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die Hinterbeine gezogen. Sein Lauf hält keine Ordnung. Er ist bald schnell, bald langsam, wie betäubt. Zuweilen lauft er eine Strecke geradeaus, danü kehrt er plötzlich um und lauft weiter. Sein Lauf hat oft eine bewundernswürdige Geschwindigkeit. Bei dem Anblick von Wasser oder von elwasGlänzendem, dem Wasser Aehnlicben, flieht er meist in Eile und ängstlich davon. Diese Wasserscheu hat jedoch auch Ausnahmen, ist deshalb nicht ganz untrüglich. Denn es gibt Hunde, die während der Wuth ins Wasser springen und durch dasselbe schwimmen, ja Wasser saufen.
Gesunde Hunde scheuen den wüthenden schon beim Beginnen der Krankheit. Sie weichen ihm aus, wenn er ihnen begegnet, bellen ihn nicht leicht an und verfolgen ihn nicht. Können sie sich nicht vor ihm flüchten, so setzen sie sich doch gewöhnlich nicht zur Wehre, sondern legen sich zaghaft vor ihm nieder, suchen ihm zu schmeicheln, und lassen sich ohne Gegenwehr beißen. Wird der wüthende Hund in der Nähe von gesunden eingesperrt, so merkt man diesen bald' an, daß sie in Angst leben, sie bellen nur wenig.
Dritter und letzter Grad. Die Augen sind fcuerroth, bald starr, bald wild sich drehend. Die Zunge hängt bleifarbig aus dem Munde. Jetzt wird der Hund durch die Mächtigkeit Der Krankheit allmählig matter, sein Laus langsamer, schleichend, wankend (besonders an den Hinterbeinen) und taumelnd. Die Haare sträuben sich, der Kopf scükt sich immer mehr, die
Augen triefen häufiger von Wasser, die Zunge wird schwärzlich, geschwollen, und der zähe Geifer im Munde stärker. Das Thier schnappt nach Allem, und beißt, was ihm verkommt, in das Stroh seines Lagers, in seinen eignen Schweif, oder in seine Hinterbeine. Eine jede Berührung, zumal an der Schnarche, macht den Hund tobend. Spritzt man ihm Wasser in den öffnen Mund, so beißt er in den Wasserstrahl mit der größten Wuth und tobt, schluckt aber nichts davon. Er wüthet auch und verfällt in Zuckungen, wenn man ihm einen Spiegel vorhält, und noch mehr, wenn man die Sonnenstrahlen damit auffängt, und das zurückgeworfene Lickt auf die Augen richtet. Endlich fällt e- öfters entkräftet zu Boden, hilft sich schwach wieder auf, und athmet mit Beschwerde. Zuletzt entstehen Zuckungen, unter welchen der Tod gewöhnlich am vierten Tage nach auszebrochener Wuth eintritt.
Sehr zu beachten ist, daHdie Krankheit nicht immer alle die eben beschriebenen Grade durchlauft, daß nicht jederzeit gleiche Erscheinungen bei wüthenden Hunden
wahrgenommen werden. Zuweilen verfallen die Hunde bloß in die stille Wuth, und sterben bereits im ersten Zeitraume der Krankheit, schon am zweiten, dritten oder vierten Tage.
Der allein sichere, einzige Weg, um zu erfahren, ob ein der Wuth verdächtiger Hund toll fei oder nicht, ist, ihn nicht umzubringen, sondern mit Anwendung aller Vorsicht, daß er Niemand schade, in sorgfältiger Verwahrung so lange genau zu beobachten, bis man über die wahre Natur seinks Zustandes Gewißheit erlangt hat.
Ist ein für wüthend gehaltener, oder als solcher doch zweifelhafter Hund bereits gelödtet, so wird es höchst schwierig, zu entscheiden, ob er in der That toll war. Im gemeinen Leben empfiehlt man die Probe, ein Stück Fleisch oder Brod an die Zähne und im Rachen des umgekommenen Hundes zu reiben, und dieses anderen Hunden vorzuwerfen. Zeigten sie einen Abscheu davor, so wäre der in Frage stehende Hund wirklich von der Wuth ergriffen gewesen, aber nicht, wenn sie es fräßen. Eben so könne man die gebissene Wunde, im Falle Der Hund, welcher sie versetzte, entlaufen sei, mit einem Stücke Fleische reiben, und dann auf die eben erwähnte Weise verfahren.
Diese Versuche liefern indeß keine zuverlässige Beweise, wie die Erfahrung gelehrt hat. Auch .das sehr gefährliche Oeffnen eines solchen Hundes thut in dieser Hinsicht nichts Bestimmtes Dar, und aus Dem Befunde des Oeffnens des todten Thieres läßt sich durchaus auf die Natur des da gewesenen Uebels kein sicherer Schluß ziehen. Meist findet sich zwar bei tollen Hun
den der Rachen, die Luftröhre, der Schlund, der Magen und ein Theilder obern Därme entzündet, aber auch andere Ursachen als Die Wuth können diese Erscheinungen hervorbringen.
Nach den sehr werthvollen Beobachtungen des Dr. Heitwig zu Berlin über die Hundswuth werden die tollen Hunde häufig nicht wa sse r s ch e u , saufen vielmehr und schwimmen durch das Wasser. Sie ziehen den Schwanz nicht ein und haben keinen Schaum vor dem Munde. Tolle Hunde — sagt Hertwig — sind unruhig, fressen nicht oder wenig, fressen Holz, Torf, Leder, Hundskoth tc.; lecken Wasser; sind verstopft, haben eine heulende, heiser.e, ängstliche Stimme, fino bissig; schnappen nach Fliegen, ohne Daß solche gesehen werden. Bei der stillen Wuth hängt der Unterkiefer herab, die Zunge heraus-
(Fortsetzung folgt.)
Gedruckt und verlegt in der Buchdruckerei des vereinigten evangel. Waisenhauses.