Lokales.
Kraftfahrzeuggeschwindigkeiten. Die zahlreichen Automobilunfälle in letzter Zeit, einige sogar mit tödlichem Ausgang, sind vielfach auf zu schnelles, zum Teil rücksichtsloses Fahren zurückzuführen.
Der für die Regelung der Fahrgeschwindigkeit matzgebende Paragraph 18 der Verordnung über Kraftfahrzeugverkehr vom 15. März 1923 RGBl. S. 175 und vom 18. April 1924, RGBl. 413, besagt in Absatz 1 allgemein, daß die Fahrgeschwindigkeit so einzurichten ist, datz der Führer in der Lage bleibt, seinen Verpflichtungen Genüge zu leisten.
Nach Absatz 2 beträgt die höchstzulässige Fahrgeschwindigkeit bei Kraftfahrzeugen bis zu 5,5 Tonnen Gesamtgeschwindigkeit innerhalb geschlossener Ortsteile 30 Kilometer in der Stunde, bei Kraftfahrzeugen über 5,5 Tonnen, Gesamtgeschwindigkeit 25 Kilometer, bei Mitfahren von Anhängern 16 Kilometer in der Stunde, sofern sie nicht für einzelne Straßen oder Ortschaften durch die höhere Verwaltungsbehörde herabgesetzt ist.
Damit ist aber keineswegs gesagt, daß ein Kraftfahrer jederzeit berechtigt ist, mit die sen Höchstgeschwindigkeiten durch geschloffene Ortschaften ;u fahren, sie sind vielmehr nur 'ulätzig bei freier und völlig übersichtlicher Zt-age. Das geht auch aus dem Absatz 3 h.rvor, der folgendermaßen lautet: „Ist der Ueberblick über die Fahrbahn behindert, die Sicherheit des Fahrens durch die Beschaffen heit des Weges beeinträchtigt oder herrscht lebhafter Verkehr, so muß so langsam gefahren werden, daß das Fahrzeug auf kürzeste Entfernung zum Stehen gebracht werden kann." Diese Vorschrift ist grundlegend und unter allen Umständen zu beachten.
Der Ueberblick über die Fahrbahn ist z. B. stets behindert an allen Straßenecken und Straßenkreuzungen, bei allen entgegenkommenden oder zu überholenden Fuhrwerken, sowie bei starkem Rebel und bei Dunkelheit. Die Beschaffenheit des Weges ist beeinträchtigt z. B. bei regnerischem Wetter, bei Schnee und Eis. Wenn nun bei unübersichtlicher Fahrbahn, bei glatter und schlüpfriger Straße und bei lebhaftem Verkehr so langsam gefahren werden soll, daß das Fahrzeug auf kürzeste Entfernung zum Stehen gebracht werden kann, so ist das nur möglich, wenn an den Straßenkreuzungen, besonders aber beim Einbiegen in eine Straße mit Schrittgeschwindigkeit gefahren wird, im anderen Falle ist der Führer nicht in der Lage, seinen Verpflichtungen aus Paragraph 18, Abs. 1, Genüge zu leisten.
Der Führer ist auch keineswegs straflos, wenn er die Straßenecken mit größeren'Ge- schwindigkeiten nimmt und dabei fortgesetzt Warnllngssignale gibt, um sich freie Bahn, zu schaffen.
Die Polizeibehörden sind angewiesen, dafür zu sorgen, und mit Nachdruck dahin zu wirken, daß an Straßenkreuzungen, besonders aber beim Einbiegen in eine Straße, mit Schrittgeschwindigkeit gefahren wird.
Daß das Oeffnen der Auspuffklappen innerhalb geschloffener Ortsteile verboten ist, ebenso das Abgeben aller unnötigen und langgezogenen Warnungssignale, wird als bekannt vorausgesetzt. Ein Mißbrauch der Signalinstrumente liegt auch dann vor, wenn Kraftwagenführer beim Halten vor Häusern die abzuholenden Personen durch wiederholtes Signalgeben auf die Ankunft des Fahrzeuges aufmerksam machen.
Die oben genannte Verordnung ist auf Grund des Paragraph 6 des Gesetzes über den Verkehr mit Kraftfahrzeugen vom 3. 5. 1909, RGBl. S. 437 und vom 21. 7. 1923, RGBl., Seite 743, erlassen. Die Strafbestimmungen befinden sich im Paragraph 21.
Diese Regelung der Fahrgeschwindigkeit, die Vorschriften über das Schließen der Auspuffklappen und die Warnungssignale beziehen sich sowohl auf Kraftwagen wie auf Krafträder; aber auch die übrigen Bestimmungen der eingangs genannten Verordnung über den Kraftfahrzeugverkehr sind jederzeit sorgfältig zu beachten. Die für jeden Kraftfahrer wichtigsten Verkehrvor- schriften sind vom Polizeirat Wendel in
Berlin in einem handlichen Heft (Verlag Ullstein, Berlin) zusammengestellt, dessen wiederholtes Studium jedem Kraftfahrer nicht dringend genug empfohlen werden kann.
Zuwiderhandlungen werden unnachsichtlich und empfindlich bestraft, im Wiederholungsfälle wird die Fahrerlaubnis entzogen, ihre Wiedererteilung wird von der nochmaligen Ablegung einer Prüfung und der Erfüllung weiterer Bedingungen abhängig gemacht.
Andererseits ist es aber unbedingt geboten, daß das Publikum dem von Tag zu Tag zunehmenden Kraftfahrzeugverkehr Rechnung trägt, indem es die Fahrstraße nicht zwecklos und wenn es unbedingt sein muß, nur auf kürzestem Wege, d. h. recht- winklich zum Straßenzug, aufmerksam nach rechts und links Umschau haltend, kreuzt. Unterhaltungen auf dem Fahrdamm stehender Personen sind in Zeiten des modernen Verkehrs nicht mehr möglich, können auch nicht mehr geduldet werden. Besondere Vorsicht ist zu beachten an allen schwer über- nchtlichen Stellen der Verkehrsstratzen. Den Eltern und Erziehern kann nicht oft genug ^nviohlen werden, die Kinder immer wieder ^if die Gefahren des Kraftfahrzeugverkehrs hinzuweisen. Die Radfahrer haben sich '^reng an die Vorschriften der Straßenpoli- 'mordnung zu halten und die Straßenecken aenau wie die Krafträder mit Schrittgeschwindigkeit zu nehmen.
Auch für die ländlichen Fuhrwerke gilt die Regel rechts auszuweichen, links überholen. wenn sie nicht sich selbst und die Kraftfahrzeuge in Gefahr bringen wollen.
Schreiner-Innung, Kreis Fulda-Land. Am 1. November d. I. fand am Petersberg sine Gesellenprüfung statt. Neben dem Prüfungsausschuß wirkte für den theoretischen Teil Herr Gewerbelehrer Feldmann. Die Handwerkskammer Kaffel hatte ein Vorstandsmitglied entsandt. Der Prüfung unterzogen sich 10 Lehrlinge, 7 davon hatten bereits schon anschließend an die gewerbliche Fortbildungsschule die theoretische Prüfung abgelegt. Der Verlauf der praktischen Prüfung kann als befriedigend angesehen werden.
Wer in seinem Berufe vorwärts kommen will, der erlerne die Welthilfssprache „Esperanto" und „Einheitsstenographie"
Günstige Gelegenheit hierzu gibt die „Volkshochschule"
Beginn der Vorlesungen f. Vorlesungsverzeichn.
Marx im Stadtsaal. Gestern nachmittag sprach Marx, Reichskanzler a. D. und Vorsitzender des Zentrums, im Stadtsaal vor ca. 1500 Personen. In seinen 1h^ stündigen Ausführungen gab er einen Abriß der politischen Geschichte des Zentrums in den letzten 6 Jahren und agitierte — von seinen Anhängern kräftig beklatscht — im Sinne seiner Partei.
Weihnachtsausstellung im Bürgerverein.
Im größeren Umfang — und auch von erfreulicher qualitativer Verbesserung — wurde gestern mittag die Ausstellung im Bürgerverein eröffnet. Eine eingehende Würdigung werden wir in der morgigen Nummer bringen. Der Besuch ist unbedingt zu empfehlen.
Neichskursbuch 1925=26. Die zweite Win- terausgabe 1925=26 des Reichs-Kursbuches wird in der Zeit vom 10. bis 13. Dezember erscheinen. Sie enthält außer den zahlreichen Aenderungen die seit dem Inkrafttreten des Winterfahrplans in den Eisenbahnfahrplänen in Deutschland eingetreten sind, die neuesten Fahrpläne in Rußland, Polen, Ungarn, Tschechoslowakei, Jugosla- vien, Italien, Frankreich, Spanien, Portugal, Belgien, Erotz-Britannien und Aegypten. Der Verkaufspreis für ein Reichkurs- buch mit Eisenbahnübersichtskarte beträgt wieder 6,50 Rentenmark. Bestellungen nehmen alle Postanstalten sowie auch die Sortimentsbuchhandlungen und Reisebüros entgegen. Frühzeitige Bestellung wird empfohlen, da sonst bei der beschränkten Zahl der Ausgabe auf Lieferung nicht zu rechnen ist.
Aus Rah und Fern.
Aus Oberhessen.
Falsch kalkuliert. Einem bekannten Arzte auf dem Lande passierte einst folgendes heiteres Stückchen, das wert ist, einem größerem Personenkreise bekannt zu werden. Besagter Arzt wurde einst im Winter zu einer Patientin nach dem Nachbarorte gerufen. Verschneit waren Weg und Steg. Was lag näher, um möglichst rasch von der Stelle zu kommen, als nach den Schneeschuhen zu greifen. Eelagt, getan. Bald kam der Gerufene an seinem Ziele an. Die Großmutter des Hauses stand in der Türe, jedenfalls schon in banger Erwirtung des Arztes. Als sie der mächtigen Hölzer ansichtig wurde, die über dem Rücken des Arztes hingen, rief sie aus: „Herr Dr., was wirds awwer unser Katharina "so angst wern, wenn Sie mit solche Instrumente komme."
Sparkassenskandale in Sachsen.
— Recht schlechte Erfahrungen haben in bei letzten Zeit drei ländliche Spar- und Darlehnskaffen in der Provinz Saâsen mit ihren Bevollmächtigten gemacht. In Eött- lin war die Kasse nicht mehr in der Lage ihren Verpflichtungen nachzukommen. Lagen hier direkt auch nicht Veruntreuungen vor, so mutzte doch festgestöllt werden, daß Gelder ohne genügende Deckung ausgeliehen waren. — In Vieritz ist der Rendant mit 30 000 Mark ausgerückt. Er soll sich nach Afrika gewandt haben, wo er von früher her Bescheid weiß. — Und in Neuenklitsche hat die Kasse ebenfalls den Verlust ihres Verwalters zu beklagen. 4000 Mark hat er mitgenommen. Seiner Frau hat er mitgeteilt, daß er sich das Leben nehmen will, doch glaubt niemand daran.
Neuer Parteivorsitzender.
TU. Cassel. Zum Nachfolger des kürzlich verstorbenen Vorsitzenden des Landesverbandes Heffen-Naffau-Wetzlar-Waldeck der deutschnationalen Volkspartei, General der Infanterie Wild v. Hohenborn, wurde Vizeadmiral a. D. Boedicker, Caffel, gewählt.
Keine Sozialisierung der Luftschiffahrt.
TU. Essen, 17. November. In einer Sitzung des Niederrheinischen Vereins für Luftschiffahrt, die in einer Erklärung an die Ministerien gegen die Monopolisierung der Luftschiffahrt Stellung nahm, gab der Vertreter des Reichsverkehrsministeriums folgende autorisierte Erkürung ab: „Bei der zukünftigen Gestaltung der Luftfahrtunternehmung ist weder eine Verreichlichung noch eine Verstaatlichung geplant. Das Luftunternehmen erhält eine rein wirtschaftliche Einstellung. In ihm haben die wirtschaftlichen Kreise die unbedingte Majorität. Der freie Wettbewerb der Industrie ist bei dem Luftunternehmen mit allen Mitteln zu fördern."
Warmes Frühstück.
Mainz. Die Stadt gibt auch in diesem Jahre morgens vor Schulbeginn den Kindern ein warmes Frühstück. Es werden hierzu in den einzelnen Schulklassen die diesbezüglichen Ermittlungen für die daran teilnehmenden Schüler vorgenommen.
Ein Wasserschuhläufer in Aschaffenburg.
TU. Aschaffenburg. Von Lohr kommend, ist gestern der bekannte Wasserschuhläufer Ing. Steuerlein auf dem Main eingetroffen. Steuerlein hat die Strecke Würzburg- Aschaffenburg (165 Kilometer) auf dem Main zurückgeegt. Infolge des stürmischen Wetters mußte er seine Fahrt unterbrechen und ist nach Würzburg zurückgekehrt.
Grausiger Fund.
TU. Dillenburg. In den benachbarten Offenbach wurde gestern auf dem Dachstuhl der zu reparierenden Kirche eine halb verweste Kindesleiche aufgefunden. Die Leiche soll bereits mehrere Monate dort verborgen gewesen sein. Eine gerichtliche Untersuchung wurde eingeleitet.
Schnee im Schwarzwald.
Freiburg. Im Schwarzwald liegt der Schnee bereits 20 Zentimeter hoch. Die Kälte beträgt 7 Grad.
Musterherbergen in der Ei^el.
TU. Aus der Eifel. In Mandersscheid ist der Bau einer Muster-Schülerherberge
mit 150 Betten beschlossen worden. Die Eesamtkosten sind mit etwa 100 000 Mark angesetzt worden. Durch staatliche und private Mittel der Bausumme gedeckt worden Der Eifeverein hat weitere 10 000 Mark Beihilfe beschlossen.
Vermischtes.
Unrecht Gut gedeiht nicht!
(Die deutschen Bienen in Frankreich.) Das „Berliner Tageblatt" meldet: Aus der Lüneburger Heide, dem eigentlichen Reich der Bienenschwärme, sind bis jetzt 30 000 Bienenvölker auf Reparationskosten geliefert worden. Merkwürdigerweise hat keines dieser Bienenvölker die französische Luft vertragen; sie sind sämtlich eingegangen.
Vom elektrischen Strom getötet.
TU. Neukirchen (Saar). Beim Einsetzen einer elektrischen Birne im Stall kam ein junger Mann in Schiffsweiler mit dem elektrischen Strom in Berührung und fiel tot zusammen. Die Haushälterin fand ihn mit der Hand an bei Stromanlage und wollte ihn, in der Annahme, daß der Getötete nur ohnmächtig sei, aufheben. Dabei erhielt sie ebenfalls einen elektrischen Schlag und wurde derart schwer verletzt, daß sie sofort in ärztliche Behandlung gebracht werden mutzte.
3000 Russen in China gefallen.
TU. London. Die Tschangtsolin-Truppen haben durch die Meuterei der Schangtang- Division einen empfindlichen Schlag ei= litten. Die Division griff gegen Wupaifus Truppen vorgehende russische Söldner hinterrücks an, wobei 3000 Russen getötet wurden.
Sportnachrichten.
Turntag des 7. Kreises.
Am 15. November in Göttingen.
Die Deutsche Turnerschaft teilt das deutsche Land in Kreise ein, die dann in Gaue und diese wieder in Bezirken unter- organisiert sind. Wenn also OhrMreter der Turner eines ganzen Kreises einmal im Jahre zusammenkommen, dann bedeutet er mehr für sie als bloßer Arbeitstag, an dem die wirtschaftlichen Nöte und zukünftige Besserungen im techn. Betrieb besprochen werden. Der Arbeitstag wird zu einem kleinen Festtag, weil die Arbeit übersonnt wird von den Strahlen der immer voranleuchtenden Idee, die einen jeden Turner aufwärts blicken und vorwärts schreiten läßt. Man wird in diesen Stunden wieder und wieder im Gespräch mit Gleichgesinnten die Wesenszüge der Turnerei durchden ken, um ganz klar zu sehen, ob man im vergangenen Jahr den geraden Weg innegehalten hat, oder welche Ereignisse so stark waren, den Weg abbiegen zu lassen und wohin.
Auch der 31. ordentliche Turntag des 7. Kreises, der fein Gebiet von Holzminden bis Fulda ausdehnt und zu dem Kassel als größte Stadt gehört, stand unter dem Zeichen ernster Bertung der zukünftigen Arbeit. Als Kreisvertreter Engelhardt - Esch- wege die Tagung eröffnete, konnte er außer einigen Ehrengästen etwa 90 Abgeordnete begrüßen. Man ehrte die im Weltkriege gefallenen Turnbrüder durch stilles Erheben von den Sitzen. Dem anwesenden ehemaligen Kreisvertreter Ahlborn-Göttingen und seinem heute 85 Jahre alten Kassenwart Hasselbach, der mit erschütternden Worten für die Erziehung der heutigen Jugend sprach, wurde ein begeistertes Gut-Heil ausgebracht. Studienrat Zimmermann vom Stadtverbnd für Leibesübungen, Göttingen, wies auf die Pflege des Turnens an den Hochschulen hin, die sich an die vorbildliche Arbeit der Turnvereine anschließen müßten. Bevor man an die eigentlichen Beratungen ging, hielt Rektor. Tecklenburg-Göttingen Göttingen einen feinempfundenen, weit über alltägliche Gedanken hinausgreifenden Vortrag über „Deutsche Heimat und deutsches Turnen". Seine mit viel Wärme dargelegten Ausführungen, die immer tief in die Materie eindrangen, gipfelten in dem Wunsch, daß beides. Turnen und Heimat, einander auf das beste dienen möchten. Es war ein würdiger Auftakt für die von verantwortlichem Ernst getragenen Verhandlungen.
Alle Punkte der Tagesordnung, die sich mit Verwaltungs- und turntechnischen Dingen beschäftigte, wurden reibungslos erledigt. Der am Vortage zusammenge- tretene Hauptausschutz hatte dazu tüchtig vorgearbeitet. Die Berichte der einzelnen Kreisturnwarte über das zurückgelegte Jahr zeugen von der gewaltigen Arbeit, die