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ses „Dreschen" hat aber Bulach von seinen Vorfahren ge­erbt (das Geschlecht führt den Namen vom Affekte Zorn her) und es wird ihm wohl erst mit dem Alter abgehen.

Als ich sofort nach dem Waffenstillstand die Volks­abstimmung in Elsaß-Lothringen verlangte und voraus­sagte, daß meine Heimat im Rahmen des französischen Staatsverbandes sehr unglücklich werden würde, und dies ausführlich begründete, wurde ich von den französischen Sadisten nicht nur rücksichtslos bekämpft und verfolgt, sondern viele Elsatz-Lothringer geruhten mich lächerlich zu machen. Das war damals, mit Rücksicht auf die Dumm­heit der Menschen, nicht anders möglich. Ich wutzte aber, daß die Zeit kommen würde, wo meine Landsleute ihren großen Irrtum einjehen würden und diese Zeit ist bereits da.

Bor einiger Zeit rr röfsi ntlichte die Pariser Zeitung „La Volante" einen Artikel, in dem sie auf die Lage in Elsatz-Lothringen lnnwies und den Schwindel hinsichtlich des „le Plebiscite est fait" entlarvte. Die Zeitung spricht sehr richtig von theatralischer Aufmachung. Im „Elsäs­ser Kurier" vom 12. November 1925 findet sich folgende Erklärung:

„Ueber die auronomistische Bewegung befragt, die sich plötzlich in gewißen Kreisen der wiedergefundenen Departements bemerkbar gemacht hat, bekunden die un­terzeichnete Senatoren des Ober-Elsaß und des Unter- Elsatz, die Mitglieder der Union populaire republicaine nationale sind, ihre unerschütterliche Anhänglichkeit an Frankreich. Sie bedauern datz inopportune Erklärun­gen eines früheren Kabinetts und besten Mangel an Verständnis für Traditionen, die der Mehrheit der El­sässer teuer sind, für die Bewegung einen Vorwand lie­fern konnten, und äußern den Wunsch, daß der gesun­de Sinn und Patriotismus ihrer Landsleute sich da­von nicht beeinflussen laste und den Geschicken des Va­terlandes weiterhin Vertrauen schenke".

Cez.: General Bourgeois, Helmer, Eegauff, Chano- ine Delsor, Lazare Weitler".

Glauben denn diese fünf politischen Quacksalber, daß durch ein derartiges patriotisches Gefasel die Freiheitsbe­wegung in Elsaß-Lothringen aufgehalten werden kann? Der politische Turm muß schon sehr schief stehen, daß sich diese fünf. Kreaturen der Pariser Imperialisten zu einer derartigen Erklärung bringen ließen. Durch solche Mätz­chen versuchen die Machthaber Gegengewichte gegen die Autonomiebewegung zu schaffen. Lächerlich!

Als ich mich am 20. April 1923 den französischen Be­stien stellte, war die Lage in Elsaß-Lothringen bereits stark verfahren, aber es gelang den Pariser Phrasenfabri­kanten immer wieder auf den patriotischen Saiten zu spie­len. Als ich am 5. Dezember 1923 — nach 8 Monaten klei­nen Kerkers, schwerkrank, verhandlungsunfähig — zu 7 Jahren Haft verurteilt worden war, protestierte meines Mistens nur Dahlet in der „Republigue" und dies in lau­er Form und anscheinend in vollkommener Unkenntnis meiner schweren Erkrankung.

Ich klage Frankreich vor der ganzen Welt des ver­suchten Mordversuchs an und dies durch die lange Haft in einem gefährlichen kleinen Kerker, durch Mangel anLicht, Luft, Sonne und schwerer Unterernährung. Mein Prozeß wurde 8 Monate vertagt, um mich vorher zu ermorden bezw. wehrlos zu machen. Die Erfahrung lehrt, daß ein bestimm­ter Mensch, in einem bestimmten Kerker, unter bestimm­ten Verhältnisten, nach einer bestimmten Zeit stirbt, tödlich erkrankt oder geisteskrank wird. Für den sensiven Intel­lektuellen ist die Gefahr des Erkrankens vielleicht am größ­ten. Die Leiter der Gefängniste und Eerichtsärzte haben eine große diesbezügliche Erfahrung. Die Machthaber ha­ben in Straßburg 2 Eerichtsärzte zu ihrer Verfügung, die politischen Mord begehen werden, wenn es die „Herren des Tages" wünschen: Eelma und Chavigny. Beide Schurken und überdies Ignoranten.

In Straßburg war ich 11% Monate in einem kleinen Käfig eingesperrt: davon 5% Monate schwerkrank. Der Staatsanwalt Corbiere verbot, mich in die zuständige Kli­nik zu schaffen. Hinter diesem Wicht standen die politi­schen Machthaber: Millerand, Poincare, Caillaux und ih­re ganze Meute von menschlichen Schakalen und Hyänen. Kein Ausdruck ist scharf genug, um diese erbärmlichen Menschen zu bezeichnen. Schwerkrank wurde ich mit ge­meinen VevHrechern in einem Gefangenenwagen nach dem Zuchthaus Clairvaux gebracht. Die Reise ging über die Gefängniste von Colmar, Mühlhausen, Chamont. In Clairvaux kam ich erst nach ungefähr vierzehn Tagen in die politische Abteilung. In letzterer waren Behandlung und Nahrung gut. Vom 1. Dezember 1924 bis 12. Sep­tember 1925 war ich in der Zelle Caillaux, in der politi­schen Abteilung des Santegefängnistes in Paris.

Befreit wurde ich nicht durch menschliche Gefühle der Machthaber, sondern durch den Druck der öffentlichen Mei­nung in Elsatz-Lothringen, die Schritte verschiedener Ab­geordneter, der energischen Sprache der deutschen Presse und der Tätigkeit der im Auslande um Dr. Krencke lebenden Altelsäster und Altlothringer. Wie die Lage tatsächlich in Elsatz-Lothringen ist, beweist der Umstand, daß ich krank, durch 29 Monate Haft stark geschwächt aus Elsaß- Lothringen bis auf weiteres verbannt bin.

Lokales.

„Rothilfe" tut Rot.

Di Deutsche Nothilfe tritt wieder auf den Plan. Vor mehr als zwei Jahren, vor allem zur Bekämpfung der da­mals drohenden Ernährungsnot ins Leben gerufen, hat sie bisher — leider! — immer wieder ein überreiches Arbeits­feld gefunden; die amtlichen Mittel für Wohlfahrtszwecke reichen nicht aus, Ergänzung aus den Spenden des deutschen Volkes ist erforderlich.

Die Not steigert sich bei der schlechten Wirtschafts.lage in Verbindung mit dem Winter für viele Tausende ins Unerträgliche. Daher tritt die Deutsche Nothilfe mit neuer Bitte an die Oeffentlichkeit.

Kauft Wohlfahrtsbriefmarken!

Im Vorjahre ist aus dem Verkauf der Wohlfahrtsbrief­marken der stattliche Betrag von 1725 000 Mark erzielt worden. Unter den gegenwärtigen Verhältnisten bieten die neuen Marken, die das Reichspostministerium zugun­sten der Deutschen Nothilfe herausgibt, die einzige Möglich­keit, nennenswerte Summen für Wohlfahrtszwecke zu sam­meln. Denn hier kann jeder, aber auch wirklich jeder sein Scherflein beitragen; und — bei begreiflichen Ausfall der großen Spenden, die früher die Wirtschaftskreise gaben — muß die große Masse des deutschen Volkes, soweit sie über­haupt noch über Einkommen verfügt, es schaffen: aus vie­len Tausenden von 5, 10 und 20 Pfg. sind die Hundert­tausende von Mk. in den verschiedenen Teilen Deutschlands aufzubringen.

Die Wohlfahrtsbriefmarken — 5, 10 und 20 Pfg.- Marken — werden durch die Organisationen der Deutschen Nothilfe verkauft, sind auch bei den Postanstalten vom 15. Dezember ab zu erhalten. Es handelt sich dabei um regel­rechte Briefmarken zum Frankieren aller Sendungen, nicht um Verschlußmarken. Die Marken kosten das Doppelte des Frankaturwertes. Der über den Frankaturwert hinaus­gehende Betrag fließt als Wohlfahrtsaufschlag der Deut­schen Nothilfe zu.

Ehrengabe des Kreisauschusses. Herr Philipp Klitsch,

2. Fräulein Barbara Waldmann, 3. Fräulein Maria Heil in Bad-Salzschlirf ist in Anerkennung ihrer mehr als 40- jährigen Dienstleistung zu 1 in der Mühle des Herrn Wil­helm Klitsch, zu 2. in dem Hotel des Herrn Wüsthofen, zu

3. in der Familie Linnenkohl in VSd-Salzschlirf von dem Kreisausschuß eine Ehrengabe von je 50 Mark gewidmet worden. É

Herrn Magnus Sauer und Herrn Raphael Schrimpf in Margretenhaun ist in Anerkennung ihrer mehr als 25- jährigen Dienstleistung in dem landwirtschaftlichen Be­triebe des Gutes Margretenhaun von dem Kreisausschuß eine Ehrengabe von je 25 Mark gewidmet worden.

Herrn Friedrich Dechant in Böckels ist in Anerken­nung seiner mehr als 30jährigen Dienstleistung bei Herrn Franz Dechant in Böckels von dem Kreisausschutz eine Ehrengabe von 25 Mark gewidmet wporden.

Ehrengaben für Hundertjährige. Der Preußische Herr Ministerpräsident hat in Aussicht genommen, preußischen Staatsangehörigen aus Anlaß der Vollendung des 100. Lebensjahres eine in der staatlichen Porzellanmanufaktur hergestellte Tasse als Geschenk der Preußischen Staatsre­gierung zu überweisen. Anträge auf Gewährung derarti­ger Ehrengaben sind rechtzeitig durch die Hand des Preuß, Ministers des Innern in Berlin einzureichen."

Wichtig für Kriegsbeschädigte und Kriegshinterbliebene. Kriegsbeschädigte und Kriegshinterbliebene, die durch das städtische Wohlfahrtsamt im Monat Dezember d. Js. Zu- satzrenle bezogen haben, erhalten auf Anordnung der Reichsregierung den Betrag von ein Viertel ihrer monat­lichen Zusatzrente als Weihnachtsbeihilfe ausgezahlt. Die Auszahlung erfolgt am Mittwoch, den 23. d. Mts. vormit­tags von 9—12 Uhr an der städtischen Wohlfahrtskasse. Die Beträge müssen an diesem Tage abgeholt werden. Falls dies nicht der Fall ist, wird die Weihnachtsbeihilfe mit der Januar-Zusatzrente ausgezahlt. Gelbe Ausweiskarte ist vorzulegen.

Ehrenmal für die Gefallenen des Weltkrieges.

Man schreibt uns:

Die Ehrung für die Gefallenen des Weltkrieges be­schäftigt heute nicht nur die zuständigen Stellen, sondern auch weite Kreise des Volkes. Mit Besorgnis wird da der Plan verfolgt, die ehemalige Hauptwache in Berlin zu ei­ner Weihestätte umzuschaffen. Berlin mit seinem Hasten und Treiben, seinem Lärm, Staub und Autodüften dürfte kaum die richtige Stimmung und innere Sammlung auf­kommen lassen, die die Angehörigen der Gefallenen an ei­ner Weihe- oder Eedächknisstätte zu finden hoffeü. Mög­lich, daß der Berliner, der ja an manches gewöhnt ist, sich trotz des hastenden Alltags in eine andächtige Stimmung bringen lassen kann. Der Provinzler aber dürfte enttäuscht und entmutigt diese Stätte verlassen, von der er sich Stär­kung seines inneren Menschen versprach.

Der Polizeibericht meldet. In der Nacht zum Sonntag wurde der wegen Einbruchsdiebstahls vorbestrafte ehema­lige Fürsorgezögling Karl Kircher von hier bei einem ver­suchten Einbruchdiebstahl in die hiesigen Wachswerke auf frischer Tat betroffen und festgenommen. — Beim Polizei- Amt in Offenbach a. M. befindet sich ein Fahrrad Marke

„Adler", welches aus einem Diebstahl herrührt. Der Ei­gentümer ist unbekannt. Es ist nicht ausgeschlossen, daß das Fahrrad in der Umgebung Fuldas gestohlen ist. Etwaige Angaben sind der Polizeiverwaltung in Fulda zu machen.

Aus Nah und Fern.

Großfeuer in Hanau.

Hanau. Freitag abend um 11 Uhr brach im ehemali­gen Bekleidungsamt Großfeuer aus. Nach mehr als zwei­stündiger angestrengter Arbeit gelang es der Feuerwehr den Brand auf seinen Herd zu beschränken. In den Räu­men waren Notwohnungen für vertriebene Elsaß-Lothrin­ger eingerichtet, die von mehreren hundert Familien bezo­gen waren. Der Mobilarschaden ist außerordentlich groß.

Vom Auto tödlich überfahren.

Kaiserslautern. Ein Mannheimer Personenauto über­fuhr in der Dunkelheit, weil es nicht beleuchtet war, einen Dienstknecht auf der Straße nach Dreisen. Der Ueberfah- rene wurde mit derart schweren Verletzungen in das Krankenhaus eingeliefert, daß er bald verstarb.

Sittlichkeitsverbrechen falscher Kriminalbeamten.

Trier. Mehrere junge Männer hatten sich einem jun­gen Mädchen achtbarer Eltern als Kriminalbeamte aus­gegeben und es zu einer Vernehmung auf der Polizei auf­gefordert. In den Museumsanlagen überfielen sie dann das Mädchen und übten alle vollendete Notzucht an ihrem Opfer. Der Kriminalpolizei gelang es, die übel beleumde­ten Personen nunmehr festzustellen und zu verhaften, wo­bei sie teilweise ihr Verbrechen eingestanden. o

„Dürkheimer Rotwein".

Landau. Vor dem hiesigen Schöffengericht stand der Weinhändler August Keith aus Birkweiler der seit Herbst 1924 aus überstrecktem Wein, Obstwein und Milchsäure „Wein" hergestellt und diesen als „Dürkheimer Rotwein" unter anderm nach Karlsruhe, Heidelberg, Stuttgart, Nürnberg und Schlesien verkauft hatte. Es wurde festge­stellt, daß von diesem „Rotwein" insgesamt 80 000 Liter in den Handel gekommen sind. Der Angeklagte, wurde zu 10 einhalb Monaten Gefängnis und Mark 3000.— Geld­strafe verurteilt.

Glockenspiel über Stuttgart.

Stuttgart, 21. Dezember. Mit einem sinnigen Weih­nachtsgeschenk in Gestalt eines Glockenspieles, das am Samstag zum ersten Male vom Rathausturm erklang, überraschte die Stuttgarter Stadtverwaltung ihre Bürger. Das aus 27 Glocken bestehende Spiel, dessen Kosten aus freiwilligen Spenden aufgebracht wurden, wurde von dem LMstan^erWurtkembergOchenHochschulesu^Musik^ro^ fessor Wilhelm Kempff, geprüft und als ein wahres Mei­sterwerk der Elockengietzerkunst bezeichnet. Auf seinen Vor­schlag wird das Glockenspiel bis auf weiteres morgens den Chor „Wacht auf" aus den „Meistersingern", mittags ein schwäbisches Volkslied und den Hohenfriedberger Marsch und abends das Brahmssche „Guten Abend, gute Nacht" er­klingen lassen. Die auf die 27 Glocken zugeschnittenen Kompositionen können nicht nur durch ein Uhrwerk ausge­löst, sondern auch auf einer Tastatur vorgetragen werden.

Vermischtes.

Vom Leipziger Thomanerchor.

Dem Thomanerchor in Leipzig sind wiederum in grö­ßerer Anzahl Einladungen zugegangen, im Ausland eine Reihe von Konzerten zu veranstalten. Holland, die Schweiz Schweden,auch Amerika wünschen den berühmten Chor in seinen Leistungen zu hören. Ein Beweis, welch tiefen Eindruck die Darbietungen des Chores bei den früheren Auslandsreisen, die von 1920 an regelmäßig stattfanden, gemacht haben. Der Chor hat da mit ein Stück Kulturmis­sion erfüllt, denn es war sein Bestreben in den Konzerten in fernen Ländern, durch das geistige Gut der großen deut­schen Musik für das deutsche Wesen zu werben, ihm Aner­kennung und Verständnis zu gewinnen. Nichts anderes wurde dabei getan, als daß ein Wirken über die Grenzen des Vaterlandes hinausgetragen wurde, das seit Jahrhun­derten Leipzig zu einem Mittelpunkt der deutschen Musik­kultur gemacht hat. Was vor vierhundert Jahren in der Leipziger Thomaskirche zum ersten Male erklungen war, ertönte neu in den weiten Hallen ausländischer Dome! Die ehrwürdigen Thomaskantoren Calvisius, Schein, Knüpfer, Schelle, Kuhnau wurden bekannt, und leuchtend in der Gloriole seines Ruhmes erschien Johann Sebastian Bachs unsterlicher Name.

All diese ehrfurchtgebietenden großen Künstler wirkten in der Stille als Kantoren der Thomasschule zu Leipzig, und für den Alumnenchor dieser seit 1212 bestehenden Schule schrieben sie ihre nöch heute lebendigen Gesänge, Motetten und Kantaten. Eine Ueberlieferung, die ihre stärkste Pflege naturgemäß noch in der Leipziger Thomas­kirche findet. Allwöchentlich singt dort der Thomanerchor am Freitag und Sonnabend die Motetten seiner großen Meister, und sonntäglich erklingen im gemeinsamen Wir­ken mit dem Gewandhaus-Orchester die Kantaten Johann Sebastians; denn auch diese Wunderwerke der deutschen Musik sind geschrieben worden für die gottesdienstlichen Feiern der Leipziger Hauptkirchen.

Aber auch in der nachbachschen Zeit waren es immer Meister von Rang und Bedeutung, die die in der Musik­welt hochangesehene Stellung eines Thomaskantors inne hatten. Wir erinnern an Johann Adam Hiller, den Schöp­fer des deutschen Singspiels und der deutschen komischen Oper, an Carl Eberhard Müller, den Komponisten der Klaviercapricen und den Weimarer Hofkapellmeister und