Hessische Zeitung.
â^ 40» Sonnabend, den 15. April. R8 L8«
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Wahlen zur deutschen National -Ver- sammlnug.
jn der vorigen Nummer wurde erwähnt, daß eine Anzahl patriotischer Männer sich hier vereinigt habe, um die Wählenden mit tüchtigen Männern zur Absendung nach Frankfurt bekannt zu machen. Diese Männer haben am 12. April eine sehr zahlreiche Volksversammlung veranlaßt und die Ernennung eines Wahlcomitos in Vorschlag gebracht. Die Wahl desselben wurde sofort vorgenommen und zwar in der Weise, daß aus allen Klassen der hiesigen Einwohner eine entsprechende Anzahl Mitglieder, im Ganzen 25, auscrfehen wurden. Dies Comite hat ein bestimmtes „politisches Glaubensbekenntniß" aufgestellt und zugleich für die verschiedenen Wahlbezirke Candidaten in Vorschlag gebracht, bei denen es die Billigung jenes Bekenntnisses „voraussetzt". So ist für den ersten Wahlbezirk Schwiar- zenberg, für den zweiten Oetker, für den dritten W ipp ermann, für den vierten Bernhardi und Knobel re. in Vorschlag gebracht worden. Henkel ist für den siebten bezeichnet worden, während eine andere Candidaten-Liste ihn für den vierten Bezirk (Wolfhagen, Zierenberg re.) bestimmt. Es wäre sehr zu wünschen, daß in dieser Beziehung eine Verständigung Statt fände, damit nicht eine Stimmenver- splitterung und dadurch eine Minoritäts-Wahl herbeigeführt werde. Herr Henkel wird sicherlich von seinen bisherigen Landtags - Committenten auch zum Vertreter in Frankfurt ausersehen sein. Die Bezeichnung Schwarzenbergs für Kassel re. wurde in der Volksversammlung vom 13. April, wie nicht anders zu erwarten war, mit «»getheiltem Beifall gut geheißen; seine Erwählung ist daher ziemlich zweifellos. Auch das ausgestellte Glaubensbekenntniß fand allgemeine
Billigung; namentlich sprach sich die Versammlung für die „constitutionelle, repräsentativ-monarchische Regierungsform" durch lebhafte Einstimmung in ein von Herrn Hahndorf hierauf gerichtetes Hoch aus. Da das Glaubensbekenntniß ganz mit den Grundsätzen der Redaction dieser Blätter über- einstimmt, so wird dasselbe um so mehr hier vollständig mitgetheilt, als dem Redacteur die Ehre der Aufnahme unter die Wahlkandidaten zu Theil geworden ist. Der Erlaß lautet:
Deutsche Männer, liebe Mitbürger!
Es nahet ein entscheidender Tag! Am 1. Mai d. J. soll eine deutsche Ratio nal-Versammlung in Frankfurt a. M. zusammentreten, um über die künftige Verfassung Deutschlands zu berathen.
In Zeiten politischer Bewegung bilden sich politische Parteien. Jeder, der wahrhaft Theil nehmen will am politischen Leben, muß ein bestimmtes Glaubensbekenntniß haben und danach handeln. Dies Glaubensbekenntniß kann aber kein unwandelbares, kein völlig abgeschlossenes sein, weil das Staatsleben selbst nicht wandellos ist und keine Staatssorm als abgeschlossen betrachtet werden kann. Für jetzt ist unser Glaubensbekenntniß folgendes:
Wir verlangen die Umwandlung Deutschlands aus einem Staateubunde in einen Bundesstaat. Wir verlangen einen regelmäßig wiederkehrenden Volkstag mit gesetzgebender Gewalt, hervorgegangen ans Wahlen des ganzen deutschen Volkes nach freiesten Grundsätzen. Wir verlangen eine Bundesregierung mit verantwortlichen, vor dem Bundesgerichte anklagbaren Ministern. Dabei müssen für ganz Deutschland Statt finden: 1) Ein Heerwesen. 2) Ein Zollsystem. 3) Eine ge-