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Beilage

zur Neuen Hessischen Zeitung. Nr. 7.

Ereignisse, doch wurde die Ruhe bald in soweit wieder hergestellt, daß über den Bassermannschen Antrag abgestimmt, und dieser mit großer Mehrheit angenommen wurde, indem der Präsident zugleich unter Zuruf der Versammlung er­klärte, daß die Sitzung permanent sei und eine Pause nicht eintreten solle. Der Abgeordnete Raveaur aus Köln trat nun auf und erklärte unter großem Beifallsjubel, daß er zwar für den Hauptantrag gestimmt habe, die Ver­sammlung aber doch nicht verlasse, weil er es für Pflicht eines jeden Vaterlandsfreundes und Freiheitsmannes halte, sich den Beschlüssen der Mehrheit unterzuordnen und so Zer­würfnisse zu vermeiden und auf dem ordnungsmäßigen Kampf­plätze auszuharren. In ähnlicher Weise sprachen sich An­dere, namentlich auch die Sachsen aus, und ließen ihre Na­men zu Protokoll nehmen. Mit großer Freude sah man in's Besondere Herrn Robert Blum, den ausgezeichnet­sten Redner der Versammlung, und Herrn vonJtzstein auf den Viee-Präsidentenstühlen verbleiben; auch Venedey, der edle Flüchtling, blieb, obwohl er sich mehrfach offen und unumwunden für einen Republikaner erklärt hatte. Er hält so an seinem Grundsätze und an seiner Zusage fest, daß die Republik nicht durch Waffengewalt und Zerwürfniß eingeführt und verwirklicht werden dürfe, und daß eherihr Weg über seine Leiche gehe." Dächten doch Alle wie er! sie würden dann nicht nur in weit schönerem Lichte er­scheinen, sondern auch viel eher und sicherer ihr Ziel erreichen, als jetzt. Was die Abgetretenen nun thun wer­den? Ich fürchte das Aergste, wenn nicht die Worte be­sonnener Freunde noch beruhigend wirken, und dann ist der Bür- gerkrieg gar leicht unvermeidlich und Niemand weiß, wann und wo er enden wird. Von den Kurhessen und namentlich von den Hanauern hat sich Niemand angeschlossen, obwohl einige, z. B. der Advocat Wilhelmi von Neuhof (dessen Legitima­tion übrigens sehr zweifelhaft sein mögte) für den Antrag der Zehn gestimmt haben. In Hanau fürchtet man unru­hige Auftritte; es ist wiederholt der Wunsch hierher ge­langt, daß Jordan und die Kasselaner hinkommen mögten, um ihren beruhigenden Einfluß dort auszuüben. Auch die Frankfurter sind mehr als je in Besorgniß, obwohl der ge­strige Abend, an welchem die ganze Stadt aufs glänzendste erleuchtet war, ohne alle Ruhestörung vorübergegangen ist.

Frankfurt a. M. 3. April.

So eben sind die Berathungen und Verhandlungendes deutschen Volkstages beendet worden. Ging auch nicht Alles, wie es hätte gehen sollen, so ist doch das Gesammt- resultat ein sehr befriedigendes. Auch die ausgetretenen Mitglieder sind gegen 1 Uhr in der Versammlung wieder erschienen und wurden mit Zurufungen begrüßt. Gegen 10 Uhr verkündigte der Präsident eine Mittheilung des Bundestages, wonach schon gestern Abend alle Ausnahme- Beschlüsse von 1819, 1832 und 1834 aufgehoben worden sind und die Ausscheidung der früheren Gesandten Statt finden wird. Hierauf sich stützend erklärte der Vieepräsident von Jtzstein, daß er den Versuch machen wolle, die Rück­kehr der abgetretenen Mitglieder, welche gewiß von allen Seiten zur Herstellung der Einheit gewünscht werde, zu vermitteln, wenn die Versammlung damit einverstanden sei. Dies wurde bejaht und solchergestalt der Frieden vorläufig hergestellt. Das Resultat der Ausschußwahl wird erst morgen früh bekannt machen, doch kann ich mit ziemlicher Gewißheit annehmen, daß von den Hessen Wippermann, Schwarzen­berg und Blachière die nöthige Mehrheit der Stimmen bekommen werden. Die Liste einer Minorität soll die Na­men Hildebrand, v. Sybel und Oetker enthalten. Sodann ist heute beschlossen worden, daßBestimmung der künf­tigen Verfassung Deutschlands einzig und allein der demnächstigen Nationalversammlung überlassen sein solle," worin die Radikalen eine Anerkennung der Volks-Souverä- netät finden.

Anfragen, Rügen und Wünsche.

Hessen muß auf je 50,000 Seelen einen Abgeordneten zur deutschen Nationalversammlung entsenden und durch direkte oder indirekte Wahl bestimmen lassen. Auf welch Weise ist die Wahl am einfachsten und schnellsten zu be­werkstelligen?

Bei W. Zimmermann in Hersfeld ist so eben erschienen und in allen hessischen Buchhandlungen zu haben:

Dem Volke sein Recht! Von Heise.

Preis 2 Sgr.

Redakteur Fr. Oetker. Druck und Verlag von Theodor Fischer in Cassel.