Hessische Zeitung.
«M 4»
Sonnabend, den 1. April.
18-18.
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Bauten in Cassel.
Während die frühere Regierung systematisch darauf ausging, die Verarmung des Handwerksstandes in unserer Stadt — sei es aus politischen oder anderen Interessen — ber- beizuführen, theils durch Unterlassung der Ausführung aller, auch der nothwendigsten Staarsbauten, ja sogar derjenigen, zu denen die Landstände schon vor einem Decennium die Kosten bewilligt hatten, theils durch Verhinderung oder wenigstens Verzögerung der Bauten von Privaten, endlich durch die aufer Landes gehenden Bestellungen gewerblicher Art — so läßt sich wohl mit Zuversicht erwarten, daß das neu berufene Ministerium seine segensreiche Wirksamkeit auch auf diesen Zweig der Volkswohlfahrt ausdehnen, daß es durch große Bauunternehmungen die ergiebigste Quelle für den Verdienst der gewerbtreibenden Classen öffnen werde, indem es gleichzeitig die hohen Interessen des ganzen Landes dadurch fördert.
Man wende uns nicht ein, daß solche Wünsche jetzt zu früh kämen, daß man noch zu sehr mit den wichtigsten Institutionen des Landes beschäftigt sei, um den Blick schon auf diese weniger dringenden Arbeiten richten zu können; denn einestheils kann wohl Nichts dringender sein, als dem unverschuldeten Nothstände der Handwerker abzuhelfen, an- derntheils aber muß das herannahende Frühjahr, als die zum Bauen günstigste Jahreszeit, schon die nöthigen Vorarbeiten gethan finden. —
An ven mannigfachsten Veranlassungen zum Bauen fehlt es bei uns nicht, wir wollen nur einige der dringendsten Bedürfnisse der Art hervorheben.
Zunächst sind es die B a h n h o fs ge b ä ud e, vorerst die Remisen und Werkstätten k. , welche sogleich in Angriff
genommen werden könnten; das Terrain dazu ist geebnet, das Geld vorhanden, die Pläne sind entworfen. — Ebenso sind auch die Projekte zu einer polytechnischen Schule schon vorbereitet. Diese zur Hebung der inländischen Industrie und somit für die materielle Wohlfahrt höchstwichtige Lehranstalt, zu der das ganze Land seine Söhne hie- hersendet, hat sich bisher, trotz der häufigsten und dringendsten Gesuche um Abhülfe, in einem ganz ungeeigneten Local behelfen müssen, welches eben so sehr dem Erfolge des Unterrichtes Eintrag thut, als andererseits das kostbare Inventar der Anstalt, Modelle, Apparate, Maschinen, naturhistorische Gegenstände rc. der größten Gefahr und für die Länge einem gänzlichen Ruin aussetzt. Ein geräumiges unv zweckmäßig eingerichtetes Gebäude für diese Anstalt wäre also höchst wünschenswerth. — Ferner ist ein würdiges und geeignetes Gerichtsgebäude, namentlich ein Lokal für den höchsten Gerichtshof, das Oberappellationsgericht, dringend erforderlich, damit nicht mehr wie bisher eine die Gesundheit untergrabende und außerdem noch unzweckmäßige Lokalität, den Geschäften in jeder Art Eintrag thue. — Viertens hätte wohl ein Institut, dessen wohlthätige Wirksamkeit sich nicht minder, wie die zuletzt angeführten, über das ganze Land verbreitet, die Landeskredit- casse, ein Gebäude verdient, welches einestheils dem com- plicirten Geschäftsgang einen angemessenen und einigermaßen bequemen Raum darböte, und anderntheils der Aufbewahrung der werthvollen Aktenstücke, Dokumente rc. die nöthige Sicherheit, durch gewölbte, feuerfeste Archive garantirte.
Anderen Bauten, deren wir noch sehr viele bedürfen, als da sind: würdigere Kirchen, ein Gebäude für die hiesige Kunstacademie, Fruchtmagazine, Straf- und Arbeitshäuser rc., wollen wir später das Wort reden, wenn nur