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Weihnachten „ das deutsche Familienfest

Don H. Steffenhagen.

Lokales

„Tages Arbeit, abends Gäste, saure Wochen, frohe Feste."

In diesen Worten hat Goethe trefflich unser Trachten und Streben zum Ausdurck oebracht. Wir sind von jeher ein Volk der Arbeit gewesen. Deutschland ist kein Land, deßen Boden von selbst seine Früchte hergibt, es ist ein Land, das zu steter Arbeit zwingt, und der verlorene Krieg hat uns in erhöhtem Maße auf diesen Weg gewiesen. Aber ein altes Sprichwort sagt auch: „Nach getaner Arbeit ist gut ruh'n." Diese Ruhe und Erholung fand der Deutsche von jeher nirgends schöner als in seinem Heim, im Kreise der Seinen, wo er sich geben kann, wie er ist, wo er seiner Liebe denen gegenüber Ausdruck geben kann, für die er im Kampfe um das Dasein wirkt und schafft und die ihm oft höher stehen als das eigene Leben. Dieses traute, gemüt­volle Familienleben offenbart sich am klarsten zu den Festeszeiten.

Unter den zahlreichen Fest- und Feiertagen nimmt un­zweifelhaft Weihnachten die erste Stelle ein. Schon das Wort „Weihnachten" hat einen Zauberklang, der unsere Herzen höher schlagen macht und die tiefsten Saiten unse­rer Seele in vollen Tönen erklingen läßt. Was ist es nun, was dieses Fest vor allen anderen so tief in unsere Herzen eingegraben hat, was unsere Augen heller leuchten läßt in den weihnachtlichen Tagen? Vor allem doch das: „Weih­nachten ist in besonderer Weise das Fest der Familie."

Gerade in unserem deutschen Volke, das mit der Tiefe und Innerlichkeit seines Gemütes vor allem befähigt war, das Familienleben zu pflanzen und zu pflegen und das von altersher in dem geweihten Boden der Familie die starken Wurzeln seiner Kraft gehabt hat, ist das Weihnachtsfest das denkbar schönste Familienfest geworden. Mit viel grö­ßerer, äußerer und innerer Beteiligung als in den Gottes­diensten der Kirche wird es im häuslichen Kreise gefeiert. Gar manches könnten wir uns vielleicht wegdenken von dem fröhlichen, beseligenden Weihnachtsfest — eines nim­mermehr: „Die Familienfeier unter dem brennenden Tannenbaum!"

Schon Wochen vorher sinnen die Herzen und schaffen die Hände, um die häusliche Feier zum Höhepunkt des ganzen Jahres zu machen. Zum Weihnachtsfest eilt nach Hause, wer irgend sich aus seinem Pflichtenkreise freimachen kann, und wer kein Elternhaus mehr hat oder kein eigenes Heim, der sieht zu, wo er in Freundeskresen Ersatz finden sann. Wen gar die Sturmflut des Lebens fortgeristen hat von Vaterhaus und Heimat — beim Klange der Weih­nachtsglocken ergreift ihn immer wieder das Heimweh:

„Aus der Jugendzeit, aus der Jugendzeit, Klingt ein Lied mir immer dar:

Ach wie liegt so weit, ach wie liegt so weit, Was einst war!"

Wohl niemals wird ein geliebter Heimgegangener fühl­barer vermißt als unter den strahlenden Lichtern des Weih­nachtsbaumes.

Gibt es wohl ein stimmungsvolleres Familienbild als das einer innigen und sinnigen Familienfeier? Da stehen Mann und Frau unter dem Tannenbaum, und durch ihre Herzen zieht etwas von der Frühlingszeit der ersten Liebe. Da führen Eltern ihre jubelnden Kinder an den Weih­nachtstisch, und sie fühlen den ganzen Reichtum und Se­gen, der ihnen in ihren Kindern beschert ist. Geschwister sind an diesem Abend ein Herz und eine Seele, und auch die trennende Kluft zwischen Herrschaft und Dienerschaft ist vergeßen. Es liegt in dem Wort „Weihnachten" ein eigen­artiger Zauber, der sich nicht beschreiben läßt, der erlebt sein will.

Aber Weihnachten ist mehr als ein bloßer schöner Brauch, als eine gesellschaftliche Sitte. In wie manchen Weihnachtszimmern steht die Weihnachtskrippe. Es stellt ein herzeergreifendes Bild dar, eine Familie, durch die der volle Jubel klingt: „Ein Kind ist uns geboren, ein Sohn ist uns gegeben!" Als leuchender Mittelpunkt in diesem

Weihnachten!

Was das für das deutsche Volk heißt, das hat sich gerade in diesen Tagen gezeigt, als bekannt wurde, die Italiener hätten unseren ^tmmesbriibern in Südtirol den Weih­nachtsbaum verboren. Wachte da nicht eine innere Em­pörung undzugleich ein Gefühl des Nichtfaßenkönnens in uns allen auf? Weihnachten ist eben gerade für das deut­sche Gemüt ein köstlicher Besitz, es ist ein Stück unseres Le­bens, ein unersetzlicher, unwegdenkbarer Teil dessen, was zu unseren Lebensweiten gehört, was uns dieses Leben schön, lebenswert und innerlich wertvoll macht.

Mag es Menschen geben, deren Weihnachtsgedanken, deren Christbotschaft sich in der kalt-nüchternen Ueberle- gung gipflt: „Was schenke ich? Was bekomme ich ge­schenkt?" Mit ihnen ist nicht zu rechnen. Uns anderen ist ja das Schenken und Beschenktwerden nichts weiter als ein zwar lieber, aber doch äußerlicher Brauch, wenn wir das festübliche Geschenk nicht erfaßen als den äußeren Aus- druck, das Sinnbild von etwas Wertvollerem: eines innere,, Gefühls, der Liebe, die wir anderen entgegenbringen und die wir von ihnen empfangen. Die Liebe zur Menschheit war es, die das Licht von Bethlehem in die Welt gesandt hat, die Liebe zum Menschen muß es sein, in deren Zei­chen unsere Weihnachtsfeier steht.

Unser Denken und Trachten ist auch heute noch viel zu sehr auf das Stoffliche, das Muterielle, das mit Händen Greifbare gerichtet. Die große Not der Kriegs- und Nach­kriegszeit hat uns ganz begreiflicherweise zur äußersten Hochschätzung der stofflichen Daseinswerte geführt und der schwere Lebenskampf in dem wir als Volk, als Stand als Familie, als Einzelmensch stehen, hält uns noch heute in der Gefangenschaft dieser Lebensauffassungen. Sie sind be­greiflich, aber sie find falsch. Auf die Dauer kann mit ihnen der Mensch nicht sein Glück, einzeln nicht sein inneres Ge­nügen finden, noch gar ein Volk, für dessen Schicksale letzten Endes immer sein innerer Wert ausschlaggebend werden wird. Und so brauchen wir gerade in unserer Zeit das Weihnachtsfest, den Christgeist doppelt nötig, daß sie uns aus den Jrrnißen und Wirrungen des täglichen Lebens herausführen zu den reinen und lichteren Höhen.

Was auch sonst die Menschen trennen mag, wie auch Neid und Mißgunst wühlen mögen, wie sehr auch irdische

Bild ist das holdselige Kind in ärmlicher Krippe gebettet, und darüber beugt sich die glückselige Mutter und hinter ihr steht als der männliche Schutz für Mutter und Kind Joseph und ringsherum die Hirten, die staunende Freude in ihren Gesichtern. All das Glück einer Familie ist diesem ersten heiligen Familienbild entquollen.

Aber noch mehr: unter dem Einfluß des Christentums hat das Familienleben, das vorher starke Spuren der Ent­artung in sich trug, erst seine wahre Höhe und Tiefe, erst seine Weihe und Verklärung gefunden, und so ist jede weih­nachtliche Familienfeier eine bewußte oder oft auch unbe­wußte Huldigung an der Krippe dessen,'dem die Familie ihre Erneuerung und Verklärung verdankt. Sie ist das laute oder stumme Bekenntnis: „Ich und mein Haus wollen dem Herrn dienen."

In unseren schweren und trüben Tagen geht durch die Welt besonders lebhaft ein Fragen und Suchen, wie die unverkennbar tiefen und großen Schäden unseres Volksle­bens geheilt werden können. Man möchte dem Volkskör­per neues, reines Blut zuführen. Aber all diese Bestre- bungen werden mehr oder weniger zur Erfolglosigkeit ver­urteilt sein, wenn sie nicht von der eigentlichen Quelle der Erneuerung eines Volkslebens ausgehen, von der Familie. Mit Recht sagt einmal der Kunsthistoriker Riehl: Wie das Herz des Hauses, so ist das Herz des Volkes." In der Fa­milie empfängt das Heranwachsende Geschlecht sein Leben, seine Pflege und oft auch die spätere Lebensrichtung. Im Schoße der Familie wird all das, was wir Tugend nennen, Liebe, Treue, Gehorsam, Duldsamkeit, Redlichkeit, Fleiß, Ehrbarkeit usw. großgezogen, auf denen sich das Wohl ei­nes Volkes aufbaut. „Die Familie" — so hat der Deutscheste aller Deutschen gesagt — „ist der Quell allen Segens und Unsegens für die Völker". Wirft man auch nur einen oberflächlichen Blick auf unser heutiges Familien­leben, so läßt sich nicht leugnen, daß die engen Bande der Familie, wie sie früher bestanden, heute von der Gefahr der Auflösung stärker bedroht sind denn je zuvor. Die ganze Gestaltung unseres neuzeitlichen Wirtschaftslebens hat eine Unruhe, Zerißenheit und Unstetigkeit in unsere Familie hineingetragen, wie man sie früher nicht gekannt hat, dazu kommt die große Genußsucht, Zerstreuungssucht, Großmannssucht, die ganze Veräußerung des Sinnes, der mehr draußen das Glück sucht als daheim in der Familie, so daß die einst so starken Burgen echten und wahren Fami­lienlebens zu armseligen verfallenen Ruinen geworden sind.

Nunmehr läuten wieder die Weihnachtsglocken, und wenn Weihnachten das Familienfest ist, so hat es in unse­ren Tagen eine ganz besondere tiefgehende Bedeutung für das Familienleben. Wenn wir die weihevollen Tage recht feiern wollen und recht feiern, so können sie wesent­lich dazu beitragen, das Heim des einzelnen und das deut­sche Haus überhaupt wieder aufbauen zu helfen.

Gesegnet sei das Haus und die Familie, in denen das der Smn und die Bedeutung des Weihnachtsfestes ist! Gesegnet seien die Kinder, welche aus solchem innigen Fa- miliienleben die Erinnei-nng an Weihnachten mit hinaus­nehmen in das Leben. Dann wird Weihnachten nicht nur ein Freuden- und Jubelfest sein nach der Verkündigung des Engels an die Hirten: „Siehe, ich verkündige euch gro­ße Freude, die allem Volke widerfahren wird . . .", son­dern nach dem Lobgesang der himmlischen Heerscharen „Friede auf Erden" wird Frieden in der Familie, im Volk und auch unter den Völkern herrschen. Möge sich dann in diesem Sinne der Zauberklang des Wortes Weihnachten so auswirken, wie es auch geheimnisvoll aus dem Liede klingt:

„O Weihnacht, Weihnacht, höchste Feier!

Wir lassen deine Wonnen nicht!

Du deckst mit deinem heil'gen Schleier

Regungen und Hemmungen unser Leben beherrschen, am Weihnachtsfest fällt das alles wie Zunder von uns ab. Da haben wir die Kraft, wirklich gut zu sein, da senkt sich ein Tau des Göttlichen auf uns herab, da ist nur ein Wunsch ein Sehnen in uns: daß alle Menschen glücklich seien! So ist der lichterglänzende Weihnachtsbaum ein Symbol unse­rer Seele, ein Widerglanz inneren Friedens, reiner Freude, seelischer Eehobenheit und geläuterten Glücksgefühls.

Seit einem Jahrzehnt haben wir den Begriff Notweih­nachten kennen gelernt. Wir haben die ganze Bitternis fühlen und verstehen gelernt, die in einem Weihnachten der Armut und Not, des Elends und der Verzweiflung liegt. Auch in diesem Jahre senkten sich über die Weih­nachtsfreude Hunderttausender von Volksgenossen die schwarzen Schleier der Arbeitslosigkeit und Entbehrung herab. Die Christbotschaft aber lautet: „Und den Men­schen ein Wohlgefallen!" So muß denn gerade in solchem Jahre das Weihnachtsfest ein Fest brüderlicher Gesinnung, christlicher Hilfsbereitschaft, ein Fest der Volksgemeinschaft und der Nächstenliebe sein. Der vom Weihnachtsgeist er­füllte Mensch begeht das Weihnachtsfest nicht in Verschwen­dung und Uebermut, zwischen dem bethlehemitischen Weih­nacht in Dürftigkeit und Armut und der Entfaltung von Prunkerei und Großtun gibt es keinen inneren Zusammen­hang. Für den mit irdischen Glücksgütern Gesegneten kann

schönes Weihnachtsfest geben: die Guttat das Wohltun für jene, die dessen bedürftig sind!

Ein deutscher Eeistesheld hat einmal auf die Frage, welches wohl die glücklichsten Tage seines Lebens gewesen sewn, gesagt: „Deren hab' ich viele gehabt. Aber es war ju|t immer der Heiligabend jedes Jahres!" Diese tief- durchdachten Worte offenbaren eine Wertschätzung des Werhnachtssestes, die es erdentrückt über alles hinaushebt, was uns im Kreislauf des Jahres sonst wohl beschieden ist' Versetzen auch wir uns tnit ganzer Inbrunst in die Schön- ue.lt und Zauberhaftigkeit dieses wahrhaft menschenbe- gluckenden Festes — begehen auch wir es als das Fest der Auferstehung all dessen, was in uns ewig und unvergäng- tlch lst, und wir werden Weihnachten empfinden wahrhaft im Sinne der Botschaft: '

„Friede den Menschen auf Erden!"

Kraftfahrzeugverkehr. Zur Beschleunigung der Aus­fertigung von Zulassungsbescheinigungen und Steuerkarten für Kraftfahrzeuge ist die genaueste Beachtung nachstehen­der Bestimmungen erforderlich: Anträge auf Zulassung von Kraftfahrzeugen sind unmittelbar bei der höheren Ver­waltungsbehörde (Regierungspräsident) von dem Eigen­tümer, nicht etwa Verkäufer, schriftlich zu stellen. Zweck­mäßig werden hierzu Vordrucke benutzt, die für den Re­gierungsbezirk Cassel in der Waisenhausdruckerei in Cassel erhältlich sind. Beizufügen ist die Typenbescheinigung oder die für den Vorbesitzer ausgestellte Zulassungsbescheinigung und eine Steueranmeldung. Formulare für letztere sind bei den Finanzämtern erhältlich. Beim Fehlen der Typen­bescheinigung oder alten Zulassungsbescheinigung ist die Vorlage eines Gutachtens des Dampfkeßel-Ueberwachungs- vereins notwendig. Richtige und vollständige Anträge auf Zulassung von Kraftfahrzeugen, denen Steueranmel­dungen beigefügt sind, können schneller erledigt werden, als mangelhafte ohne Steueranmeldung. In Einzelfällen em­pfiehlt es sich, die Steuer bar zu bezahlen und nicht durch Postscheck pp., da die Ueberweisung eines Betrages immer einige Tage in Anspruch nimmt. Das Mitgeben von aus­gefertigten Papieren in geschloffenem Briefumschlag soll in der Regel nicht stattfinden, da derartige Briefe leicht in Verlust geraten, wie dies schon vorgekommen ist. Ueber die Ausfertigung der Zulassungsbescheinigung und die Zu­teilung der Erkennungsnummer erhält der Antragsteller in kürzester Frist eine Benachrichtigung der Regierung, wo­rauf die Abgabe an das Finanzamt vermerkt ist.

Die Ausstellung des Fuldaer Künstlerbundes hat seit ihrer Eröffnung nahezu 1500 Besucher gehabt. Es ist zu wünschen, daß während der Weihnachtstage die Zahl der Besucher 2000 erreichen wird. Die Ausstellung ist von Freitag bis Sonntag den ganzen Tag geöffnet.

Aus Nah und Fern

Ein Zug im Schnee stecken geblieben.

Gedern» 22. Dezember. Der zwischen Gedern und Lau­terbach verkehrende Personenzug 4133 geriet am Samstag vormittag in einen Schneesturm und blieb stecken. Es be­durfte fast dreistündiger Räumungsarbeiten, um den Zug frei zu bekommen. Durch sofort eingelegte Ersatzzüge sind Störungen nicht vorgekommen.

Schadenfeuer. — Ein Feuerwehrmann verunglückt.

Hachenburg» 22. Dezember. In Hardt bei Marienberg im Oberwesterwald brach in der Gastwirtschaft Cusola Feuer aus, durch das das Gebäude vollständig eingeäschert wurde. Auch ein benachbartes. Wohnhaus fiel den Flam­men zum Opfer. Bei den Löschungsarbeiten wurde der Feuerwehrmann Ernst Schuster von der Marienberger Feuerwehr von einem einstürzenden Gebäudeteil verschüt­tet. Erst nach längerer Zeit konnte der Verunglückte aus den Trümmern gehorgdi^w?rdeen Brandwunden lebensgefährlich verletzt ins Krankenhaus gebracht.

Zur Stillegung der Opelwerke.

Rüsselheim» 22. Dezember. Die Opelwerke werden vom 24. Dezember bis 11. Januar stillgelegt. In einer Be­triebsversammlung, die zu dieser Frage Stellung nahm, wurde mit der Werkleitung folgende Vereinbarung ge­troffen: Sämtliche Arbeiter des Betriebes gelten während der Zeit der Stillegung als beurlaubt und werden nach der Zahl, der ihnen jährlich zustehenden tarifmäßigen Urlaubs­tage voll entlohnt. Es handelt sich somit also nicht um eine Betriebsstillegung, sondern nur um eine Zusammenlegung des Arbeiterurlaubs der gesamten Belegschaft für das ganze Kalenderjahr 1926. Im Jahre 1926 kommt jeder weitere bezahlte Urlaub in Wegfall.

Gesunder Sinn für Tradition.

Halberstadt. In der letzten Stadtverordnetenver­sammlung wurde mit 22 Stimmen (Bürgerbl.) gegen 13 Stimmen (Zentrum, Sozialdemokraten und Kommunisten) die Rücktaufe von vier nach dem Rathenaumord umbe­nannten Straßen beschlossen. Die Richard-Wagner-, Wal­ter-Rathenau-, Kehr- (benannt nach einem um das lokale Kunstleben verdienten Manne) und Friedensstraße werden in Zukunft wieder Kaiser-, König-, Kronprinzen und Ho- henzollernstraße heißen.

Technische Nothilfe.

Marburg. An der hiesigen Universität fand in Anwe­senheit zahlreicher Dozenten der Hochschule eine eindrucks­volle Kundgebung der Technischen Nothilfe statt, die sehr stark besucht war. Als Redner war der Volkswirt der Tech­nischen Nothilfc in Casset. Herr Schreiber-Stoltze, gewon­nen worden der in einem erschöpfenden, groß angelegten Vortrage sachlich und fesselnd die Frage der Notwendigkeit dieses Reichsinstituts untersuchte. Die Ausführungen des Redners zeigten mit zwingender Deutlichkeit, daß die Vor­aussetzungen, die zur Schaffung der Nothilfe führten, heu­te noch nicht fortgefallen sind. Es ist durchaus abwegig, die Notwendigkeit der Organisation lediglich nach dem Grade ihrer Einsatztätigkeit zu bewerten, nicht minder ent­scheidend ist ihr erzieherischer Einfluß bei der Fülle von Verhandlungen anläßlich von Streikdrohungen in ge­meinnötigen Betrieben. Redner erinnerte u. a. an den kürzlichen Arbeitskampf der Gemeindearbeiter in Hessen- Nassau, wo es in zahlreichen Fällen lediglich dem Dasein der Nothilse zu verdanken war, daß sich die Arbeiter zur Durchführung eines Notstandsprogrammes bereit fanden. Redner schloß seine mit starkem Beifall aufgenommenen Ausführungen mit dem Mahnruf, auch weiterhin treu zur Sache der Technischen Nothilfe zu stehen. Anschließend zeigte Herr Schreiber-Stoltze eine Reihe von Lichtbildern aus der Einsatztätigkeit dieses Jahres.

Ein Protest um das Deutschlandlied.

,^m 27. März d. Js. fand in Hochkirch bei Löbau eine vaterländische Versammlung statt, zu der vermittelst Kar­ten Einladungen ergangen waren. Reichstagsabgeordne- ter Gutsbesitzer Domsch aus Großhennersdorf hatte eine Vede gehalten und zum Schluß erhoben sich die Versamm- lungsbesucher und sangen, wie üblich das Deutschlandlied. Nur em Besucher, der etwa 18jährtge Kutscher Mieth,