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Reue

Hessische Zeitung.

8®e Mittwoch, den 21 Juni. 18-18»

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H. König für Günste.

Antrag in der Ständeversammlung.

Es steht uns in aller Kürze bevor, von einem neuen Rechte dieser hohen Versammlung vom Rechte der Mitwirkung bei Besetzung des Ob. App. Gerichtes zum ersten Mal Gebrauch zu machen. Ich halte dies Recht für so bedeutend, daß wir es mit einer besondern Weihe anzutreten wünschen sollten. Eine solche Weihe wäre ge­geben, wenn wir nicht bloß einen ausgezeichneten Mann für das O. A. Gericht fanden, sondern wenn dessen Be­rufung auch mit einer höhern Bedeutung für das Land verbunden wäre. Eine solche Gelegenheit liegt aber wirklich vor, und ich darf, um nicht lange in Räthseln zu reden, nur sogleich den Namen des vormaligen O. A. G. Rathes Günste aussprechen, um alsbald Ihres Verständ­nisses wie Ihres Einverständnisses gewiß zu sein.

Wir wissen alle, auf welchen Anlaß dieser ehrenwerthe Mann aus dem O. 2(. Gerichte entfernt wurde. Er war Referent gewesen in der Untersuchung gegen einen Mann, der damals des Hochverraths an demselben Fürsten ange­klagt war, den er gegenwärtig am Bundestage zu vertre­ten hat. Herr Günste hatte schwere Akten übernommen, schwere Zweifel und Kämpfe stiegen ihm ans djesen dun­keln Faszikeln auf und zwischen den Erwartungen der Staatsregierung und der öffentlichen Stimme Deutschlands war ein bedenkliches Urtheil zu fassen und zu fällen. Dies Urtheil fiel günstig für Jordan aus und der Referent ward aus dem Gerichtshof in eine ihm ganz fremde Bahn ge­worfen in die Eisenbahn.

Die Art und Weise wie diese Versetzung zur Eiseu- bahn-Direction vollzogen wurde erschien so auffallend als

das Unrecht selbst. Der Locomotiv - Führer jenes Eisen­bahnzuges war nämlich nicht der Justiz-Minister, sondern der alte Mann des Finanzministeriums, derselbe, der auch durch andere Eisenbahngeschäfte und Schjenenankäufe im Lande bekannt ist, hat sich mit seiner, zum Contrasigniren so unterwürfigen Feder bereitwillig finden lassen. Jener ehrenwerthe Mann ich rede jetzt von Herrn Günste wurde später zwar wieder an einen mittleren Gerichts­hof versetzt, ohne daß er dadurch eine entsprechende Be­friedigung gefunden hätte. Man könnte, wäre die Sache nicht gar zu ernsthaft, scherzweise sagen, Herr Günste sei über den Jordan gegangen, ohne ins gelobte Land zu kommen.

Sie alle, meine Herren, fühlen mit mir aufs Innigste, was eigentlich jene Entfernung Günste's aus dem O. A. Ge­richte bedeuten sollte. Ein Ruf war damit in^ Land, an alle Richter ergangen und lautete: Wehe dem, der ein uns mißliebiges Urtheil zu fällen wagt; wir wollen kein Recht im Lande!

Und sehen Sie, hier liegt die hohe Bedeutung einer sofortigen Wiedereinbcrufung Günsters für ganz Kur- hessen An demselben Manne muß durch eine zweite sym­bolische Handlung dargethan werden: Von nun an soll wieder ungekränktes Recht im O. A. Gericht gesprochen werden.

Meine Absicht geht nicht darauf aus, bloß für Herrn Günste eine persönliche Genugthuung zu fordern. Es ist wahr, er erwartete seine Berufung längst, er zweifelte nicht, die neue Ordnung der Dinge werde auch ihm eine schleu­nige Herstellung von erlittenen Kränkungen bringen. Allein das dermalige Justiz-Ministerium, das die neuen Zuge­ständnisse vom 11. März angetreten hat, glaubte nur auf