Einzelbild herunterladen
 
  

- 191 -

ein Einverstândniß mit den einzelnen Regierungen nicht aus- schließen, vielmehr als sehr wichtig und wünschenswerth herbeizuführen suchen. Den Bundestag wird man einst­weilen als vollziehende Gewalt und als Gesammt-Organ der deutschen Staaten ansehen und vielleicht, ja wahrschein­lich, tritt man einer Umwandlung desselben in eine ständige Reichsregierung nicht entgegen.

Sehr erfreulich ist der Ausgang der Verhandlungen über den bekannten Raveaurschen Antrag in Betreff des constituircnden Landtags zu Berlin. Nachdem die Durch- sprechung und Durchkämpfung des Gegenstandes und die Nachverhandlungen darüber in einer Weise Statt gefunden, daß der Präsident den Ausspruch thun mußte und taktvoll that, es liege darinBelehrung für sie Alle," ward der Werner'sche Vermittlungs-Antrag fast einmüthig (nur einige und zwanzig Stimmen von der äußersten Rechten dar, unter der bekannte Freiherr von Vincke waren dagegen) angenommen. Danach soll die Reichsversammlung das deutsche Verfassungswerk im möglichsten Einverständnis mit den Regierungen zu Stande bringen, nöthigen Falles aber selbstständig darüber entscheiden, und keine Verfassung der Einzelstaaten soll Etwas enthalten dürfen, was mit der Reichsverfassung in Widerspruch steht. Dieser Beschluß ist unendlich wichtig; damit hat die deutsche Ein­heit, wenn auch zunächst nur formell/ gesiegt. Mdgte sie auch bald in Wirklichkeit dastehen!

Die neuesten Vorgänge in Wien berechtigen zu den besten Erwartungen.. Die Zugeständnisse vom 15. u. 16. Mai sind bestätigt; die akademische Legion besteht unver­ändert; das Militair ist in die Kasernen zurückgezogen und soll künftig nur in Folge ausdrücklicher Aufforderung von Seiten der Nationalgarde zur Unterstützung derselben Aufgeboten werden können; die Wachen an den Thoren werden von Bürgergarden und Studenten allein bezogen; der Ausschuß von Bürgern, Nationalgarden und Studen­ten, um für die Ordnung und Sicherheit der Stadt und die Rechte des Volkes zu wachen," ist vom Ministerium anerkannt und seine Beschlüsse sind genehmigt worden; der Kaiser ist dringend ersucht worden, in kürzester Zeit (innerhalb 14 Tagen) nach Wien z u r ü ckz uke h r en oder einen kaiserlichen Prinzen als Stellver­treter zu ernennen." Das wird der Anfang zur Theilung der Erzherzöge sein.

In Frankfurt riefen mehrere Oesterreicher, als man bei der Debatte über den Raveaurschen Antrag daran er­innerte, es habe noch kein Oesterreicher gesprochen, in sol­chen gemeinsamen Fragen gebe eskeine Oesterreicher, son­dern nur Deutsche;" in Prag hat man (wohlgemerkt von Czeckischer Seite) einVereinigungsfest" der Czechen und Deutschen" zu Stande gebracht, was ungefähr so viel zu beveuten hat, als Unterdrückungsfest der Deutschen. In Prag soll ein solches Einschüchterungssystem herrschen, daß nur verstohlene Mittheilungen über die Grenze gelangen, und dabei läßt man diefreie Presse" beim Vereinigungs­fest hoch leben. Man stellt einstweilenOesterreichs Freiheit, Oesterreichs Einheit, Oesterreichs Selbst­ständigkeit" als Höchstes und Gemeinsames auf und denkt auf solche Weise zunächst von Deutschland loszukom­men; nachher wird man dieEinheit Oesterreichs" durch Beförderung der Theilung der Erzherzöge schon zu besei­tigen wissen. Möge Deutschland baldigst und zwar mit Nachdruck darein reden!

Die Dänen haben in Schleswig-Holstein neue An­griffe gemacht; sie sind plötzlich am 28. Mai von Alsen aus gelandet, haben bei Sundewitt die Truppen des 10. Armeekorps (Hannoveraner, Braunschweiger, Oldenburger und Mecklenburger) angegriffen und geschlagen, wenigstens zum Weichen genöthigt. An demselben Tage wurde der vielbesprochene und vielgefürchtete Waffenstillstand erwartet. So recht! nun wird derdeutsche Michel" wohl wieder warm werden. Das rettet uns wenigstens vor einem schimpf­lichen Waffenstillstand und vor einem noch schimpflicheren Frieden. Und die Staaten des zehnten Armeecorps, na­mentlich Hannover, haben die Schlappe durch ihr auffal­lendes Zögern mehr als zehnfach verdient. Mögen sie nun als Deutsche die Scharte bald wieder auswetzens Und möge auch Preußen mehr Eifer für die deutsche Sache zeigen, als für seine Berliner Bedenklichkeiten! Möge ganz Deutschland mit allem Eifer ans Werk gehen, um einem Zustande ein Ende zu machen, der uns wieder in höchster Schiväche erscheinen läßt und auf die schmählichste Weise in der Achtung der Völker herabsetzt!