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Neue

Hessische Zeitung.

8« Sonnabend, den 8. April. 1848«

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VLgi lie,

vom Candidaten Leonhard Emil Hubert*).

Nun sind's 18 Jahre, da saß ich in meiner Dachstube zu Cassel (kein Mensch konnt' es Anfangs herauskriegen: in welcher Straße) oft spät in der Nacht bei der Studir- lampe, dem einzigen Lichte, welches mir leuchtete; mein Hund schlief zu meinen Füßen das einzige Geschöpf, welches mich liebte, und ich rauchte aus meiner Pfeife (sie war das einzige Ding, welches mich küßte), und ich lebte einsam mit ihr und meinen zerbrochenen Möbeln und meinen Büchern. In einer solchen Nacht öffnete ich einst das Fenster und sah über die Dächer hinaus in die sternhelle Nacht.

Ringsum schliefen die Deutschen, und ein tiefes Schnar­chen konnt' ich aus den Mansarden der Nachbarschaft hören. Droben aber am Himmel standen im Lichte Gottes die freien emancipirten Sterne, jene aufgeschlagene Bibel, jene goldne Bulle, in der die Menschenrechte mit Feuerbuchstaben ausgeschrieben sind, jene Charte, die der Herr mit seinem Volke geschlossen, und die er mit seinem Blute unterschrie­ben hat. Welche herrliche, selbst jedem Casselaner offen stehende Bildergallerie!

Aber diese Bilder droben boten noch eine drohende Konstellation, denn es hatte noch nicht voll 1830 geschla­gen. Hoch oben, beinahe an der Kuppel des Firmaments, stand die Krone, und ihr zu einer Seite der Hercules, zur andern der Bärenhüter. Im Süden wendeten sich feindlich

*) Ich Protestire hier öffentlich gegen den Namen Hubertus, in welchen die Hessen meinen ehrlichen Familiennamen ver­dreht haben. Wenn's keinen Stempel kostete, würd' ich durch mein Taufzeugniß beweisen, daß ich Recht habe.

gegen die Waage von unten der Scorpion, von oben die Schlange, und von Osten her der Schütze, und im Norden lagen die beiden Bären nebeneinander, in sicherer Ruhe ihrer Beute gewärtig.

Nach einiger Zeit, aber während noch schwarze Fin­sterniß auf der Erde lag, begann der Horizont sich sanft zu röchen. War's Morgenroth? und horch! alle Glocken läuteten in der Nähe und in der Ferne. Waren's die Frühglocken? Plötzlich schlug's auf der großen Weltuhr 1830 und die politischen Nachtwächter zogen durch die Länder und riefen Feuer! und Bürger heraus! denn jene Nöthe am Horizont war der Widerschein von brennenden Schlös­sern, und das Frühgeläute war Sturmläuten, und es war ein Erdbeben, daß die Gräber sich öffneten und die Todten von 1814 und 1815 Herausspieen, und in die Spalten der Berge stiegen die Völker hinab, und schlugen den Hammer in die Freiheitsadern der Erve, und brachen sich Constitu­tionen heraus.

Nun würd' es etwas Heller; statt des Sturmgeläutes nunmehr die Frühglocken zum Dankgebete, statt des Nord­lichtes der Verwüstung und des Aufruhrs die strahlende Morgenröthe! O wie schön war sie! Wir alle sangen ihr Lieder, bei Eissengarthen und auf dem Hambacher Schlöffe, und Geeh druckte denVerfassungsfreund," den Feldmann redigirte, und Herstell componirte den Bürgergardemarsch, und auf dem Giebel des neuen Hauses, das wir gebaut halten, stand, die Rose hinter m Ohr, Jordan, der Bau­meister, und es war, wie in ganz Deutschland, auch in Hessen eine Freude, wie wenn wir verrückt geworden wären, so daß Redacteur wurde. Doch war's ja den Völkern noch nicht so eigentlich Ernst gewesen. Die deut­schen Herbstmanöver von 1830 waren nur Manöver, ein