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erwâblt. Ersterer besteht aus den Herren von Baumbach, Waitz von Eschen, Nebelthau, Henkel und Ziegler, letzterer aus den Herren Henkel, Nebelthau unb Knobel. —
Tagesereignisse.
Cassel, am 10 April. Die hiesige Allgemeine Zeitung enthält folgende Bekanntmachung des vorhinnigen Finanz-Ministers von Motz:
„Um üblen Deutungen, welchen man in gegenwärtiger Zeit nur zu leicht das Ohr zu leihen geneigt ist, vorzubeugen, mache ich hierdurch öffentlich bekannt, daß ich mich veranlaßt sehe, heute von hier abzureisen, zugleich jedoch in der gewissen Voraussicht, sehr bald in die Mitte meiner Mitbürger, unter deren Schutz ich mein ganzes Eigenthum vertrauensvoll zurücklasse, zurückzukehren."
So recht! auch der Böswilligste kann nunmehr nicht länger leugnen, daß Herr von Motz ein Mann sei, der einen gescheidten Einfall gehabt habe. Die „Mitbürger" werden sich die ungewohnte Bezeichnung zu Herzen und das „Eigenthum" — wir wünschen und hoffen es — in jeder Hinsicht in Schutz nehmen. Alles Eigenthum, und zwar einschließlich der Fensterscheiben muß heilig und unverletzlich sein; niemals darf sich die öffentliche Kritik bis zu öffentlichen Rechtsverletzungen hinreißen lassen. Wenn in den letzten Nächten gegen diesen Grundsatz verstoßen worden ist, so können wir das nicht billigen, denn wir wollen gereckt sein, nach jeder Seile hin. Wenn aber eine Diotte Militär in Stalljacken re. sich beigehen läßt, gegen alle Ordnung die Kaserne zu verlassen, meuchlings und hinter- rücko unbewaffnete Leute anzufallen, auf friedliche Spaziergänger (worunter sogar der Residenzpolizei-Director selbst sicv befand) und auf die zur Wahrung der Ruhe heran- ziehende Bürgergarde einzühauen; wo sind da Worte, um eine solche scheußlichste aller Nichtswürdigkeiten gebührend zu bezeichnen und zu brandmarken. Wahrlich, wenn man's nickt erlebt hätte, man würde es nicht glauben. Aber das Entsetzliche geschah vor unsern Augen, ivir sahen die Funken, welche unter den tapfern Garde-du-Corps-Hieben aus dem Pflaster aufleuchteten, man trug die Verwundeten unter unserm Fenster her, Rache- und Wulhgeschrei erfüllte in wenigen Augenblicken die Stadt, Alles rannte nach Waffen, das Pflaster wurde aufgerissen, Barikaden erhoben sich mit Windeseile, das Zeughaus wurde gestürmt, Schüsse krachten, Fackeln und Lichter erteilten die Straßen und Plätze, und eine Scklackt oder ein Schlachten stand bevor, wenn nicht der Kurfürst, dessen Thron (wir dürfen es nicht verschweigen - durch solche Ereignisse in seinen Grundfesten wanken gemacht wird, den Auszug der ganzen Gardc-du-Corps be
fohlen und die strengste Untersuchung und Bestrafung der Schuldigen zugesichert hätte. Wir wollen hier keine Ein- zelnheite» aufzählen: sie sind bereits bekannt, eS ist auch bekannt, das die Garde-du-Corps noch vergangene Nacht auf Veranlassung der allgemeinsten Entrüstung aufgelöst worden ist, daß die ganze Ständeversammlung sich diesen Morgen zum Fürsten begeben und mehr als einer sehr eindringlich geredet hat, daß unter dem bewaffneten Volke der beste Geist und ruhige Ordnung herrscht; aber das dürfen wir nicht unberührt lassen, daß nicht der Schatten eines Atoms von Dem wieder vorfallen darf, was diese Nacht auch die Besonnensten entflammt hat. Solche Niederträchtigkeiten ducket man nicht. Auch muß Alles vermieden werden, was mit Grund oder auch nur dem Scheine nach zu der Unterstellung führen könnte, als seien die Minister in ihrer segensreichen, keine Zeitvergeudung und kein An- tichambriren duldenden, mühseligen Thätigkeit irgendwie gehemmt; es muß dies vermieden werden, wenn nicht Alles aufs Spiel gesetzt werden soll. Bisher hatten wir die Genugthuung, daß in Cassel die Freiheitsbestrebungen in ruhigster und besonnenster Weise von Stätten gegangen waren, daß man der friedlichen Verwirklichung der gewordenen Zusagen mit Vertrauen und mit fester Zuversicht auf das gute Recht und die Macht des Volkswillens entgegengesehen hatte: will man Denn durchaus darauf ausgehen, einen anarchischen Zustand herbeizuführen? Wahrlich, wer irgend veranlaßt, daß die gesetzliche Ordnung aus den Augen verloren wird, er ladet eine schwere Verantwortung, eine nnsühnbare Blutschuld auf sein Haupt! Es ist jetzt leicht, erzürnte Gewalten wach zu rufen, aber schwer, sie wieder zu bannen!
Cassel, am 11. April. Die letzte Nacht ist ruhig vorübergegangen. Ein Theil des Linien-Militärs versah in engster Gemeinschaft mit der Bürgergarde und der Schutzwache re. den Sicherheitsdienst. Eine solche Vereinigung muß mit Freuden begrüßt werden, sie ist der Anfang zu einer Verbrüderung, die um so segensreicher sein wird, je mehr der bisherige heillose Gegensatz zwischen Militär lind Civil schwindet und die Ueberzeugung Raum gewinnt, daß auch der Kriegerstand im Bürgcrthum ausgehen muß. Aus Hofgeismar schreibt man uns so eben, daß man dort die dahingezogene ehemalige Garde-du-Corps nicht aufnehmen will. Die Ruhe der Stadt scheine ernstlich bedroht; man habe „an den blutbefleckten Waffen" gesehen, daß in Cassel „Bürgerbluc vergossen sei." Deßbalb hätten sich gestern um 2 llhr die Bürger versammelt und eine Deputation abgeschickt, um „die sofortige Zurückziehung der Garde-du- Corps aus dem Weichbilde der Sradt" zu begehren. Zugleich war der Stadtkommandant von der herrschenden Stimmung in Kenntniß gesetzt und ersucht worden, „seinen der Garde-du-Corps die Stadt betreten" zu lassen. Auch andere Gemeinden haben sich dem Vernehmen nach geweigert, der ausgewogenen Schaar, welche in der Wilhelms- höher Allee mehrere Verwundete zurückgelassen hat, Ausnahme re. zu gewähren.
Redakteur Fr. Oetker. — Druck und Verlag von Theodor Fischer in Cassel.