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doch bei dem gegenwärtigen Umschwung der Dinge nur wenige Stimmen in Oesterreich für das Deutsche Parlament erhoben, und in den Erlassen der Oesterreichischen Regierung ist von einer innigeren Vereinigung mit unserm großen Deutschen Vaterland nur nebenbei oder gar nicht die Rede. Dazu kommt, daß Oesterreich gegenwärtig mit dem Ordnen seiner innern Angelegenheiten, mit den Czechen, Chrowaten, Ungarn, Galiziern, Italienern so viel zu thun hat, daß seinem Fürsten die Sorge für die Angelegenheiten Deutschlands ebenso unmöglich sein wird, als wir bei dem Ausbruch eines Deutschen Krieges jetzt schwerlich auf nachhaltige Hülfe durch die drei ersten Armeecorps des Deutschen Bundesheeres, die dieser Theil unseres Vaterlandes zu stellen hat, mit Sicherheit rechnen können. Ich glaube, es wird jedem Unbefangenen vollkommen einleuchten, daß Oesterreich seine Interessen nie in denen Deutschlands auf- gehen lassen kann, so lange der größte Theil, volle zwei Drittheile, des Staates von außerdeutschen, ganz andere Interessen verfolgenden Provinzen gebildet wird, zumal in der Gegenwart. Eben so einleuchtend ist auf der andern Seite, daß Preußen nicht nur wegen seiner fast ganz Deutschen Bevölkerung, sondern auch wegen seiner Lage als Granz- Hüter Deutschlands gen West wie gen Ost sowohl berufen, als fogar im eigenen Interesse gezwungen ist, seine Interessen, namentlich dem Ausland gegenüber, ganz mit denen Deutschlands zu identificiren; daß es in kurzer Zeir, und ohne die bedeutenden Umwälzungen in seinen innern politischen Zuständen, die Oesterreich nothwendig machen muß, mit dem übrigen, konstitutionellen Deutschland in Harmonie stehen wird; endlich daß es ein schlagfertiges Heer besitzt, welches in seiner Einheit dem Feinde gegenüber wohl ohne Frage mehr leisten wird, als die leider bis jetzt noch immer ziemlich bunte Reichsarmee unserer kleinen Fürsten zusammengenommen.
Schließlich noch ein paar Worte über die Ansicht unseres Gegners : Der König von Preußen hätte dem Thron entsagen sollen. Daß diese Ansicht in der ersten Aufregung nach den traurigen Ereignissen von Berlin vvn Vielen ausgesprochen wurde, finden wir sehr natürlich; daß sie jetzt, wo ruhige Ueberlegung dem ersten Aufwallen des Gefühls hätte folgen sollen, noch vorgebracht wird, ist uns sehr befremdend. Schwerlich hat sich unser Gegner die Frage vorgelegt: was hätte nach einer Abdankung des Königs in Preußen geschehen sollen? Hätte der Punz von Preußen
den Thron besteigen sollen? Er, den das Volk für den Urheber jener Grâuelscenen hält? Oder sein unmündiger Sohn? Unter welcher Regentschaft? Wäre nicht jede Regentschaft unter so kritischen Umständen, wie die gegenwärtigen sind, eine um jeden Preis zu vermeidende Calamität? Oder hätte die ganze Thronfolge umgestoßen, und ein anderer Prinz auf den Thron gesetzt werden sollen? Und durch wen? durch ein paar tausend Berliner Bürger, die, wie jene bekannten drei Londoner Schneidergesellen sich für das Englische Volk erklärten, ebenso erklärt hätten, das ganze Preußische Volk zu repräsentiren? Oder hätte sich aus eigener Machtvollkommenheit eine provisorische Regierung einsetzen, und den vereinigten Landtag, oder eine erst durch Urwahlen zu berufende Versammlung die weiteren Bestimmungen treffen sollen? Oder sollten die Berliner im Namen des Preußischen Volkes die Republik proklamiren? Wir sind überzeugt, daß unser Gegner, wenn er diese Fragen sich selbst unbefangen zu beantworten versucht, mit uns zu dem Resultat kommen wird, daß, nachdem jener große politische Fehler der Schlacht in den Straß n begangen war, kein größeres Unglück für den Preußischen Staat, ja für ganz Deutschland hätte geschehen können, als eben durch die von unserem Gegner geforderte Thronentsagung. Nein, danken müssen wir es diesem Monarchen, daß er nicht um den ersten Fehler wieder gut zu machen, einen zweiten weit größeren begangen; der erste läßt sich vergessen, der zweite hätte sich nie repariren lassen, sondern Preußen und ganz Deutschland in die unsäglichste Verwirrung gestürzt. Ph.
Der deutsche Woltstag. (Fortsetzung.)
Ich kehre zum Struveschen Anträge und dessen Rede zurück. „Deutsches Volk," schloß er, „dies sind die Grundsätze mit deren Hülfe allein Deutschland, — unseres Erachtens, — glücklich, geachtet und frei werden kann. Deutsche Brüder in Ost und West, wir fordern euch auf, uns in dem Bestreben zu unterstützen, uns auch die unveräußerlichen Menschenrechte zu verschaffen. Wir werden in Frank- furt am Main vereinigt bleiben, bis ein freigewähltes Parlament die Geschicke Deutschlands leiten kann. Mittlerweile werden wir die erforderlichen Gesetzesvorlagen entwerfe^