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sinanzministerium sei es im Augenblick nicht möglich, dazu Stellung zu nehmen bevor nicht das Problem der Deckung ^enau bekannt ist. Reichskanzler Dr. Luther unterstrich aU£f) für das Kabinett diese Ausführungen, indem er darauf hinwies, daß das gegenwärtige Reichsbabinett diese Frage öegen der großen finanziellen Verantwortung nicht mehr klären könnte. Im Haushaltsausschuß wurde ein sozial- liftischer Antrag angenommen, wonach die Reichsregierung bis zum 9. Dezember noch das gesamte Material vorlegen iverde, um dem Ausschuß noch vor Weihnachten zur end­gültigen Stellungnahme über die Auswirkung neuer Ee- Msforderungen ein Bild zu machen. Eine weitere Stel* lungnahme als die des Staatssekretärs ist vom Reichs- finanzministerium überhaupt nicht erfolgt.

Das erwachende Afrika.

London, 5. Dezember. Ministerpräsident Hertzog hat sich an die Führer der Nationalradikalen Einheitsbewegung in einem Schreiben gewandt und sie zur Mäßigung er­mahnt. Die Neger Südafrikas verlangen das Wahlrecht für alle Bewohner Südafrikas, eine Forderung, die be­sonders bei den Nationalisten im Parlament große Empö­rung hervorgerufen hat.

Hindenburg besucht Köln und Bonn.

Äölnf/ 5. Dezember. Nach einer Meldung der „Kölni­schen Volkszeitung" dürfte der Besuch des Reichspräsiden- ten im geräumten Gebiet schon in den ersten Februartagen zu erwarten sein, da. man mit der Räumung der gesamten ersten Zone bis Ende Januar rechnet. Es ist ein acht­tägiger Aufenthalt, vor allem in Köln und in Bonn, in Aussicht genommen.

Volkswirtschaft.

Der Siegeszug des Automobils.

Das Statistische Reichsamt hat das Ergebnis der Be­standaufnahme an Kraftfahrzeugen, die am 1. Juli 1925 im Deutschen Reiche im Betrieb waren, veröffentlicht.

Während 1914 in Deutschland, umgerechnet auf den ;âen Umfang des Reiches und ohne Saargebiet insge­samt 84 682 Kraftfahrzeuge in Betrieb waren, ist deren Zahl bis zum 1. Juli d. Js. auf 425 826 gestiegen.

Der Anteil der Bevölkerungsziffer am Kraftfahrzeug­bestand ist am stärksten in den Brennpunkten des Jndustrie- md Handelsverkehrs. An erster Stelle steht Hamburg,

Der tolle Mister Teddy von Newyork.

Der Roman eines Eigenwilligen.

VonErichFriesen.

(27. Fortsetzung.)

Dann verzieht ein bitteres Lachen seine Lippen — ein Lachen, das Evelyne für einen Moment zurückschrecken läßt.

Geben Sie sich keine Mühe, Miß Harding! Es ist zu spät Sie wissen ja nicht--aber wenn Sie Miß Harriet sehen, sagen Sie ihr--" er zögert und fügt hinzu: "Nein, sagen Sie ihr nichts!"

Beide schweigen.

„Ave Maria, gratis plena!" schallt es wie aus Himmels­höhen zu ihnen herüber.

Beide schweigen.

Plötzlich wirft der Mann mit einem Ruck den Kopf in den Nacken.

„Sie kennen meinen Vetter Henry Bartley?" fragt er in gänzlich veränderten Konservationston.

Der Bann ist gebrochen.

„Flüchtig," erwidert Sie merklich kühler.

„Ein kluger Kopf!"

„Das meint auch mein Vater."

„Und Sie-?"

„Ich weiß nicht recht--ich müßte ihm ja dankbar sein. Er war es, der die Kupferader auf unserm Grund und Boden entdeckte —"

„Er —?"

Grenzenloses Erstaunen spricht aus dem einen Wort. Und — Mißtrauen. Doch findet Teddy keine Zeit, weite­rs zu erfahren. Denn Stimmen werden laut. Eine Truppe Herren und Damen betritt den Wintergarten, un- ^nen Evelynes Vater.

Edward Harding erscheint in fröhlichster Stimmung, bein Gesicht strahlt. Seine Augen blitzen in jugendlichem Feuer.

»Hallo, Evy! Da bist du ja! In angeregter Unterhal­tung? Das ist recht!"

Und er beäugelt die hochgewachsene Männergestalt ne­uen seiner Tochter wohgefällig.

Leichte Röte steigt in Evelynes Wangen. Rasch geht Ue auf den Vater zu und flüstert ihm ins Ohr:

»Es ist Mister Theodor Vanderbild, Pappy! Darf ich dir vorstellen?"

Ob Edward Harding über diese Eröffnung erstaunt ist? r unangenehm berührt? Oder gar entsetzt?

'Ne Muskel seines konventionell lächelnden Gesichts ver­

wo auf 106 Einwohner ein Kraftfahrzeug entfällt, dann folgen Berlin mit 109,Bremen mit 116, das Rheinland mit

117, der Freistaat Sachsen mit 118, in weiteren Abstän­den Hessen-Nassau mit 133 Einwohnern auf ein Fahrzeug und dann die übrigen Landesteile.

Die Eesamtzunahme der Kraftfahrzeuge im Deutschen Reiche stellt einen Wert dar, der ziemlich nahe an eine Milliarde Reichsmark herankommt. Vis zur nächsten Be­standaufnahme wird die Entwickelung des Kraftfahrzeug­verkehrs und dementsprechend die Wertsumme des Zu­wachses sich noch erheblich gesteigert haben. Vom volks­wirtschaftlichem Standpunkte aus kann daher nicht nach­drücklich genug die Forderng betont werden, daß diese ge­waltige Summe, die für die notwendige Anschaffung der Schnellverkehrsmittel in Deutschland auszugeben ist, nicht ins Ausland wandern darf, sondern der deutschen In­dustrie zugute komme, der einheimischen Eesamtwirtschaft erhalten bleiben muß.

Amtliche Bekanntmachung.

Auf Grund des § 117 der Wahlordnung für die Wahlen zu den Provinztallandtagen und Kreistagen vom 14. Ok­tober 1925 werden nachstehend die auf die einzelnen Wahl­vorschläge entfallenen Sitze bekannt gegeben.

Die Sitze veteilen sich für den Kreistag wie folgt:

Bürgerblock 1 Sitz Sozialdemokratische Partei 2 Sitze Zentrumspartei 23 Sitze Kommunistische Partei 1 Sitz Demokratische Partei — Sitz 27 Sitze

Es sind als Kreistagsabgeordnete gewählt:

1. Vom Wahlvorschlag 1 (Bürgerblock)

1. Rechnunsrat, Kreissekretär a. D. Georg Köhler-Fulda, Adalbertstraße 32.

2. Vom Wahlvorschlag 2 (Sozialdemokratische Partei)

2. Gewerkschaftssekretär Gust. Auth-Niederkalbach, Nr. 83 3. Eewerkschfatsführer Georg Riehm-Fulda, Petersgasse 23

3. Vom Wahlvorschlag 3 (Zentrumspartei)

4. Auszüger und Bürgermeister Valentin Jonas-Rex, Haus Nr. 9

5. Kaufmann Karl Arnd-Fulda, Vuseckstraße 4

6. Landwirt und Bürgermeister Joseph Vieth-Langen­bieber, Haus Nr. 14

rät es. Mit ausgesuchter Höflichkeit reicht er dem „verlo­rnen Sohn" die Hand.

„Sehr erfreut, Mister Vanderbild! Sehr erfreut!"

Die Andern sind etwas zurückgeblieben. Evelyne und die beiden Herren bilden eine Gruppe für sich, scharf be­obachtet von einem Dutzend neugieriger Augen.

Doch Edward Harding gibt sich keine Blöße — o nein! Er ist „Weltmann comme il faut", jeder Situation ge­wachsen. So kordial schüttelt er diesem „verlorenen Sohne" die Hand, als wäre er -der beliebteste und begehrteste „Salonlöwe der Saison."

„Sehr erfreut, Mister Vanderbild! Sehr erfreut!"

Und doch ist es Teddy, als zucke selbst in den beherschten glatten Mienen dieses Lebemannes, der stets lächelt und selbst einem zum Strang verurteilten Schwerverbrecher noch mit vollendeter Höflichkeit behandeln würde, bei die­sem Händedruck etwas wie Widerwillen auf.

Und sein Trotz, sein Oppositionsgeist regten sich.

„Ich habe ein paar angenehme Minuten mit Miß Har­ding verplaudert," bemerkt er leichthin. „Leider ist es mir nicht vergönnt, sie fortzusetzen. Ich habe heute abend noch eine Verabredung."

Als er das Bedauern in Evelynes voll zu ihm aufge­schlagenen Augen bemerkt, schmilzt sein Trotz hinweg, wie Schnee vor der Wärme der Sonnenstrahlen. Und rasch fügt er hinzu:

„Dürfte ich mir gestatten, mich morgen nach Miß Har­dings Befinden zu erkundigen?"

Es ist eine Herausforderung. Und er rechnet auf brüske Abweisung. Oder wenigstens auf eine verlegende Ausrede

Doch, Edward Harding lächelt noch immer sein bekann­tes liebenswürdiges Lächeln.

„Natürlich, natürlich! Kommen Sie nur! Zur Tasse Tee! Wie, Evy? Splendid Hotel, 5. Avenue."

Und er reicht seiner Tochter den Arm und will sich den Andern zuwenden.

Theodor Vanderbild betrachtet dies als eine Verabschie­dung und verbeugt sich vor Evelyne.

„Sie äußerten vorhin, Sie reiten gern, Miß Harding. Darf ich Sie morgen zum Reiten abholen? Im Central- Park?"

Sie nickt schweigend. Doch fühlt sie, wie ihr das Herz mächtig pocht vor Freude.

Inzwischen hat Mrs. Morgan drinnen im Musiksaal dem kleinen blinden Geiger ihre vollste Zufriedenheit aus- gedrückt und will nun mit der ihr eigenen Leutseligkeit auch Elsie eine Freude bereiten. Sie führt beide in den Wintergarten, damit sie sich vor dem Nachhauseweg ab­kühlen können und gestattet Elsie, sich einige Blumen mit­zunehmen.

„Dort, diese rote Kamelie, nicht wahr, liebes Kind? Und jene weiße Azalöen! Das gibt zusammen einen schönen

7. Fabrikarbeiter Magnus Vogel-Petersberg, Stöckelser- , straße 138

8. Oberbürgermeister Dr. Georg Antoni-Fulda, Schloß- straße 1

9. Schneidermeister und Hüttner Karl Schuns-Dieters- hausen, Nr. 68

10. Landwirt und Bürgermeister Philipp Appel-Blanke- nau, Haus Nr. 34

11. Kaufmann Eduard Schmidt-Fulda, Paulustor 4

12. Maurer Fritz Schönherr-Großenlüder

13. Maurermeister und Darlehnskassenrechner Wilhelm Möller-Flieden, Schstlüchternerstraße 28%

14. Gutsbesitzer Heinrich Viskinck-Maberzell, (Trätzhof)

15. Metzgermeister Karl Sunkel-Fulda, Karlstraße 35-37

16. Landwirt Josef Vogel-Zirkenbach, Haus Nr. 6

17. Lehrer Ernst Thielmann-Bad Salzschlirf

18. Sekretär am Arbeitsnachweis Wilhelm Frank-Fulda, Rittergasse 1

19. Schmied und Hüttner Heinrich Schüler-Malkes, Haus Nr. 9

20. Bergarbeiter Josef Schickentanz-Neuhof-Neustadt Nr 15

21. Landwirt Josef Vub-Niederkalbach, Haus Nr. 62

22. Landwirt und Bürgermeister Josef Hartung-Hosenfeld, Nr. 44

23. Landwirt und Bürgermeister Leopold Leinweber-Haus­wurz, Aspenstraße

24. Vaunternehmer Sturmius Erosch-Fulda, Wiesen­mühlstraße 4

25. Landwirt Josef Jestädt-Eichenzell, Haus Nr. 34

26. Landwirt und Bürgermeister Anton Seuring-Wisielrod, Haus Nr. 10

4. Vom Wvhlvorschlag 4 (Kommubnistische Partei)

27. Maurer Albert Hack-Flieden, Haus Nr. 131

Der Kreisausschuß hat in seiner Sitzung vom 3. Dezem­ber d. Js. die Verteilung der Sitze nach Maßgabe der ge­setzlichen Bestimungen vorgenommen.

Fulda, den 4. Dezember 1925.

Der Vorsitzende des Kreisausschusses. Frh. v. Eagern.

Lest die „MorgcnzeiiW".

Druck und Verlag: Eutenbergbuchdruckerei Fulda. Verant­wortlich für den politischen und übrigen Textteil: i. V. Kurt G. Kreb s, für die Inserate: Paul Flag- meyer, sämtlich in Fulda.

Strauß! Brechen Sie sich nur ab, was Sie wollen! Ich habe genug davon!"

Bald hat Elsie einen Strauß beisammen. Grade will sie Johny bei der Hand nehmen und unauffällig gehen — da fällt ihr Blick auf Theodor Vanderbild, der sich verab­schiedend über die schöne junge Dame beugt. Und ein leiser Schrei entschlüpft ihren Lippen. Bewegungslos steht sie da. Und starrt — und starrt--

„Was ist Ihnen?" erkundigt sich Mrs. Morgan teil­nehmend. „Sie sind plötzlich so blaß!"

„Nichts! Nichts! Verzeihen Sie Madam! Ein kleiner Schwindel! Es geht schon vorüber —"

Mit bebenden Fingern stricht sie sich über die Stirn. Dann hebt sie die Blumen auf, die in der ersten lleber- raschung ihrer Hand entfallen waren.

Als sie wieder hinblickt, ist der Mann, den sie als „Mister Teddy" kennt, gegangen.

Mit einem leisen Seufzer faßt sie Johny bei der Hand und verläßt gebeugten Hauptes mit ihm den Wintergarten.

10.

Edward Harding ist seit einiger Zeit nicht mehr in seiner Cottage zuhause.

Das Eoldfieber hat ihn gepackt. Und das trieb ihn, sich im Geschäftszentrum Newyorks eine Reihe von Zimmern zu nehmen, damit er „mitten darin ist" und „nichts" ver­säumt."

Seine Tochter freilich vermißt die stille Poesie Conney Islands. Aber sie wollte sich nicht von dem Vater trennen. So sind die beiden mit James, dem Kammerdiener, ohne den Edward Harding keine Stunde seines verfeinerten Le­bens sein kann, nach dem Splendid Hotel übergesiedelt — für unbestimmte Zeit, bis „alles im Gang ist."

Edwarda Harding kommt sich mächtig wichtig vor. Der gestrige Abend in dem Hause der Mrs. Morgan hat ihm be­wiesen, daß die Kunde von seinen „Kupferbergwerken" schon in der Gesellschaft durchgesickert ist. Ueberall sprach man davon — in leisen Andeutungen oder ganz offen und unverhohlen.

Er beginnt wieder, der Mittelpunkt der Gesellschaft zu werden, wie er es schon einmal vor Jahren war. Und dies Bewußtsein kitzelt die Eitelkeit des alternden Mannes an­genehm auf.

Auch heute beim Frühstück, das James schweigend ser­viert, sind Edward Hardings Bewegungen von aufgeregter Behendigkeit. Hastig stürzt er seine Schokolade hinunter, zerbröckelt ein paar Cakes, ohne sie zu essen und überfliegt immer wieder den Brief, der vor ihm auf dem Tisch liegt.

„Grandioser Mensch! Wirklich erstklassig!" ruft er mit Begeisterung und steckt endlich den Brief in die Tasche.

(Fortsetzung folgt.)