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inerten Gesinnung, nicht bloß als Form einer äußern Ehrenbezeigung hätte erscheinen können. Als König von Ler katholischen Kirche ausgestoßen wurde, da hätte ihn die evangelische Universität unter ihre Doetoren aufnehmen sollen; als der Staat ihn mit dem Titel „Obergerichts- Secretar" ärgerte, da hätte ihn die Universität mit der Doctorwürde erfreuen können; als mißliebige Professoren beliebig suspendirt wurden, da wäre es an der Zeit gewesen, zu zeigen, daß man mißliebige Schriftsteller auszuzeichnen wage: allein jetzt — nun ja, jetzt ist Lie Ernennung zwar noch ein artiges und gelehrtes Com- Pliment, aber sie ist keine bedeutsame That mehr. Ein recht artiges und gelehrtes Compliment! Das Doetor- Diplom des Gefeierten ist nämlich, wie nicht anders zu erwarten, in lateinischer Sprache abgefaßt und enthält deßhalb eine Fülle jener prachtvollsten Superlative in issimo und issimi, wie nur die lateinische Sprache unserer Gelehrten sie bietet. Und wie wissen die Herren diese Sprache zu handhaben! Kein einziger grammatischer Fehler! dagegen, fast wie in sonstigen lateinischen Universitäts- Gelegenheits- Reden, Eramen-Fragen, Schriften, und eine Classieität, daß selbst Cicero zum Verständniß keine Uebersetzung nöthig haben würde, wenn er nur hinreichend deutsch verstände und Scheller's Lericon und einige andere Hülfsmittel zu Rathe zöge. Das macht der Universität ebenfalls Ehre! Noch mehr Ehre würde es ihr freilich machen, wenn sie dem deutschen Dichter in deutscher Sprache und deutscher Weise ihre Verehrung bekundet hätte. Sonderbar! in Deutschland ist doch Alles möglich! Am 25. April 1848 — aus Marburg — für Heinrich König — ein lateinisches Doctor- und Magister - Diplom! — Die geehrten Leser und Leserinnen müssen entschuldigen, wenn ich die denkwürdige Urkunde nicht in ganzer Ausdehnung hier mittheile. Was würde eine solche Mittheilung auch nutzen? Wird die schöne Leserin z. B. um ein Haar breit klüger, wenn ich ihr die vier Eingangs- und Anfangsbuchstaben 0 D. B V. hierhersetze? Gelangt sie selbst dann zum Verständniß, wenn ich ihr sage, diese Buchstaben bedeuten: Quod Deus bene vertat ? — Und weiter: „Auelorilale ac sub auspi- ciis augustissimi ac potentissimi domini, domini“ je. — wie viel Raum dieser raumarmen Blätter hätte ich nöthig, um die ganze Bedeutung dieser großartigen Worte, insonderheit des doppelten domini, hervorzu heben und gehörig begreiflich zu machen! Ich müßte bis auf Caesar
Augustus , bis auf den Ursprung des „heiligen römischen Reichs deutscher Nation" zurückgehen, dessen Kaiser von den Gelehrten ebenfalls „Augustissimi ac potentissimi“ und „allezeit Mehrer des Reichs" genannt wurden, selbst dann noch, als sie längst nicht mehr potentissimi d. h die Mächtigsten waren, und als vom Heiligen römischen Reiche ein Stück Land nach dem untern abgerissen und die deutsche Nationalität mit Füßen getreten wurde. — Und nun gar die „jura ac privilegia“, die Rechte und Privilegien eines Doctors der Philosophie und Magisters der freien Künste — wer könnte die in einem Athem aufzählen, ja wer könnte nur damit beginnen, ohne schon beim Beginnen zu stocken?! Wahrlich, ich würde in Verlegenheit kommen, wenn ich dem Dichter die Gerechtsame entwickeln sollte, die er augenblicklich oder gar nach acht Wochen als Doctor der Philosophie und Magister der freien Künste zu genießen haben wird. Ich würde nur sagen: lieber König! Ehren- und ehrenwerther Doctor der Philosophie, wie auch Magister der freien Künste! bedenken Sie, daß Heuer derjenige König seiner Krone am sichersten ist, der bei Hoheit Verdiensten die wenigsten Rechte in Anspruch nimmt.
Fr. Oelker.
Landtag.
In der Sitzung vom 9. Mai wurde der Entwurf eines „Gesetzes, die Aufhebung der Jagdgerechtsame und die Verhütung des Wildschadens betreffend" berathen und nach langen und vielfachen Reden und Gegenreden angenommen. Wir waren vom Anfänge bis zu Ende der Durchsprechii ng zugegen. Das war aber kein geringes Stück Aibeit: ein Mal wegen Kopfwehs; zweitens, weil die Sonne impertinent in den Saal schien; duitenS, weil es gleichwohl in verschiedenen Köpfen, die wahrscheinlich ebenfalls Kopfweh hatten, nicht hell werden wollte; viertens, weil der Herr Dcputirte Kraiiß drei oder vier Anträge stellte, von denen der erste schnurstracks gegen einen eben gefaßten Beschluß ging, dem anderen ein eben gefaßter Beschluß schnurstracks entgegen war, und der diitte oder vierte so dunkel und verworren klang, daß wir nichts davon verstanden haben, als einige Dutzend Male das Wort „rot- ten" oder „ausrotten" oder etwas Aehnliches. Herr Krauß würde sich ein großes Verdienst erwerben, wenn er einmal nach Schwetzingen reifete und einen der Sprüche in. der dortigen Moschee genau ins Auge faßte, d. h. nicht bloß