t M Eintritt in den Völkerbund richte sich nicht gegen Rußland, sv verkume die Reichs- reaierung scheinbar, daß der Sicherheitspakt der Weltmächte mit der Einbeziehung Deutsch land« in dieses System zurückzusuhren sei aus die Politik Englands, die eine Isolierung Rußl nds anstrebe und durch den Locarnopakt bald erreicht habe.
Vriand mit der Kabinettsbildung beauftragt.
TU. Paris, 23. November. Der Prü- sjd nt der Republik, Doumergue, hat heute nachmittag Briand empfangen und ihm die Regierungsbildung angetragen. Briand erklärte dem Präsidenten, er halte es für seine Pflicht, mit allen Kräften zur Lösung der Regierungskrise beizutragen und übernehme daber den Amtrag. Er werde sich mit seinen Freunden beraten.
Die Kammer hat in ihrer heutigen Nachmittagssitzung den Antrag der Regierung aus einen weiteren 11/a MiUiarden-Vor'chuß uon der Bank von Frankreich mit 243 gegen 44 Stimmen angenommen.
Die Friedensverhandlungen mit Abd el Krim abgebrochen.
Paris, 23. Novemeber. Eine Meldung der „Daily Mail" aus Tanger besagt, daß die Friedensverhandlungen, die Abd el Krim angeknüpft hatte, endgültig abgebrochen worden sind. Die spanischen Offiziere, die aus Alhucemas angekommen sind, haben durch nächtliche Streifzüge der Riff- truppen größere Verluste erlitten. Ein Angriff der'Riftruppen gegen Adjir soll jedoch
mit erheblichen Verlusten zurückgeschlagen worden sein.
Das Nationaldenkmal für die im Weltkrieg Gefallenen.
Berlin, 22. November. Der auf Anregung der Reichsregierung vom Reichsrat gewählte, aus Mitgliedern des Reichsrates bestehende Ausschuß zur Errichtung des Nationaldenkmals für die im Weltkriege Gefallenen hielt am Samstag unter dem Vorsitz des mit der Führung des Reichsministeriums des Innern beauftragten Reichsministers Dr. Geßler seine erste Sitzung ab. Der Ausschuß vertrat übereisistimmend den Standpunkt, daß die Errichtung eines kostspieligen Bauwerkes mit Rücksicht auf die schwierigen Zeitverhältnisse nicht in Frage kommen kann. Unter den Vorschlägen erschien der Mehrheit des Ausschusses die Schaffung einer Weihestätte in der Reichshauptstadt oder die Errichtung eines heiligen Haines im Herzen Deutschlands am ge- eigneetsten.
Trotz Locarno — Hetze.
Paris, 23. November. Der „Temps" ergeht sich heute in längeren Ausführungen über die mit der Räumung der Kölner Zone in Zusammenhang stehenden Probleme und erklärt, daß, wenn Frankreich wirklich die Gewißheit hätte, von Deutschland keinerlei Angriffe befürchten zu müssen, die Schaffung einer Befestigungslinie an seiner Ostgrenze nicht nötig sei. Weder der Rheinl-uf noch die Entmilitarisierung der Rheinzone bildeten für Frankreich einen ausreichenden Schutz für einen neuen Einfall. Deutschland habe seine Festungen an der Westgrenze
entgegen dem Wortlaut aller Verträge erweitert und verstärkt. Frankreich sei dagegen nur durch die Leiber seiner Soldaten geschützt. Das Blatt beklagt die geringe Bedeutung, die von den französischen Strategen dem Bau von Festungen beigelegt werde. Die Ausführungen des Blattes gipfeln in der Behauptung, daß es nur die starken Festungen im Osten gewesen seien, die es möglich gemacht hätten, die Marneschlacht zu gewinnen. Das Blatt ist der Ansicht, daß improvisiierte Feldbefestigungen nicht die gleichen Dienste leisten wie starke Festungen. Wenn auch von den Gegnern dieser Art von Verteidigung auf die ungeheuren Kosten der Erbauung von Festungen hingewiesen werde, so dürfe man nicht verkennen, daß eine im Frieden verausgabte Million eine Milliarde an Ersparnissen im Kriege bedeuten würde. Vergessen wir nicht, meint das Blatt weiter, daß 1935 die Hüllen, die heute das deutsche Festungsdreieck Köln-Koblenz- Mainz verdecken, behoben sein werden und unsere Sicherheit weder auf der Rheingrenze noch auf der entmilitarisiierten Rheinlandzone, sondern einzig und allein auf den Schultern unserer Soldaten liegen wird. Wenn man den andauernden Geburtenrückgang und vielleicht auch der noch zu gewärtigenden Verkürzung der Militärdienstzeit Rechnung trage, so fährt das Blatt fort, müssen wir allen Ernstes daran denken, zu dieser Zeit nicht wehrlos diesen Angriffen des Feindes ausgesetzt zu sein.
Angriff der Aufständischen in Syrien.
London, 24. November. Die Aufständischen haben heute früh die französischen Stellungen bei Husbaja angegriffen. Nach hartem Kampf, nachdem bereits die Angreifer auf einem Abschnitt in die französischen Stellungen eingedrungen waren, gelang es,
Verstärkungen heranzuholen und die Aufständischen zurückzuwerfen. Der Kampf war sehr verlustreich.
Der Times-Korrespondent in Syrien verhaftet.
Berlin, 24. November. Der „Lokalanzeiger" meldet aus Paris: Nach einer Meldung der „Chicago Tribüne" wurde der syrische Korrespondent der „London Times", Arthur Merthon, von französischen Soldaten verhaftet und nach Beirut gebracht. Die in seinem Besitz befindlichen Depeschen und Artikel wurden beschlagnahmt. Die Meldung wird von den französischen Behörden bestätigt, die aber über die Art der beschlagnahmten Zeitungsdepeschen Stillschweigen bewahren.
Die deutsche Regierungskrise in englischer Beurteilung.
London, 24. November. Die deutsche Regierungskrise wird in London in politischen Kreisen nach wie vor mit großer Aufmerksamkeit verfolgt. Im allgemeinen ist man der Meinung, daß alle deutschen politischen Parteien in ihrer Taktik gegenüber dem Pakt von Locarno und der Frage der Regierungsbildung sich recht unklug verhalten hätten. Der schnelle Austritt der Deutsch- nationalen aus der Regierung wird für ebenso verfehlt angesehen wie die übereilten Erklärungen der anderen Parteien gegen eine künftige Beteiligung der deutschnationalen Partei an der Regierung.
Druck und Verlag: Eutenbergbuchdruckerei Fulda. Verantwortlich für den politischen und übrigen Textteil: i. V. Kurt E. Krebs, für die Inserate: Paul Flagmeier, sämtlich in Fulda.
Der tolle Mister Teddy von Newyork.
Der Roman eines Eigenwilligen.
Von Erich Friesen.
(17. Fortsetzung.)
Der knabenhafte Jüngling — er hat die Zwanzig noch nicht erreicht — führt empor und reiot sich die Augen.
! „Was ist los? Frühstück da? Hab' keinen Hunger! Laßt mich in Ruh'! Will schlafen ... Ah, du bist's Teddy! Hol's der Teufel! Ich will schlafen!"
„Kannst du! Aber nicht hier! Komm mit
■11 mir! In meine Wohnung!"
Er winkt einem Diener nach Hut und Überrock, faßt den verdutzten jungen Mann beim Arm und expediert ihn hinaus.
Bobby starrt verblüfft in das finstere Gesicht des Freundes.
,,Eh — ? Was ist in dich gefahren, altes Haus? Mäßigkeitsapostel geworden? Komisch!"
Leichte Röte steigt in Teddys Stirn. Er kommt sich selber etwas komisch vor in der Rolle des „Philisters".
Er bugsiert den Jüngling in eines der untenstehenden Autos und rattert mit ihm davon, nach der Canal Street.
„Na, und —" quiekt Bobby unterwegs gähnend.
„Jetzt schläfst du deinen Rausch bei mir aus. Und dann fährst du hübsch nüchtern heim zu Muttern. Baby du!"
„Baby ich?" fährt der andere auf.
„Ja, du! Gehörst ins Bett um die Zeit. Aber nicht in diese Spielhölle!"
„Hör auf! Hör auf! Predigen steht dir schlecht an ! Faß an deine eigene Nase!"
„Hast recht. Und eben deshalb! Möcht' dich vor einem ähnlichen Loos bewahren."
Der Jüngling reißt seine wasserblauen Augen weit auf. Stürzt der Himmel ein? Bleibt die Erde stehen? Mister Teddy Sittenapostel!
Aber er kommt nicht weit in seiner Verwunderung. Er schläft schon wieder ein.
Als das Auto hält, bugsiert Mister Teddy den noch immer Schlafenden vorsichtig heraus, transportiert ihn die Treppe hinauf und legt ihn aufs Sofa. Dann mischt er ein Elas Sodawasser mit Magenbitter und reicht es ihm.
- Bobby zieht ein Gesicht, aber er schluckt gehorsam.
„Besser jetzt .wie? Teddy nimmt ihm das Glas aus der zitternden Hand. „Guck mich an! War auch mal unverdorben — fing auch mal an wie du. Als ich dich da vorhin sah, betrunken, alles Geld beim Spiel verloren — da schämte ich mich. Für dich und für mich. Für mich ist's zu spät zur Umkehr. Aber du kannst es noch. Du hast eine Mutter — eine famose Mutter. Die wartet vielleicht zuhause auf ihren Sohn — und kann nicht schlafen und weint sich die Augen aus dem Kopf. Und du? Du lumpst rum und vergeudest ihr Geld. Bis du sv weit kommst, wie ich, daß der Vater nichts mehr wissen will. Daß er den Tag verwünscht, an dem du zur Welt kamst — eh, mein Junge? Aber dst wirst es nicht dazu kommen lassen! Du fährst jetzt heim zu deiner Mutter!"
Bobby ist sprachlos. Der Rausch ist verflogen. Das Sodawasser hat seine Wirkung getan. Und Teddys Strafpredigt noch mehr. Mit hängendem Kopf schickt er sich an, abzutrollen.
„Soll ich dich begleiten, Bobby?"
„Meinst wohl, ich blieb sonst irgendwo unterwegs hängen?"
Nein. Das mein ich nicht. Dein Ehrenwort?"
„Mein Ehrenwort!"
„All right! Hakt, noch was! Willst mir 'n Gefallen tun, Bobby?"
„Zehn für einen, Teddy!"
„Wann steigt euer nächster musikalischer Abend?"
„Glaube Mittwoch oder so. Warum? Willst fiedeln?"
„Ich nicht. Aber — ich kenne jemand —"
„Ein Mädel, eh?"
„Fehlgeschossen. Ein Knabe. Und blind. Geigt pyramidal. Vielleicht, daß deine Mutter -"
„Werd's ihr sagen. Adresse?"
„Johny Smith, Fulton Street 136. So!
Damit du 's nicht vergißt!"
Und Mister Teddy kritzelt die Adresse auf Bobbys Manschette.
Der kann noch immer nicht recht begreifen. Aber Teddy schiebt ihn freundschaftlich zur Tür hinaus.
„Wohin, Bobby? Weißt du's noch?"
„Nach — nachhause. Zu Muttern."
„Was sollst du ihr sagen?"
„Da steht's."
Und Bobby guckt auf die Manschette.
,Also — mach deine Sache gut! Good bye!"
„Good bye, alter Junge!"
Bobby torkelt noch etwas. Aber er reckt sich mannhaft hoch und geht.
Und Teddy schaut ihm mit einem grimmigen Lächeln nach.
Dann legt er sich sofort ins Bett und schläft wie ein Bär. —
Es ist gegen Mittag, als sein Bursche ihn weckt.
„Mister Teddy ! Besuch!"
„Bin nicht zu sprechen!"
„Sagt' ich ihm schon. Der Herr will aber nicht gehen."
„Goddam!" knurrt Teddy. „Wer ist der Hallunke? Zeig her!"
Er überfliegt die Visitenkarte und runzelt die Braunen.
„Sag Mister Henry Bartley, Ehrenpräsident, Broadway Nr. 10, in einer halben Stunde würde ich aufwachen. Verstanden?"
Der Bursche verschwindet grinsend. Er ist die verrückten Einfälle seines Herrn gewöhnt und wundert sich nicht mehr.
Mister Teddy dreht sich auf die andere Seite und schläft weiter.
Als er nach einer halben Stunde erwacht, drückt er auf den elektrischen Knopf oberhalb seines Bettes.
„Für Mister Henry Bartley, Ehrenpräsident, Broadway Nr. 10 hierher! Verstanden?"
Der Bursche nickt.
Und nach wenigen Sekunden schon tritt Henry Bartley ein.
Teddy hebt den Kopf ein wenig, stützt ihn auf den Ellenbogen und nickt einen kurzen Gruß.
"n Morgen! Ein seltenes Vergnügen!"
Mister Henry Bartley, tipp topp von dem schimmernden Zylinder bis zur Lackschuhspitze, eine Chrysanthemum im Knopfloch, lächelt seinen Vetter wohlwollend an.
„Time is money für mich, lieber Theodor
„All right! Warum sie verschwenden durch einen Besuch bei mir?"
„Weil mein Gewissen mich dazu treibt."
Teddy lacht hell auf und deutet nonchalant auf einen Stuhl.
„Na, dann erleichtere dich!"
Mister Henry Bartley schiebt mit einem silberbeschlagenen Stock erst ein paar intime Kleidungsstücke vom Stuhl. Dann nimmt er Platz.
„Ich bin nämlich hier, um dir eine'Bitte rorrutragen, mein lieber Junge — ja, schau mich nur nicht so spöttisch an* Es ist so! Ob du's glaubst oder nicht."
Der „liebe Junge" zieht ?’< ic Grimasse. Am liebsten würde er den lästigen Schwätzer zum Fe> ster hinauswerfen.
Der andere aber Ahrt pathetisch fort:
„Wir sehen einander selten. Unsere Wege im Leben liegen weit auseinander —"
„Natürlich!" spöttelt Teddy. „Du bist Parlamentsmitglied, Präsidentschaftskandidat und lauter solch Klimbim — ein weit leuchtender Stern am politischen Himmel! Während ich — hahaha! Du hast recht: unsere Wege gehen weit auseinander. Hab' auch keine Sehnsucht nach dir. Laß mich ferner nur ungeschoren!"
(Fortsetzung folgt.)
Il■l■llliw
Freundliche Einladung
zu den
Borträgen
von Herrn Prediger Walter
v°m 23. bis 29. Nov., abends 8 Uhr
im Saale der Baptisten-Gemeinde
Am Landkrankenhaus 10.
Asttw och, den 25. November:
„Die schwerste Frage des Seelenlebens"
^nnerstag, den 26. November:
, „Wahre und trügerische Fundamente"
v^itag, den 27. November:
. „Verloren und gesunden"
^""tag, den 29. November:
»Ein letztes Ultimatum"
- Eintritt frei!
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Bekanntmachung.
An die Ortspolizeibehörden des-Kreises.
Bei der Beitragsüberwachung ist festgestellt worden, daß vielfach auf Versicherungskarten für Köchinnen, Stützen, Hausmädchen, Kindermädchen usw. als ^Berufsbezeichnung „Haus, angestellte" angegeben ist, während diese Beschäftigten unter den Begriff „Hausgehilfen" (§ 1266. Abs. 1 Nr. 1 der Reichsversicherungs- Verordnung) fallen. Zur Vermeidung von Irrtümern über die Versicherungszugehörigkeit hat der Minister für Volkswohlfahrt bestimmt, daß künftig neben der eigentlichen Berufs- bezeichnung (wie Köchin, Stütze usw.) für bie Ouittungskarten der Invalidenversicherung nur die Bezeichnung „Hausgehilfin", für die Versicherungskarten der Angestelltenversicherung die Bezeichnung „Hausangestellte" gewählt werden darf.
Fulda, den 23. November 1925.
Der Vorsitzende des Dersicherungsamtes:
J. V. Polster.