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Störungen, die man vom „Horaser Bock" erwartete, sind nicht eingetreten; die einzelnen Zünfte regen sich nach allen Seiten; Jeder will haben und Keiner mehr etwas geben; das ist so ziemlich der Grundton unsrer ganzen Bewegung, tt
Anfragen, Rügen und Wünsche.
Noch immer hat die Post keine Briefkasten für un- frankirte Briefe in den verschiedenen Stadttheilen anbringen lassen. Wir werden von nun an in jeder Nummer auf diesen Gegenstand zurückkommen und hoffen, daß dies nicht mehr all zu oft erforderlich sein wird, widrigen Falles wir jedes Mal an den Ausspruch des Herrn Robert Mohl auf dem Volkstage zu Frankfurt erinnern würden.
Ein in Nr. 11 der neuen hessischen Zeitung enthaltener Aufsatz über Reform in Kirche und Schule rügt die Theil- nahmlosigkeit dieser beiden Organismen an den allseitigen Reformbestrebungen der Zeit, indem die Fragen aufgeworfen werden: „stehen vielleicht Kirche und Schule auf der Höhe unserer Zeit? Sind hier keine Mißstände abzuschaffen, keine Reformen nöthig ? Oder ist diese Stille die Ruhe der Apathie, die Ruhe des Todes?" Die Schule trifft dieser Tadel nicht mehr; denn sie hat sich tüchtig geregt, und sucht sich verdrückenden Fesseln zu entledigen. In der Kirche ist aber noch nicht eine Stimme laut geworden, die auf die Mißstände und Gebrechen derselben hingewiesen, noch viel weniger deren Beseitigung gefordert hätte. Und doch ist gerade bei ihr eine gänzliche Reform mehr, als bei jedem andern Organismus, dringendes Bedürfniß. Die Verfassung unserer Kirche bedarf einer totalen Umgestaltung; und da diese nur von ihr selbst ausgehen kann, so muß die in der Verfassungsurkunde verheißene Berufung von Svnoden zur Wahrheit werden. Synoden können aber nur den alten Sauerteig wegschaffen, der sich im Innern der Kirche befindet, nicht aber auch eine selbstständige, freie, unabhängige und sachgemäße Stellung der Prediger herbeiführen. Diese liegt vielmehr in der Hand des Staates. Hinweg darum mit jener Theilnahm- losigkeit und Ruhe, gel. Amtsbrüder. Lasset uns mit Ernst und Beharrlichkeit die Reform, und mit derselben ein frisches, kräftiges Leben der Kirche erstreben, und deßhalb die endliche Berufung der zugesicherlen Synoden gemeinschaftlich fordern. Lasset uns vereinigt bei der dermaligen
Ständeversammlung darauf dringen, daß wir unabhängig und sorgenfrei nur unserem Berufe leben können; daß ein gesichertes, festes, mit den Dienstjahren steigendes Einkommen uns vor geisttötenden Nahrungssorgen eben so wohl, als vor bäuerlichen Beschäftigungen, die so leicht zum Verbauern führen, überdieß auch die ergiebigste Quelle vielerlei Unannehmlichkeiten sind, befreie; und daß vor Allem die Stolgebühren abgeschafft werden, die gleich schmachvoll und verletzend für den Empfänger wie für den Geber sind. L.
Briefkasten und Briefwechsel.
G. H. zu V. Wir bitten um Bezeichnung des De- putirten, an welchen der Aufsatz abgegeben werden soll. — Dr. Grau zu Sontra übersendet von siebenzehn ordentlichen Mitgliedern des Meisnerischen ärztlichen Vereins den Betrag von elf Thalern 5 Sgr. für Herrn Dr. Eichelberg; besten Dank und diese Bescheinigung! F. erinnert an die noch immer fehlende Besetzung des Ministeriums der auswärtigen Angelegenheilen. Seit Jordan Bundestagsgesandter und Wippermann in Frankfurt ist rc., schien uns der Gegenstand nicht von großer materieller Bedeutung, doch wird und muy das Ministerium des Aeußern bald einem Manne übertragen werden, der längst von Jedermann als der fähigste und feinste Kopf anerkannt worden ist. — Eine andere hochverehrte Stimme von hier macht auf Wilhelm von Schenck (dermalen zu Sigmaringen) aufmerksam und wünscht, daß derselbe zurückberufen werde, da Hessen keinen Uebersiuß an geistvollen, kenntnißreichen, charaktervollen und gesinnungstreuen Männern habe, Herr von Schenck aber ein Mann sei, der „eben so edel und gesinnungsvoll als sein würdiger Vater sei, diesen aber an Thatkraft, Kenntnissen und Festigkeit des Characters übertreffe." Wegen des sonstigen Inhaltes des geehrten Schreibenschehalten wir uns besondere Rücksprache vor. —
An die Kasseler Sänger!
Es ist von vielen Seiten der Wunsch ausgesprochen, es mög- ten sich alle hiesigen Sänger von Zeit zu Zeit zu gemeinsamen öffentlichen Vorträgen vaterländischer Lieder vereinigen. Um die Ausführung dieses Wunsches anzubahnen, laden wir im Namen der hiesigen Gesangvereine Harmonie, Liedertafel und Quartett-Verein alle Männer unserer Stadt, die bisher keinem der genannten Vereine angehören, gleichwohl aber zur Mitwirkung befähigt und mit unserm Vorschläge einverstanden sind, hierdurch ein, von heute an bis Sonnabend den 13. d., Abends 6 Uhr, bei einem von uns zur Theilnahme an der nächsten derartigen Aufführung, die möglichst bald stattfinden wird, sich anzumelben. An demselben Abend, also Sonnabend den 13. d., um 7 Uhr, wird dann ohne eine weitere Aufforderung im Stadtbau eine Versammlung aller angemeldeten Sänger gehalten werden, in welcher zunächst der ganze Plan gemeinsam besprochen, dann eine Anzahl von Liedern zur Auswahl vorgelegt und nach Befinden gesungen und schließlich sofort Zeit und Ort der nächsten gemeinschaftlichen Probe bestimmt werden soll.
Kassel, den 8. Mai 1848.
H. F. Keßler. J. Braun. Ad. Harnier.
Martinistr. (ob. Gasse) 40. Holzmarkt 127. Mittelgasse 213.
Redakteur Fr. Oetker. — Druck und Verlag von Theodor Fischer in Cassel.