni. Die Gerüchte vom Rücktritte der dänischen Minister Tscherning, Bardenfleth und besonders des Deutschenhassers Orla Lehmann gewinnen an Consi- stenz. Vielleicht werden die Waffen in diesen Tagen eine Entscheidung herbeisühren. Wie man vom Norden her hört, so stehen die Dänen mit 13 Bataillons Linientruppen, von denen viele Leute fast 50 Jahre alt, in Holzschuhen und in keiner brillanten Equipirung, nebst der nöthigen Cavallerie im Norden des Landes.
(Die Dänische Presse). Kjobenhavnspost polemi- firt heftig gegen den preußisch englischen Vorschlag einer Theilung Schleswigs nach Nationalitäten, und meint, das trotz Bunsen und seinem Nachbeter Palmerston nie von einem Deutschen Bundesstaate Schleswig-Holstein die Rede sein könne. Dies Blatt hat den sinnreichen Gedanken, Frederik VII soll sich aus dem Deutschen Bunde ausmelden, dann die Namen Lauenburg, Schleswig und Holstein ganz abschaffen und das Ganze in Distrikte und Kreise zerschlagen, die dann mitPräfecten von Kopenhagen aus versehen würden. „Kjobenhavnsposten" ist auf England sehr böse und wirft nun feine ganze Hoffnung auf Rußland. — Wohl bekomm's!
Frankfurt. Ueber den in Frankfurt abgehaltenen „demokratischen Kongreß" stellt ein Berichterstatter der Augsb. Allgem. Zeitung folgende Frage: Was würde in Frankreich geschehen, wenn sich ein Kongreß etwa der Anhänger der constitutionellen Monarchie in Paris neben der National- Versammlung aufwürfe und Filialvereine durch die Republik organisirte? Daraus folgt aber — und das ist der einzige Schluß, den wir daraus ziehen wollen — daß derjenige , dem nicht Republik, nicht Repräsentativ-Monarchie, sondern nur Freiheit Zweck ist, diese nicht minder, oft mehr in der letzteren Staatsform finden kann, eben weil in dieser die Regierung nicht behaupten kann, das ganze Volk in fich zu absorbiren.
Baden. In Freiburg fand am 15. Juni die Rückgabe der Waffen an die Einwohner statt, welche dieselben in Folge der Erklärung in Kriegszustand hatten abliefern müssen. Dem Bürgermeister Rotteck ist eine Vertrauensadresse mit 1061 Unterschriften von Seiten der hiesigen Bürgerschaft überreicht worden.
Schweden. Das ganze in Schoonen zusammengezogene schwedische Truppencorps soll nach Dänemark übergeschifft werden, auch soll eine russische Flotte mit 30,000 Mann Landungstruppen im Kieler Meerbusen eingetroffenfein.
Stockholm 15. Juni. Man spricht heute viel davon,