ten nach den Thoren, um den Schrecknissen der Stadt zu entfliehen; allein es heißt, das Volk habe nur alte Leute, Frauen und Kinder herausgelassen, alle kräftigen Männer aber zurückbehalten und sie gezwungen, Waffen zu nehmen und Barrikaden aufzuwerfen, und mit ihnen die Stadt gemeinschaftlich zu vertheidigen; dabei sollen entsetzliche Gräuel verübt worden sein. Soviel ist gewiß, daß die große Mehrzahl der aus Prag Geflohenen aus Frauen besteht, daß aber auch eine Menge Prager Familien von Freunden und Verwandten in Dresden mit banger Sorge vergebens erwartet wurden, trotzdem, daß sie wohl wußten, daß sie hier eine Zuflucht finden würden. Die Flucht aus der Stadt muß also, trotz der Proklamation des Fürsten Win- dischgrätz, mit vielen und großen Schwierigkeiten verbunden sein. Das Bombardement ward darauf nach und nach mit steigender Heftigkeit eröffnet. Zuletzt soll mit 80 Kanonen geschossen fein, gegen 18,000 Mann sind in und bei Prag zusammengezogen. Der Kampf ist sehr schnell durchaus ein Kamps der Czechen gegen die Deutschen geworden, und zwar unter der Trennung der llltrarzechen von der aristokratischen Partei. Die deutsche Bürgerwehr steht auf Seite der Truppen.
Pilsen, 17. Juni. Gestern wurde hier auf dem Platz öffentlich mit der Fahne geworben für Prag, endlich entschied man sich, eine Deputation eiligst nach Prag zu senden, welcher sich eine Deputation von Klettau anschloß. Bei uns ist vollkommene Anarchie. Siegt in Prag die Ultraezechenpartei, so ist ein Bürgerkrieg zwischen den Nationen unvermeidlich. Nur die Ungewißheit hält noch die fanatisirten Czechen zurück. Man spricht davon und ich glaube es fast auch, daß man zwischen Prag und Pilsen die Posten und Estafetten aufgefangen hat. Alles hört zu arbeiten auf, und sammelt sich in Gruppen. Die Studenten forderten von der Schützengarde Gewehre, auch vom Militär Munition, welchem aber nicht entsprochen wurde. Einige glauben, Faster werde in Tauß werben und mit einigen Tausenden nach Prag ziehen, an welche sich natürlich alle Czechen anschließen werden. Mit dem böhm. Landtag wird es Nichts werden.
Prag 18. Juni. Aufs Neue haben die Czechen Verrath geübt. Windischgrätz und Graf Thun hatten am 17. um 8 Uhr abgetanst, an ihre Stelle waren Mensdorff und Klenanèky getreten, ein Theil des Militairs sollte die Stadt besetzen, die Barrikaden sollten zum Theil hinweggeräumt werden. Alles war ruhig und voll Vertrauen, da fielen aufs Neue die meuchelmörderischen Schüsse der Czechen. Windischgrätz hat hierauf endlich Ernst gemacht. Die Stadt wurde bis zum Morgen des 18. mit Bomben und Granaten beschossen. Sie stand in hellen Flammen. Der Muth oder vielmehr die Frechheit der Czechen ist nunmehr gebrochen, die Studenten haben die Waffen weggeworfen und sämmtlich die Stadt verlassen, alle Waffen sind abgeliefert, 14 Geiseln gestellt worden und das Militair hat die Altstadt in Besitz genommen.
Die Wiener Zeitung bringt zwei in nachdrücklichster Sprache abgefaßte Manifeste an die Kroaten uud Slawonier und an die Grenzer. Die letzteren werden zum Beharren
an der alten Treue ermahnt, den ersteren zeigt der Kaiser an, daß gegen Jellachich eine Anklage wegen Hochverraths erhoben worden sei.
Die Zeitungen enthalten einen lebhaften Notenwechsel zwischen den Consuln zu Triest und dem Sardinischen Admiral Albini, worin jene gegen die Blokade der Deutschen Bundesstadt Triest und gegen die Beschlagnahme der Lloyd- Dampfschiffe wiederholt protestiren.
Triest, im Anfang Juni. Am letzten Tage des vorigen Monats hat die Direktion in einer General-Versammlung der Aktionäre von der Dampfschifffahrtsgesellschaft des österreichischen Lloyd ihren Jahresbericht abgelegt. Der Zustand dieses Zweiges des umfangreichen Etablissements am Ufer des adriatischen Meeres stellt sich als ausnehmend blühend heraus. Die Gesellschaft besitzt trotz ihres erst einjährigen Bestandes bereits 31 Seedampfschiffe, von denen das kleinste 125, das größte aber 763 Tonnen mißt, und hat im letzten Jahre von ihren 3 Millionen Betriebskapital nach Abzug aller Auslagen, Verwaltungskosten und reichlich gerechneten Abnutzungsposten ein reines Gesammter- trägniß von 583,000 fl. (20 °) also einen Erwerb von circa 20% aufzuweisen. Von ihrer Wirksainkeit wird man sich am leichtesten einen Begriff machen können, wenn man bedenkt, daß sie nicht allein, mit Ausnahme der französischen Linie zwischen Marseille und Konstantinopel, den gesummten Schnellverkehr des mittelländischen Meeres von Triest östlich bis nach Trapezunt besorgt, sondern auch bereits Behufs der ostindischen Ueberlandspost Agenturen in Bombay, Singapore, Ceylon, Manilla, Canton, Hongkong eingerichtet hat. Daraus allein mag sich schon hinreichend ergeben, wie wichtig eine Stadt für Deutschland stets sein wird, welche außer ihrer glücklichen Lage einen solchen Unternehmungsgeist der Bewohner besitzt.
Wien, 16. Juni. Die Stadt Carlowitz, der Hauptsitz des serbischen Aufstandes, ist vom General Hrabowsky nach dreimaliger Aufforderung, sich zu ergeben, beschossen, mit Sturm genommen und die Anfrührer sind theils ge- tödtet, theils gefangen und versprengt worden. Carlowitz soll ein Aschenhaufen und die südslavischen Provinzen sollen im Aufstand stin. — In Pesth wurde — wie es scheint, wegen des illyrischen Aufstandes — am 15. Juni das Standrecht verkündigt.
Die Serben in Ungarn, d ie Russen an der Moldauischen Grenze. Während die Nachrichten über die Operationen des Heeres in Italien wieder günstiger lauten, auch für den Augenblick die Ruhe in Wien und gerüchtweise auch in Prag wieder hergestellt, keinesfalls aber gesichert ist, erfährt man, daß die Serben und Illyrier an der südöstlichen Grenze Ungarns aufgestanden und in das Bacser und Torontaler Komitat eingefallen sind. In der Gegend von Gospodolinza steht ein 6000 Mann starker Haufen von Raizen und Czaikisten mit mehreren Kanonen. Neusatz war ernstlich bedroht. Diese Empörung steht ohne Zweifel mit dem Aufstande in Prag in Zusammenhang. Ferner wird gemeldet, daß man in Siebenbürgen einen russischen Spion aufgegriffen und durch ihn erfahren habe, daß an der Grenze der Moldau 60,000 Mann russische