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würdigere Besoldung, sondern auch durch eine dem Stande gemäße Stellung im Staate, zu ehren. Er wird das, was er für die Gymnasien und andere Anstalten im Staate, also im Interesse der höheren Stände, mit reichlicher Munificenz gethan hat, im verhältnißmäßigen Grase endlich auch auf die Volksschulen (Volks-, Bürger- und Realschulen), also zum Segen und Gedeihen der Massen, zur Anwendung bringen. —
Die Volksschule leidet sodann noch an einem andern Mißstande, welcher vielleicht milwirkende Ursache ward, daß die vorgedachten Zustande noch immer bestehen.
Es ist ein fester Satz, daß Schule und Kirche auf die Erziehung des Volks gemeinsam einzuwirken haben. Dies erkennen wir an, so jedoch, daß jedes Element sich in seiner Sphäre halte, auch wenn die Geschichte lehrt, daß bald das Eine, bald das Andere mehr vorwaltete. Allein wir können uns nicht damit befreunden, daß jenes Nebeneinander sich in ein U u t e r einander formire, denn es kann nur auf Kosten der Selbstständigkeit des untergeordneten Theiles geschehen. Dies bestätigt sich an der Volksschule. Statt unter der Leitung ausschließlich fach- und fachkundiger Männer, steht sie unter der Leitung des meistens pädagogisch unkundigen Clerus, und die Lehrer sind nicht einmal Mitglieder der Schulvorstände. Wir wollen nicht erst darauf aufmerksam machen, wie sehr letzteres die Lehrer in der öffentlichen Meinung herabzusetzen geeignet ist, namentlich bei den unteren Classen, während das ungeschmälerte Ansehen des V olks lehrers der Grundpfeiler seiner Wirksamkeit ist; aber wir müssen hervorheben, wie sehr die unmittelbaren Interessen der Schulen dadurch beeinträchtigt werden. Es geschieht dies ganz unvermeidlich. Vermöge ihrer Bildung, ihrer Stellung im Staate, und ihres Ansehens in der Gesellschaft, nimmt die Geistlichkeit der Volksschule gegenüber eine erhöhte Stellung ein. Ist diese Geistlichkeit nun gar verfassungsmäßig zur Aussicht und Oberaufsicht der Schule berufen, so folgt daraus, daß sie in ihren Anordnungen um so weniger Widerspruch erträgt. Ein solcher Widerspruch aber wird nur zu oft um so begründeter sein, als nicht blos die Geschichte von einer steten Eifersucht zwischen Schule und Kirche Zeugniß giebt, sondern auch der Geistlichkeit, bei dem besten Willen, die nöthige Erfahrung abgeht. Geben wir dem Kaiser was des Kaisers ist. Der Kirche gebührt Ehrfurcht und Anerkennung im religiösen
Gebiet; aber die öffentliche Volkserziehung durch die Schule verlangt, mag auch dagegen gesagt werden, was da will, durchgebildcte Schulmänner als Leiter und Regierer. Es steht nicht zu bezweiseln, daß diese den Staat längst auf Mängel und Nebel hingewiesen hätten, deren Abstellung in seinem eignen Interesse liegt, weil sie den ganzen Stand fördern *).
Wohlwissend, daß diese von uns besprochene Trennung der Schule von der Kirche der finanziellen Verhältnisse wegen, große Schwierigkeiten hat, verlangen wir mindestens eine Gleichstellung der Lehrer mit dem Clerus in öffentlichen Schulangelegenheiten und können diesem letztem im Interesse der guten Sache, nichts, als nur eine berathende Stimme, gleich dem Lehrer, in diesen Angelegenheiten einräumen. Daß der Lehrer von dem, seinem Berufe und seiner Stellung unwürdigen Theile des K üst er d i e n st es alsbald befreiet werde, setzen wir stillschweigend voraus.
Selbst verstanden ist, daß sich in unserer Darstellung keine Persönlichkeit verletzt oder ungerecht beurtheilt fühlen darf; hier, wie in unsern letzthinnigen kürzesten Andeutungen in der Cassel'schen allgemeinen Zeitung „Schullehrer- Versammlung" handelt cs sich nur um die Sache, fern von jeder und aller Persönlichkeit. Wir wollen nur anregen, wir wollen zeitgemäße Reformen. Dies setzt aber ein wahrheitsgetreues, ruhiges, besonnenes, ehrenhaftes Darstellen der Mißstände voraus. Wir reden also, daß wir es noch einmal wiederholend laut aussprechen, nur von der Sache, geben unsere unmaßgebliche, sub- jeetive Ansicht, und weichen einer jeden, begründeten von jeder Persönlichkeit freien entgegengesetzten Meinung.
Möchten diese Andeutungen dazu beitragen, die Aufmerksamkeit der Staatsregierung und der Stände für einen Gegenstand zu erhöhen, der des Vaterlandes Wohl mehr angeht, als von manchen Seiten bisher zugegeben ward; und möchten sich alle Kurhessische Lehrer dadurch aufgefordert fühlen, ihre Bitten und Wünsche da anzubringen, wo sie jetzt unbezweifelt geneigtes Gehör finden. Auf also, es gilt einer hehren, heiligen Sache, der Volksbildung, der Volksschule und ihrer bis dahin armen, gedrückten Lehrer! W g r.
*) S. Dossische Zeitung vom 18. März 1845. •