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Truppen bereit stehen, jeden Augenblick dort einzurücken, und daß sowohl im Banat als in Serbien und in der dortigen Gegend überhaupt russ. Emissäre ausgeschickt seien, um die dort befindlichen Ruthenen zu einem Aufstand vorzubereiten, der in dem Augenblick ausbrechen soll, als die Russen die moldauische Grenze überschritten haben würden. — Triest steht jeden Augenblick einem Angriff der feindlichen Flotte entgegen, Venedig ruft die Hülfe der französischen Republik an, und während so Oesterreich von innerer Auflösung und von einem Kriege mit Russen und Franzosen zugleich bedroht ist, sitzt der Kaiser, auf den Rath aristokratischer Weiber, die ebensowenig wie ihre jesuitischen Freunde die Monarchie retten werden, in seinem Schmollwinkel zu Innsbruck!
Aus Tirol 15. Juni. Die Protestation der Wälsch- tiroler gegen den Tiroler Landtag hat keineswegs ihren Grund in nationaler Antipathie oder dem Bestreben, sich Deutschland zu entfremden, sondern in den ungerechten und gar nicht liberalen Bestimmungen über die Zusammensetzung des Tiroler Landtags. Die Wälschen sehen sich hierbei mit Recht aufs Schwerste verletzt, ihre Städte werden, weil sie nicht zu den verfaulten Flecken gehören, nicht anerkannt und in den übrigen Ständen sind sie um das Vierfache übervortheilt. Außerdem erklärt die Protestation diese ganze ständische Vertretung für verkehrt und geradezu der gesammten Reichsverfassung widersprechend. Endlich verlangt sie die Achtung ihrer italien. Nationalität, auf welche sie in der National-Repräsentation gern verzichte, in der Provinz-Verwaltung aber um so entschiedener bestehen müsse. Und das mit vollstem Rechte!
Innsbruck, 18. Juni. Durch ein an das diplomatische Corps vom Minister der auswärtigen Angelegenheiten gerichtetes Circular wird demselben angezeigt, daß Se. Majestät wegen seiner leidenden Gesundheil nicht im Stande sei, den Reichstag in Person zu eröffnen und daher der Erzherzog Johann mit ausgedehntesten Vollmachten als Stellvertreter des Kaisers zu diesem Behuf abgehen werde, bis die Gesundheit dem Kaiser erlauben werde, selbst nach Wien zu kommen. Da der Sitz der Regierung somit wieder in Wien sein wird, so steht auch das diplomatische Corps auf dem Punct, nachWien abzureisen.— In Italien ist einstweilen die gänzlicheEroberung des Venetianischen vollendet, bis auf Venedig selbst, das der Berennung monatelang widerstehen kann, wenn nicht innerer Zwist eine Capitulation herbeiführt. Im Jahr 1814 wurde es vom October bis April blokirt, von den Engländern zur See, von uns zu Lande.
Preußen. Berlin 20. Juni. In der heutigen halbstündigen Sitzung der National-Versammlung ward ein Schreiben des Minister-Präsidenten Camphausen verlesen, worin dieser seine in die Hände Sr. Maj. gelegte Entlassung anzeigt und den Wunsch ausspricht, daß die Plenar-Sitzungen der Versammlung bis zur definitiven Bildung des neuen Kabinets ausgesetzt werden müssen. Minister von Auerswald erklärte in seinem und seiner Kollegen Namen, daß auch sie ihre Portefeuilles nur bis zum Zusammentritt des neuen Kabinettes provisorisch beibehalten und unterstützte den Antrag
auf Vertagung. Nach kurzer Debatte, in welcher namentlich Reichenbach gegen die Vertagung sprach, „denn der Feind stehe an den Grenzen," woraus Hansemann, »dann werden wir auch provisorisch unsere Pflicht zu thun wissen," beschloß die Versammlung, sich bis zum Montag (26. Juni) zu vertagen. Hansemann soll mit der Bildung eines neuen Parlaments beauftragt sein.
Man beschäftigt sich in Berlin mit Vermuthungen über die unerklärliche Abdankung des gesammten Ministeriums. Die Vacanz des einen Ministeriums kann nicht die Ursache sein. Man erzählt sich, Camphausen sei darum zurückgetreten, weil der König einen Privatbrief des Kaisers von Rußland den Ministern vorenthalte. Andere bringen sein Ausscheiden mit der Sendung und den geheimen Aufträgen des General v. Pfuel an den Hof von St. Petersburg in Zusammenhang. Zugleich findet das Gerücht Glauben, daß russischer Seits gegen die Reorganisation Polens pro- testirt und mit Kriegserklärung gedroht sei.
Königsberg 1 6. Juni. Die in den letzten Tagen bei hiesiger Regierung von der Russischen und Polnischen Grenze eingelaufenen amtlichen Berichte bestätigen sämmtlich d i e A n n ä h e r u n g r u s s i sch e n M i l i t a i r s. Die Stärke der unweit der Grenze zusammengezogenen russischen Artillerie wird auf 120 Kanonen veranschlagt.
Nach der Ostsee-Zeitung wäre der Uebertritt der Ruffen auf Preußisches Gebiet von Cz enstoch au aus in den nächsten Tagen als ganz bestimmt anzunehmen, da die Marschkolonnen sich schon zu verschiedenen Uebergangspunk- ten über das Grenzflüßchen Proßna formiren, Pontons dazu an die Grenze gerückt und die Wege dazu aus Polnischem Gebiet mit großen Menschenmassen in Stand gesetzt werden; ferner sollen in den Polnischen Grenz-Ortschaften schon Fuhren bestellt sein zum Marsch nach Schlesien.
Als thatsächlich meldet man aus Leipzig, seit 14 Tagen sei den russischen wie den preußischen Grenz-Besatzungen der bisherige freundliche Verkehr untersagt worden.
Königsberg. Auch die Festungen Pillau und Danzig sind in Kriegszustand gesetzt worden.
Die Deutsche Zeitung bringt über die Berliner Zustände einen sonderbaren Bericht. Die reactionaire Gewaltpartei laure nur auf Gelegenheit; sie sei mit dem entschieden freisinnigen Votum der Nationalversamml. wodurch der Verfassungs - Entwurf der Regierung beseitigt wurde, mit dem Rücktritt der Minister Canitz, Schwerin, Arnim und dem Einschlagen einer entschiedenern Richtung, der Verstärkung des Ministeriums durch Mitglieder der Linken sehr unzufrieden; (natürlich!) denn durch dies Alles werde die radikale Linke für den Augenblick befriedigt und Ruhe geschaffen (natürlich!) Wenn die Linke durchdringe, so werde der König resigniren. Deshalb sei der Prinz von Preußen zurückgerufen. Dieser werde sich aber nicht jede Bedingung diktiren lassen. Es werde dahin kommen, daß sich kein Minister mehr vorfindc, den der Fürst mit Ehren annehmen könne. Das werde aber nothwendig zu Reaktion, Diktatur, vorher vielleicht zu republikanischen Schilderhebungen führen. Derselbe Bericht sagt, die Pro-