war, daß er bei vielen Verkäufen über große Summen ver- iiigte. Als dann schließlich mehrere fällige Wechsel nicht eingelöst wurden, benachrichtigte man die Kriminalpoli- von dem Treiben dieses „Geschäftsmannes". Dieser Me es aber verstanden .rechtzeitig aus Berlin zu verbinden.
Er wurde in München aufgestöbert. Hier hatte er sich jeschäftspapiere einer gut dastehenden Firma verschafft iid als deren Vertreter in Nürnberg mehrere Automobile l$en Verrechnungsscheck unter dem Namen Karl v. Lassen galtst. Die Automobile hat er dann in München zu tzld gemacht, und mit dem Erlös kam er nach Berlin, um iige Freundinnen aufzusuchen. Dieser Besuch, von dem ^ die Kriminalpolizei Kenntnis erlangt hatte, ist ihm M Verhängnis geworden. Bei einer Freundin in der ichenstaufenstraße hatte er Unterschlupf gefunden. Als „erwartet Kriminalbeamte in die Wohnung eindrangen, „den sie den Gesuchten unter dem Bett versteckt vor. In wem Besitz fand man eine ganze Anzahl von gefälschten Spieren.
Der Absturz eines Wilderers.
Im Grünkar. dem entlegensten Gebiet der Zillerthaler hm, traf den Revierjäger Hauck den als leidenschaftlichen Mderer bekannten Wilhelm Hörhager. Die zwei Män- „ standen sich auf einem Felsstieg plötzlich gegenüber, der Adieb, mit einer Gemse auf dem Rücken, die er sich zur I Deren Bequemlichkeit mit einem Gurt festgeschnallt hat- \ Unter den beiden Männern tiefe Abgründe, weit um j ne Menschenseele. Zum Gebrauch des Gewehres war rf dem schmalen Felssteig für beide keine Gelegenheit. IM Wilderer versuchte seinen Gegner mit einem Berg- ock niderzuschlagen, der Jäger wich aber dem Hiebe aus. ^Wilderer versuchte nun durch einen Schritt zur Seite to Gelegenheit zu neuer Gegenwehr zu verschaffen. Der feinere Gemsbock brachte ihn jedoch aus dem Gleichgewicht md der Wilderer stürzte in ein Felskar etwa 180 Meter lief hinab, wo er liegen blieb, das Gesicht in den Boden bedrückt, die Gemse n/vch immer fest auf dem Rücken. Der Kager stieg ab und fand seinen Gegner blutig, anscheinend eine Annahme, die bei der Höhe des Absturzes wohl KWchtfertigt war. Der Jäger ging talaus und meldete f dm Vorfall bei der Behörde; eine Gendarmerieabteilung iMj mit entsprechender Ausrüstung auf, der Jäger führte an die Sturzstelle. Dort fand man jedoch nichts weiter den Hut und das Gewehr des Wilderers. Der schwere msbock, bei ihm zuerst zum Verhängnis geworden war, tte ihn vor dem Tod bewahrt. Denn der Tierkörper, fest n den Rückengeschnallt, nahm die Stöße über die Fels- ände auf. Nach kurzer Bewußtlosigkeit konnte sich der
Der tolle Mister Teddy von Newyork.
Der Roman eines Eigenwilligen.
Von Erich Friesen.
(34. Fortfetzbng.)
I Und die heiseren Stimmen seiner halbbetrunkenen Kum- »ane den eindeutigen Refrain gröhlten. Nein, ein einfaches, zu Herzen gehendes Volkslied, das den biederen Neldarbeitern die Tränen in die Augen treibt.
I Und das kleine, blauäugige Mädchen krabbelt zu ihm Inan und lehnt sich an sein Knie. Und er legt die Hand ins das blonde Kinderköpfchen und streichelt die seibern Wichen Löckchen. Und die Kleine legt die Aermchen um Wien Hals und schmiegt sich an ihn und flüstert:
I „Didi hat dich lieb, buter Mann!"
lind als er die warmen Kinderlippen auf seiner Wan- 1*6)11 — da steigt ih m etwas die Kehle herauf, daß er Weien möchte vor Glück und Weh zugleich. Die Erin- "«ng an andere, weniger unschuldsvolle Küsse durchzuckt in peinvoll. Und er schließt die Augen und drückt das eine Wesen an sein Herz.
Beflügelten Schrites geht ev weiter, der Cottage zu ’beie würde dann später von selccr kommen.
Ja, er ist ein anderer geworden. Ein Anderer!! sind wieder bietet man ihm ein Nachtlager im nahen "1 an, das er diesmal nicht ausschlägt.
Als er am andern Tage wieder aufbricht, läßt man ungern scheiden. Bedauernd meint man:
»Ja, ja! So seid ihr wandernden Fiedler! Nir- ^s Ruh! Heut hier, morgen dort! Good bye, Junge! MGlück auf!"
'lnb Theodor Vanderbild zieht weiter, mit der Violi- ^tcrm Arm. Und fiedelt sich durch in all den Dörfern. hilft auf dem Feld. Oder legt mit Hand an in Haus
16 Hof — wie's gerade trifft. Er will sich ja sein Brot Serien! Will arbeiten! Ein Anderer werden! Manchmal nimmt ihn ein Heuwngen ein Stück Weges I Oder ein Bauer, der Milch zur nahen Stadt fährt. jedoch wandert er <zu Fuß. Und wo er sich blik- 1 lußt, fliegen ihm die Herzen zu. Besonders die der ^"en und Kinder. Nicht nur, wenn er fiedelt, sondern $ sein hübsches Gesicht und sein offene, fröhliches We- iun's den Leuten an. Und manch Jungmädel wischt unt der Schürze über die Augen, wenn der hübsche ^r wieder weiter zieht. Und würde ihm gern ihr ^en schenken, um ihn da zu behalten.
jedoch treibt es weiter. Immer weiter. Und er
1 * "" Evelyne Harding und fühlt sich^frei und glücklich.
stramme Bursche auf den Heimweg machen. Noch in der gleichen Nacht wurde Wilhelm Hörhager verhaftet. Seine Verletzungen wareix trotz der Höhe des Absturzes nur ganz leichter Art.
Tagesgeschichte.
Ein neuer Protest zugunsten Schillings.
Berlin, 14. Dezember. Die Arbeitsgemeinschaft der freien geistigen Berufe erläßt folgenden Protest: Die Arbeitsgemeinschaft der freien geistigen Berufe protestiert gegen die Nichtachtung des geistigen Schaffens, die in dem Verhalten des Preußischen Kultusministeriums gegenüber dem Intendanten v. Schillings geschehen werden muß.
Die „Erträgnisse" des Nuhreinbruches.
Paris, 14., Dezember. Der Direktionsausschuß der Reparationskommission hat gestern eine Sitzung abgehalten, die sich mit der endgültigen Verrechnung der „Erträgnisse" des Ruhreinbruches beschäftigte. Es handelt sich dabei um die Ermittlung der Höhe der Erträgnisse in barem Geld und in Sachleistungen, die von den Besatzungbehörden während des Ruhreinbruches beschlagnahmt wurden und jetzt auf Reparationskonto verrechnet werden müssen.
Die Friedensverträge von Locarno beim Völkerbundsekretariat deponiert.
Genf, 14. Dez. Die in London unterzeichneten Friedensverträge von Locarno sind heute beim Völkerbundssekretariat durch die englische Regierung deponiert worden.
Dr. Hanrell — Hoher Kommissar in Danzig.
Genf, 14. Dezember. Der Völkerbundsrat ernannte heute vormittag in geheimer Sitzung den Direktor bei Rechtsabteilung des Völkerbundes in Holland, van Hamel, zum Danziger Hohen Kommissar. So ist es denn nicht gelungen, trotz aller Bemühungen die Ernennung einer tatsächlich neutral empfindenden Persönlichkeit für diesen Posten zu erreichen. Für Danzig bedeutet sie einen schweren Schlag, denn von Hamel hatte bisher durch seine für Danzig stets ungünstige Rechtsgutachten an erster Stelle zur Verletzung der Rechte Danzigs beigetragen.
Ein Aufruf de Jouvenels an die Syrier.
Paris, 14. Dezember. Aus Beirut wird gemeldet, daß der französische Oberkommissar de Jouvenel nach seiner Ankunft in Aleppo an die Bevölkerung von Syrien und, des Tjebel-Druse einen Aufruf gerichtet hat, in dem er alle Syrier zum Frieden ermahnt und auffordert, sich unter der Führung Frankreichs zusammenzuschließen.
So verfliegen die Wochen. Und die Monate. Längst ist der Sommer hiuabge Herbst mit feinen feuchten Frösteln ist dahin. Der Winter mit seinem Gefolge von Schnee und Eis hält Einzug.
Theodor Vanderbild hat wacker mit sich gerungen. Wohl kam es noch über ihn, daß er ein Mädel um die Taille fassen und im Sinnenrausch an sich ziehen wollte — aber Evelynes Bild hielt ihn davon zurück. Und wenn ihn das heisere Johlen halbbetrunkener Männer lockte, mitzutun — so dachte er an Evelyne und sein Versprechen.
Und er blieb fest.
Ueber ein halbes Jahr ist vergangen. Ohne das Theodor eine höhere Gewalt getrieben — ist er bei seinen Kreuz- und Quersägen wieder in die Nähe von Newyork gekommen.
Er merkt es erst, als er bekannte Gegenden sieht.
Und er betrachtet es als eine Fügung des Schicksals.
Er weiß, er hat sein Wort gehalten. Er ist ein „Anderer" geworden. Jetzt kann er vor sie hintreten und ihr offen ins Auge blicken. —
An einem bitterkalten Dezember-Nachmittag ist es, als er mit seiner Fiedel wohlgemut den Strand von Conney Island entlang trabt.
Er hat sich auch äußerlich verändert. Sein Gesicht erscheint voller, dunkler. Ein kurzer Bart beschattet die früher bartlosen, kräftig geschnittenen Lippen. Die tiefliegenden Augen, die ehedem zumeist einen weltverachtend iro^ nischen oder finster melancholischen Ausdruck trugen, blicken hell und fröhlich in die Welt hinein.
Ein Rucksack hängt ihm über der Schulter. Schon längst hat er die elegante Handtasche, das letzte Ueber- bleibsel seines früheren Lebens, gegen dieses bequemere Gepäckstück, das alles enthält, was er braucht, eingetauscht.
Er ist schon stundenlang unterwegs. Hat Hunger und Durst. Und hält Umschau nach einem ihm von früher her- bekannten kleinen Wirtshaus.
Als er in seine Nähe kommt, hört er rüde Stimmen hinter den verschlossenen Fenstern bis zu ihm herausbrüllen. Wie seltsam! Das war doch sonst nicht?
Er tritt ein und bestellt sich ein Glas Milch und Brot und Wurst.
Drinnen alles vollgestopft von finsteren, beschmutzten Gestalten, die hastig ihr Bier die Kehle hinunterstürzen, dabei aus ihren groben Holzpfeifen paffen-wie ein Schlot und nach Herzenslust schimpfen und skandalieren.
Beim Eintritt des Fremden schweigt alles wie auf Kommando. Bedeutungsvolle Blicke, vielsagendes Hüsteln überall. ____
Doch bald weiß man, daß, es nicht der Gefürchtete ist. Man nimmt die Unterhaltung wieder auf. Und Theodor erfährt aus.einzelnen hingeworfenen Bemerkungen, daß er
Die Rückgabe des deutschen Eigentums an Amerika.
Ncpyork, 14. Dezember. Senator Borah erklärte, er könne nur dem Plan zur Rückgabe des deutschen Eigentums zustimmen, wenn man die absolute Gewißheit habe, daß kein deutsches Eigentum mehr, wenn auch nur in ganz geringem Maße, beschlagnahmt werden würde. Die Opposition gegen den Plan innerhalb des Kongresses ist nicht zu verkennen. Auch ein großer Teil der Republikaner ist dagegen.
Um den neuen Saarpräsident.
Saarbrücken, 14. Dezember. Hier erhält sich hartnäckig das Gerücht, daß der ehemalige französische Botschafter in Washington, Deschner, nach seiner erfolgten Versetzung in Ruhestand von Frankreich in Genf für den Posten eines Präsidenten der Saarregierung vorgeschlagen wird. Gegenüber dem Pariser Dementi, daß Deschner kaum als Nachfolger Raults in Frage komme, wird auf Genfer Mittei- lungen hingewiesen, wonach man dort in französischen Völkerbundskreisen darauf hingewiesen habe, daß Deschner aus dem französischen Staatsdienst ausscheiden werde, um in die engere Wahl für die Neubesetzung des Saarpräsidentenpostens gestellt zu werden.
Demgegenüber stellt die saarländische Presse nochmals fest, daß ein Nachfolger Rault unter keinen Umständen wieder ein Franzose, sondern nur ein Mitglied der neutralen Völkerbundstaaten sein dürfe.
Hochwassergefahr im Mosel-Gebiet.
Köln, 14. Dezember. Infolge des Tauwetters und starker Regenfälle schwillt die Mosel mit großer Schnelligkeit an. Bei Trier ist sie gestern von 0,78 auf 2,33 gestiegen. Der Rhein ist bei Köln noch nicht wesentlich gestiegen.
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Aloys Maier, Fulda gegründet 1846. — Königl. u. päpstl. Hoflieferant.
Druck und Verlag: Eutenbergbuchdruckerei Fulda. Verantwortlich für den politischen und übrigen Textteil: i. V. Kurt G. Krebs, für die Inserate: Paul Flagmeyer, sämtlich in Fulda.
Denkt an die Bögel!
Bergleute vor sich hat, daß sie in der Nähe arbeiten und daß sie unzufrieden sind.
Er hat keine Zeit weiter darüber nachzudenken.
Draußen schwere Schritte. Und wieder plötzliches Abbrech m der Unterhaltung. Aller Augen richten sich auf die Tür, während ein paar besonders verwegen dreinschauende Burschen ihre vollgepackten Rucksäcke, die neben ihnen auf der Bank liegen, zu verbergen suchen.
Der Mann, der eintritt, ist mittelgroß und kräftig gebaut. Er trügt die grüne Joppe des Forstgehilfen und hat eine Flinte auf dem Rücken. Wuchtig läßt er sich auf einem Stuhl an einem leeren Tisch im Hintergrund nieder und bestellt einen Grog. Dann läßt er von seinem im Halbdunkel liegenden Platz aus seine finsteren Augen unter den buschigen Brauen hervor spähend umherschweifen.
Theodor beobachtet eine gewisse Erregung unter den Burschen. Giftige Blicke fliegen hinüber und herüber. Fäuste ballen sich. Unterdrückte Verwünschungen werden laut.
Rasch greift er zu seiner Violine und beginnt zu fiedeln.
Und wieder ist es die Macht der Töne, welche die erregten Wogen besänftigt. Die Bergleute vergessen ihre Furcht vor dem wachsamen Auge des Hüters: der Forstgehilfe vergißt seinen Argwohn!
Alle lauschen und trampeln begeistert den Takt mit.
Unmerklich geht der Fiedler in eine zarte Melodie über, deren Wirkung sich getreulich auf den staubigen" groben Gesichtern widerspiegelt. Besonders auf den Forstmann scheint sie tiefen Eindruck zu machen. Verstohlen wischt er sich über die Augen. Dann wirft er ein Geldstück auf den Tisch greift zur Flinte und stapft, als schäme er sich seiner Schwäche, hastig hinaus, ohne den Grog auch nur ungerührt zu haben.
Die Männer lachen hämisch hinter ihm her.
„Wollt's ihm auch raten, die Tür von draußen zuzumachen!" knirscht ein besonders rüde daherblickender Rotkopf. „Hatte schon die Faust am Messer. Wenn er mir in meinen Sack 'reingeguckt hätt' —"
„Wohl gar 'n Hasen heut drin oder sonst was Extras?" grinst sein Nachbar mit einem neidischen Seitenblick.
„Goddam! Soweit langt's nicht. Nur ein paar lumpige Kaninchen. Der Kerl paßt auf wie 'n Schießhund. Wünscht' nur, seine Knochen bammelten bald am Galgen!"
Und wieder brüllendes Gelächter und lautes Fluchen.
Theodor Vanderbild, den bis vor kurzem solch Gebühren vollständig kalt ließ, wohl gar zum Mittun anreizte, fühlt sich unwiderstehlich abgestoßen von dem rüden Ton ringsum. Rasch zahlt er seine Rechnung, packt die Fiedel ein und geht.
Draußen fahle Dämmerung.
(Fortsetzung folgt).
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