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In der evangel. Gemeinde der Johanneskirche.

Den 5. September. Friedrich Ludwig Saubert, Bür­ger und Metzgermeister, alt 66 J. 4 M. 7 T-

Den 5 September. Maria, des Bürgers und Schuh- machermeksters Heinrich Alt, T-, alt 15 3- 7 M- 1 T.

Den 10. September. Des Johannes Abig, Bür­gers und Schlossermeisters zu Gelnhausen, derzeit CigarrenmacherS dahier, T. (vor der Taufe ge­storben) , alt 1 M- 20 T.

Den 11. September. Anna Katharine, deS Bür­gers und Kaufmanns Peter Jakob Herchenröder, nachgelassene Wittwe, geb. Menge!, alt 90 I. 5 M. 1 T.

In der katholischen Gemeinde.

Den 11. September. Anna Maria, des Beisitzers und CigarrenmacherS Konrad Grähling, T-, alt 1 I. 5 M-

Den 11. September. Jakob, deS Bürgers und Schuhmachermeisters zu Fulda und Permissioni- sten dahier Johann Georg Alt, S-, alt 2 M.

Gemeinnützige Nachrichten.

Ueber Verfälschung von Lebensmitteln.

(Schluß.

England und Amerika sind in der Weinverfal- schung am weitesten vorgeschritten'^). Dort .gibt es tüchtige Weintrinker, die noch nie einen Tropfen echten Portweins oder Madeiras über die Lippen brachten; namentlich versteht man in England aus Kapwei­nen, deren Zuckergehalt gestattet, sie mit Wasser ver­dünnt durch Hefe in eine Gährung zu versetzen, durch verschiedene Zusätze von Farb- und Riechstoffen je nach Belieben rothe und weiße, französische, spanische und portugiesische Weine zu fabriziren. Man kennt in London die berüchtigten Weinbrauereien, in denen man nicht allein auS Rosinen und Corinthen, sondern auch aus Kartoffelsyrup, Pflaumen, Birnen, Himbeeren Runkelrüben und selbst aus Bier Weine aller Na. inen und Länder zum Betrug des Publikums braut. So kann es denn auch nicht auffallend erscheinen, daß in England in ben Jahren 1855 und 1856 über 50 pCt. Portwein ^der echte wird außerdem noch mit Branntwein gefälscht) mehr getrunken als eingeführt ward. Dieser wie Champagner wird be­sonders aus Aepfelwein, Bordeaur, aus Schlehen,

*) Nach demGincinnati Scientlfic Artisian" untersuchte im vergangenen Jahre ein Dr. G 0 r 16 Parthien dort eiligen führten Weins, Portwein, Scherry und Madeira und fand darin nicht einen einzigen Tropfen Traubensaft. Die , Basis des Madeira bestand'aus Hopfen, Honig, Rum, Schwefegaure rc., des Scherry aus Malz, Bittermandelöl, Schwefelsäure und Cognac, und die des Portweins aus Aepfelmost, Alaun, verdünnter Schwefelsäure rc.

Pernambuckholz, Zucker und Schnaps, so daß man die Spane des Rothholzes auf dem Boden des Glases findet, Rheinwein aus Honig und Schnaps, Malaga und Ungarwein aus Rosinen dargestellt.

Bei Bereitung des Weins aus Rosinen weicht man solche mit Rezenwaffer auf und bringt, je nachdem man rothen oder weißen Wein haben will, durch röche oder weiße Weinhefe die Gährung hervor.

Aus Aepfel und Birnen macht man Wein durch Zusatz von Weinstein, um die Haupcbestandtheile deS echten Weins zu erhalten, und aus Karioffelsyrup, indem man ihn mit Wein- und Bierhefe, wohl auch mit ausgepreßren Johannisbeeren, Kirschen und son­stigen Früchten gähren läßt und ihm dann durch mancherlei Beimischungen von Weinsteinsgüre, Essig- äther und Salpeterächer noch den Geschmack und Geruch einer beliebigen Weinsorte zu geben sucht.

Solch künstlichem Gebräu gibt man zugleich ein künstliches Alter, indem man die Flasche mit Wein­geist inkrustirt und den Stöpsel färbt.

In den meisten Fällen kann die Chemie die Ver­fälschung der Weine nicht entdecken, das beste Mittel dazu sind Vergleichungen der verdächtigen Weine mit den echten, in Rücksicht auf die nicht flüchtigen, be­sonders unorganischen Bestandtheile, sowie Prüfung der Aschenbestandtheile.

Der echte Wein ist das beste Mittel zur Erquickung, wenn des Lebens Kräfte erschöpft sind, sowie zur Korrektion und Ausgleichung, wo Mißverhälunsss der Ernährung und Störung im Organtsmus ein« traten. GaUlsirter Wein wird übrigens solch diälische Wirkungen niemals haben.

Es möchte wohl zu weit führen, wollte ich votlie- gende Betrachtungen noch ferner auskehnen auf die Verfälschung anderer mehr untergeordneter LebenS- mirtel, wie von Senf, Pfeffer, Zimmet, weißen und braunen Zucker, Essig, Honig rc.

Aus dem bereite Gesagten ersieht man, wie man sich vielfach bemüht, schlechten Nahrungsmitteln das Ansehen und den Geschmack von guten zu Verleihs« und man sich dazu nicht nur ganz unschuldiger, son­dern selbst widerlicher, gefährlicher und selbst giftiger, mit Nachtheilen für Gesundheit und Leben der ®e messenden verbundener Mittel bedient. Man schließt daraus mit Recht, wie sehr es zum Wohl der Ge- sellschaft gereicht, wenn eine strenge GesundheitSpo« lizei ausgeübt und die Verfälschung von Lebensmit- teln und von Waaren überhaupt, wie z. B- in Preußen strengen Strafen unterliegt.

In England bestehen besonders Ausschüsse, die gegen die Verfälschung der Lebensmitcel Auehülfe ersinnen sollen; auch in Belgien ist man besonders bemüht, solchen Verfälschungen entgegen zu arbeiten. So hat die Stadt Gent für das laufende Jahr in ihr Budget 3000 FrS. ausgenommen, zur Bestrei­tung der Kosten chemischer Analysen von Lebens- Mitteln, um den Fälscher gesetzlich verfolgen zu können.