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lichkeiten müssen Angesichts des großen Kampfes, der uns droht, in demselben Maaße schwinden, als auch die schmu­tzigen Elemente, welche sich aus der aufgeregten Tiefe hastig und zudringlich zur Oberfläche drängten, im Strome der Ereignisse zergehen.Wir haben uns über die Zerrissen­heiten und Spaltungen und Parteiungen, welche sich als die nächste unschöne Frucht unserer bürgerlichen Freiheit zeigten, nicht verwundert. Wir haben darüber nicht ge­klagt, denn wir sahen ihre Nothwendigkeit und ihren in­neren Zusammenhang. Der Drang nach individuellem Leben, die alte germanische Freiheit, dieser innerste Zug unseres Wesens, hat von jeher den Segen und den Fluch un­serer Geschichte ausgemacht. Nachdem er das deutsche Reich noch in seiner letzten schattenhaften Eristenz ver­nichtet, nachdem er unter der Zuchtruthe des Absolutismus in dem gemeinen selbstsüchtigen Treiben der Kabinette den letzten Rest von nationalem Gefühl, von nationaler Schaam und Ehre verloren hatte, wie konnte es da geschehen, daß er, urplötzlich seiner Ketten entledigt, die alten Un­arten hätte vergessen sollen? Die Errichtung der vollsten und ausgedehntesten bürgerlichen Freiheit da, wo bisher Nichts von Freiheit war, gleichzeitig aber die Einigung eines so vielgestaltigen und getheilten Landes, wie Deutsch­land, das sind die größten, politischen Aufgaben, welche die Welt bis jetzt gesehen hat. Selbst der freiheitsge­wohnte Bürger alter Freistaaten würde an ihrer ruhigen Lösung gezweifelt haben und wir, wir durften nicht ver­gessen , daß wir noch keine freien, d. h. freiheitsgewohnten Bürger sind. Eingedenk des Dichterwortes:

Dor dem Sclaven, wenn er die Kette bricht;

Vor dem freien Menschen erzittre nicht,

hatten wir sogar nicht ohne Grauen der Deutschen Revo­lution entgegengesehen. Um gerecht zu'sein, müssen wir sagen, daß die Haltung der Deutschen, trotz vieler bekla- genswerthen Scenen, trotz des Landes-Verraths in Baden, trotz so manchen unheimlichen und wühlerischen Tpeibenö, im Ganzen eine musterhafte gewesen ist. Die Gefahren der Reaction, womit man uns aus Irrthum oder mit Absicht schrecken wollte, haben sich als falsch oder als ohnmächtig erwiesen, die frivolen Angriffe auf die gesellschaftliche Ord­nung stoßen auf einen immer entschiedeneren Widerstand, die inneren Reformen der einzelnen Deutschen Länder neh­men einen raschen Fortgang und das Verfassungswerk in Deutschland geht einen etwas langsamen, aber sichern und beruhigenden Weg: wegen Ueberwindung unserer inneren Schwierigkeiten würden wir in der That keinen Augenblick in Besorgniß sein.

Aber jetzt, wo die Feinde schon die Schwelle der Hei- math überschritten haben, jetzt kann von unbesorgter Ruhe nicht mehr die Rede sein. Die Feinde Deutschlands wis­sen es wohl, daß wir nach unserer vollen Einigung un­überwindlich sein werden. Sie benutzen deßhalb diesen Au­genblick der elementarischen Gährung, diesen Augenblick, wo die Einheit noch nicht da und wo sie sogar von In­nen bedroht ist, nm über uns als ihre Beute herzufallen. Zwar verändern die Völker nicht mehr ihre Sitze, aber sie suchen ihre Grenzen festzustellen und wo möglich die Grenz­

steine weiter zu rücken in des Nachbarn Land. Die na­tionale Bewegung, welche in Deutschland vor sich geht, hat ihre Analogie in Osten und Westen, im Süden und Norden. Wer sich hier unvorbereitet und schwach zeigt, der verliert; das ist der Lauf der Welt.

Aber nicht bloß die Marken unseres Vaterlandes sind geradezu auf allen Seiten bedroht: der Feind, der uns naht, und zwar der gefährlichste, der stärkste, der will nicht bloß unsere Grenzstriche; er will das ganze Vater­land, er will uns selbst, unsere Cultur, unsere Freiheit, unsere Zukunft Alles was wir haben. Das ist der Czaar, oder um cs richtiger zu sagen denn auch des Czaaren «Stauben sind gezählt es ist der Russe und Slowake und der Bulgare und Baschkire und dieses ganze schmutzige Gesindel des Ostens, welches dazu bestimmt ist, seine Cultur vom Westen zu empfangen, aber von einem dunkeln dämonischen Zuge getrieben, seine thierischen Hor­den von Zeit zu Zeit über den Occioent ergießt.

Diese Horden, sie werden den Fortschritt der Menschen­geschichte zwar nicht hindern, aber sie können unser Deutsch­land für lange, lange Zeit zu einer Wüste machen und uns selbst und unsere Kinder statt freier Bürger zu den Skla­ven irgend eines neuen Tamerlan. A. P.

Politische Nachrichten.

Oesterreich. Wien, 16. Juni. Der Sicherheits- ausschuß hat die wieder zurückgekehrtcu czechischen Studen­ten abermals aus Wien fortgeschafft und ist mit Entschie­denheit den Arbeitern entgegengetreten, die sich seitdem ruhig verhielten. Diese Arbeiter bestanden übrigens lediglich aus Czechen, welche durch czechische und russische Emissäre auf­gehetzt waren. Die deutschen Arbeiter hatten sich nicht nur nicht angestossen, sondern ließen dem Sicherheitsaus­schuß das Anerbieten machen: wenn man es ihnen erlaube, so würden sie die Unruhigen unter ihnen sammt den czechi- schen Aufwieglern mit Gewalt austreiben. Die nach Prag gesandte Wiener Deputation hatte sich verkleidet von dort flüchten müssen. Schon der Ausbruch vor Unruhen wurde sie in den Straßen so insultirt durch den Pöbel, welcher sie mit Stöcken, Steinen, alten Kochtöpfen rc. verfolgte, daß sie sich sogar unter den Schutz des Militärs begeben mußte, um nur ihren Gasthof zu erreichen. Das be­kannte Spottlied wurde überall gesungen, wo sich die deut­sche Nationalgardeuniform zeigte. Einer der Deputirten brachte drei Kugeln mit, welche während des Straßenkampfes am 13. in sein Zimmer flogen. Nachdem der von frühe­ren Zeiten her in Prag sehr beliebte Graf Mensdorff den Oberbefehl über die Truppen übernommen hatte, versprachen die Czechen Ruhe, begannen damit, die Barrikaden hinweg- zurâumen, aber nur um den Frieden hinterlistig zn brechen und neue Gräuel an den Deutschen zu üben. Windisch- grätz hat hierauf das Kommando wieder übernommen und Befehl von Wien erhalten, mit der größten Energie zu verfahren. Die Stadt wurde am 15. Juni Abends 9 Uhr geschlossen, nachdem man die ruhigen Bürger, die Frauen und Kinder aufgefordert hatte, vorher die Stadt zuverlaffen. Die Truppen waren ausgezogen. Viele Einwohner ström-