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Wirteprotest gegen die Beschränkung des Karnevals.

Koblenz, 18. Dezember. Von der Stadtverordneten- Versammlung ist unlängst eine schärfere Besteuerung aller karnevalistischen Veranstaltungen vom 1. Januar 1926 ab beschlossen worden. Die hiesigen Wirte sehen in der schär­feren Besteuerung eine Erdrosselung des Karnevals, der allein noch einmal die Gastwirte über den Berg hätte brin­gen können. In der Erwartung, daß das Karnevalstrei­ben im Monat Januar unter den entscheidenden Steuer­maßnahmen nicht zur Entwickelung kommen kann, ist hier schon 300 Gastwirtsangestellten gekündigt worden.

Ihren Ehegatten erschlagen.

Kaiserslautern, 18. Dezember. Im Verlaufe eines Ehe­streites zwischen den Eheleuten Philipp Becker kam es zu einem Handgemenge, wobei die Frau ihrem Manne mit einem Kartoffelstößer den Schädel einschlug, sodaß der Tod alsbald eintrat.

Eine kinderreiche Familie.

Trier, 18. Dezember. Der hiesige Maurer Alois Spang hat dieser Tage sein zwanzigstes Kind auf dem Standes­amt anmelden können. Sämtliche zwanzig Kinder leben noch und erfreuen sich guter Gesundheit, trotzdem die Fa­milie zurzeit nur von Erwerbslosen-Unterstützung leben muß.

Eine schwere Bluttat.

Konstanz (Bodensee), 18. Dezember. Heute mittag zwischen 12 und 1 Uhr ereignete sich hier eine schwere Blut­tat. Der von seiner ersten Frau geschiedene Maschinen­meister Stopp gab auf seine zweite Frau ehren Revolver­schuß ab, der diese sofort tötete. Dann floh der Mörder über die Grenze und brachte sich dortselbst drei Revolver­schüsse bei. Der Mörder wurde in schwerverletztem Zustan­de in das Konstanzer Krankenhaus eingeliefert. Der Grund der Tat scheint in Familienzwistigkeiten zu liegen.

Tagesgefchichte.

Doumer zum Finanzminister ernannt.

Paris, 18. Dezember. Amtlich wird mitgeteilt, daß Doumer zum Finanzminister ernannt worden ist. Die Kammergruppen des Kartells haben mehrere Abgeordne­te beauftragt, Richtlinien für ein Finanzprogramm des Kartells auszuarbeiten.

Englands Rückkehr zum Schutzzoll.

Berlin, 18. Dezember. Gestern wurde im Unterhaus das Jndustriefchutzgesetz in dritter Lesung mit 245 gegen

Der tolle Mister

Teddy von Rewyork.

Der Roman eines Eigenwilligen.

Von Erich Friesen.

(38. Fortsetzung.)

Ein spähender Seitenblick fliegt zu Harding hinüber.

Harding fährt sich nervös über die Stirn.

„Schwer zu wiederholen. Immer nur abgebrochene Worte. Schwindel, Humbug und dergleichen. Was sagen Sie dazu, Bartley?"

Mit einer grandiosen Geste zuckt er die Schultern.

„Was Leute dieser Klasse sagen, kümmert mich nicht!"

Ein leicht ironisches Lächeln, das etwas an den frühe­ren Edward Harding erinnert, zuckt um seine herabgezoge­nen Mundwinkel.

"Ich denke, Sie vertreten die Rechte der arbeitenden Klasse? Na egal! Sie wollten ja etwas Wichtiges mit mir besprechen? Sicher nichts Gutes!"

„Leider nicht," gibt Bartley mit bedauerndem Kopf­schütteln zu. „Ich fürchte, wir haben uns getäuscht!"

„Getäuscht —?" Edward Hardings Gesicht wird asch­grau. „Wieso — getäuscht?"

„Die Sache mit der Kupferader scheint ein Irrtum ge­wesen zu sein!"

„Ein — Irrtum?"

„Es hat sich leider herausgestellt, daß kein Kupfer vor­handen ist. Oder wenn doch, so in solch geringem Maße, daß es gar nicht in Betracht kommt."

Edward Harding hat die Empfindung, als öffne sich vor ihm der Erdboden. Aber er beherrscht sich mit aller Gewalt.

Krampfhaft umspannen seine Hände die Armlehnen des Sessels, während seine aufgerissenen Augen den Anderen fassungslos unstarren.

„Kein — Kupfer — vorhanden?"

„Aber das Urteil des Sachverständigen?"

„Lautete anders — leider!" Henry Bartley macht eine kleine Pause und fragt dann ganz unvermittelt, als käme ihm plötzlich ein Gedanke: „Uebrigens — heben Sie das Gutachten nur sorgsam auf, lieber Harding!"

Dieser schreckt aus seinem dumpfen Brüten auf.

„Das haben Sie ja, Bartley —! Sie wollten es jemand zeigen, der Aktien kaufen solltej"

„Ja, ich entsinne mich. Aber ich gab es Ihnen wieder." i »So —? Na, da wird es wohl irgendwo hier zwischen Siegen."

135 Stimmen angenommen. Gleichzeitig wurde eine Pe­tition an den Premierminister, den Schatzkanzler und den Präsidenten des Handelsministeriums veröffentlicht, in der 70 der größten Firmen Englands gegen das Vorgehen der Regierung protestieren, den Protektionismus durch Hin­tertüren wieder einzuführen.

Die Kabinettsbildung in Portugal.

Lissabon, 18. Dezember. Der Präsident der Republik Portugal hat den Führer der demokratischen Partei, mit der Kabinettsbildung beauftragt.

Abschluß der internationalen Eisenbahnkonferenz in Moskau.

Moskau, 18. Dez. Die internationale Eisenbahnkon­ferenz in Moskau ist abgeschlossen. Die Teilnehmer un­terzeichneten ein Abkommen über den direkten Verkehr zwischen Westeuropa mit dem fernen Osten.

Tschitscherin in Berlin erwartet.

Der russische Außenminister Tschitscherin wird, heute Abend in Berlin erwartet, wo er eine neue Besprechung mit dem Außenminister Dr. Stresemann haben wird. Die­se Besprechung dürfte sich übrigens auch mit der Abrüst­ungsfrage beschäftigen, da Rußland ebenso wie Deutschland zur Teilnahme an den vorbereitenden Verhandlungen zur Abrüstungskonferenz eingeladen worden ist. Tschitscherin wird etwa bis Montag in Berlin bleiben und dann über Warschau die Rückreise nach .Moskau antreten.

Der Zustand der italienischen Königinmutter besorgnis­erregend.

Rom, 18. Dezember. Der Zustand der Königinmutteer, die vor einigen Tagen in Bordighera plötzlich erkrankt ist, hat sich wesentlich verschlechtert. Die königliche Familie ist: in der vergangenen Nacht nach Bordighera abgereist.

Das Verfahren gegen den Oberleutnant Roßberg eingestellt.

Leipzig, 18. Dezember. Wie mitgeteilt wird, beschäftigte sich der Staatsgerichtshof zum Schutze der Republik in nicht öffentlicher Sitzung unter dem Vorsitz des Senatspräsiden­ten Niedner am 3. Dezember mit der Strafsache gegen den früheren Oberleutnant a. D. Gerhard Roßberg. Der Ge­richtshof kam nach Anhören des Oberreichsanwaltes zu dem Beschluß, das Verfahren auf Grund des Amnestiegesetzes einzustellen.

Abd el Krims Vorbereitungen für einen Frühjahrsfeldzug.

Paris, 18. Dezember. Nach einer Meldung aus Fez trifft Abd el Krim alle Vorbereitungen für einen neuen Frühjahrskrieg. Er läßt neue Straßen bauen, Unter­kunftsmöglichkeiten für die Truppen errichten, großzügige

Und Edward Harding schiebt nervös an dem Haufen Papiere herum, die den Schreibtisch fast ganz bedecken, wäh­rend Bartley verstohlen nach seiner Brusttasche greift, um sich zu versichern, daß das fragliche Dokument ^wohl ver­wahrt dort ruht und nicht mehr zum Verräter seiner fau­len Machinationen werden kann.

Schwüle Pause. Dann erhebt sich Harding mühsam, sinkt aber sogleich in einem Anfall von Schwäche wieder in den Stuhl zurück.

„Die Leute hatten also doch recht —" murmelt er, mehr zu sich selbst, als zu seinem Gefährten. „Kein Kupfer — alles Schwindel — Humbug--großer Gott, dann bi'n ich ja ein Bettler!" schreit er plötzlich in einem völlig ver­zweifelten Tone auf.

Jetzt ist der Moment für Henry Bartley gekommen.

„Sie sehen zu schwarz, lieber Harding!" tröstet er sal­bungsvoll.

„Nein, nein. Es ist so!" beharrt der Andere. „Sie wissen, ich habe Geld ausgenommen unter der Voraussetz­ung der Kupferausbeute. Und die Aktien — wie soll ich für das alles aufkommen? Ich bin mehr als ein Bettler, etwas weit, weit Schlimmeres!"

Und der bedauernswerte Mann fährt sich mit beiden Händen in die Haare.

„Beruhigen Sie sich!" tröstet Bartley aufs neue, indem er die Hand auf den Arm des Aufgeregten legt. „Die Sache mit den Aktien wird sich geheim halten lassen. Die meisten sind noch garnicht ausgegeben. Erst gezeichnet. Auch noch kein Geld dafür in Empfang genommen. Was in meinen Kräften steht, soll geschehen, um alles möglichst geschäftlich korrekt zu erledigen. Ich fühle mich ohnehin nicht frei von Schuld. Ich selbst war es, der Sie auf die Kupferspuren aufmerksam machte, der dem Sachverständigen die Probe übergab —"

Mit müdem Lächeln wehrt Harding ab.

„Sie wollten mein Bestes. Haben sich in der ganzen Sache als mein Freund bewiesen, lieber Bartley. Daß das Ganze ein Irrtum war — dafür können doch Sie nichts!"

„Allerdings. Dafür kann ich nichts. Aber dennoch —"

Und Henry Bartley fährt sich mit gut gespielter Rüh­rung über die Augen.

„Im Grunde genommen,'was liegt an mir!" murmelt Harding in sich hinein. „Ich bin ein alter Mann! Abge­wirtschaftet, lebensüberdrüssig. Nur mein armes Kind, meine Evelyne —"

Und mit Mühe unterdrückt er ein Schluchzen.

Der Andere beobachtet ihn genau.

„Mister Harding —" beginnt er zögernd.

Doch Edward Harding hört den Einwand gar nicht. Mit raschen, fieberhaft erregten Schritten geht er im Zim­mer auf und ab.

Telephon- und Telegraphennetze anlegen und die drahtlosen Stationen vermehren. In einem Aufruf an die Araber­stämme sagt Abd el Krim, er werde den heiligen Krieg bis zur Befreiung aller mohanredanischen Mittelvölker in Sy­rien, Tripolitanien und Marokko fortsetzen und vor keinem Opfer zurückschrecken.

Erschießung eines englischen Kapitäns in Rußland.

London, 18. Dezember. Nach Meldungen aus Moskau ist der englische Kapitän Sidney Reilly durch Tschekasolda- ten getötet worden. Die Londoner Sowjetgesandtschaft teilt mit, daß sie aus Moskau Einzelheiten üer die Ermor­dung angefordert habe.

Regierungsbildung in Thüriingen.

Weimar, 18. Dezember. In der heutigen Plenarsitzung des thüringischen Landtages ist die geplante Regierungs­umbildung vorgenommen worden. Es wurde an Stelle der zurückgetretenen Staatsräte Dr. Haertrich (Landbund) und Dr. Richter (Volkspartei), die dem Landtag nicht angehör­ten, die Ageordneten Höfer, der Führer des Landundes und der Vizepräsident des Landtages Dr. Geier (Deutsche Volkspartei) zu Staatsräten gewählt.

Ein verhängnisvoller Irrtum.

Kreuznach, 18. Dezember. In der Nähe des Bahnhofes Rascheidt glaubte ein Jäger in der Dunkelheit ein Wild­schwein aufgestöbert zu haben und schoß daraus, traf aber einen Bahnbeamten, der sich nach beendetem Dienst auf den Heimweg befand, und den er in der Dunkelheit für ein Wildschwein hielt. Der Beamte mußte infolge des un­glücklichen Schusses ins Krankenhaus eingeliefert werden, wo er in der vergangenen Nacht starb.

Kirchliche Nachrichten.

Evangelischer Gottesdienst.

Sonntag, den 20. Dezember vormittags 9% Nhr: Sup. Ruhl.

11 Uhr Kindergottesdienst.

Abends 6 Uhr Land. Schaefer.

Amtswoche Sup. Ruhl.

Dienstag, den 22. Dezember, abends 8 Uhr Kirchenchor.

Druck und Verlag: Eutenbergbuchdruckerei Fulda. Ver­antwortlich für den politischen und übrigen Textteil: k V. Kurt G. Krebs, für die Inserate: Paul Flagmeyer, sämtlich in Fulda.

M die FikMellmg".

„Mein Kind — meine Evelyne — was wird aus ihr? Sie ist im Luxus aufgewachsen. Jetzt soll sie sich plötzlich ihr Brot verdienen — womit? Unsere Cottage wird uns genommen — wir haben kein Dach mehr llber'm Kopf —

„Nicht weiter!" unterbricht ihn Bartley mit schönem Ernst. „Kommen Sie! Nehmen Sie wieder Platz! Ich habe Ihnen noch etwas zu sagen."

„Noch etwas?"

„Etwas, das für mich wichtiger ist, als für sie, lieber Harding. Ich würde noch geschwiegen haben — die Sache der Zeit überlassen haben. Aber Ihre Angst um das Schick­sal Ihrer Tochter drängt mich zu offener Aussprache."

Sein Ton ist sehr ehrlich, so ganz tiefer „Brustton der Ueberzeugung" — Edward Harding folgt der Aufforde; rung und setzt sich wieder. Und wartet, was der Andere noch zu sagen hat.

Bartley räuspert sich ein paar mal, bevor er beginnt:

„Sie waren in der letzten Zeit so ganz von der unglück­seligen Kupferangelegenheit in Anspruch genommen, hat­ten so gar keinen Sinn für für irgend etwas anderes, daß Ihnen wohl ein Umstand entgangen ist, den Sie sonst sicher gemerkt haben würden."

Er macht eine kleine Pause. Da er jedoch keine Ant­wort erhält, führt er in glattem Konservationston fort:

„Seit Monaten habe ich mich sehr viel in der Gesellschaft Ihrer Tochter aufgehalten. Kein Mann — wenigstens kein Mann mit Herz und Gemüt — könnte beständig Miß Evelyne in ihrem ganzen Liebreiz, ihrer wohltuenden Na­türlichkeit und Jugendfrische vor sich sehen, ohne sein Herz an sie zu verlieren. Um es kurz zu machen: ich liebe Ihre Tochter, Mister Harding. Ich schwieg bis jetzt, weil ich in Miß Evelyne ein zukünftig reiches Mädchen sah. Ich wollte nicht in den Verdacht kommen, eine Geldheirat zu schließen. Die Welt ist mit ihrem Urteil ja schnell fertig. Wenn mir auch später das Vanderbild'sche Vermögen zufällt, so liegt diese Zeit ja noch fern. Vorläufig bin ich ein vermögens­loser Mann, der hart arbeitet, um standesgemäß leben zu können. Was mich bei meiner Liebe zu Miß Evelyne diese Zurückhaltung kostete, brauche ich^ nicht besonders zu be­tonen."

Er seufzt leise auf und schüttelt wie in Erinnerung der erlittenen Pein traurig den Kopf.

Edward Harding sagt auch jetzt noch nichts. Er ist mo­mentan eines klaren Gedankens unfähig. Zu viel strömt auf sein armes Hirn ein.

Henry Bartley scheint sich von seinen Erinnerungen er­holt zu haben: denn aufs neue nimmt er das Wort:

(Fortsetzung folgt.)