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Lokales.

Der Schneemann.

Der Zeitungsonkel kommt ab und zu auch einmal durch die Straßen der Außenstadt, in denen die Schulbuben sich des freien Nachmittags freuen und auf ihre bescheidene Weise an Winter und Schnee Freude haben.

Wälzen doch da zwei „Lauser", höchstens 7 Jahre alt riesige (für ihre Kräfte) Schneeballen. Was gibt das? Natürlich — einen Schneemann, der unproportioniert wie in unserer Jugend aus zwei dicken Ballen, Bauch und Brust, und einem Knödel oben darauf, Kopf genannt, be­steht. Fehlen nur noch die Kohle- oder Holzstücke für Au­gen und Mund, die Mohrrübe für den „Erker" und die ausrangierte, Eott-weiß-wo aufgestöberte Behauptung.

Oh, lieber Mitbürger: Eno te auton — erkenn dich selbst in diesem faßähnlichen Wesen, das aus drei Rundnu- gen: Bauch, Brust, Kopf besteht, dem ein Besenstiel oft „inneren Halt" verleiht, das aber nicht nur kalt, sondern bei Licht besehen (und bestrahlt) wässerig ist.

O Tannenbaum!

„Oooo . . . Tannenbaum-- Oooo . . . Tannenbaum--"

So fingt'? die Trete, singt's der Franz, so prägt's das arme Dorfschulmeisterlein der Jugend ein. Wir alle, die wir das Lied fingen, finden nichts dabei.

Doch der Botaniker ist empört und spricht: „Da besin­gen die Menschen den Tannenbaum und stehen am Heili­gen Abend in Wirklichkeit unter einem Fichtenbaum; denn der Weihnachtsbaum ist meist keine Tanne, sondern eine Fichte?"

Daran läßt sich nun nichts mehr ändern. Man stelle sich nur einmal vor, zu welchen Mißverständnissen es füh­ren könnte, wenn der mit einem Weihnachtsbaum bewaff­nete Ehemann von seiner Gattin empfangen wird: „Na, du hast ja 'ne schöne Fichte mit nach Hause gebracht?"

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wie grün find deine Blätter" . . .

Der Botaniker gibt sich noch nicht zufrieden. Er be­hauptet, er habe in der Schule im naturkundlichen Unter­richt gelernt, daß dieTanne, alias Fichte zu jenen Gewäch­sen gehöre, die an Stelle der Blätter Nadeln haben. Dem­nach müßten wir also singen:

„O Fichtenbaum, o Fichtenbaum, wie grün sind deine Nadeln". Lassen wir den unverbesserlichen Querkopf hinter feinem warmen Ofen ruhig den botanisch verbesserten Text fingen.

Aber der Wahrheitssucher ist in Wirklichkeit kleinlich. Er behauptet bei den Verszeilen:

„Du grünst nicht nur zur Sommerzeit, nein auch im Winter, wenn es schneit . . ." daß der Tannenbaum auch im Winter grünt, wenn es nicht schneit.

Sicherlich aber wird er tauben Ohren predigen. Man wird auch an diesem Weihnachtsfest die benadelte Fichte als blätterreiche Tanne ansprechen, auch wenn er weiter behaupten sollte, daß man nicht singen dürfe:

„Am Weihnachlsbaum die Lichter brennen" sondern, daß nach Duden die Mehrzahl von Licht „Lichte" sei.

Wir werden dem wohlgemeinten Rat des Botanikers nicht Folge leisten. Soll er sich, wenn alles lieblich und friedlich um den Fichten-Tannenbaum versammelt ist, sei­nen Vogelbauer vorholen, einen seiner beliebten Balkon­kostgänger, einen richtiggehenden Spatzen Hineinsetzen und in raffinierter Weise Rhytmus und Melodie von „O Tan­nenbaum" nachahmen, etwa so:

„O Nachtigall, o Nachtigall, Wie grau find deine Haare".

Naturheilverein. In der „Harmonie" hielt Herr E. (gutfei, praktiz. Vertreter der Naturheilkunde, einen sehr lehrreichen, von farbigen Bildtafeln erläuterten Vortrag über die „Augen-Diagnose." Nach seinen Ausführungen besteht letztere in der Beurteilung des Gesundheitszustandes aus dem äußeren Bilde der Regenbogenhaut oder Iris. Daraus find sowohl erbliche Anlagen, sowie auch erlittene Verletzungen, Entzündungen und sonstige krankhafte Ver­änderungen im Körper erkennen. Selbstverständlich kann die Augendiagnose erst nach sehr gründlichem Studium und langjährigen Erfahrungen erfolgreich ausgeübt werden. Ist auch die Entwickelung des bisherigen Systems keines­wegs vollendet und abgeschlossen, so gewährt doch schon heu­te eine sachgemäß ausgeführte Augendiagnose eine wert­volle Unterstützung und Ergänzung der sonstigen inneren und äußeren Untersuchung des Kranken. Die herrschende sogenannte „Schul-Medizin" steht ihr freilich ablehnend gegenüber, wenn auch viele bekannte und berühmte Aerzte und Professoren nach den Forschungen und Lehren von Dr. Peczily Dr. Schlegel, Madaus, Thiel, Falke und ande­ren mit gutem Erfolg das Jrisbild beurteilen. — Das prahlerische Gebühren gewisser „Heilkünstler", welche alle Krankheiten unfehlbar und ausschließlich aus den Augen erkennen wollen, muß gebrandmarkt werden. Solche Leute sind nicht Naturheilkundige (wie sie sich mit Vorliebe nen­nen), sondern fie verdienen eher die Bezeichnung „Schwind­ler." — An den gut ausgearbeiteten und leicht verständ­lichen Vortrag schlossen sich lebhafte Beifalls- und Dank- Kundgebungen unb, eine anregende Aussprache.

Die Landesbibliothek und ihre Kataloge. Alan schreibt uns: Es herrschen in weiten Kreisen unserer Stadt offen­bar Mißverständnisse über das, was die Landesbibliothek besitzt und über die Wege, wie man sich die Kenntnis ihrer Schätze beschafft. Viele sind der Ansicht, daß das, was in der Ausleihe stehe, die ganze Bibliothek repräsentiere. In der Tat ist es nur ein verschwindend kleiner Bruchteil der­selben, wir stellen hier auch nur die von weiten Kreisen vielbegehrten, vor allen einen großen Teil der Neuankäufe auf und wollen mit dieser Auswahl besonders denen hel­fen, die nicht mit bestimmten Wünschen zur Anstalt kommen. Jeder kann jedes Buch, das hier nicht steht, ohne weiteres einsehen und das für ihn Passende direkt entleihen. Was die Ausleihe birgt, ist aber auch in einem besonderen Kata­log, der eben gerade in 6 Seerigschen Kapseln neu herge­stellt ist, verzeichnet. Auch diese können von jedermann eingesehen werden. Neben dieser Auswahlbibliothek be­sitzen wir rund 65 000 Bände, die größtenteils in den bei­de oberen Etagen aufbewahrt werden. Ueber diese gesäur­ten Bücherbestände führen wir zwei Kataloge, die im Jahre 1923 vollendet wurden und nach technisch modern­sten Grundsätzen ausgeführt sind, nämlich einen alphabe­tischen oder Nominal-Katalog und einen systematischen oder Real-Katalog. Auch diese Kataloge, die im ganzen 320 Kap­seln umfassen, werden dem Publikum gern im Lesesaal vor­gelegt. Wer wissen will, was von einem bestimmten Autor z. B. Freiligrath, Keppler, Gutberlet, Sombart usw. bei uns zu haben ist, der verlange den alphabetischen Katalog, der ihm sofort über das Gewünschte Auskunft geben wird. Wer dagegen wissen will, was über ein bestimmtes Fach in unserer Bibliothek vorhanden ist, der muß zu dem systema­tischen Katalog greifen. Wir haben ihn nach Hauptfächern gegliedert, z. B. Pädagogik, Geographie, Staatswissen­schaften, Theologie usw. Jedes Hauptfach zerfällt aber wieder in kleinere Gruppen, deren Zahl um so größer ist, je größer unsere Bestände in einer Abteilung sind und je mehr eine Wissenschaft in ihrer Entwickelung sich selbst spezialisiert hat. Wer also z. B. Literatur über physikali­sche Geographien, über Leibesübungen, über Ethik, über Bankwesen usw. sucht, der wird sie im systematischen Ka­talog dicht beieinander finden. Wer sich eine Uebersicht über unseren systematischen Katalog mit allen seinen Haupt- und Unterabteilungen verschaffen will, dem legen wir gern das Foliobändchen, in dem sie ausgezeichnet sind, vor. Selbstverständlich ist aber jeder Beamte auch bereit, den Besucher in der Benutzung der Kataloge einzuführen. Einen Schlagwortkatalog, wie ihn manche Bibliotheken führen, besitzen wir nicht. Der Schlagwortkatalog reiht ohne Rücksicht auf wissenschaftliche Systematik rein alphabe­tisch nach sachlichen Ordnungsworten die Literatur anein­ander. Es können sich beispielsweise folgen im Schlagwor­te: Civilrecht, Clairvaux, Claudianus, Claudius (Matth.), Clemens VI, Coburg usw. Wo ein systematischer Katalog stark spezialisiert ist, ersetzt er in vielen Fällen den Schlag­wortkatalog. Immerhin denkt die Bibliothek daran, ein­zelne ihrer Abteilungen einmal nach Schlagwortart zu be­arbeiten. Im allgemeinen kann gesagt werden, daß der Schlagwortkatalog sowohl nach seiner Zweckmäßigkeit wie nach seiner Einrichtung eine heute in Fachkreisen noch sehr umstrittene Sache ist.

Das Postamt schreibt uns: Vom 17. d. Mts. ab verkehrt die Kraftpost auf der Linie Fulda-Poppenhausen wieder fahrplanmäßig.

Sonntag, den 20. Dezemer ist die Paketannahme und Ausgabe von 8—9 und von 11—12 Uhr vormittags ge­öffnet.

Am 24. Dezember werden die Schalter, abgesehen von dem Schalter für die Annahme von Telegrammen und die Anmeldung,von Gesprächen um 4 Uhr nachmittags ge­schlossen, letzterer bleibt bis 7 Uhr abends geöffnet und ver­kauft bis dahin auch Postwertzeichen in kleineren Mengen.

Am 25., 26. und 27. Dezember und am Neujahrstag ist der Schalter- und der Zustelldienst wie folgt geregelt: Die Schalter find an den genannten Tagen wie an Sonntagen geöffnet. Am ersten Weihnachtsfeiertag findet eine Orts-, Brief-, Geld- und Paketbestellung sämtlicher Postsendungen nach allen Landorten statt. Am zweiten Feiertag ruht der gesamte Bestelldienst. Sonntag, den 27. Dezember findet eine Orts-Briefbestellung und eine Briefbestellung nach allen Landorten statt. Die Leerung der Ortsbriefkästen erfolgt an den drei Tagen wie an Sonntagen. Am Neu­jahrstage findet eine Ortsbriefbestellung und eine Brief­bestellung nach sämtlichen Landorten statt. Die Leerung der Ortsbriefkasten erfolgt wie an Werktagen.

Wann werden Fahrkarten zurückgenommen? Kann einem Reisenden ein seiner Fahrkarte entsprechender Platz nicht angewiesen^ und kann er vorübergehend auch in einer höheren Wagenklasse nicht untergebracht werden, so darf er eine niedere Klasse benutzen, wenn dort Platz ist. Er kann in diesem Falle den Preisunterschied zurückverlangen oder die Fahrt gegen Erstattung des Fahrgeldes und der Gepäckfracht unterlassen. Eine Entschädigung steht ihm in­dessen nicht zu. Auf der Zuganfangsstation darf der Rei­sende bis 5 Minuten vor der Abfahrzeit des Zuges seine Fahrkarte, wenn sie noch nicht gelocht oder nachweislich nur zum Betreten des Bahnsteiges benutzt ist, unter Ausgleich des Preisunterschiedes gegen eine andere umtauschen. Fahrkarten, die noch nicht gelocht sind oder nachweislich nur zum Betreten des Bahnsteiges benutzt wurden, können nach dem Ermessen der Eisenbahn in Fällen eines Irrtums, einer Erkrankung, oder aus sonstigen Billigkeitsgründen vor oder unmittelbar nach Abgang des betreffenden Zuges von der Fahrkartenausgabe zurückgenomen werden. Auf

Stationen mit abgesperrten Bahnsteigen wird der Preis für eine Bahnsteigkarte dabei abgezogen, wenn die Reise micht wegen Platzmangels, Anschlußversäumnis, Verspätung oder Ausfall des zu benutzenden Zuges aufgegeben wird.

Einmalige Zahlung an Kriegsbeschädigte und Kriegs­hinterbliebene.

Berlin, 18. Dezember. Der Reichsbund der Kriegsbe­schädigten und Kriegshinterbliebenen teilt mit, daß ent­sprechend der einmaligen Zahlung, die noch vor Weihnach­ten den Beamten gewährt werden soll, auch die Kriegs­beschädigten und Kriegshinterbliebenen ein Viertel der Rente und der nach Maßgabe der Bedürftigkeit zustehen­den Zusatzrenten ausgezahlt erhalten. Die auf die Zu- 'satzrenten entfallende Erhöhung soll von den Fllrsorgestel- len noch vor Weihnachten ausgezahlt werden. Die Für­sorgestellen werden den Tag der Auszahlung in der orts­üblichen Weise bekannt machen. Die Auszahlung der ein­maligen Beihilfe für die Rentenempfänger, die auf Zusatz­renten keinen Anspruch haben, erfolgt voraussichtlich am 28. Dezember zusammen mit der Januarrente. Infolge des bei der Zahlung der Rente durch die Post eingeführten Systems hat sich die Zahlung vor Weihnachten nicht mehr für alle Rentenempfänger ermöglichen lassen.

Kauft Wohlfahrtsbriefmarken .

Berlin, 19. Dezember. Der Berliner Ausschuß der Deutschen Nothilfe (Abteilung der Zentralarbeitsgemein­schaft der öffentlichen und freien Wohlfahrtspflege) hat den Verkauf der neuen Wohlfahrtsbriefmarken eröffnet. Die Marken sind vollgültige Postwertzeichen (5, 10 und 20 Pfennig), und werden als solche mit 100 Prozent Wohl- fahrtsaüfschlag — also zum doppelten Preise der gewöhnli­chen Postwertzeichen — abgegeben. 60 Prozent des Wohl­fahrtsaufschlages fließen der Berliner Wohlfahrtspflege zu, deren Mittel durch die Erwerbslosigkeit, Winterkälte — und Not übermäßig beansprucht sind. Gerade der Kauf kleiner Mengen durch viele tausende von Einzelpersonen ist geeignet, erhebliche Mittel aufzubringen. Die Marken sind zu haben: Berlin C 2 Poststraße 16 Zimmer 79b Mer­kur: 22 15 oder bei den Bezirkswohlfahrtsämtern als Ge­schäftsstellen der Bezirksarbeitsgemeinschaft und bei den Organisationen der freien Wohlfahrtspflege.

Aus Rah und Fern.

Die böse Schwiegerma-ma-ma.

Hersfeld. Ein Schauspiel, das einer humoristischen Seite nicht entbehrt, ereignete sich abend gegen 9 Uhr in einer Straße in der Nähe des Bahnhofes, Als sich dort ein junges Pärchen beim Abschiednehmen befand, kam die Mutter des Mädchens dazu und verabreichte ihrer Tochter eine derartige Tracht Prügel, daß sie laut schreiend ins Haus lief. Der angehende Schwiegersohn machte sich schleu­nigst aus dem Staube. Der Vorfall hatte naturgemäß eine Anzahl Neugieriger herbeigelockt, die das Schauspiel mit dem nötigen Spott begleitete.

Liebesdrama.

Kaiserslautern, 18. Dezember. Auf der Polizei mel­dete sich ein 20jähriger Arbeiter, der seine Geliebte nie­dergestochen hat, weil sie das Verhältnis lösen wollte. Das Mädchen liegt mit schweren Verletzungen hoffnungslos da­nieder. Der Sohn des Ortsvorstehers in Heinsheim überfiel einen Nebenbuhler auf der Straße, als dieser sein Mädchen besuchen wollte. Mit einem Wasserleitungs­rohr schlug er sein Opfer nieder, dem der ganze Kiefer zersprang und mit schweren Verletzungen im Kranken­haus liegt.

Eine Dollaranleihe für hessische Städte.

Bensheim, 18. Dezemer. In Begleitung des Direktors der Hessischen Staatsbank ist Bürgermeister Dr. Angerhei- mer nach Amerika agereist, um dort mit einem Bankkon­zern über eine größere Dollaranleihe für die hessischen Städte zu verhandeln.

In der Mosel ertrunken.

Berncastel, 19. Dezember. Der Ortsvorsteher von Osann ist von einer kurzen Reise nach einem anderen Mo­selort nicht zurückgekehrt. Man hat festgestellt, daß er nach dem Verpassen eines Zuges an der Mosel entlang zu Fuß nach Hause gehen wollre. Hierei ist er wahrscheinlich in der Dunkelheit in die Mosel gestürzt und ertrunken.

Sonntags: arten und Neujahr.

Mainz, 18. Dezember. Die Reichsbahndirektion teilt mit: Die Sonntagsrückfahrkarten gelten am Neujahrs­feste 1926 ausnahmsweise von Donnerstag, den 31. Dezem­ber, mittags 12 Uhr, bis zum Sonntag, den 3. Januar 1926, nachts 12 Uhr.

Verfehlungen auch beim Schlichtungsausschuß.

Frankfurt a. M., 18. Dez. Nach der Unterschlagung beim Jugeridamt sind jetzt auch Verfehlungen eines Beam­ten bei dem Schlichtungsausschuß aufgedeckt worden, so­daß dieser augenblicklich nicht imstande ist Sitzungen abzu­halten. Der beim Schlichtungsausschusses fungierende Reul hat nämlich Unterschlagungen von Geld, von Briefen sowie Fälschungen von Büchern begangen, die eine sofortige Ent­lassung zur Folge hatten. Ueber die Höhe der unterschla­genen Summe und die Art der sonstigen Verfehlungen kann vorerst noch keine Mitteilung gemacht werden, da die Untersuchung noch im Gange ist.