- 175 —
Triumvirat nach unserer Meinung die unseligste Regierungsform wäre, auf die man verfallen konnte); allein reserviren zu wollen, daß die Verfassungen und Rechte der einzelnen Staaten nicht beeinträchtigt werden sollen, das ist doch zu arg.
Oesterreich wird vielleicht aus seiner Sonderstellung durch den Gang der Ereignisse noch herausgerissen. Das Zerfallen der „Oesterreichischen Monarchie" rückt näher und näher. Es wäre für Deutschland nur ein Gewinn, wenn dieses gänzliche Zerfallen nach den nationalen Elementen durch die Tschechisch-slavischen Bestrebungen, durch die reactionären Machinationen der Adelspartei und durch das Wühlen und Schüren der Republikaner, wie dazu alle Hoffnung ist, baldigst herbeigeführt würde. Daß die Trennung über kurz oder lang geschehen wird, ja geschehen muß, leidet keinen Zweifel. Der bisherige Zustand ist ein widernatürlicher und somit unhaltbarer. Sobald das Herz des guten Kaisers zu den Kapuzinern gebracht sein wird, wenn nicht früher, theilen sich die Erzherzoge in die verschiedenen Bestandtheile der Metternichschen Monarchie, oder vielmehr die verschiedenen Bestandtheile werden sich in die Erzherzöge theilen, wenn sie deren bedürftig sind. Für Deutschland kann's dann nur von Interesse sein, welcher Theil sich zuerst ablöst und wo der Schwerpunkt bleibt. Die Flucht des Kaisers hätte in dieser Hinsicht sehr bedeutungsvoll werden können, wenn sie nach Pesth oder Brünn statt nach Innsbruck gegangen wäre. Doch kann sie auch jetzt schon verhängnißvoll genug wirken, wenn die Wiener Pfahlbürger und Wohllebemänner sich nicht vernünftig betragen. Die Hof-Adels-Partei hat sehr schlau gerechnet, die Republikaner haben sich verrechnet, und die Studenten und das Central-Comitè der Nationalgarde werden Mühe haben, die am 15. Mai errungenen Coneessionen zu sichern und zur Verwirklichung zu bringen. (Diese Concessionen sind bekanntlich: „Zurücknahme der (plötzlichen) Aufhebung des Central- Comitès der Nationalgarde und der akademischen Legion; 2) Zusicherung, daß kein Militair ohne vorheriges Ansuchen der Nationalgarde in der Stadt requirirt werden dürfe; 3) gleichmäßiger Nachtdienst in der Burg und Stadt von Seiten der Nationalgarde und des Linienmilitairs, und 4) Bestimmung, daß die Verfassung vom 28. April 1848 erst zur Berathung der constituirenden Reichsstände in einer Versammlung gebracht werden soll.) —
In Preußen ist am 22. Mai die constituirende Versammlung vom König in Person eröffnet worden. Die Eröffnungs-Rede klang ganz anders als die berühmte vorjährige, war auch viel kürzer, wurde auch vom Könige nicht frei gesprochen, sondern nach einem saubergeschriebenen Minister-Entwürfe abgelesen. Hinsichtlich der Gestaltung Deutschlands heißt es darin: „Die Einheit Deutschlands ist mein unverrückbares Ziel, zu dessen Erreichung ich Ihrer Mitwirkung mich versichert halte." —
In Sachsen ist die Stände-Versammlung am 21. Mai eröffnet worden. Der König erklärt sich in der Thronrede zu den Opfern bereit, welche die llmschaffung des deutschen Staatenbundes in einen „Bundesstaat" von den einzelnen Souveränen erheische und hebt hervor, daß die künftige Verfassung Deutschlands durch Vereinbarung mit den Regierungen festgesetzt werden müsse. Eine solche Vereinbarung ist gewiß wünschenswerth und wird auch von der Nationalversammlung sicher angestrebt werden. Die „Volks-Souveränität,, und der bekannte Beschluß des Vorparlaments stehen dabei nicht im Wege, so wenig, wie man in der Kasseler Volkssammlung am 16. Mai bei. Annahme der Adresse an die National-Versammlung von der Ansicht ausgegangen ist, die constituirende Versammlung müsse ausschließlich und ohne Mitwirkung der Bundesversammlung, beziehungsweise der einzelnen Regierungen das deutsche Verfassungswerk aufrichten. Eine das Gegentheil annehmende, mit Z bezeichnete Correspondenz im Frankfurter Journal beruht auf einem großen Irrthume; von einem „Stoße", welchen das „constitutionelle Prinzip" erlitten habe, kann gar nicht die Rede sein. —
Die Bundesversammlung, „als gemeinschaftliches Organ" der deutschen Regierungen, und „aufrichtig huldigend dem neuen Geiste der Zeit" hat „den National-Vertretern" in einer würdigen Begrüßung „die Hand zum Willkommen," gereicht und ihnen „Heil und Segen" gewünscht. Möge der Geist, welcher sich hierin ausspricht, dauernd fein und möge man von allen Seiten das Richtige und Beste erkennen und festhalten!
Die Jenaer Burschenschaft Germania hat einen „Ausruf an alle deutschen Burschenschafter" zu einer Versammlung und Besprechung aus der Wartburg in den Tagen des bevorstehenden Pfingstfestes erlassen. Auch die „alten Burschenschafter" sind herzlich eingeladen. „Möge ihre