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rikanischen Besatzungsarmee im Rheinland im Auftrag dr Universität Frankfurt am Main und in Anerkennung seiner Verdienste um die deutsche Kinderhilfe das Ehren­doktordiplom der medizinischen Fakultät.

Starke Kälte in ganz Europa.

TU. Berlin, 7. Dez. In Südserbien haben starke Re­gengüsse und Kälte großen Schaden angerichtet. Zahlrei­che Brücken sind zerstört worden. In ganz Ungarn herrscht starke Kälte. Das Thermometer siel bis auf 16 Grad un­ter Null. Die Donau ist mit Treibeis bedeckt. Bei An­dauern des Frostes dürfte es zu Störungen des Schiff- iahrtverkehrs kommen. Die Kälte in Frankreich hat sich in allen Teilen des Landes verschärft. Auch in Italien herrscht starker Frost.

Ein neue englische Universität.

In Southampton, der berühmten englischen Hafen- ; stabt, soll demnächst eine neue englische Universität ge­gründet werden. Die neue Universität, für die bereits ein Stiftungskapital in Höhe von 10 Millionen Mark ge­sichert ist, soll einen langgehegten Wunsch der Grafschaft Mssex erfüllen, deren Hauptstadt Southampton ist. Gegen­wärtig besitzt Southampton nur ein Colleg das zwar Unk verptätsrang genießt, aber nur einige wenige Lehrstühle in sich vereinigt. Es wurde bereits im Jahre 1850 gegrün­det und wird zur Zeit von 400 Studenten besucht. Weitere M Hörer nehmen an ^en technischen Abendkursen teil, die das Colleg veranstaltet. Der Ausbau des Colleg zu p11e Boll-Universirät würoe bk Hör--,zahl bedeutend steigern und andereseits die gegenwärtig sehr überlasteten älteren Universitäten Englands entsprechend erleichtern.

Der Schwiegersohn des Mikado als Küchengehilfe.

Der japanische Major Fakuda, Schwiegersohn des Kai­sers von Japan, hat vierzehn Monate incognito in den Kü­chen eines großen Hotels in New York als Küchengehilfe zugebracht, um dort die Fachkenntnisse, die er seiner Ansicht nach nötig hätte, um die Stellung eines Ratgebers für das japanische Eisenbahn- und Hotelwesen gut auszufüllen, zu erwerben, ^e^t hat der kaiserliche Schwiegersohn, nachdem er zur vollen Zufriedenheit seiner Küchenvorgesetzten ge­arbeitet hatte, seine Küchenschürze abgelegt, um sich wieder nach seiner Heimat zurück zu begeben. Nachdem er sich dem Direktor des Hotels, der keine Ahnung davon hatte, wer in Mhrheit der bescheidene Küchengehilfe war, zu erkennen gegeben hatte, bedankte er sich bei diesem, daß er ihm die Erlaubnis erteilt hätte, sich im Küchen- und Restaurateur -mdwerk auf die vorzüglichste Art auszubilden.

Der tolle Mister

VonErichFriesen.

(28. Fortsetzung.)

Evelyne, die nachdenklich neben ihm sitzt, blickt ihn ver­wundert an.

„Wer, Pappy?"

„Nun, natürlich Henry Bartley! Wer denn sonst?"

Und aufs neue zieht er den Brief aus der Tasche.

Doch Evelyne scheint ablolut kein Interesse weder für den Brief, noch für Henry Bartley zu haben. Ihre Gedan­ken sind noch immer bei dem gestrigen Fest. Daß sie dort beständig Theodor Vanderbild umkreisen, den „verlorenen Cohn", wagt sie sich nicht zu gestehen. Doch Harding be­merkt garnicht die Unaufmerksamkeit seiner Tochter. Er ist ganz bei Henry Bartley und den Kupferminen.

i,Grandios! Grandios!" ruft er immer wieder in exal­tierter Freude. „Was dieser Mensch anfaßt, gelingt! Kopf ^e Eisen! Charakter wie Gold! Und Hirnschmalz, Hirn- Ichmalz! Hab' noch nie einen Mann wie Henry Bartley ge- sehen! Dieser Brief da — ein Abbild seiner ganzen Per­sönlichkeit. Alles klar und durchsichtig. Nichts halb. Heute 'st er hier — morgen dort — alles wegen der neuenErlln- bung. Um nichts brauch' ich mich zu kümmern. Alles macht fr. Die Aktien, die Geldgeschäfte, die Reklame. Jetzt ist er ’n Chicago. Will den großen Fleischerkönig Armour dafür interessieren. Ich wünschte, er wäre erst wieder zurück. Ich vermiße ihn heillos. Ah —"

Edward Harding leufzt leise auf und lehnt sich in seinen btuhl zurück. Kaum, daß er die übrigen Briefe, die noch vneröffnet neben seinem Teller liegen, eines Blickes wür-

„Wenn erst die Feldmesser kommen — und die Jnge- .^re — und die Bohr -und Hebemaschinen — oh ,oh, oh!"

er in steigender Erregung fort. „Mein Hirn dreht wie ein Schwungrad, wenn ich an all das denke! Nur M, daß ein Kopf wie Henry Bartley da^ alles leitet! Und mich denkt er und grübelt und kalkuliert! Und ich hatte ln törichter Verblendung gemeint, ich hätte ■ das Gesell- 'chaftsleben satt. Wollte mich in dieser elenden Cottage Episteln, anstatt in der großen Welt zu glänzen, wie es unem Mann wie mir gebührt. Wie man mich vermißt hat, ich gestern. Kaum einer, der mir nicht von Herzen ^titulierte. Ein Erfolg war"s! Ein richtiger Erfolg!"

Er lacht geschmeichelt vor sich hin und blickt, Anerken- | tlUn9 suchend, auf das gesenkte Gesichtchen seiner Tochter. I

Durch Volksabstimmung begnadigt.

In Hunter, einer kleinen Ortschaft von 500 Einwohnern im Staate Nord-Dakota, war ein Bankier L. C. Collins wegen angeblicher Unterschleife zu einer Gefängnisstrafe verurteilt worden. Obwohl sich Staatsanwalt und Ena- denrichter für die Begnadigung Collins einsetzten, empfahl das Enadengericht die Abstimmung über die Begnadigung durch die Einwohner von Hunter. Collins hatte bei der Abstimmung die Mehrheit für sich. Er ist infolgedessen aus der Haft entlaßen worden. Dieser Begnadigungsakt durch die gesamte Bevölkerung dürfte einzig bastenen.

Der letzte akademische Karzerwärter.

Der Oberhausmeister der Universität Jena, Gustav Stritzke, bei den Studenten nur „Vater Stritzke" genannt, ist im Alter von 62 Jahren gestorben. Jahrzehntelang ist er in seiner amtlichen Eigenschaft mit den Musensöhnen aus aller Herren Länder in Berührung gekommen und bat gar manchem, der sich in dem akademischen Neuland nicht sogleich zurechtfand, den richtigen Weg gewiesen. Er pfleg­te dabei weniger einen liebenswürdigen, als einen rauhen Ton, doch blieb er stets korrekt und hilfsbereit. Auch die Examenskandidaten wußten es zu schätzen, wennn ihnen Stritzke durch eine humorvolle Bemerkung den schweren Gang erleichterte. Stritzke konnte sich auch rühmen, der letzte Wärter des schon seit Jahren der Vergangenheit an­gehörenden Universitätskarzers geweesen zu sein.

Warum Lasker die Partie verlor.

Emanuel Lasker hat ein Drama, „Tage der Mensch­heit", geschrieben, das bisher in der Schublade eines Büh­nenvertriebs moderte. Als Lasker nun in Moskau sich mitten im Spiel gegen Torre befand, bekam er ein Tele­gramm aus Berlin über die Schulter geschoben, daß sein Drama demnächst uraufgeführt werde. Der Dichter über­sah den Schachmeister und in seiner Autorenfreude ein Da­mengambit und verlor die Partie.

Das Klavier als Lebensretter.

Das durch die Hitzeentwicklung verursachte Platzen der Saiten eines Klaviers in einem Hause in Liverpool, in dem in der Nacht ein Brand aufgekommen war, hat fünf Be­wohnern des bedrohten Haufes das Leben gerettet. Die Flammen hatten bereits das Parterre vollständig einge- büHt und züngelten bereits nach der ersten Etagè, wo die fünf Personen im tiefen Schlaf lagen, als infolge der gro­ßen Hitze die Saiten des Instrumentes mit lautem Ku ll platzten. Dieser Knall neckte das Familienoberhaupt, der

„Na Evy? Und du? Bist du nicht mit deinem gestrigen Erfolg zufrieden?" neckt er, als sie beharrlich schweigt. ,,Eanz unbeachtet bliebst auch du nicht, dünkt mich —"

„Neben einem solchen Vater!" lächelt sie, auf seinen Ton eingehend.

„Schmeichelkätzchen, du!"

Er zwirbelt an seinem pechschwarzen Schnurrbart her-

um und beäugelt seine feinmanikürten, beängstigend lan- j „Kann ich ihn nicht empfangen? "fragt ßen Fingernägel. Plötzlich zieht er seine Brauen ein wenig rasch.

zusammen, als käme ihm eine unangenehme Erinnerung.

„Dieser unnnütze Theodor Vanderbild! Was den auf einmal anfocht, uns mit seiner Gegenwart zu beglücken! . . Sag' mal, Evy! Wie kamst du denn in solche Gesellschaft? Wem hattest du diese kompromittierende Situation —"

I „Mrs. Morgan stellte ihn mir vor!" erwidert Evelyne rasch.

-„Merkwürdig! Dieser Frau fehlt eben das wahrhaft Vornehme, Exklusive! Möchte bloß wissen, worüber ihr euch unterhalten habt! So ein Rowdy interessiert sich doch für nichts anderes, wie für Boxen, Tingeltangel und Ballettratten —"

Die Röte.des Unwillens steigt Evelyne in die Stirn.

„Du irrst, Vater! Wir unterhielten uns sehr gut!"

Er schüttelt den Kopf. Kie aber packt den Stier direkt bei den Hörnern und lagt resolut:

Er will uns übrigens heute besuchen. Ich soll mit ihm ausreiten! Nach dem Central Park!"

Du —? Mit ihm — ausreiten? Mach keine Späße. Evy!"

„Kein Spaß, Vater! Ich habe zugesagt."

„Ausgeschlossen!"

„Weshalb?"

„Ein Mensch wie dieser Mister Teddy! Den konnt man I nicht! Viel weniger zeigt man sich noch öffentlich mit ihm!"

Sie blickt den Vater verwundert an.

„Du selbst begrüßtest ihn wie unsersgleichen, Vater!

Fordertest ihn auf, uns zum Tee zu besuchen!"

Edward Harding rückt unruhig auf seinem Stuhl hin- und her.

„Mein Imbes Kind —bao war ,facon be parier' — kon­ventionelle Phrasen. Kein W-lltmann nimmt ko was ernst! Du vritehst das noch nicht — bi stnoch zu unerfahren. Wirst es auch noch lernen — nach und nach —"

„Nie!"

• In ehrlicher Empörung stößt sie es heraus. Unb würde wahrscheinlich ihrem Unwillen noch weiter Ausdruck geben, |

sofort seine Frau, seine beiden Kinder und einen bei ihm mahnenden Freund cusweckie, um so rasch wie möglich mit ihnen zu fliehen. Aber jeder Ausweg war bereits von den Flammen abgeschnitten, so daß sie ihre Zuflucht auf dem Dache suchen mußten, von wo sie dann von der Feuerwehr herabgeholt wurden.

Amtliche Bekanntmachungen.

Mit Ermächtigung des Herrn Regierungs-Präsidenten wird hiermit für den Landbezirk des Kreises an der beiden letzten Sonntagen vor Weihnachten d. I. und zwar am 13. und 20. Dezember bis zu 8 Stunden — in keinem Falle jedoch über 6 Uhr nachmittags hinaus — der Gewerbe­betrieb in offenen Verkaufsstellen freigegeben und gleich­zeitig die Beschäftigung von Gehilfen, Lehrlingen und Ar­beitern zugelassen, mit der Maßgabe, daß die für den Hauptgottesdienst festgesetzte Pause einzuhaltn ist.

Für die Stadt Fulda ist der Gewerbebetrieb in offenen Verkaufsstellen an den drei letzten Sonntagen vor Weih­nachten besonders geregelt.

Fulda, den 3. Dezember 1925.

Der Landrat.

I. V. Schuster.

Auf die in No. 47 des Amtsblattes der Regierung in Cassel unter lfde. Nr. 704 veröffentlichte Bekanntmachung, betreffend die Borna'sche Krankheit (ansteckende Gehirn- Rückenmarksentzündung) der Pferde, weise ich hin.

Fulda, den 3. Dezember 1925.

Der Landrat. J. V.: Schuster.

Amtliches Wahlergebnis vom 29. November 1925.

(Mitgeteilt vom Kreisausschutz.) Wahlkreis Fulda-Hünfeld. A. Kommunallandtagswahl,

Fulda Hünfeld zus.

1. Hess.-Nauss. Arbeitsgeminschaft 748 1118 1866

2. Sozialdemokratische Partei 1681 658 2339

3. Zentrumspartei

a) 16600 619 17219

b) 2794 5320 8114

4. Deutsche Demokratische Partei 361 185 546

5. Kommunistische Partei 479 57 536

6. Handerwerk und Gewerbe 163 195 358

7. Wirtschaftspartei' des deutschen Mittelstandes 348 47 395

Gültige Stimmen zusammen: 23174 8199 31373

B. Kreistagswahl.

Kreis Fulda.

1. Bürgerblock 1296

2. Sozialdemokratische Partei 1799

3. Zentrumspartei 20067

4. Deutsche demokratische Partei 418

5. Kommunistische Partei 512

Gültige Stimmen: 24092

wenn nicht im selben Augenblick James einträte und

meldete:

„Mister Theodor Vanderbild!"

„Hol' ihn der Kuckuck!" knirscht Edward Harding in seinen Bart hinein. Laut sagt er: „Führ den Herrn in

den Salon, James! Ich komme gleich. Muß mich her ein wenig in Ordnung bringen"

nur vor-

i

Evelyne

.Ohne mich? Unmöglich! Solch ein Filou!

Nimmt

meine Worte für bare Münze! Den werd' ich aber Mo­res lehren! Er soll die feinen Formen der vornehmen Welt noch kennen lernen, dieser, dieser--ah, Mister Vanderbild!" unterbricht er sich plötzlich in ganz verän­dertem Ton mit einem Blick auf die Tür, durch die soeben der Geschmähte eintritt. „Freut mich unendlich! Zu liebenswürdig!"

Denn dieser gänzlich formlose Mensch hat sich, wie stets, über jede Konvention hinweggesetzt und ist dem meldenden Diener auf dem Fuß gefolgt.

Unb Eduard <5arbina lächelte sein glattestes Salon­lächeln. Hub schüttelt dem ..Tilou," dem „Rowdy", dem ..verlorenen Sohn", der er noch soeben „zum Kuckuck ge­wünscht "hat, wie seinem besten Freund die Hand .

Evelvne wird rot für ihren Vater. Ja, sie hat es hoch nicht aelernt. sich ui n-stellen. Unh mi^d es nie ler­nen. Und will es auch nicht lernen. Das schwört sie sich.

Schon Wirst Re auf Theodor VanderbUd. was er wohl für ein G-'ß-bt su dieser Komödio macht. Und gewahrt den Wirts i '-«mischen Ing um den Mund und in dop Augen­winkeln, der ihr schon gestern so gut gefallen hat

Tboodor Vanderbild ist im Reitanrug :schwar»er Vpch, hoher schmaltremviaer Seidenhut, Sporen an den Reiter- stieseln. Selbst Edward Hardings inquisitorischer Blick

findet nichts an ihm auszusetzen.

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Ohne jede Zeremonie reicht er Evelvne die Hand und sagt mit leichter Verbeugung nach ihrem Vater hin :

„Sie sind noch nicht im Reitdreß? Ich komme wohl zu früh? Soll ich warten oder wieder gehen?"

„Aeh, hm —" macht Harding und sucht vergebens, sei­ner Verlegenheit Herr zu werden — „ich — ich glaube, ein kleines Mißverständnis — meine Tochter scheint ver­geßen zu haben — ich reite überhaupt nicht mehr — schon seit Jahre nnicht —“

Theodor Vanderbild blickt von der Tochter auf den Vater und wieder auf die Tochter, in deren Wangen lang­sam heiße Röte steigt. s

(Fortsetzung folgt.)