Beilage zu Vr. 29 der „neuen hessischen Zeitung".
Zwei Anträge des Deputaten Henkel *)
I.
Hohe Ständeversauiinlung !
Der Russe rüstet sich! Gegen wen anders, als gegen entschlands Freiheit? Diese Thatsache muß ganz Deutsch- id wie ein elektrischer Schlag durchzucken, alte Kräfte zum ßersten Widerstände aUarmiren. Alles, was männlich ist v noch brauchbare Arme und Beine hat, muß zu den affen greifen, aber sofort, ohne allen Aufschub, ehe das aglück über uns hereinbricht, ehe der (Russe unsere Gren- 1 überschreitet und den Krieg in unserm Lande, auf un- .e Kosten führt. Der tapfere kurhessische Stamm wird erin keinem andern deutschen Stamme nachstehen wollen, adern sofort auf den ersten Aufruf mit Begeisterung feine astrengungen mit den ihrigen vereinigen, da er keinem rselben in glühendem Haß gegen das System der Knute, in ein an feuriger Liebe zu der eben erst wieder errungenen utschen Freiheit aus dem Wege geht. Ich trage daher rauf an:
die Staatsregierung zu ersuchen, sofort die allgemeine Volksbewaffnung anzuordnen und alles auf's schleunigste zu thun und herbeizuschaffen, was dazu erforderlich ist, um uns in-einen vollkommen wehrhaften Stand zu setzen.
Im Einzelnen ist dabei mein Vorschlag der, daß sofort 16 ganze Land in Reginientsbezirke, etwa nach den 22 reisen, eingetheilt und die ganze wehrhafte Mannschaft des solchen Bezirks zu ein und demselben Regimente unter mselbcn Kommando, jedoch in verschiedenen Aufgeboten, ich den verschiedenen Altersklassen vereinigt, alsbald so at als thunlich bewaffnet und aufs eifrigste eingeübt wird, in aber dieses sofort mit dem gehörigen Nachdruck und af sachkundige praktische Weise ins Werk setzen zu können, t es erforderlich, die sämmtlichen Offiziere, Unteroffiziere ad Gemeine der jetzt schon bestehenden Jnfanterieregimenler ar Ausführung zu verwenden und damit zu beauftragen, lleselben müssen sofort im ganzen Lande vertheilt werden, > daß jeder Offizier, Unteroffizier und Gemeine einen gc- jiffeii Bezirk oder einen Ort, oder eine Anzahl Mannhaft zugetheilt bekommt, um unter Beistand der Kreis- mter und Ortsbehorden die Enrollirung, Eintheilung, Belastung und Einübung zu besorgen, auch einstweilen das tommando zu übernehmen, bis hierfür andere Fürsorge etroffen ist. Es wird sich bei der Gelegenheit dann auch eigen, was man an Waffen und Kriegsbedarf besitzt oder oas noch fehlt, für dessen Anschaffung dann, sofern nicht ie Einzelnen dazu im Stande und aus Patriotismus beeil und, von Staatswegen auf'ë schleunigste zu sorgen ist.
Es können diese Maßregeln schon darum jetzt nicht Umzangen und verschoben werden, weil sowohl das sogenannte Vorparlament, als die jetzt in Frankfurt befindliche Nationalversammlung die allgemeine Volksbewaffnung für durch-
*) Die Besprechung dieser Anträge, namentlich des letzter», geben wird.
aus nothwendig erklärt haben, und die Nationalversammlung vor Kurzem einen Ausichuß bestellt hat, um die vorhandenen Mittel zur Vaterlandsvertheivigung und deren Zulänglichkeit in den einzelnen Landen zu prüfen, wobei wir Hessen unmöglich mit Schande bestehen dürfen.
Es können diese Maaßregeln aber auch schon als die Einleitung oder Anticipation der künftigen veränderten Wehr- verfassung Deutschlands betrachtet werden. Denn diese wird jedenfalls erfordern, daß wir künftig etwa nur Artillerie, EavaUerie, Scharfschützen und dergleichen besondere, unausgesetzte Uebung erfordernde, Waffengattungen als stehendes Militär beinhalten, im Uebrigen aber das ganze Volk in verschiedenen Aufgeboten das Heer bildet, eingetheilt in Regiments-, Bataillons- und Compagnie-Bezirke, in deren Mute sich das Regiments-, Bataillons- und Compagme- Koiumando befindet, bestehend aus Männern vom Fach, die sich tiefem Berufe bleibend widmen und dem Volke die erforderliche militärische Ausbildung in seiner Heimath geben.
Obschon allerdings die Verpflichtung zur Theilnahme an dieser allgemeinen Volksbewaffnung und die ganze rechtliche Regulirung der Sache eigentlich eines Gesetzes bedürfen würde, so ist doch zu erwarten, daß in diesen außerordentlichen Zeiten, wo es gilt, sich nicht lange mit Berathungen und Formalitäten aufzuhalten, sondern rasch und energisch zum Handeln zu schreiten, kein braver Kurhesse sich weigern wird, schon auf eine bloße, mit landständischer Zustimmung zu erlassende, die Grundzüge der neuen Einrichtung und den Auftrag an die zur Ausführung zu verwendenden Civil- und Militarpersonen enthaltende Bekanntmachung der betreffenden Ministerien, sich allen Anordnungen derselben aufs bereitwilligste zu unterwerfen, wie es die Noth und die Ehre Les Vaterlandes erfordert.
Deutschland muß, will es die neu errungene Freiheit gegen innere und äußere Feinde bewahren, glorreich aus dem Kampfe der Gegenwart hervorgehen, sich ohne alles Zaudern in eine große Werkstatt, wo alles Waffen schmiedet und Munition bereitet, in ein großes Ererzierhaus, wo Alt und Jung sich in den Waffen übt, verwandeln, denn wer den Frieden will, der muß sich zum Kriege rüsten! Die Versammlung in Franksurt wird, soll und muß, will sie nicht alle Ehre und Reputation verlieren und das Vaterland verrathen , in der allerkürzesten Frist eine Ceniral- gewalc schaffen, welche sich an die Spitze der Heercsinacht von ganz Deutschland stellt und solche auf die nachdruckvollste Weise verwendet wie und wo es die Noth und Ehre des Vaterlands erheischt. Wir aber in den einzelnen Territorien müssen ihr mit Kraft und Begeisterung vorarbeiten, ihr die Arme, die Schwerdter und die Donnerkeile bereiten. Das walte der liebe Gott!
Kassel, am 17. Juni 1848.
Henkel.
liefern wir im Hauplblaite, welches zur gewöhnlichen Zeit ansge- Anmerk d. Rev.