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Nr. 244

59. (2.) Jahrgang

Frankreichs wahres Gesicht.

Bombardement von Damaskus.

TU. Paris, 27. Okt. (Funkd.)

Der größte Teil der Stadt Damaskus ist ( lautEcho de Paris" durch ein 30stündiges Bombardement der Franzosen in der Nacht ; zum Sonntag zerstört worden. Es sollte ein Stadtviertel bestraft werden, in dem die Drusen einen Aufstand hervorgerufen hat- : ten. Man berichtet von 50 Toten.

Der Sonderberichterstatter derTimes" in Damaskus berichtet folgende Einzelhei­ten über die Beschießung:

Niemand, der diese drei furchtbaren Tage miterlebte, wird sie vergessen. Die abstoßende Paradierung von zwei Dutzend Brigantenleichen, so berichtet der Korre­spondent, die zuerst auf Kamelen durch die Hauptstraße geführt und dann auf einem Platz ausgestellt wurden, hatte nicht die beabsichtigte Wirkung, als Warnung zu dienen, sondern vermehrte nur noch die Wut der Bevölkerung. Drei Tage später wurden die Leichen von 12 Tscherkessen, die von den Franzosen als irreguläre Truppen verwandt werden, aufgefunden.

In der Nacht vom 17. Oktober wurden jranzösische Soldaten angegriffen. Am anderen Morgen traten in der Stadt meh­rere Brigantenbanden auf und begannen, âkerstützt von dem Stadtgesindel, zu plündern. Die Franzosen schienen zu glau­ben, daß ein wichtiger Schritt der Bevöl­kerung beoorstand und daß größere Kräfte am Werk waren, als es in Wirklichkeit der Fall war. Am Mittag des 18. Okto­ber sandten die Franzosen Tanks durch die Stadt, die mit furchtbarer Geschwindigkeit unaufhörlich nach rechts und links feu- ernd, die Straßen durchfuhren. Die Be­völkerung errichtete Barrikaden und ver­wundete zahlreiche Mannschaften der Tankbesatzung. Um 6 Uhr abends began­nen die Franzosen die Altstadt zu beschie­ßen.

Am nächsten Morgen wurden plötzlich ohne Warnung alle Truppen aus der Alt­stadt einschließlich der christlichen Stadtteile zurückgezogen, und von 10 Uhr vormittags wurde von der Artillerie die Beschießung der Stadt 24 Stunden lang fortgesetzt, wäh­rend Flugzeuge aus der Luft Bomben ab­warfen und mit Maschinengewehren schossen, ^'n ganzer Bezirk wurde in Trümmer gelegt. Auch die Kuppel emer Moschee weist ein riesiges Loch auf. [ Zerstörung des Azm-Palastes bedeutet einen unwiederherstellbaren Verlust» d a e r °?6 Institut r m oh am me da- n,l^e Kunst und Archäologie war, dessen Schätze fast alle zer - o r t wurden.

Englische Empörung über das Borgehen der Fran-

zosen.

TU. London,.28. Okt. (Telunion.) Das Vorgehen der Franzosen in Damas- -us hat in der englischen Öffentlichkeit viel imrker gewirkt, als es gestern morgen vor- "usgesehen werden konnte. Selbst amtliche Zellen sind geradezu entsetzt. Im Publi- herrscht offene Empörung über das bei- E'Eese Vorgehen des französischen Militärs, ^besondere bezeichnet man die Schaustel- erschossenen Rebellen auf einem öf- Vcn Plätze in Damaskus als eine un- I Provokation der Bevölkerung, mäh­end die Tatsache, daß das französische Mili- kuqWUr di* französische Kolonie von Damas- von dem bevorstehenden Bombardement F^,°"ichtet hat, tiefe Entrüstung erregt. Die «o?"Äiellung der toten Rebellen, so schreibt liberaleStar", war ein schwerer Feh- ? der Verrat an der europäischen »in "ar ein Verbrechen. DerEve- tin Standard" ist kühler und meint bedäch- l mit ^/.selbst im Glashaus sätze, solle nicht bah Egemen werfen, womit er sagen will, rönnt«"^ ?"d in eine ähnliche Lage kommen wie Frank "ch *^M°* vorgehen zu müssen

Siilliatr Krwblm, Aozcign für Rhön

Ad Widern, Äk«- mH Hmetal

Mittwoch, den 28. Oktober t»2S, mittags

Kein Bruch zwischen den Rechtsparteien.

Ein bedeutsamer Beschluß der deutschen Bolkspartei. Sozialdemokraten für Reichstagsauflösung. Keine Scheidung des Geistes.

B e rl i n , 28. Okt. (Telunion.) (Eigener Informationsdienst.)

Zwischen den Führern der Deutschen Voltspartei und der Deutschnationalen ist auch nach dem Austritt der deutschnationa­len Minister aus der Regierung Luther eine enge Fühlungnahme aufrecht erhalten wor­den. Bei beiden Parteien, sowohl bei den Deutschnationalen als auch bei der Deut­schen Volkspartei, besteht der Wunsch, die freuudnachbarlichen Beziehungen aufrecht zu erhalten und neu egegenseitige Spannungen zu vermeiden. Allerdings steht die Deutsche Volkspartei auf dem Standpunkt, daß man jeden Versuch, den Außenminister Dr. Stre­semann neuerdings wieder zum Konzentra­tionspunkt deutschnationaler Angriffe zu machen, mit aller Entschiedenheit zurückwei­sen werde.

TU. Berlin, 27. Okt. (Telunion.)

Um 8 Uhr abends gab die Deutsche Volkspartei folgendes Lommunique tms.

Parteivorstand und Reichstagsfraktion der Deutschen Volkspartei haben heute über die Ereignisse von Locarno und die durch den Austritt der Deutschnationalen Volks­partei aus der Reichsregierung geschaffene Lage beraten. Sie sind einstimmig zu fol­gender Auffassung gelangt: Das Vertrags­wert von Locarno, das durch die berechtigte und notwendige Initiative Deutschlands zu­stande gekommen ist, entspricht in allen we­sentlichen Punkten dem Grundgedanken der deutschen Antwortnote vom 20. Juli 1925 und somit auch den Richtlinien der Deut­schen Volkspartei vom 2. Juli 1925. Deut­sche Lebensnotwendigkeiten werden nicht preisgegeben. Artikel 1 des Westpaktes ver­pflichtet zum Verzicht auf Angriffskrieg, läßt aber das Selbstbestimmungsrecht der Völker und alle andern Möglichkeiten fried­licher Entwicklung offen. Artikel 6 enthält keine Anerkennung des Versailler Vertrags, stellt vielmehr in Uebereinstimmung mit der deutschen Antwortnote vom 20. Juli fest, daß der Abschluß des Sicherheitsver­trags keine formelle Aenderung der be­stehenden Verträge bedeute. Deutschland verzichtet nicht auf die im Versailler Ver­trag festgesetzten sowie die durch friedliche Entwicklung herbeizuführenden Abände­rungsmöglichkeiten. Auch die Voraussetzun­gen für den Eintritt Deutschlands in den Völkerbund werden nach den in Locarno ge­troffenen Vereinbarungen gewahrt bleiben. Insbesondere ist durch die Note der Ver- tragsgcgner zu Artikel 16 der Völkerbunds- satzüng klargestellt, daß, wie es in den Er­läuterungen zum Genfer Protokoll vom Völ­kerbund festgelegt ist. Deutschland selbst Richter ist in der Art und Weise, in welcher es seine Obliegenheit erfüllt". Endlich sind auch im Osten durch Beseitigung der franzö­sischen Garantie für die Schiedsverträge und die Zurückweisung der polnischen und tsche­chischen Förderung nach einer Erweiterung der östlichen Verträge zu Sicherheitspakten, die deutschen Interessen gewahrt. Die Ab­wicklung der französisch-polnisch-tschechischen Militärbündnisse bedroht Deutschland nicht. Die Rechtsverträge bedeute nur Anpassung an das Verfahren der Völkerbundssatzung. Wenn der Vertrag von Locarno, wie es alle Beteiligten zum Ausdruck gebracht haben, ein Werk dauernden Friedens sein soll, so mutz dieser Friedenszustand sich aber auch im besetzten deutschen Gebiet auswirken. Das ganze Werk darf somit erst in Kraft treten, wenn nicht nur die alsbaldige Räu­mung der ersten Rheinlandzone unabhängig von der Bereinigung der Entwaffnungs­frage sichergestellt ist, sondern auch die be-

teiligten Mächte den mündlichen Zusicherun- Lbrigen besetzten Gebiet alsbald einen Zü­gen ihrer Delegationsführer entsprechend im stand herbeiführen, der eine grundlegende Aenderung des Besatzungsregimes und den Anfang der endgültigen Räumung darstellt. Ohne solche entscheidenden Maßnahmen der Vertragsgegner kann der deutsche Reichstag den Vertrag von Locarno nicht annehmen. Es entspricht den politischen Organen des Reichstages und des Volkes» mit allen Kräf­ten auf solche Ergänzungen und sofortigen Auswirkungen der Vereinbarungen von Lo­carno hinzuarbeiten. Diese außenpolitische Aufgabe steht im Vordergrund. Ihre Er­füllung wird durch das Verhalten der Deutschnationalen Volkspartei gefährdet. Statt mit uns und den anderen Parteien

an der Durchführung der von ihr selbst bis­her verfolgten Politik mitzuarbeiten, hat sie kurz vor der Erreichung dieses Zieles sich von der weiteren Mitwirkung selbst aus- Handelsverkehr der einzelnen Staaten zeigt geschaltet. Für die außen- und innenpoli- " ' ' ----- - tischen Folgen trägt sie die volle Verant­wortung.

B e r l i n, 28. Okt.

(Eigener Informationsdienst. Telegr.)

In den führenden Kreisen der Sozial­demokratie erfährt man, datz die sozialdemo­kratische Fraktion, die in den nächsten Tagen zur Beschlußfassung zusammentreten wird, nicht daran denken kann, irgendwelche Kom­promisse mit der Regierung Luther einzu­gehen. Wenn die Deutschnationalen gegen das Vertragswerk von Locarno stimmen werden, so werde die Sozialdemokratie aus prinzipiellen Gründen das gleiche tun. Die Regierung habe nach wie vor die einzige Aussicht, sich auf die Unterstützung der Na­tionalen zu verlassen. Die Auflösung des Reichstages sei eine innenpolitische Notwen­digkeit um den Parteien der Rechten klar zu machen, datz ihre Haltung gegen die Interes­sen des Volkes verstoße und daß die Volks­meinung sich in den letzten Monaten erheb­lich revidiert habe.

TU. Berlin, 27. Okt. (Telunion.)

Unter dieser Ueberschrift veröffentlicht dieTägliche Rundschau" aus einer offiziö­sen Korrespondenz nach dem Hinweis da­rauf, datz die außenpolitische Ausgabe der Reichsregierung von dem Gedanken getragen wird, Störungen zu vermeiden, die auf die Fortführung des in Locarno begonnenen Werkes unerwünschte Einwirkungen ausüben könnten, folgende bemerkenswerten Sätze: Dabei aber ist eines zu beachten, was dem Ausland stellenweise anscheinend entgeht: In der Frage der Rückwirkungen besteht keine wie immer geartete Meinungsverschie­denheit zwischen den ausgeschiedenen Kabi­nettsmitgliedern» zwischen der Deutschnatio­nalen Partei und allen übrigen deutschen Parteien, die inner- oder autzerhalb der Reichsregierung stehen. Hier empfindet das ganze Volk gleichartig und einheitlich, denn die Rückwirkungen stellen die einzige für die Masse des Volkes greifbare Wirkung des Vertrags von Locarno, das Unterpfand für jenen neuen Verständigungsgeist dar, unter dessen Zeichen die dortigen Verhandlungen stehen sollten.

TU. Berlin, 27. Okt. (Telunion.)

Die kommunistische Reichstagsfraktion hat bei dem amtierenden Vizepräsidenten des Reichstages, Dr. Rietzner, den Antrag auf sofortige Einberufung des Reichstages gestellt. Dr. Rietzner hat sich entschlossen, dem Antrag noch keine Folge zu geben. Auch ein Zusammentritt des Aeltestenrates des Reichstages ist vorläufig noch nicht beab­sichtigt.

f^auptschristleitung: Generalmajor a. D. Rembë^ : Druck und Verlag: Gutenberg-Buchdruckerei in I Fulda, Buseckstratze 7, Fernsprecher Nr. 974. j

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Demission des Kabinetts Painleoè.

TU. P a r i s, 27. Okt. (Zehinion.)

Heute mittag um 2 Uhr hat Minister­präsident Painleve dem Präsidenten der Re­publik die Demission des Kabinetts über­reicht.

Deutschlands Anteil am Welthandel.

Nichts beleuchtet die wirtschaftlichen Folgen des Krieges und der Nachskriegs- zeit eindrucksvoller als die Tatsache, daß der deutsche Anteil am Welthandel, soweit dafür ausreichende statistische Unterlagen vorhanden sind, soweit zurückgegangen ist, daß er im Jahre 1924 nur 58 Prozent des Vorkriegsstandes betrug. In den beiden vorhergehenden Jahren war das Verhält­nis noch schlecyter: betrug doch in diesen Jahren Deutschlands Anteil am Welt­umsatz nur 44 Prozent gegenüber dem Stand von 1913. Aus der Tatsache, daß die Stellung Deutschlands auf dem Welt­markt, an der Höhe seiner Beteiligung am Umsatz gemessen, sich im letzten Jahre im gewissen Sinne gefestigt hat, darf man je­doch keine zu weitgehenden und trügerischen Schlüsse ziehen. Eine Uebersicht über den

nämlich, daß sich für Deutschland ein Stand der Dinge herausgebildet hat, der alles andere als volkswirtschaftlich richtig und zweckmäßig genannt werden kann, und der durchaus nicht den Erfordernissen un­serer gegenwärtigen Lage entspricht. Es er­gibt sich nämlich bei näherem Hinsehen, daß nur der Anteil Deutschlands an der Aus- fuhr aller Länder der Welt, mit andern Worten: die Bedeutung Deutschlands als Absatzmarkt, erheblich gestiegen ist (und zwar von 6,6 Prozent im Jahre 1923 auf 8,9 Prozent im Jahre 1924), während die Ausfuhr Deutschlands, auf deren Steiger­ung wir bei unserer ganzen wirtschaftlichen und reparationspolitischen Lage mit al­lem Nachdruck hinarbeiten müssen, zwar ab­solut ebenfalls eine Zunahme aufweist, die aber angesichts der Tatsache, daß der ge­samte Welthandel im Jahre 1924 dem Um­satz nach gegenüber dem Vorjahre gestiegen ist, kaum ins Gewicht fällt. Es spiegelt sich hier der ungünstige Stand unserer Han­delsbilanz wieder, die eine erheblich größe­re Einfuhr nach Deutschland als einen Ex­port über die deutschen Grenzen aufweist.

Deutschland nahm von der Ausfuhr der europäischen Länder im Jahre 1924: 11,8 (gegen 8,7 Prozent im Jahre 1923), von der Ausfuhr Afrikas 5 Prozent (gegenüber 3 Prozent), von der Ausfuhr Amerikas 7,6 Prozent (gegenüber 6,1 Prozent, von der Ausfuhr Australiens 2,9 Prozent (gegen­über 2,7 Prozent) auf. Für alle Erdteile also und, wie ein Blick auf den Außenhan­del der einzelnen Länder zeigt, für fast alle Länder der Welt, hat der deutsche Absatz­markt im vergangenen Jahr an Bedeu­tung zugenommen. Das ist aufschlußreich als Symptom für die gesamte wirtschaftli­che Lage Deutschlands, das in verstärktem Maße Lebensmittel, Rohstoffe usw. einführt aber seine Ausfuhr, die für unsere Zukunft lebenswichtig ist, aus Gründen mancherlei Art stark erschwert und beeinträchtigt steht. In keinem Erdteil und in fast keinem Lan­de der Welt hat Deutschland die Stellung im internationalen Warenaustausch wie­dergewinnen können, die es im Jahre 1913 innehatte,