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General von Kuhl und der Dolchstoß.

Im Münchener Dolchstoßprozeß wurde am Montag General a. D. v. Kuhl^Berlin, vernommen. Er erklärte, wie der „Tag" be­richtet, u. a. etwa folgendes:

„Meine Ansicht, weshalb wir den Krieg verloren haben, geht dahin, daß die Ur­sachen sehr verschiedener Natur waren. Es mußten naturgemäß sehr viele Punkte zu­sammenkommen, um Deutschland zu Fall zu bringen. Im Sommer 1918 fehlte der Er­satz. Weiterhin sind wir auch der großen Ueberlegenheit des Feindes unterlegen, zu­mal als die Amerikaner auf dem Kriegs­schauplatz erschienen waren. Von großem Einfluß wär auch der Zusammenbruch Bul­gariens an der mazedonischen Front, der Zusammenbruch der Türkei und die völlige Erschöpfung Oesterreich-Ungarns. Entschei­dend war die Ersatzfrage. Die Zahl der fahnenflüchtigen Ueberläufer und Drücke­berger war ebenfalls außerordentlich groß. Dieser Abgang war zum großen Teil dem verhetzenden Einfluß zuzuschreiben, der von der Heimat aus auf die Leute ausgeübt wurde.

Die pazifistischen, antimilitaristischen und die internationalen Bestrebungen und vor allem die von der Heimat ausgehende revo­lutionäre Unterwühlung unserer Heere ha­ben zum Zusammenbruch ganz wesentlich beigetragen. Diese revolutionäre Unter­wühlung hat nicht erst nach dem Zusammen­bruch der Offensive, sondern schon viel früher eingesetzt.

Die Tendenz der Bewegung war, die Re­gierung zu zwingen, Friedensverhandlungen einzuleiten. So wurden junge Leute aufge­fordert, den Stellungsbefehlen nicht mehr Folge zu leisten. Man kann nicht behaup­ten, daß die revolutionäre Bewegung ledig­lich als Folge des Scheiterns der Offensive entstanden sei." — Der Zeuge ging dann ausführlich auf die außerordentlich schädi­gende Propaganda des Feindes und die un- terwühlende Tätigkeit der Deserteurvereine im Ausland ein: „In Holland standen diese Deserteure in organisierter Verbindung mit den englischen Spionage-Organisationen. Ich möchte hinzufügen, daß bereits im No­vember 1915 auf der Zimmerwalder Sozia­listenkonferenz besprochen worden ist, die Sozialisten aller Länder gegen den Krieg aufzuhetzen.

Im Oktober 1918 wurden die Generale v. Gallwitz und v. Mudra von den Staats­

sekretären empfangen, um ihre Ansicht über die Lage auszusprechen. Auch die Generale haben damals auf die ungünstige Einwirk­ung der Heimat auf die Truppen hingewie- sen.

Die Revolution hat uns den letzten Rest an Widerstandskraft geraubt.

Ich stelle fest," so fuhr Exzellenz von Kuhl fort, „daß der Sozialdemokrat Cohn um­fangreiche Geldmittel von dem Russen Joffe angenommen hat, um sie zum Zwecke der Revolutionierung der Truppen zu verwen­den. Cohn hat sogar später erklärt, daß er es bedauere, die Gelder, die Zoffe ihm ge­geben habe, nicht restlos im Sinne einer Re­volution aufgebraucht zu haben. Die Wir­kung der Revolution auf die Kampftruppe war geradezu verheerend. Dennoch muß ich seststellen, daß die eigentliche Fronttruppe immer noch gut war. Hätten wir die 320 000 Drückeberger an der Front gehabt, dann wäre es uns möglich gewesen, uns anders zu schlagen. Mit der Revolution begannen dann die Soldatenräte ihr verheerendes Werk. Es handelte sich bei uns nicht mehr um den Sieg. Allerdings war es eine Frage, ob wir die Atempause bekommen hätten, die das Heer so dringend notwendig hatte. Wir wußten, daß auch die Alliierten an der Grenze ihrer Leistungsfähigkeit angekommen waren.

Die Revolution war der Dolchstoß, der in den Rücken des Heeres geführt worden ist in dem Augenblick, als es darauf ankam, weiter zu kämpfen, um einen Frieden zu er­zielen. Wir hätten unter den günstigsten Aussichten die Atempause erhalten und uns in der Antwerpen-Maas-Stellung dem Feinde erneut stellen können. Aber die Un­fähigkeit der Soldatenräte zerstörte alles."

Der Zeuge kam dann noch auf den ge­scheiterten Flottenvorstoß zu sprechen, und führte aus: „Wenn ein solcher Vorstoß ge­kommen wäre, so wäre er für die Truppe von größter Bedeutung gewesen. Dieser Vorstoß hätte die Engländer im Kanal be­droht und die Stellungen an der Front schwer erschüttert. Eine große Reihe eng­lischer Heerführer ist der gleichen Meinung gewesen." Der Zeuge formulierte seine Aus­sage nochmal dahin, daß das Heer zwar in den Jahren 1917-18 von der Heimat aus systematisch revolutioniert worden sei, daß aber der Dolchstoß in Wirklichkeit erst die Revolution gewesen sei.

Lokales.

Fulda, den 28. Oktober 1925.

Wettervoraussage bis Mittwoch abend. Bewölkung wieder wechselnd, einzelne Re­genfälle, etwas kühler, südwestliche bis west liche Winde.

Nationalsozialistische deutsche Arbeiter­partei Ortsgruppe Fulda. Der für Don­nerstag 29. Oktober angesetzte Sprechabend fällt aus, dafür findet am Samstag, 31. Oktober abends 8 Uhr im Ev. Gemeinde­haus ein Unterhaltungsabend statt, der ab­wechslungsreich bei Ernst und Humor ei­nige echt deutsche Stunden uns beisammen finden soll. Die Gruppe erwartet daß sämtliche Mitglieder mit Gästen erscheinen.

Evang. Volks-Verein. Am Sonntag, den 1. November (Reformationsfest) findet im Gemeindehaus ein Familienabend statt, zu de mdie Gemeinde herzlich eingeladen ist. Herr Hofvortragsmeister Neander-Pyrmont gibt zwei Lichtbilder-Vorträge mit je 50 Lichtbildern: 1) Mein Jesus, 2) Dr. Martin Luther. Am Nachmittag findet ein Lichtbil­dervortrag: „Unsere Kolonien" für die Ju­gend statt. (Näheres durch Anzeige.)

Eine Feuerwehrübung fand dieser Tage nachmittag eineinviertel Uhr an der Kreuz- nug Karl- und Mittelstraße statt. Die Lei­tung lag infolge Erkrankung des Herrn Brandmeisters Wehner in den Händen des Herrn Feuerwehrhauptmanns War­muth. Die Uebung klappte bis auf Klei­nigkeiten gut. Das Haus Karlstraße 10 wurde als angeblicher Brandherd von 2 Steigeleitern aus unter Wasser genommen. Der gegenüberliegende Gasthof„Eermania", welcher von einer Leiterpyramide aus durch eine Leitung besprengt wurde, diente auch als Objekt für Rettungsversuche. Ret­tungssack und Sprungtuch wurden auspro­biert. Um 4 Uhr war die von einer schau­lustigen Menge umlagerte Uebung zu En­de. Nach der Kritik ging es mit Musik zum „Frankfurter Hof", wo 2 Hektoliter Frei­bier des „Löschens" harrten.

Die Art der Bolksernährung ist sicher­lich ausschlaggebend für die Gesundheit. Von dieser hängt die Arbeitsfähigkeit und vielfach das Wohl der Familie ab. Krank­heiten stören nicht nur den Haushaltsplan und die Berechnungen jeder Familie, sie machen auch, daß die Industrie viel zu teu­er arbeitet. Zuletzt muß ja doch der Ar­beitgeber die Kosten der Krankenversicher­ung auf die Herstellungskosten der Ware schlagen. Darum ist es nicht nur für kin­

derreiche, sondern für alle Familien unge­mein wichtig, daß der bekannte Vorkäm­pfer für die Verbesserung des Brotes, der Mühlen-Ingenieur Stefan Steinmetz am 31. Oktober (Sonnabend) in einem im ev. Gemeindehaus stattfindenden Vortrage auf Grund seiner langjährigen Erfahrungen be gründen wird, wie es kommt, daß unsere Volksernährung nicht nur fehlerhaft, son­dern auch viel zu teuer ist. Auf einer klei­nen Handmaschine wie auch durch Proben wird er zeigen, wie die Nahrung nicht nur verbessert, sondern auch verbilligt werden kann.

Der ungetreue Mohr. Der Vorstand des deutschen Handwerkerbundes teilt uns mit, daß der mit der Buchstellenarbeit für den Bezirk Hessen-Nassau bekannte Beamte Mohr entlassen ist. Grund hierzu gaben an den Bundesvorstand eingegangene Be­schwerden, wonach dieser Herr in nicht ein­wandfreier Weise den Handwerksmeistern und sonstigen Geschäftsleuten Beträge ab­nahm und die Beteiligten in unerhörter Weise übervorteilte. Der Bundesvorstand warnt Handwerker und Gewerbetreibende sich mit diesem Herrn weiter einzulassen und bittet Geschädigte sich direkt an ihn nach Berlin-Friedenau zu wenden.

Der Konflikt zwischen Aerzten und Kran­kenkassen. Der Haupeverband Deutscher Krankenkassen, teilt uns mit: „Bei den heu­tigen Verhanlungen im preußischen Mini­sterium fürVolkswohlsahrt über die von den Aerzten geforderte Streichung des den Krankenkassen gewährten Abschlagse von 20 Prozent der preußischen Gebührenordnung wiesen die Vertreter der Kassen auf die schwierige Lage der Kassen hin. Es sei er­forderlich, Schutzmaßnahmen zu schaffen. Nach längerer Aussprache, in der Vertreter des Reichsarbeitsministeriums und des Reichswirtschaftsministeriums auf die Not­lage der Wirtschaft hinwiesen, wurde die Entscheidung über den Ertrag vertagt. Es soll zunächst festgestellt werden, wie die ge­forderte Erhöhung sich auswirkt und ferner ob und welche Schutzmaßnahmen durchge­führt werden können. Ueber diese Frage soll versucht werden, eine Einigung zwi­schen Aerzten und Kassen herbeizuführen".

Der Sparkasienverband für Hessen-Nas­sau und Waldeck hielt am Samstag im Ro­ten Saale des Stadtsaales seine Hauptver­sammlung ab. Als Vertreter des Herrn Dberprästdenten nahm Herr Regierungs­präsident Springorum (früher lang­jähriger Landrat des Kreises Fulda) teil. Aus dem Geschäftsbericht ist besonders zu erwähnen, daß dem Verband 85 Spaxkaf-

sen angehören und zwar 63 aus dem Reg. Bez. Cassel, 18 aus dem Reg. Bez. Wies­baden und 4 aus dem Freistaat Waldeck. Erfreulich sei, daß die Spartätigkeit wieder zugenommen und die Einlagen-Guthabeir erfreulich im Steigen begriffen. Die Spar­kassen müßten es sich aber angelegen sein lassen ganz intensiv zu werben, damit sie nicht nur ihren alten Sparkunden sondern auch viele Neue erlange. Sehr empfehlens­wert sei es auch, daß die Sparkassen es sich in der jetzigen Zeit der wirtschaftlichen Not zu ihrer Pflicht machen in erster Linie alt­eingesessenen Handwerkern und Gewerbe­treibenden zu unterstützen und nicht etwa Jnflationsgründungen. Um der Wohnungs­not zu steuern, müßten die Sparkassen auch langfristige Hypotheken an Bauhandwer­ker für Neubauten, zu ermäßigtem Zins­satz, gewähren. Auf einen am 31, Oktober d. Zs. stattfindend.en Weltspartag in ganz Deutschland wird hingewiesen. Eine Haupt­aufgabe der Sparkassen müßte auch sein, den Sparsinn besonders bei den jugendli­chen Leuten beiderlei Geschlechtes mehr zu erwecken; auf daß die Jugend das Ver­werfliche ihrer verschwenderischen Lebens­weise besser einsühe. — Der vorgesehene Zusammenschluß der beiden Landesbanken und zwar der Landeskreditkasse Castel und der Nassauischen Landesbank in Wiesba­den mit dem Sparkassenverband für die Provinz Hessen-Nassau und dem Freistaat Waldeck kam trotz mehrstündiger Verhand­lung nicht zu stände. Hierüber wird auf einer in Kürze nach Marburg einzuberu­fenden Versammlung endgültig Beschluß gefaßt werden.

Die Weltsprache als Schulfach. Es ist überaus bezeichnend für die Engländer, daß trotzdem ihre eigene Sprache in der Welt die größte Reichweite hat, die Esperan­tobewegung in England kräftig fortschrei­tet, daß also die Engländer viel tatkräfti­ger an der praktischen Auswertung des Esperanto arbeiten als wir Deutsche, „Die Welt muß durch Esperanto Zeit und Geld sparen" erklärte der Vertreter der engli- chen Handelskammer in Venedig. Infolge rieser Erkenntnis wird Esperanto in Groß- rritannien von Handels- und Industrie- reisen, Wissenschaft und Parlament, Städ­ten und Kommunen, Tagespresse und Be­völkerung tatkräftig unterstützt. Männer wie Lord Robert Cecil und Professor G. Murray sind die Vorkämpfer des Esperan­to beim Völkerbund in Genf. Der Vor- itzende der Handelskammer in Sheffield macht Propagandareisen für Esperanto. Die Bittschrift an den Völkerbund um Ein­führung der internationalen Handelsspra­che ist unterzeichnet von 2130 führenden Personen aller Stände. Die von der Han­delskammer errichtete „Gesellschaft für in-' ternationale Handelssprache", bestehend aus den Vertretern der wichtigsten Handelsor­ganisationen, propagiert Esperanto bei al­len Handelskammern der Welt. In den Londoner Stadtparks finden Demonstratio­nen für Esperanto statt usw. Die Brits Esperantisten Asocio mit eigenen Beamten, zwei Zeitschriften, sieben Landesverbänden, 111 Gruppen» besitzt das Recht zur Abnah­me von Esperantoprüfungen und zur Aus­stellung von Zeugnissen; ebenso prüft die Londoner Handelskammer. Esperanto ist in 17 Volksschulen obligatorisch und in 20 fa­kultativ eingeführt; in mehr als 100 Städ­ten gibt es Privatkurse; in Arbeiterschulen und Blindenanstalten bestehen Sonder­abendkurse; mehr als 650 00 Esperantolehr- bllcher sind in Eroßbritanien verkauft wor­den. Großbritanien weiß auch bereits Esperanto praktisch zu nützen: eine große Englandpropaganda wird in Esperanto im Ausland betrieben. Große englische und schottische Handelsfirmen verwenden Esper­anto, z. V. Th. Cook u. Sohn (Reisebüro), Stephans Tintenfabrik, Buchmann, Scott u. Co. (Whisky) und andere. — In Deutsch land dagegen fragt man noch immer: Wozu lernt man Esperanto?

Folgende Warnung erläßt Minister Hirtsiefer. Vor einiger Zeit sind bei ei­ner Wanderung im besetzten Gebiet mehre­re aus dem unbesetzten Gebiet stammende junge Leute von der Besatzungsbehörde fest­gehalten worden, weil sie einen farbigen Wimpel mitführten. Nach einer Entschei­dung der Interalliierten Rheinlandkommis­sion aus dem Jahre 1922 müssen auch Wan­dervögel, Pfadfinder und ähnliche Vereine, wenn sie im besetzten Gebiet Wimpel zei­gen wollen, gemäß Verordnung 30 hjes dem Kreisdelegierten vorher anzeigen. Wenn­gleich die Delegierten damals Anweisung erhalten haben, diese Ordonanz nicht eng­herzig zu handhaben, so sind doch, wie der neuerliche Vorfall zeigt, Vereine usw. aus dem unbesetzten Gebiet, die aus Unkenntnis diese Bestimmungen unbeachtet lassen, stets der Gefahr eines Konfliktes mit Besatzungs­organen ausgesetzt. Ich ersuche ergebenst, die Jugend- und Wandervereinigungen auf diese Bestimmung aufmerksam machen zu machen.

Die Aenderungen der Lohnsteuer. Ab 1. Oktober sind die neuen Bestimmungen der Lohnsteuer in Kraft getreten. Der Steuerabzug ist folgendermaßen geregelt:

1. Für den Steuerpflichtigen bleiben vom Arbeitslohn 50 Ji, monatlich (12 Ji wöchentlich) als Existenzminimum, 15 Ji (3,60 Ji) zur Abgeltung der Werbungs­kosten und 15 Ji (3,60 Ji) zur Abgeltung

der Sonderleistungen (Versicherungsbeit, ge usw.), insgesamt also 80 Ji (19,2g vom Steuerabzug frei. '

2. Außer den unter 1 bezeichneten & trügen bleiben steuerfrei:

1. entweder (prozentuales System) ie Prozent des Einkommens das über 8g , monatlich (19,20) hinausgeht,

a) b) c) d) e)

2 oder (System der festen Beträge) für die Ehefrau 10 Ji montl. (2,40 in

für das 1 Kind 10 Ji montl. (2,40^

für das 2. Kind 20 Ji montl. (4,86 <

für das 3 Kind 40 Ji montl. (9,601

für das 4. und jedes folgende

Kind je 50 Ji montl. (12,—

Diese Regelung bedeutet, daß bei bej niedrigen Einkommen monatlich bezw. wz chentlich mindestens folgende Beträge steu­erfrei bleiben:

Ledig. Steuerpflichtiger Verheirat, oh. Kind.

Verheirat, mit 1 Kind

(19,20 ja (21,60 ja (24,-J (28,80 (38,40 ja (50,40 Ji)

Für jedes weitere Kind bleiben 50 4 monatlich (12 Ji) steuerfrei.

80

90

100

Verheirat, mit 2 Kindern 120

Verheirat, mit 3 Kindern 160

Verheirat, mit 4 Kindern 210

Ji Ji Ji Ji Ji Ji

Von dem Arbeitslohn, der nach Abzug dieser Freibetrüge verbleibt, sind stets lo Prozent als Steuer einzubehalten. ß

Ob für die Berücksichtigung des gami lienstandes bei der Bemessung des Steuer­abzuges das System der festen Beträge oder der prozentualen Ermäßigungen in Frage kommt, richtet sich danach, welches System im einzelnen Fall für den Steuerpflichtigen in seiner Gesamtheit günstiger wirkt.

Bei den niedrigeren Lohneinkomm wirkt das System der festen Abzüge M- stiger, bei den höheren das System der vre- zentualen Ermäßigungen. Je nach dem Fa­milienstand ergibt sich ein bestimmte Schnittpunkt, d. h. eine Einkommensgrenze Unterhalb des Schnittpunktes wird das Sy­stem der festen Beträge günstiger, oberhalb des Schnittpunktes das Prozentuale Sy­stem. Diese Einkommensgrenzen ergeben

sich aus der

nachstehenden Tabelle: Familienstand,

verheirateter Arbeiter Jahres- Monats- Wochen-

Arbeitslohn

Ehefrau 2160.— 180.— 41.54

1 Kind 2160.— 180.— 41.54

2 Kinder 2560.— 213.33 49.23

3 Kinder 3360.— 280.— 64.67

4 Kinder 4080.— 340,— 78.46

5 Kinder 4560.— 380.— 87.68

6 Kinder 4902.86 408.57 94.29

7 Kinder 5160.— 430.— 99.23

8 Kinder 5360.— 440.67 103.08

9 Kinder — — —

10 Kinder — „—__ —

Familienstand,

lediger oder verw7 Arbeiter Jahres- Monats- Wochen- Arbeitslohn

1 Kind 2160.— 180.— 41.54

2 Kinder 2760.— 230.— 53.08

3 Kinder 3760.— 313.33 72.31

4 Kinder 4560.— 380— 87.69

5 Kinder 5040.— 420.— 96.92

6 Kinder 5360.— 446.67 103.08

7 Kinder 5588.57 465.71 107.47

8 Kinder 5760.— 480.— 110.77

9 Kinder 5893.33 491.11 113.3?

10 Kinder — —

Ehefrau 2160.— 180.— 41.54 2160-

Aus dieser Tabelle sind die Lohnbeträzr ersichtlich, bei denen je nach dem Familien­stand die Berechnung der Steuer nach dem einen oder nach dem anderen System â» demselben Ergebnis führt. Hier kann also auch für die Berechnung der Steuer das ei­ne oder andere System angewandt werden. Bei Löhnen, die höher sind, als die in der Tabelle für den betreffenden Familienstand angegebenen Beträge, muß daher das pro­zentuale System angewendet werden, weil es hier günstiger wirkt als das System der festen Beträge; bei Löhnen, die niedriger sind, muß das System der festen Beträge angewendet werden.

Eine wichtige Neuerung ist ferner die Möglichkeit, beim Vorliegen besonderer Verhältnisse den steuerfreien Lohnbetrag zu erhöhen oder für zuviel gezahlte Lohnsteu­er nachträglich auf Antrag die Erstattung vom Finanzamt zu verlangen.

Aus Stadt und Land

Gelnhausen, 28. Okt. Die 2. Barbarossa­schau Gelnhausen findet am 4., 5. und 6. De­zember stat. Die Ausstellung gliedert sich ltl 4 Abteilungen. Abteilung 1 Reisebrieftau­ben der Kinzigtaler Reisebrieftaubenâr- einigung. Abteilung 2 Allgemeine Kamst- chen-Schau. Abteilung 3 Allgemeine Geflü­gelschau. Abteilung 4 Obstschau. Die Bar- barossaschau ist eine allgemeine Schau, welcher aller Tiere aus allen Kreisen um Orten zugelassen sind. Die Geschäftsstelle der Barbarossaschau befindet sich Gelnhau­sen, Neuestraße 15, und können die An- meldebogen dort angefordert werden.

Gießen, 28. Okt. Fuhren da dieser Tage drei Gießener Kaufleute durch die Marbur­ger Gegend, um ihre Tabakwaren an de Mann zu bringen. Sie kehrten in den Dörfchen St. an der oberen Lahn ein, un da die Wirtin wegen der KartoffelerM kein Essen zybereiten konnte, so einigten |w