Neue
Hessische Zeitung.
J\'o 3e Mittwoch, den 22. März. 1848.
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Die „auswärtigen" Angelegenheiten.
Die Ereignisse überstürzen sich. Der Kaiser von Oesterreich hat unerhörte Concessionen gemacht — wahrscheinlich zu spät, um die Stellung einer europäischen Großmacht noch retten zn können; der König von Preußen hat nachgegeben — wahrscheinlich ebenfalls zu spät, um noch das Oberhaupt- Deutschlands zu werden. Das sind die Folgen der Met- ternichschen s. g. Politik und der christlich - germanischen, historisch-organischen Theorieen und Redekünste. „Als Erbe einer ungeschwächten Krone, die er seinen Nachfolgern ungeschwächt bewahren" wollte und in dem Streben, „kein beschriebenes Blatt zwischen unsern Herr Gott im Himmel und sein Land" kommen zu lassen, hat der König von Preußen Blick und Sinn für den lebendigen Strom der Geschichte verloren und versäumt, für die vermeintliche Ungeschwächtheit seiner Krone den Glanz und die Macht der neuen Kaiserkrone Deutschlands einzutauschen. Wunderliches Schicksal! Eine conservative Thronrede zerstört einen Thron und was sie an Möglichkeiten und Hoffnungen noch übrig ließ, das verkennt die bornirte Blindheit dec Profefforen-Minister und die kindische Taktlosigkeit und alberne Dankeilfertigkeit des Berliner Magistrats rc. Weil Etwas geschehen war, was von Gott und Rechtswegen schon vor Jahren hätte geschehen sollen, können die allerunterthä- nigsten Leute, denen man noch in den letzten Augenblicken weiße Schäferstäbe statt der Waffen in die Hand drückte, sich nicht genugsam beeilen, ihren allertiefunterthänigsten Dank an den Stufen des Thrones allerallertiefftunterthänigst und allertreugehorsamsubmissest niederzulegen. Man weiß nicht, ob man weinen oder lachen soll bei solchen Dingen, llnd hat Deutschland den Zufall oder das Versehen oder
den Leichtsinn zu beklagen oder zu preisen, wodurch die schauderhaften Metzeleien und Zerstörungen hervorgerufen wurden? Es kann nicht unsere Aufgabe sein, diesen Gegenstand hier weiter zu erörtern, wohl aber müssen wir daran die Wiederholung deö Wunsches knüpfen, daß unser Ministerium der auswärtigen Angelegenheiten noch baldigst in geeigneter, Vertrauen verheißender Weise besetzt werde, damit uns in rechter Stunde die Fäden und Anknüpfungspunkte zu den deutschen Landen und Angelegenheiten nicht fehlen. Der jetzige Zustand darf nicht länger dauern. Das Ministerium der auswärtigen Angelegenheiten wird die schwierigsten Aufgaben zu lösen, die bedeutungsvollsten Verhandlungen zu leiten haben; es kann nicht wie ein Rückzugsposten zu einem bequemen Ruheleben betrachtet werden, so wenig, wie die außerordentliche Wichtigkeit der Gesandtschaft zu Frankfurt verkannt werden darf. Wir wissen nur zwei Männer, die den Anforderungen des Augenblicks entsprechen— Waitz von Eschen und von Baumbach-Kirchheim, und Gesandter-kann nur Jordan oder Wippermann werden.
Gedanken über den Beruf unsrer Zeit zur Gesetzgebung.
Als vor jetzt länger als nun 30 Jahren nach Abschüt- telung der Fremdherrschaft das Streben nach nationaler Einigung in den deutschen Stämmen erwachte, da erscholl von vielen Seiten, als praktische Bethätigung dieses neu erwachten Nationalgefühls, der Ruf nach einer gemeinsamen deutschen Gesetzgebung. Die Begeisterung hierfür, welche sich in den Schriften eines Thibaut und Andrer aussprach, wurde jedoch wie durch ein kaltes Duschbad niedergeschlagen