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zogen, eingekerkert, verurtheilt .... Aber das Schicksal ist gerecht und wir leben in der schönen Zeit, wo der Gang der Geschicke so schnell ist, daß auch der Einzelne die strafende und belohnende Gerechtigkeit erlebt. Ludwig Philipp und Metternich sind landflüchtig, die christlich-germanischhistorischen Berliner wird man zum Henker jagen, ihre Casseler Karrikaturen liegen todt oder verkriechen sich vor dem drohenden Zorn der entrüsteten Bürger — Jordan aber ist freigesprochen und wieder eingesetzt und wird berufen, zum zweiten Male Hand an den Ausbau unsers Berfaffungswerkes zu legen. —
Jordan hatte sich alle Empfangsfeierlichkeiten, die ihm in reichem Maße zugedacht waren, verbeten; er wollte mit ein paar Freunden und Verehrern, die ihm eine Strecke entgegengefahren waren, ganz in der Stille einziehen, und man hatte sogar öffentlich aus Rücksichten auf seinen Gesundheitszustand von allem Andrängen abgemahnt; dennoch brach schon am Frankfurter Thore im Uebermaß der Freude der lauteste Jubel aus und begleitete in wachsender Fülle den Märtyrer der Freiheit bis zum Gasthause zum König von Preußen, wo Hoch und Zuruf nicht eher verstummten, als bis der Verehrte auf dem Balkon erschien. „Hier ist der Mann des Vaterlandes", sagte Herr Herbold, „nun still"! Und Alles war still und Jordan sprach unter An- derm etwa Folgendes:
Es ist schon lange her, seit ich zuletzt hier war und zu Ihnen geredet habe. Vieles hat sich seitdem verändert. Selbstsüchtige, Volks- und freiheitsfeindliche Menschen hatten sich zwischen die Fürsten und ihre Völker gedrängt, hatten jenen die Wünsche und Bestrebungen dieser als revolutionär geschildert und so die Herzen einander entfremdet, die treulich in Liebe und Vertrauen zu einander stehen sollen. Auch in unserm Lande hatte sich eine finstere, politisch-religiöse Genossenschaft an den Thron gedrängt, die entweder die Wünsche und die Noth des Volkes dem Fürsten gar nicht vorstellte oder sie ihm nur mangelhaft und verfälscht vorbrachte und alle verfassungsmäßigen Freiheiten zu nichte zu machen strebte. Diese Partei und ihr unheilvolles Regierungssystem ist gestürzt. Auch in andern Ländern sind die Scheiden zwischen Fürst und Volk gewichen; selbst die Scheide von Europa — die in Wien ist gefallen. Die Völker sind nicht revolutionär, sie streben nur nach rechtmäßigen Freiheiten, sie haben sich die Herzen ihrer Fürsten nur wiedererobert und wiedererobern müssen. Aber die Zei
ten sind schwer und gefahrdrohend. Darum gilt es wachsam sein; denn die Feinde der Freiheit gehen umher und suchen, wo sie vernichten und verschlingen können. Unsere nächste Sorge muß auf unser Vaterland gerichtet sein; aber auch das größere Vaterland dürfen wir nicht aus dem Auge verlieren, Deutschland muß zur Einheit gelangen. Dazu ist Einigkeit und Beharrlichkeit seiner Völker und Fürsten erforderlich. Deutschland ist hauptsächlich von zwei Gefahren bedroht: von kriegerischen Einfällen im Osten und Westen und von gewissen Emissären, die ihre Republiken predigen und uns aus den richtigen Bahnen der constitu- tionellen Entwickelung bringen möchten, um uns um so sicherer den Eroberungsgelüsten der Nachbarn zu überliefern. Darum gilt es wachsam sein! Und nicht gewichen von der Verfassung! Vor allen Dingen aber Selbstbeherrschung! Freiheit ist keine Zügellosigkeit! Keine Leidenschaften, keine Verfolgungen, keine Angriffe auf Personen und Eigenthum, keine Rechtsverletzungen! Völker, die sich mit Blut befleckt haben, müssen es büßen bis ins dritte und vierte Glied. Die Rechte der Fürsten sind heilig, wie die Rechte des Volks. Alles werde vergessen und vergeben ! Jeder übe das erste und vornehmste Gebot, das Gebot, welches Christus gelehrt hat, das Gebot der Liebe. Wir müssen zeigen, daß wir keine Revolutionäre sind, daß wir die Freiheit würdig zu gebrauchen wissen. —
Ein donnerndes Hoch erwiderte das Lebewohl, womit Jordan schloß; dann ging die Menge in ruhiger Stille mit bewegten Herzen auseinander.
Cassel, 21. März. Heute Morgen fand eine große Parade der hiesigen Bürgergarde vor Sr. Königlichen Hoheit, dem Kurfürsten Statt. Der Fürst erschien in Begleitung der gestimmten Generalität rc. — zwar nicht in Bür- gergarden-Uniform, wie zuvor verlautet hatte, aber doch mit der weißen Binde um den Arm, was von der Bürgergarde sowohl, als vom überaus zahlreichen Publikrim mit lebhafter Freude wahrgenommen wurde. Wiederholte Hoch- und Jubelrufe erfüllten die Luft. Möge dieser Tag nicht vereinzelt bleiben! Jeder Schritt der Annäherung zum Bürgerthum wird in demselben Maße liebevollen Dank und jubelnde Anerkennung finden, als er herzlich und aufrichtig gemeint ist.
Von Baumbach-Kirchheim ist zum Präsidenten und Schwarzenberg zum Vicepräsidenten der Ständeversammlung ernannt worden.