Hessische LetrunH^
I ^? 1. Mittwoch, den 15. März. 1S4S.
Die Neue Hessische Zeitung erscheint bogenweise wöchentlich 2 Mal, Mittwochs und Sonnabends. Der Abonnementspreis beträgt 23 ©gr. für das Quartal, wofür alle kurhessischen Postämter und Buchhandlungen solche ohne Preiserhöhung liefern. — Die in diesem Monat erscheinenden Nummern werden den Abonnenten gratis geliefert.
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Jhim Verständniß.
Leben, lebendige Entwickelung und Entfaltung ist der Zweck alles Daseins. Wer nicht lebt und strebt, nicht ringt und kämpft, nicht wirkt und schafft, nicht täglich und stündlich an seiner und seiner Mitmenschen Veredlung a& eitet,-' wer im schaffenden und vernichtenden Treiben der Welt ohne Thätigkeit, ohne Muth, ohne Verständniß befunden wird, der verfehlt mehr oder minder den Zweck seines Daseins. Nur keine Trägheit und Lässigkeit! kein schläfriges Zufchauen! Deutschland war aber nicht immer im rechten Thun ; 'Hessen hat oft und lange in dumpfer Versunkenheit gelegen; und Cassel? Blicke Jeder zurück und in fein Inneres, aber mit ehrlichem Sinn, und antworte: Haben wir Alle in den Jahren des schmachvollsten Treibens gethan, was wir hätten thun sollen? Haben die Räthe des Fürsten ihre Stellung und ihre Zeit begriffen? Haben die Staatsdiener ihren Beruf erkannt und erfüllt? Waren die klebrigen fern von Eigennutz, Selbstsucht, Eitelkeit, Hoffahrt und Schwachheit, und haben sie alle Zeit — selbst mit Opfern und Gefahren — frei und furchtlos die Wahrheit geredet und geschrieben? — Das muß anders werden, das ist, Gott Lob, schon anders geworden!
In Frankreich ist der Bannerruf „Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit" erschollen; auch zu uns sind diese Worte gedrungen, auch bei uns muß es gelingen, das Gift geheimer Entsittlichung und ihre bedrohlichen Folgen zu entfernen und ein gesundes Wachsthum wieder herzustellen. „Freiheit — ein schönes Wort, wer es richtig verstünde" sagt Göthe; Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit — schöne Worte, wenn sie richtig verstanden, wenn sie mit Besonnenheit und dauernder Kraft in lebendige Wirk- '
lichkeit übertragen und ausgestaltet werden! Sie sind nicht: neu und stammen nicht aus profanem Munde: das Christenthum faßt sie in das allgemeine Gebot der Liebe zusammen. Daß sie aber richtig verstanden und immer heilbringend verwirklicht werden, dahin muß Jeder streben, dazu fillr^ anch diese Blätter ihr Scherflein beitragen.
Die „Hessische Zeitung" ist zunächst zur Besprechung der heimischen Angelegenheiten bestimmt. Sie soll das in Hessen erwachte neue Leben hegen und pflegen, soll mitwirken helfen an dem herrlichen Baue, der auf den gegebenen Grundlagen noch errichtet werden muß; allein sie soll darum keine einseitigen Sonder-Interessen verfolgen, sie soll nur zu Recht sehen, daß wir nicht zurück bleiben im allgemeinen Streben der Völker und Stämme und daß wir. ein gesundes, kräftiges Glied bilden zum großen Körper des gesummten deutschen Vaterlandes. Kräftigung im Einzelnen zur Kräftigung des Ganzen, das sei ihr Streben! Deutschlands Einheit und Würde durch Vertretung des deutschen Volkes, durch einen auf freier Wahl beruhenden Volkstag ihr Ziel! Ja Deutschlands Einheit und Würde! Wir werden nicht aufhören, diese Worte in Erinnerung zu bringen, so oft und so viel an uns ist, damit wir dazu beitragen, daß alle Sperren fallen und alles „Ausland" aufhöre innerhalb der gesammten deutschen Lande. Große Zeiten und Gefahren erfordern große Opfer; wohlan denn^ wirke Jeder, der da kann, daß die Bruderstämme in Oesterreich und am deutschen Meere uns näher treten, daß im Norden die erste Scheide mit der äußersten Grenze von Schleswig - Holstein zusammenfalle!
Unser Blatt wird in allen Richtungen der friedlichen Entwickelung und dem zeitgemäßen Fortschritte auf verfassungsmäßigen Wegen huldigen. Was darüber hinausgeht