Einzelbild herunterladen
 

108

der Militäretat herabgesetzt würde, der Geschäftsgang bei den Behörden vereinfacht und dadurch manche, mit schönen Gehalten verbundene, Stellen für die Zukunft überflüssig würden, wenn die Besoldungen der s. g. Nebenstellen, de­ren Rechtmäßigkeit mir nicht einleuchten will, da ein Staats­diener schon ohne dieß, wegen der mit seiner Hauptstelle verbundenen Besoldung, verpflichtet ist, seine Kräfte unge- theilt dem Staat zu widmen, abgeschafft würden, wenn das Postregal in Zukunft nutzbarer gemacht würde, wenn die Staatsdomänen, zur Erzielung höherer Pachtgelder, stets öffentlich meistbietend verpachtet würden u. s. W.: dann, sollte ich denken, könnte man auch die Holz- und die Salzpreise, die Stempel- und Gewerb-Steuer u. s. W. heruntersetzen und dadurch der Armuth zu Hülfe kommen. Auch würde dann wohl noch der Staat Mittel übrig be­halten, um zur Verhütung der Bettelei und des Müßig­gangs, Staats-Arbeitsanstalten zu gründen, worin ar­beitslose Arme gegen einen geringen Lohn beschäftigt wer­den könnten, um unsere Gefängnisse und Strafanstalten verbessern zu können, um ohne Gefahr für die Staatskasse, die Landesereditkasse wieder uneingeschränkt zu eröffnen, um, unter Mitwirkung der betreffenden Gemeinden, für jedes Amt oder für jeden Kreis Hülfskassen zu errichten, aus denen der in Noth gerathene arme Mann gegen billige Zinsen Vorschüsse erhalten könnte und dann nicht nöthig hätte, dem Wucher in die Hände zu fallen, um Frucht­magazine zur Verhütung von übermäßiger Theurung anzu­legen, um die Gehalte der armen Schulmeister zu verbessern, und so ihnen zur Ausübung ihres so unendlich wichtigen Amtes die nöthige Berufssreudigkeit zu gewähren u. s. w.

Auch halte ich mich überzeugt, daß eine mehr ratio­nelle Betreibung der Landwirthschaft unseren Boden weit besser, als wohl hier und da geschieht, ausbeuten könnte, so wie, daß in der leider an vielen Orten überhandge- nommenen Sittenlosigkeit und Unmäßigkeit im Genuß geistiger Getränke und dem gesteigerten Kleiderlurus der Grund zum Verfall des Wohlstandes vieler Familien zu suchen ist. Diesen Uebelständen kann nur durch Beleh­rung und Beispiel, wozu ein Jeder von uns das ©einige beitragen muß, entgegen gewirkt werden, und wäre cs, was insbesondere das verderbliche Branntweintrinken resp, dessen Uebermaß betrifft, ganz an der Zeit, das uns verliehene Einigungsrecht auch zu Gründung von Mäßig­keitsvereinen zu benutzen. K.

Schulwesen.

Die Nr. 6 dieser Zeitung enthält einen Aussatz, über­schrieben:Noth und gedrückte Stellung der Volksschul­lehrer," dessen Hauptinhalt darauf hinzielt, daß mit der Verbesserung der Lehrer-Besoldungen, sich auch die Jugend- bildung verbessern werde re.

Dieser Gegenstand bedarf aber einer mehrseitigen Be­leuchtung, um das Wahre zu einer besseren Volksbildung aufzufinden, weil die Besoldung des Lehrers durchaus kei­nen Einfluß auf den Schulunterricht hat, und daher andere zweckdienliche Mittel nöthig fein dürften, um den Schul­unterricht zu verbessern. Ein Ortsvorstand einer Landge­meinde gibt daher eine Anschauung der Lehrer-Besoldung und der Schulhalterei seines Orts, kurzen Inhalts, in Fol­gendem zu erkennen und fragt: wer hier im größeren Nachtheile sei, der Lehrer oder die Gemeinde und wie einem solchen Uebel für letztere abzuhelfen sei?

Das Einkommen der Schulstclle besteht aus Grund­stücken, Frucht- und Geldeinnahme, welches bis zu 200 Thlr. angeschlagen werden kann, und ernährt jetzt eine Familie von 8 Personen, die einzig und allein hiervon leben, und zum Unterricht hat der Lehrer in der Regel gegen 50 schulpflichtige Kinder. Der Schulunterricht ist dem Lehrer ein ganz unbedeutendes Nebending, und werden nur Schulstunden gegeben, wenn der Lehrer Muse dazu hat und sich dann Nichts vorfindet zu einem Vorwande des Abhal­tens. Man kann annehmen, daß das Jahr hindurch wohl die Hälfte der üblich zu haltenden Schulstunden durch des Lehrers Schuld um seinen Vergnügungen nachzugehen versäumt werden, wonach abzunehmen ist, wie in einer solchen Schule die Jugendbilvung Fortschritte machen kann. Bei einem solchen Lehrer würde mit der Verbesserung sei­nes Gehaltes, der Schulunterricht sich eben um so vieles noch verschlechteren, weil dies noch mehr Reiz zur Ver­gnügungssucht bei demselben erregen würde. Darum möchte eine Verbesserung der Schullehrer-Gehalte im Allge­meinen mehr schädlich als nützlich für eine Verbesserung der Jugendbildung sein. Schullehrer von Fähigkeiten, die mit Ernst und Eifer sich die Bildung der Jugend ange­legen sein lassen, diesen möge man nach Verdienst bessere Stellen geben und ihre Besoldungen erhöhen, nicht aber solchen, welche in dem Wahne sind, daß, wenn sie ^in Schullehrer - Eramen gemacht und darin bestanden haben,