Einzelbild herunterladen
 

202

nachdem sie die gehörige Zeit im Jägerbataillon gedient hatten, vermittelst Staatsgelder auf der Forstlehranstalt unterhalten. Seit 1831 erstreckte sich dies in der Regel nur noch auf diejenigen Corpsjäger, welche den Feldzug nach Frankreich mitgemacht hatten, und man war allge­mein der Meinung, daß es mit ihnen aufhören werde. Um aber die Forstleute zum Militärdienste zu zwingen, hat man gemäß einer höchsten, aber nicht constitutionellen Ordre seit etwa 8 Jahren wieder die Einrichtung getroffen, daß jeder Jäger, welcher Lust hat, überhaupt 9 Jahre im Bataillon zu dienen, nach Verlaus einer Dienstzeit von mehreren Jahren nach Melsungen commandirt werden kann, um sich daselbst auf Staatskosten zum Forstmanne aus­bilden zu lassen. Mancher nun, der früher wenig oder gar nicht an das Forstfach gedacht hat, aber einmal im Jägercorps dient, geräth auf den Einfall, Forstmann zu werden, bloß deshalb, weil er dadurch am Ende einer sicheren Versorgung entgegensieht und ihm das Studium doch nur sehr wenig kostet. Nach vollendeten Studien kehrt eine solche Person periodisch in die Kaserne zurück und kann cs sogar zum Feldwebel bringen, was natürlich auf eine baldige Anstellung joon großem Einflüsse ist. Wie sehr unter diesem Militairwesen das Forstfach leiden muß, springt in die Augen. Bei Besetzung der Förster- stellen hatte daher nicht allein die betreffende Behörde, son­dern auch das Kriegsministerium ein Wort mitzusprechen. Alle ächten Forstmänner muß ein solches Unwesen auss Tiefste entrüsten. Nur Liebhaberei an einem Jägercorps, welches, wie früher, aus sogenannten gelernten Jägern be­stehen soll, konnte zu solchen Verkehrtheiten führen. Wahr­lich! in keinem deutschen Staate steht das Forstfach bei aller Willigkeit eines großen Theiles des Forstpersonals auf einer so tiefen Stufe als in Kurhessen. Auch muß bemerkt wer­den, daß die Forstlehranstalt in Melsungen noch lange nicht diejenige Höhe erreicht hat, welche dem jetzigen Standpunkte der Forstwissenschaft angemessen ist. Namentlich leidet der naturwissenschaftliche Unterricht an Mängeln aller Art. So hat man für sämmtliche Naturwissenschaften nur einen Lehrer, welcher nebenbei auch noch in der Mathematik zu unterrichten hat. Zwei Lehrer für die Naturwissenschaft sind durchaus unentbehrlich, wenn sie auf gründliche Weise gelehrt werden soll. Kein erleuchteter Forstmann wird verkennen, daß die Naturwissenschaft die Basis der Forst­wissenschaft ist. Freilich ist darauf zu sehen, daß nicht ein­

zelne Zweige der Naturwissenschaft mit einseitiger Liebha­berei getrieben werden. Es kommt nicht darauf an, die Forstmänner zu Naturforschern auszubilden, aber gründliche Kenntniß der Hauptpunkte dieser Wissenschaft kann vom Forstmanne verlangt werden. Aber auch hierzu ist ein Lehrer nicht genügend. Physik und Chemie können allen­falls von einem Lehrer vorgetragen werden, während die beschreibende Naturwissenschaft (Naturgeschichte) wieder einen besonderen verlangt. Sollte auch wirklich ein Lehrer alle diese Wissenschaften den Hauptpunkten nach gleichmäßig in sich ausgenommen haben was schon ein sehr seltener Fall ist, so würde er dennoch keinen gleichmäßigen Unterricht darin ertheilen können. Warum verschmilzt man überhaupt nicht die Forstlehranstalt mit der Universität, wie dies anderwärts, z. B. im Großherzogthume Hessen, längst geschehen ist?*) Auf der Universität finden sich Leh­rer für Mathematik und Naturwissenschaft, so daß es also nur darauf ankäme, einige tüchtige Männer für die Forst­wissenschaft selbst zu bestellen. Die Forstmänner in Hessen- Darmstadt studiren ihre Wissenschaft, gleich dem Juristen, Mediciner u. s. w., auf der Universität, nachdem sie zuvor das Gymnasium besucht haben. Doch würde es keines­wegs zweckmäßig sein, wenn man vom Forstmanne ver­langen wollte, daß er eines unserer Gymnasien, wie sie dermalen beschaffen sind, vollständig durchmache. Die Gym- nasien in Hessen-Darmstadt unterscheiden sich von den un­serigen in manchen Stücken, namentlich ist dort den Natur­wissenschaften eine etwas höhere Stellung eingeräumt. Eher als das Gymnasium mögte noch die polytechnische Schule zu empfehlen sein. Die richtige, Vorbereitungsanstalt für solche aber, welche sich dem Forstfache zu widmen gedenken, wäre ein Realgymnasium, in dem Geographie, Geschichte, deutsche Sprache und die Naturwissenschaft (als erziehendes Vildungsmittel) die Grundlage des Unterrichts bildeten, während die alten Sprachen nur soweit getrieben würden, als es zu einer übersichtlichen, historischen Erfassung des classischen Alterthums nothwendig ist. Bevor aber der junge Forstmann die Universität bezieht, ist es unerläßlich, daß er eine Zeitlang tot einem tüchtigen Revierförster ver­weilt, um die Verhältnisse des Waldes durch eigene An­schauung näher kennen zu lernen. Nur unter dieser Be­dingung wird er später mit Gewinn den Vorträgen über Forstwissenschaft nachfolgen können.

*) Wir verweisen auf Nr. 17. S. 121 d. Bl. Anm. d.Ai.