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Hessische Zeitung.

.42 1®. Sonnabend, den 22. April. E^KG«

Die Neue Hessische Zeitung erscheint bogenweise wöchentlich 2 Mal, Mittwochs und Sonnabends. Der Abonnementspreis beträgt 23 Sgr. für das Quartal, wofür alle kurhessischen Postämter und Buchhandlungen solche ohne Preiserhöhung liefern. Die int Monat März erschienenen Nummern werden den Abonnenten gratis geliefert.

Anzeigen jeder Art werden in einem Intelligenz-Blatte abgedruckt und die Petitzeile mit 1 Sgr. berechnet.

Jur Verständigung nach allen Seiten.

Als ich die Gründung und Leitung dieser Zeitschrift unternahm, habe ich begreiflicher Weise von Vorn herein darauf verzichtet, es Jedem recht zu machen.Mach' es Wenigen recht, Vielen gefallen ist schlimm," sagt Schiller; mach' es der Mehrheit recht, denke ich, denn der Aus­spruch der Mehrheit ist der einzig menschlich-richtige Ausdruck und Maßstab für die Ansichten und den Willen des Volkes. UndAlles mit dem ganzen Volke für das ganze Volk" ist die Losung dieser Blätter! Ob nun die Mehr­zahl meiner Mitbürger mit den Leistungen und der Haltung derNeuen Zeitung" und mit der Red. ins Besondere zufrieden ist, muß ich vorläufig dahin gestellt sein lassen; die mir bekannt gewordenen Unzufriedenen sind wenigstens zahlreicher, als ich früher gedacht habe. Sie zerfallen zunächst in zwei Classen, in solche, denen ich zu weit gehe, denen ich zurücksichtslos" rc. bin, und solche, denen ich zuängst­lich," zueinlenkend" verfahre, die gern mögten, daß lch derber oder doch schärfer drein schlüge und die es nicht begreifen können, warum ich früher schneidender und beißen­der geschrieben habe, als jetzt. Die Partei Derer, welche mich zu denHalbfreien" zählen, will ich gar nicht einmal rechnen. Daher Folgendes zur Verständigung und Ablehnung :

Nach reiflicher Ueberlegung kann ich den betretenen Weg nur für den richtigen erkennen und muß die bisher befolgten Grundsätze auch fernerhin festhalten. Ein Eom- plimentirbuch soll die Diene Zeitung nicht sein. Wer die herkömmlichen Schmeichel- und Unterthänigkeits-Lügen nicht entbehren kann, der lege sie immerhin bei Seite, und wer all ums dritte Wortgewogentlichst,"gehorsamst,"hoch­verehrter," oder dergleichen Redensarten brauchen muß,

wer nicht von Königen und Fürsten reden kann, ohne jeden Augenblickhoher Herr" oder garder Herr" oderaller- durchlauchtigster" oderallergnädigst" oderallerhöchstste" oderallerhöchsteigenhändig,aUerhöchsteigenfüßig" re. zu sagen und wer all seine großen Albernheiten re. auch noch mit großen Ansangsbuchstaben schreiben muß: der möge mich mit seinen Einsendungen verschonen und sich an an­dere Blätter wenden, dieNeue Zeitung" kann davon kei­nen Gebrauch machen. Ich lasse Jedem seine Freiheit. Vermag Jemand sein Naturell nicht zu bezwingen und muß er noch immer allerhdchsteigenfüßigen Tritten sub­missest entgegenkriechen, so mag er das thun, diese Zeit­schrift aber soll es nicht thun; sie ist ein Ort der freien Erörterung, der ungeschminkten Rede, ein Ort, wo Wahrheit laut werden soll, keine lügenhafte Schmeichelei in Höflings- und Bittschriften - Tone. Sie ist aber auch keine Schimpf- und Schmäh-Stube. Es soll ein würdiger Ton darin herrschen, keine Rauferei von der Gasse. Man kann das Schwerste sagen, man kann Fürsten und Könige vor Gericht stellen, man kann alle Laster und Schlechtig­keiten verfolgen und geißeln, aber man braucht darum die Schicklichkeit nicht zu verletzen und nicht in widrige Roheit zu verfallen. Je schwerer die Anklage, um so ernster und ruhiger muß das Wort sein, womit sie erhoben wird; auch die höchste Entrüstung darf der besonnenen Mäßigung nicht baar sein, trenn sie nicht an sittlicher Kraft einbüßen will.

Ferner: Man hat mir vorgeworfen, ich sei zu persön­lich geworden, ich habe die uneigennützigsten, besten Männer zum Gegenstände der öffentlichen Diskussion gemacht und habe dadurch eine Aufmerksamkeit auf sie gelenkt, die in bedauerliche Erecsse auSgeartet sei; und wiederum: ich sei zu ängstlich, ich halte Rügen zurück, weil einzelne Personen