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auch eine sehr praktische erhoben. Jeder, der einmal bei Helgoland den alten Adam in Seewasser getaucht hat, weiß gewiß von dem talentvollen Schiffsbauer, Lootsen, Raths- schrciber und Schriftsteller I. Andresen Siemens. Er ist ja der eigentliche Gründer des dortigen Seebades. Als Wienbarg sein Tagebuch von Helgoland schrieb, zimmerte Siemens die besten Segler des kleinen Eilandes; Wienbarg vergleicht ihn mit Peter dem Großen. Allein das Zimmern reichte für den strebsamen Geist des Mannes nicht aus. Eine unglückliche Rechtssache seines Vaters drückte ihm die Feder in die Hand, er schrieb über Assekuranz-Angelegenheiten, über den Eid dabei, über das Lootsenwesen, über die Zukunft Helgolands u. s. W. „Siemens ist ein unruhiger Kopf," sagen die Helgoländer; gewiß ist, daß sich Pläne über Pläne in seinem schöpferischen Geiste bilden, und daß er seine Landsleute bei weitem überragt. Er wurde vor einigen Jahren Rathsschreiber und die rechte Hand des Gouverneurs. Allein seine Neuerungssucht — und Herrschsucht, wie die Rathmänner hinzufügen, — stürzte ihn; er suchte in London Remedur; ob er sie erlangt hat, weiß ich nicht, bezweifele es aber, denn die Colonial-Minister pflegen Neuerungssüchtler nicht eben gern zu unterstützen. Siemens ist ein treuer Anhänger des deutschen Wesens. Das hat ihm jetzt auch ein Schriftchen über die deutsche Flotte dietirt, welches vielfach die größesten Lobsprüche findet. Sein Vorschlag geht dahin, von Bundes wegen eine Menge kleinerer Schiffe in der Art zu bauen, daß sie in Friedenszeiten auch zu Frachtfahrten und Packetviensten zu gebrauchen sind, in Kriegszeiten aber augenblicklich zur Deckung der Küsten in den Stand gesetzt werden können, da ein sofortiges Erbauen großer Linienschiffe sehr kostspielig und bei gegenwärtigem Mangel an Offieieren auch gänzlich unnütz sei. Auch die Einzelnheiten sollen von eben so viel Umsicht als Sachverstand zeugen. Möge man das Schriftchen in Frankfurt nicht unbeachtet lassen und den Verfasser für die deutsche Kriegswerften zu gewinnen suchen! Fr. O.
Uebersicht der Tagesereignisse. Cassel, 26. Mai.
Die bisherige Haltung der constituirenden National- Versammlung zu Frankfurt, wofür man passend die Bezeichnung „verfassunggebende Reichsversammlung" oder schlechtweg „Reichsversammlung" vorgeschlagen hat, ist eine
ruhige und würdige; möge es ihr daneben niemals an Kraft und Entschiedenheit fehlen. Die Kaiser-Idee hat, wie es scheint, keine Hoffnung auf Verwirklichung; selbst die deutsche Zeitung deutet dies jetzt an, wenn sie auch freilich bei ihrer Ansicht beharret und es sich nur gefallen läßt, „daß man die stolze Pyramide, die sie bauen »vollen, auf einer niedern Schichte abgestumpft stehn lasse" und einer „kühnern Zeit" es Vorbehalte „die abschließende Spitze daraufzusetzen." Sie meint, „Krieg und der Drang der Noth werden zu anderer Zeit auf sie hinführen." Das wäre allerdings, wie wir schon früher dargelegt haben, die einzige Art, der Kaiser-Idee Eingang und wahren Boden zu verschaffen. Dagegen wird man hoffentlich in Frankfurt um so entschiedener und mit eiserner Unwandelbarkeit darauf bestehen, eine tüchtige Grundlage für die Einheit Deutschlands, gegenüber den beklagcnswerthen partikulari- stischen Bestrebungen, zu gewinnen. Mit Vergnügen erfahren wir, daß mehrere hannoversche Reichstags-Mitglieder sich sehr mißbilligend über das blamabele Benehmen Stüve's und die jämmerlichen Bravo's der zweiten Kammer in Hannover, ausgelassen haben. Mögte Stüve noch zur Besinnung kommen; es sollre uns leid sein, wenn man genöthigt wäre, Hannover mit Altbaiern in eine Klasse zu werfen. Von Altbaiern konnte man das Schlimmste vermuthen, von Hannover durfte man wenigstens ein verständiges Erfassen der Gegenwart hoffen.
Baiern hatte bekanntlich, als die f. g. Siebenzehn den Entwurf der Reichsverfassung ausarbeiteten, keinen „Vertrauensmann" zu Frankfurt; dagegen ist es jetzt mit einem eigenen Entwurf zu einem Reichsgrundgesetze herausgerückt. Und mit was für einem! Kein einheitliches deutsches Heerwesen, dagegen neben einem „Parlamente in zwei Kammern" noch ein „Reichstag der Fürsten" und ein «„Directorium" mit einem Ministerinn!! Das ist des Guten Venn doch allzu viel! Die guten Baiern werden es billiger thun müssen. Schade, daß König Ludwig abgedankt hat; jetzt hätte er Gelegenheit, „deutschen Sinnes immer gewesen seiend, Deutschlands Einheit zu fördern," Wittelsbacher Sonderbündeleigelüste, einheitliche Bildung störende, bekämpfend. — Beschränkte man sich noch darauf, das Direktorium zwischen Oesterreich, Preußen und Baiern wechseln zu lassen oder es durch gleichzeitige Theilnahme dieser Staaten zu bilden, so könnte man sich ein solches Vordrängen noch eher gefallen lassen, (obwohl ein