Lokales.
Preisabbau. Man schreibt uns aus unserem Leserkreis:
Es wäre falsch zu glauben, daß eine Preisabbauaktion lediglich mit Maßnahmen des Reiches durchgeführt werden könnte. Wenn sie Erfolg haben soll, muß die gesamte Politik auch die der Länder und Gemeinden auf eine Regulierung der Preise abgestellt sein. Die ganze Aktion war zwecklos, wenn schon jetzt nach wenigen Monaten das Interesse in der Öffentlichkeit abflaut. Es kommt in der Preisabbau-Politik nicht so sehr auf große weithin sichtbare Erfolge an, als auf eine dauernde Kleinarbeit, die auf einem Zusammenspiel aller gesetzgeberischen und Verwal- tungsorgane, aber auch des breiten Publikums bis zur letzten Hausfrau beruht.
Ansatzpunkte für eine Preispolitik der kommunalen Ver, tretung bilden einerseits die Preisprüfungsstellen und andererseits die gewerblichen Innungen.
Ich halte es für falsch, auf eine Beseitigung der Preis- prüfungsstellen hinzuarbeiten, wenngleich mir bekannt ist, daß diese Stellen vielfach versagen und eher preistreibend als preissenkend gewirkt haben. Das Versagen ist aber sehr oft auf eine ungeschickte oder lässige Vertretung der Interessen des Verbrauchs zurückzuführen. Auch die Preisprüfungsstellen werden nur günstig arbeiten, wenn sie von allen, die dazu Gelegenheit haben, stündig' beobachtet, unter Umständen bei paffender Gelegenheit in den Stadtverordnetenversammlungen oder in der lokalen Presse kritisch besprochen werden.
In Berlin ist z. B., nachdem vorher ein unerhörter Wucher getrieben war, dem Kartoffelhandel eine Handelsspanne von 22^% zugestanden worden. Die Preisspanne Berlins, das immer noch eine der teuersten Städte Deutschlands ist, darf in der Provinz keinesfalls überschritten werden, sondern muß in stark landwirtschaftlich durchsetzten Bezirken wegen der hier geringeren Transportschwierig- keiten herabgemindert werden.
Eng zusammen damit hängt die Einwirkung auf die polizeiliche Kontrolle. Auch dazu ist den kommunalen Vertretungen und Behörden Gelegenheit geboten. Hat eine Preisprüfungsstelle bestimmte Richtlinien aufgestellt, so muß darauf geachtet werden, daß man sie auch einhält. Die Polizei wird das allein nicht überall können; das breite Publikum muß dazu erzogen werden, von offenkundigen Verfehlungen den Polizeiorganen oder seinen kommunalen Vertretern Mitteilung zu machen, statt sich auf ein nutzloses Murren zu beschränken.
Es dürfte sich empfehlen dafür zu sorgen, daß Jnnungs- preise von den Preisprüfungsstellen zur Verhandlung gebracht werden. Stellt man fest, daß in einem bestimmten Handwerk von allen Meistern einheitliche Preise verlangt werden, so muß eine solche Richt- oder Mindest-Preispolitik zum Anlaß einer öffentlichen Kritik gemacht werden. Man kann sich dabei sehr gut auf die Entschließung stützen, die der Ausschuß des Reichsverbandes des deutschen Handwerks am 25. 11. d. Js. in Berlin gefaßt hat:
„Der Ausschuß des Reichsverbandes des deutschen Handwerks erklärt wiederholt seine Bereitwilligkeit, die Maßnahmen der Reichsregierung zur Bekämpfung der Teuerung nachdrücklichst zu unterstützen. Der Ausschuß sieht in Uebereinstimmung mit der Reichsregierung das wirksamste Mittel zur Bekämpfung der Teuerung in der Wiederherstellung des in der Kriëgs- und Uebergangs- wirtschaft empfindlich gestörten freien Spiels der Kräfte in allen Zweigen und Gliedern der deutschen Wirtschaft. Der Ausschuß empfiehlt den Mitgliedskörperschaften des Reichsverbandes des deutschen Handwerks deshalb bis gum Wiedereintritt normaler Wirtschaftsverhältnisse alle Maßnahmen zu unterlassen, durch die eine Hemmung der freien Selbstbestimmung des einzelnen Betriebes bei der Preisgestaltung verursacht werden könnte."
Daraus geht also hervor, daß das Handwerk in seiner Spitzenvertretung selbst dafür eintritt in der gegenwärtigen Zeit von Richt- und Mindestpreisen keinen Gebrauch zu machen und einen freien Wettbewerb zwischen den Handwerksmeistern für notwendig hält. Man wird vielerorts feststellen können, daß diese sehr schönen Richtlinien des Reichsverbandes nicht angewandt werden und die alten Methoden der Einheitspreise weiter in Geltung sind.
Natürlich gehört zu der Preisabbau-Politik der Kommunen auch eine in Abständen immer wieder vorzunehmende Revision der von der Kommune selbst veranlagten Preise z. B. für Gas, Koks, Wasser, Elektrizität. Gewiß ist dabei darauf zu achten, daß städtische Unternehmungen sich selbst rentieren und nicht zu Zuschußbetrieben werden. Vielfach ist aber ohne Störung der Rentabilität ein Preisabbau möglich, wenn darauf geachtet wird, daß die Organisation der Betriebe vom Bürokratismus freigehalten wird.
Ebenfalls in der Richtung der Preisabbau-Politik liegt die unbedingte Sparsamkeit bei allen Positionen des Gemeinde-Etats.
Die kulturellen und Wohlfahrts leistungen der Gemeinden brauchen nicht vermindert zu werden, wohl aber handelt es sich darum, sie mit den geringmöglichsten Kosten zu vollbringen. Ungeschickte Organisation, durch persönliche, oder Parteibeziehungen geförderte Protektionswirtschaft in den Behörden sind immer noch Ursachen hoher Verwaltungskosten und demnach geringer Leistungen. Wer den Mut hat, in solchen Fällen durchzugreifen, dient nicht nur
der Gemeinde, sondern der allgemeinen Wohlfahrt darüber hinaus, weil jede Verschwendung öffentlicher Mittel sich als Preissteigerung oder Einkommenssenkung für die Gesamtheit auswkrkt. Als eine Verschwendung öffentlicher Mittel ist es auch anzusehen, wenn flüssige Gelder zur Unterstützung fauler Privatunternehmungen Verwendung finden. Die zu große Zahl der Betriebe in Handel, Gewerbe und Industrie ist eine der Hauptursachen unseres zu hohen Preisniveaus. Jede Erhaltung konkursreifer Betriebe mit öffentlichen Mitteln wirkt gegen die so notwendige Preisabbauaktion. A. Z.
Die Reichsbankstelle Fulda schließt ihre Geschäftsräume über Weihnachten am 24. d. Mts. mittags 12 Uhr für jeden Verkehr. Eröffnungstermin wird noch bekannt gegeben.
Zollamt. Die Dienststunden des Zollamts in Fulda sind für den 24. und 31. Dezember auf die Zeit von 8 Uhr vormittags bis 2 Uhr nachmittags festgelegt. Die Paketausgabe ist am 25. Dezember von 10—12 Uhr vormittags geöffnet.
Der Kraftpostverkehr auf der Linie Fulda-Hosenfeld ist am 22. d. Mts. wieder in vollem Umfange ausgenommen worden.
Evangelischer Bolksverein. Die seit über 30 Jahren wiederkehrende Vereins-Weihnachtsfeier wird wie folgt abgehalten:
Am 1. Festtag morgens 6 Uhr Besuch der Christmesse.
Am 3. Feiertag nachmittags 3^ Uhr kommen die Mitgliederkinder zur Feier im Stadtsaal zusammen. Die Ansprache hält Herr Superintendent Ruhl. Ein herrliches Theaterstück: „Der alte Sänger" (3 Akte) wird Alt und Jung erfreuen. Zum Schluß erhalten die Kinder reizende Geschenke.
Am Abend 7% Uhr wird das 3öjährige Stiftungsfest gefeiert, das alljährlich einen zahlreichen Besuch aufzuweisen hatte. Theater, eine neue gerechtere Verlosung und ein Ball füllen den Abend aus.
Die Zahlung der Heeresrenten für den Monat Januar 1926 einschl. der einmaligen Zuwendung für Dezember 25 findet beim hiesigen Postamt am 28. Dezember, die der Invaliden- und Unfallrenten am 2. und 4. Januar statt.
Die Zahlstellen sind von 8—12 Uhr vormittags und von von 215—5% Uhr nachmittags geöffnet.
Um Zahlungen an Unbefugte zu vermeiden, ist bei Empfang des Geldes die Ausweisnummerkarte vorzulegen. Bei den Waisenrenten und einem Teil der Invaliden- und Unfallrenten sind die Kinder, für die die Rente oder der Zuschlag gezahlt wird, namentlich aufzuführen. Eine polizeiliche Beglaubigung ist für den Monat Januar erforderlich.
Aus Rah und Fern.
Explosion in einem Dynamitlager.
Saarbrücken, 22. Dezember. In dem an der saarländischen Grenze gelegenen Ort Freimengen explodierte heute mittag das Munitionslager der Saar-Mosel-Eesellschaft. Etwa 400 Kilogramm Dynamit flogen in die Luft, wobei 18—20 Personen durch herumfliegende Splitter verletzt wurden. Fast sämtliche Schaufenster im Ort und in den benachbarten Gemeinden sind zertrümmert. Der Schaden geht in die Millionen Franken. Als ein Glückszufall ist es zu bezeichnen, daß die Explosion nicht auf das nur 40 Meter entfernt liegende große Lager Übergriff, in dem etwa drei Waggon Dynamit lagerten.
Vom Auto überfahren.
Coblenz, 22. Dezember. Auf der Straße nach Metternich überrannte ein unbeleuchteter Lastwagen in der Dunkelheit einen Handkarren, fuhr dann in schleunigster Fahrt über den Bürgersteig und überfuhr dort einen älteren Arbeiter, der so schwer verletzt wurde, daß er auf dem Wege zum Krankenhaus starb. Der Verunglückte hinterläßt fünf unversorgte Kinder.
Ein deutscher Dampfer gestrandet.
Berlin, 22. Dezember. Wie die Morgenblätter aus Wisby melden, ist an der Westküste von Gotland infolge schweren Schneesturmes der deutsche Dampfer „Poseidon" aus Königsberg gestrandet. An Bord befand sich die aus 17 Köpfen bestehende Besatzung. Bei dem Versuch, die Besatzung zu retten, wurden zwei Lotsen von einer Sturzwelle fortgespült und ertranken. Auch der Besitzer des Kalksteinbruches, bei dem der Dampfer seine Ladung ein- geommen hatte, ertrank bei dem Versuch, mit einem Kahn nach der kleinen Insel zu gelangen, vor der der Dampfer liegt. Der Sturm hat sich mittlerweile zum Orkan gesteigert, so daß die Lage des Dampfers sich ständig verschlimmert.
Die Schutzpolizei im Rheinland.
Berlin, 22. Dezember. Die Morgenblätter melden aus Kassel: Mit der Räumung der Kölner Zone von den alliierten Truppen werden laut „Kasseler Tageblatt" durch Verordnung des preußischen Innenministeriums acht Hundertschaften der preußischen Schutzpolizei im Rheinland stationiert werden, darunter auch die zweite Hundertschaft der Kasseler Schutzpolizei unter Führung von drei Offizieren, die nach Köln a. Rh. verlegt wird.
Großer Gemäldeschwindel in Düsseldorf.
Düsseldorf. Wie die „Düffeldorfer Nachrichten" mitteilen, ist die hiesige Kriminalpolizei einem großen Gemäldeschwindel auf die Spur gekommen. Im Zusammenhang hiermit wurde der Gemäldehändler Johann Fertzki ein früherer Friseurgehilfe, festgenommen, weil er über«
'führt worden ist, eine große Anzahl von Gemälden, die er mit den Namen berühmter Maler versehen hat, in den Handel gebracht zu haben. Die Gemälde wurden in Elberfeld, Homburg v. d. H., Ruhrort und Essen umgesetzt. Bei einer Haussuchung bei Fertzki fand man noch 85 Gemälde, die gefälschte Namen trugen. Die Polizei nimmt an, daß noch mehrere Personen in diese Angelegenheit verwickelt sind.
Vermischtes.
St. Thomas.
Der kürzeste Tag des Jahres ist dem heiligen Thomas geweiht, dem Apostel des Herrn, der im Volksmund den Beinamen der „Ungläubige" erhielt, weil er zuerst nicht ay die Auferstehung glauben wollte. Nach der Ueberlieferung soll Thomas, der aus Antiochia stammte, nach Christi Tode nach Persien und Indien gezogen sein, wo er überall das Evangelium verkündete, bis er in der Stadt Mai- lapur bei Madras den Märtyrertod erlitt. Seine Grabstätte befindet sich seit dem Jahre 232 in Edessa, dem jetzigen Ursa in Mesopotamien, und wird als eine der sog. vier „echten" Apostelgräber betrachtet, d. h. neben ö^n drei bisher als echt erkannten Gräbern der Apostel Petrus, Paulus und Johannes. Im Mittelalter war dem heiligen Thomas, der als Schutzheiliger der Architekten und Zimmerleute gilt, der zweite Sonntag nach Ostern geweiht, der deshalb auch als Thomassonntag bezeichnet wurde.
In den Bräuchen, die sich an den Thomastag knüpfen, mischen sich mit den christlichen Vorstellungen Nachklänge aus heidnischer Vorzeit. Aus dieser Zeit stammt vor allem der Glaube, daß die Thomasnacht eine Spucknacht sei, in der die „wilde Jagd" umgehe. Die Geister sollen in der Thomasnacht geheimnisvolle Kräfte über die Menschen besitzen, weshalb es gut ist, ihnen durch allerhand Schreck- und Abwehrgebräuche das Handwerk zu legen. Außerdem ist die Thomasnacht reich an Vorzeichen aller Art für die Zukunftsdeutung. Deshalb sucht man auch aus allen möglichen Dingen die Zukunft zu ergründen. So lieft man Prophezeiungen aus der Form der Wolken und hört sie aus dem Windsausen heraus und den Tönen, die siedendes Wasser von sich gibt. Natürlich knüpfen sich auch mancherlei Liebesorakel an die Thomasnacht.
Wenn auch das Sprichwort sagt: „St. Thomas mit dem Hammer, treibt den Tag auseinander", so weiß man doch auch, daß mit dem Thomastag der kalte, strenge Winter erst beginnt. Ein trockenkalter Thomastag, an dem die Sonne scheint, soll der Saat Glück bringen.
Feldgraue Sprichwörter.
Unter dem Titel „Schwere Brocken 3000 Worte Front- Deutsch" erscheint im Stahlhelm-Verlag, Magdeburg so--» eben die Neuausgabe des von Sigmund Graff und Walter Bormann herausgegebenen „rauhen, aber herzlichen Wörterbuches". Dem von Eduard Thöny illustrierten Werk entnehmen wir aus dem Kapitel „Der gute Ton" die nach-
Das Selbstbewußtsein wächst im Quadrat der Entfer- stehenden feldgrauen Sprichwörter und Redensarten: nung vom Schützengraben.
Wir fürchten nicht den Donner der Kanonen, aber den Aufschlag.
Rasch tritt der Tod den Menschen an: der Herr Oberstabsarzt.
Meine Herren, da liegen wir nun, und zu Hause stehen die Betten leer!
So ein Leichtsinn, hierher zu schießen!
Den Geschäftsgang störend und auf den Abgang des Vordermannes wartend: der Herr Brigadekommandeur.
Worauf warten Sie, Herr Leutnant? Auf den Gegenbefehl, Herr Hauptmann.
Die schießen wieder so lange, bis ein Unglück passiert!
Was haben die Orden mit den schweren Bomben gemeinsam? Beide fallen meist hinter der Front nieder und treffen hauptsächlich Unschuldige!!!
Auf Posten nichts Genaues!
Germania, daß sie nur einen Hermann hätte!
Auf der Kneipe der Burschenschaft „Arminia" zu Marburg hängt unter Elas und Rahmen das Original eines Gedichtes von Friedrich Rückert, das der Dichter der Korporation als Antwort auf die „Dem Dichter der geharnischten Sonette" zu seinem 75. Geburtstage überbrachten Glückwünsche Ende Mai 1863 von Neuß aus übersandte. Das Gedicht, das für Deutschlands Jugend unvergängliche Bedeutung hat, lautet:
„Der Marburger „Arminia"
Was helfen uns geharnischte Sonette!
In andern Waffen steh'n die Feinde da,
Ja, Feinde fern und nah;
Daß gegen sie nur einen Hermann hätte Germania!
Dich stärke, der einst brach die Kette
Mit seines Namens Amulette,
Arminius, Arninia!"
Eine schottische Geschichtserzählerin.
Die Schotten sind bekanntlich wegen ihres Humors berühmt, und so finden sich denn auch eine Menge lustiger Geschichten in dem soeben erschienenen Buch einer schottischen Aristokratin, der Marqueß von Aberdeen, die unter dem Titel „Erzähl' mir was andres" allerlei Anekdoten auskramt. Manchen humorvollen Zug weiß sie von dem Reverend Pater Healy zu berichten, der wegen seiner Witze bekannt war, und zu dem einmal eine junge Dame sagte: „Guten Morgen, Pater Healy. Nun sagen Sie mir