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jeden frei umherlaufenden in der betreffenden Gegend während sechs bis neun Wochen.
Beschreibung der Wasserscheu oder Wuth beim Menschen.
Die Zeit, in welcher nach dem Bisse eines wüthenden Thieres die Wasserscheu bei einem Menschen ein» tritt, ist unbestimmt. Es können nur einige Tage, aber auch, wie es sehr häufig der Fall ist, mehrere Wochen oder Monate dazwischen verstreichen, ja der Zeitraum vom Bisse an bis zum Ausbruche der Krankheit kann viele Monate und bis zur Jahresfrist dauern. Man will selbst Fälle beobachtet haben, daß das Gift Jahre lang unthätig im Körper schlummerte und endlich doch noch erwachte. Indeß gehören solche Beispiele zu den Seltenheiten, und ein Gebissener hat, wenn er nach der nöthigen Vorbauungskur binnen'Jahresfrist keinen Anfall erlitten, nichts mehr zu fürchten.
Ist nun die Bißwunde entweder zugeheilt (und eine Wunde der Art heilt gern schnell ju) oder noch offen, so entsteht in oder an derselben eine juckende oder stechende Empfindung. Die noch nicht vernarbte Wunde entzündet sich, und nimmt ein übles bläuliches, bleifarbiges Aussehen an. Die geheilte Verletzung oder die Narbe beginnt zu jucken, zu stechen oder zu schwer, zen. Sie geräth in Entzündung, bricht bisweilen auf, und es fließt ein dünner jauchiger Eiter, der bald einen üblen Geruch bekommt, heraus. Die Entzündung und ziehenden Schmer zen der Wunde erstrecken sich in die umliegenden Theile, besonders aber gegen den Hals und Nacken hin.
Jetzt verliert der Kranke, welcher oft vorher einige Zeit ungewöhnlich heiter, aufgeregt, überspannt und zu sinnlichen Genüssen aufgelegt gewesen, seine Munterkeit, wird mürrisch, nachdenkend, verdrießlich, miß-, trauisch, träge, erschlafft, reizbar, unruhig, beklommen, erschrickt leicht, sucht die Einsamkeit, athmet beengt. Er hat einen unruhigen , durch schwere Träume gestor- tenSchlas und Widerwillen gegen das Essen, ist ängst. sich, furchtsam, im ganzen Ansehen verändert. ermattet, niedergeschlagen, späterhin zornig, hat einen an» stäken, wilden, starren Blick, verzerrte Gesichiszüge, Spannung und Brennen in der Magengegend ic.
Mit Ausbildung dieser Nervenkrankheit wird durch einen Kramps in den Schlingwerkzeugen das Vorstellungsvermögen des Leidenden so verändert, daß er einen Abscheu gegen alle Flüssigkeiten bekommt.
Anfänglich hat der Kranke bloß eine Beschwerde im Schlingen. An einer Stelle im Schlunde nämlich empfindet er einen gelinden Schmerz oder ein Gefühl von Verengerung. Es veranlaßt dieser Zufall Aengstlich- keit, Lust zum Trinken und doch Furcht davor, Trieb zu wiederholten Versuchen und dann konvulsivisches Athmen, Ekel und Widerwillen gegen Flüssigkeiten, Räus- pern, Würgen, Brechen, Schmerzen im Magen und in den Därmen.
Immer größer werden diese krankhaften Erscheinungen, die Beängstigungen steigen, das Aeußere des
Kranken ändert sich, nimmt bald etwas Trauriges, bald etwas Wildes, Verzweiflungsvolles an; die Augen sind starr, düster oder glänzend, feurig, die Stimme heiser, die Zunge hart und trocken-, die Bewegungen hastig, das Reden rasch.
Diesen sehr leidenden Zustand begleiten Schlaflosigkeit, Herzklopfen, schwerer Athem, Seufzen, Zittern, höchste Empfindlichkeit der Sinne , Lichtscheu, Abneigung gegen Kälte, Fieber, Verstopfung. Den Kranken quält innere Hitze und brennender Durst, und ben» noch kann er nicht trinken. Der Leidende vermag sei- neh eigenen, reichlich hervorquellenden Speichel nicht zu verschlucken, er speit ihn von sich. Die Scheu vor etwas Flüssigem wächst endlich so, daß schon die Berührung von Wasser, der bloße Anblick einer Flüssigkeit, zumal einer bewegten, ja von glänzenden Gegenständen, die einigermaßen dem Flüssigen ähneln, von einem Spiegel oder von einer Metallfläche, auch selbst das bloße Wehen der Lust,,das Rauschen eines Vorhangs — Zusammenschnüren des Halses, Beängstigungen, Aufschreien, Furcht, Zittern, Zuckungen, Wüthen bervorbringen, und die geringste Bewegung oder ein Ungewohnter Eindruck unerträglich wird. Gleiche Wirkung erregt das Geräusch des fließenden Wassers, das Fallen deS Regens rc. Feste trockene Dinge vermögen die Kranken gemeinlich zu schlingen. — Ist der Zustand noch nicht von sehr schlimmer Art, so sind die Kranken auch wohl bisweilen im Stanke, Flüssigkeiten, im Falle sie solche nicht sehen, zu schlucken.
Im Verlaufe .des Uebels treten noch mehr krampfhafte Zufälle ein, Krämpfe der Brust, des Halses, Gesichts, kleiner zusammengezogener Puls, krampfhafte Bewegungen der Glieder mit abwechselnden Ohnmachten Urinbeschwerden, bald Blässe, bald Röthe des Gesichts, schmc.rzhaftesZusammenziehen derBauchmuskeln,Zähne- knirschen, höchst gesteigerte Reizbarkeit der Haut,.Nachtschweiße , Schaum vor dem Munde, Vorliegen der rothen trocknen Zunge, völliges Rasen oder ein tiefsinniger Zustand. Nicht selten ist mit der Krankheit gegen das Ende eine heftige Begierde zu schlagen, zu beißen, zu speien, zu schreien und zu heulen verbunden. In lichteren Zwischenzeiten sehen diese Unglücklichen öfter das Schreckliche ihrer Krankheit ein, erinnern sich dessen , was sie in den Anfällen begangen haben, bejammern ihre Leiden, warnen die Umgebungen. Endlich erfolgt der Tod unter Krämpfen, Beklemmung, Röcheln, ErflickungszufäUen, Schlafsucht, Speichelfluß — zwei- drei bis vier Tage nach dem Eintritte der Wasserscheu. Kurz vor ihrem Ende kommen sie gewöhnlich zu sich. Behandlung der Wunde, welche durch ein wüthendes oder der Tollheit verdächtiges
Thier hervorgebracht worden.
, Je früher nach dem Bisse, die Vorbeugungsvorkch- rungen getroffen wurden , um desto mehr Hoffnung ist vorhanden, daß die Wasserscheu nicht ausbrechen werde. Nur die schnelle Anwendung,der passenden Mittel kann daher wahre Hülfe schaffen, und von einer zweck-