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Wundesstaates mit gleicher Berechtigung aller Glieder han­delt, sich laut aussprechen gegen jede Unterordnung Oestreichs unter die allgemeinen Interessen. Und ebenso wenig würde sich ein großer Theil der übrigen Fürsten und Nationali­täten, Baiern an der Spitze, der Suprematie irgend eines Einzelnen willig unterwerfen, während keine Kränkung des partikulären Nationalbewußtseins darin enthalten ist, wenn sich der Gesammtheit der Staaten jeder einzelne derselben gleichberechtigt unterordnet. Vielleicht könnte es geschehn, daß in der Nationalversammlung sich eine genügende Ma­jorität für ein Kaiserreich zusammenfindet, so lange die Wahl noch unentschieden ist und jede Nationalität die Ehre des Siegs für sich hofft. Doch so wie die Würsel gefal­len sind, würde sich diese Majorität in arger Zerrissenheit spalten. Denn wie auch das stolze Wort des einigen Deutschlands von jedem Munde tönt , wie überall die schwarz-roth-goldnen Farben leuchten, doch haben wenige Monate das Gefühl des Partikularismus nicht zu tilgen vermögt; das beweisen nur zu viele schmerzliche Erfahrun­gen der neuesten Zeit. Wir müssen glauben, daß die Wahl eines deutschen Kaisers die Eifersucht der Fürsten und den Neid der Nationalitäten gegen die begünstigte Haus- mackt des Alleinherrschers wach rufen, daß sie das Losungs­wort sein werde für Deutschlands Zerrissenheit und für eine schlimmere, als die während des lockern Verbandes der letzten 30 Jahre. Denn Deutschland könnte in zwei feindliche Lager gespalten werden und wir könnten von Neuem einen Kampf der österreichischen und preußischen Politik um Deutschlands höchste Güter erblicken.

Wenn wir somit die territoriale und monarchische Ge­staltung Deutschlands als einen natürlichen Feind des Kaiserreichs zu betrachten haben, so findet sich auf der ent­gegengesetzten Seite ein nicht minder entschiedener Gegner desselben. Die Partei der Republikaner ist schon jetzt mächtiger, als man oft glaubt; sie wird aber, dafür bürgt uns die Regsamkeit und zum Theil die Gewissenlosigkeit dieser Partei, von Jahr zu Jahr, besonders in den Städten, ihren Anbang vermehren. Ein großer Theil derselben würde zufrieden sein, wenn dem Gesammtstaate eine repu- plikanische Form gegeben würde; unter dieser Vor­aussetzung würde er der monarchischen Negierungsform in den einzelnen Staaten und den monarchischen Elementen in der Reichsverfassung sich fügen und wohl übersehn, daß in der föderativen Natur des Reichs eine Kräftigung der

einzelnen Monarchien liegt. Wenn Ihr aber eine erbliche Majestät mit einer reichen Civilliste und einem glänzenden Hofstaate, wie er dem Ruhm und der Größe Deutschlands ziemt, an die Spitze des Vaterlands stellt, so schneidet ihr zu tief in die festgewurzelten Ideen von der allein selig­machenden Staatsform ein, als daß nicht ein gewaltiger Widerstoß statt finden würde. Ihr erweckt auch in der Mitte des Volks einen gewichtigen Feind, welcher ebenfalls die Einheit Deutschland zu dem, vielleicht unbewußten Ziele seiner Angriffe machen würde.

Deutschlands Macht nach Außen, wir wollen es glauben, würde sichrer geschützt durch die Hand eines kräf­tigen Einzelherrschers, als durch eine vielköpfige Regie­rungsgewalt. Wer bürgt uns aber dafür, daß der Erbe des Deutschen Kaisers nicht ein Schwächling ist, der zau­dernd und zagend das Schwert in der Scheide ruhen läßt? In und für Zeiten der Gefahr müssen große, dem Augen­blick gewachsene Männer an die Spitze gerufen werden und daß die Wahl den richtigen treffe, dafür bietet die aus vielen Stimmen zusammengesetzte Bundesgewalt bei weitem größere Garantien dar, als der ost von Launen und äuße­ren Einflüssen gelenkte Wille des Einzelherrschers. Und dann: Deutschland kann nur stark sein, wenn es einig ist; die Uebermacht des Kaisers bedroht aber Deutschlands Einigkeit und folglich auch seine Macht.

Deutschlands Freiheit soll genügend gesichert sein durch seine freisinnige Verfassung. Und wahrlich die XVII. bieten uns eine reiche Gabe köstlicher Geschenke. Aber sie können uns nichts geben, als Worte, die, mögen sie auch verbrieft und beschworen werden, so lange todt bleiben, als ihnen der übereinstimmende Wille der Staats­gewalt und des Volks nicht den wahren Geist einhaucht. Das haben wir Kurhessen vor Allen gelernt; denn unsre Verfassung enthält fast Alles, was Deutschland jetzt em­pfangen soll, und wir haben fast Alles entbehrt. Sollte aber nicht größere Sicherheit für die getreue und fortschrei­tende Entwickelung unserer Institutionen geboten sein, wenn die Gesammtheit der Regierungsrechte einzig und allein in den beiden großen Korporationen der Vertreter der Regie­rungen und des Volks ruht, als wenn der mächtige Wille eines Einzelnen hinzutritt, welcher allen Schwächen der menschlichen Natur unterworfen ist und nur zu gern der süßen Gewohnheit des Herrschens sich hingiebt? Können wir wünschen, Deutschlands Geschicke von dem mächtigen