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»aee Kreisblatt, Anzeiger für Rhön und Boselsberg, Fulda und Haunetal

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Nummer 203

Freitag- den 4. September 1925.

59. (1) gohrgong

Sie Stift in de« WHiWtn MIWMmchMliimm nttläufig dehode«.

Berlin, 5. Sept. (Lig. Informationsdienst Telegr.) wie wir hören, ist es gelungen, die Fortführung der deutsch-russischen Wirtschaftsverhandlungen in Moskau vorläufig sicherzustellen. Die Linigungsversuche, die von deutscher Seite unternommen worden sind, scheinen die russische Regierung zu einem gewissen Einlenken veran- laßt zu haben. Immerhin ist es nicht unwesentlich, daß die Moskauer Diplomatie noch keinen Rückzug angetreten hat, sondern lediglich ein Nachgeben in verschiedenen Linzelfragen in Aussicht stellt. Mit einer unmittelbar bevorstehenden Entscheidung kann daher nicht gerechnet werden, da die jetzigen Erörterungen noch mehrere Tage hindurch andauern werden.

Borbesprechunge« über den beuM-franMMen Kanbelsvertrag.

Berlin, 5. Sept. (Lig. Informationsdienst Telegr.) wie wir hören, finden am 15. dieses Monats eingehende Ressortbesprechungen über die deutsch-französischen Han­delsbeziehungen statt. 2ln diesen Besprechungen nehmen außer den Vertretern der Reichsregierung Vertreter des Wirtschaftsministeriunls, des Finanz- und Lrnährungs- Ministeriums teil. Im übrigen glaubt man in parla­mentarischen Kreisen daß die Fragen der Gestaltung unserer allgemeinen Außenhandelsbeziehungen nur lang­sam fortschreiten werden und daß eine befriedigende Lösung dieses weitgehenden Problems nicht vor dem Spätherbst dieses Jahres zu erwarten ist.

Die Genfer Politik hinter den Kulissen.

Berlin, 5. Sept. (Lig. Informationsdientz Telegr.) wie wir hören, legt man in den deutschen Regierungs- kreisen den gegenwärtig hinter den Kulissen stattfindenden Besprechungen der alliierten Staatsmänner in Genf größte Bedeutung bei. verschiedene Anzeichen lassen er­kennen, daß es zu wichtigen Vereinbarungen zwischen England und Frankreich kommen wird, die besonders in der Sicherheitsfrage eine große Rolle spielen werden, wahrscheinlich wird man in Genf die Umrisse eines planes zur Einberufung einer j^aktkonferenz festlegen. Die in Aussicht genommene Besprechung der 2lußenminister dürfte bei den gegenwärtigen Erörterungen keine allzu­große Rolle spielen, da man in der Hauptsache das Pro» jekt der großen Vollkonferenz erörtert.

Russisches Zuteresse für Gens?

Berlin, 3. September (Lig. - Informationsdienst Telegr.) Die ausländischen Pressemeldungen über eine angebliche bevorstehende Ankunft des russischen Aussen­ministers Tschitscherin in Genf werden in der Berliner sowjet-russischen Botschaft keineswegs für

Italiens Rolle bei den Licherheitsverhandlungen.

Das grosse Iutsresss, das bis italienische Regierung, Plötz- kch den Erörterungen über den Licherheitspakt -entgegenbringt, Kommt einigermassen überraschend. Bisher hatte sich die italie- rrische Regierung an der sachlichen, Diskussion so igitt wie gar­nicht beteiligt und -man weiss, dass die erste Briaub-Rote ohne jede italienische G-egenäu-ssemng nach Paris abgeMUgen ist. Bei der zweiten Rote B-rioud-s zeigte sich allerdings, dass die vömi- sche Diplomatie aus ihrer Zurückhaltung theraustrat, denn âussMni hat nach Empfang des französischen- Entwurfes -eine Ahr sm-gehende G-eg-euä-usse-ru-ng -nach Paris übermittelt. Merk- X M jedoch die italienischen (Sedankengänge bis zesst der Oeffentlichkeit vorenthalten worden, sodass man die Stellungnahme Boms nicht einmal in ihren dürftigsten Umrissen enn. -Zwis zeu der deutschen Regierung und Italien lhoben

* Verhandlungen über den Sirber- '^ ^^ E man hört, M ^keinerlei ^.^. ^oben und bei denen, man deutscherseits über ^, ^äusserten »Men^ Standpunkt einiger-nassen -enttäuscht

W «Eve« Meldungen, soll der italienische Ministerprä- sldent Mussvknl nicht nur dm Absicht die Leilnohnie Ikck-ns an den weiteren, Sicherlheitserörterungen iherbeizusüh- 2 ^?E er soll sogar einen MsschgMn Plan ** N ^ ^"zufolge Italien bei den künftigen Verhandlungen eine Ä ^ß° spielen soll. Mussolinis Intewsse Ar die dicherhe-tssraW f« in-ibesondere dem instand zuzusch,reiben Voss der soschüstische Ministerpräsident einen isichtbnren aussen­

unrichtig gehalten. Man gibt offen zu, dass die russische Sowjet-Regierung die gegenwärtigen Lrör- terungen unter den europäischen Grossmächten mit grossem Interesse verfolgt und dass daher die eine oder die andere führende Persönlichkeit der russischen Diplomatie die Gelegenheit wahrnehmen könnte, auf schweizerischem Boden mit europäischen Staatsmännern Fühlung zu nehmen. Allerdings sei die ablehnende Einstellung Russlands gegenüber dem Völkerbund ganz unabänderlich, so dass das Interesse Russlands an den Genfer Besprechungen nicht etwa als eine Aenderung der russischen Politik gegenüber dem Völkerbund ausgelegt worden dürfe.

Luther ist nirgends im Aufsichtsrat.

wtb. Berlin, 3. September, telef. Wie die Blätter in Richtigstellung irriger Pressenachrichten erfahren, ist Reichs- Kanzler Dr. Luther nirgends Mitglied des Aufsichtsrates einer Aktiengesellschaft, womit sich auch das Gerücht erledigt, dass der Reichskanzler dem Aufsichtsrat der Rheinisch-Westfä­lischen Elektrizitäts-Werke angehöre.

Lchwimm-Untericht obligatorisch in hessischen Schulen.

wtb. Serlin, 3. Sept. telef. Das hessische Lan- -esamt für Dildungswefen hat in den hessischen Schulen den Schwimmunterricht als obligatorischen Unterricht eingeführt. Mit dem Unterricht soll in deu nächsten Jahren begonnen werden.

Der Typhus

in den Freistaat Sachsen verschleppt.

wtb. Derlin, Z. Sept, telef. Jn Canitz bei Wur­zen im freiftnate Sachsen ist durch eine zugezo- gene frnu Typhus eingeschleppt worden. Von der Seuche sind insgesamt 7 Personen erfaßt und sind umfassende Maßnahmen getroffen worden, um die Krankheit sich nicht weiter ausbreiten zu lassen.

Ein Zeppelin-Luftschiff in Amerika zerstört.

wtb. Cumberland (Otsio), 3. Sept, telef. Das Leppelin-Lustschiff Shenandoah ist heute während eines Gewittersturmes 6 Meilen östlich von Cnm- verland zerstört worden, wie gemeldet wird, sind L Mann getötet und 7 Mann verwundet worden.

190 Feuerwehrleute an Rauchvergiftung erkrankt.

wtb. Paris, 2. Lept. Die in der Rähe der Docks k-e- genden Petrol enmbehälter sind in B rand geraten. Hunderte von Feuerwehrleuten bemühen sich vsrg-eibons, 'bas Feuer zu löschen. Die Rauchentwicklung ist so stark, dass 190 Feuerwehrleute bereits wegen LpstickunMefahr ins Krankenhaus gefahren- wer den -mussten.

politischen, 'Lvsosg erringen wM und sich zu ibidem Zweck darum bewerbe, die Kvitfereuz der Aussenminister persönlich zu leiiten. Die englischen Blätter berichten^ Mussolini ho>be den altiierten RegierunWn zu verstcheu gegeben, dass er der Koufereniz der Aussenminister bei>z,uwbhneu wünsche und- als ,ran!chöchsver Au­ssenminister er ist gleichzeitig Ministerpräsident und Aussen­minister d Leitung der Berhandlnngen, übernehmen ,wolle.

Ls ist schwer nochzuprüfen,, â diese entziischen Meldungen der Woihcheit, entsprechen, denn in Rmn wahrt ,mau -über alle Plaue Mussolinis strengstes LMfchweigen und setzt den Ver­öffentlichungen sogar hartnäckige Ableugnungsverfuche entgegen. In D>eutschlond wützde ,mon allerdmgs eine peisänliiche Mit­wirkung Mussolinis an den IicheNheitsrepha-idlnugon als eine vollkommen neue Tatsache zu würd-'geu hoiben, dovan Tragweite unter Umständen für das weitere Schiicksal der Paktbestrebun­gen «n grösster B,edeutunW sein kann. Lin Vorteil wäre es, wenn die Leitung der Kon, soreuz nicht in .englischM, oder sranch- sischen Händen, siegen würde, denn diese beide,», Mächte haben sich von vornlherciin ,zu sehr auif ihre chtellu-ignoihme ,festgelegt. Italien, stelht dagegen ider Lösung des IiicherihoitsproblES völlig vorurteiilsfrei ^gegenüber und müsste als vermi.- lnde Macht, das denkbar grösste Mass von Unparteilichkeit an den Tag legem. Unter Berücksichtigung dieser besonderen Momente würde man daher den Vorstoß Mussolinis deutscherseits absât nicht un­günstig gegenüber ff eben, sondern man würde eher geneigt sein, darin eine wesentliche Berbesserung der Gesamt-Situation zu evblicken.

I KranMisches Alpdrüiten.

Bon unserem Korrespondienten wi rd uns aus Paris, Ende August geschrieben:

Hört man die Franzosm über Marokko reden, so muss man an penne kleine Anekdote denken: zwei Juden, die sich lange nicht lgssehe^u lhabm,, begegnen sich ukd der eine «fragt ben ande- beu: ^Wie göhts Dir?" Der andere antworteteGut." Der Frazgende starrt den Gefragten an: ^Dir geht es gut? Wirklich gut?" fragt der nochmals.Aber ja doch gut, bekräftigt der andere Za sag' ", haste keine Familie? ?--DieFamilie" in die­sem Ginne ist für die französische Republik Marokko. Wenn, es ihr sonst noch so gut geht: Marokko macht 'br Jorgen: Die­ses Land stellt sich jedem Glück der Ration eMgegsw, und geht ihr Weg einmal aufwärts, so liegt Marokko als Stein darauf, strahlt ihre Lonne einmal etwas Heller, so wirst Maroko den Lchatten darauf. Die Franzosen sind mit diesem Lande schwer bestraft für ihre Habgierigkeit von einst, mob die fühlen sich iheute in eine ärgerliche Geschichte Hinei,ngezvgsn. Ursprünglich wohl led,ig- üch als PotlizMâbiom ibetrachtet, nist das Abenteuer ein regel­rechter Krieg ,geworden, der alle Unannehmlichkeiten auf ein durch langen Kanipf erschöpftes Volk heraufbeschworen hat, die ein solcher stets mit sich 'bringt; und die Regierung bürste sich an­gesichts dieser Tatsachen nicht besonders wähl in ihrer Haut fühlen, wird ihr doch von feiten der Linkspresse kein, Vorwu,rf echpart, umh gibt es doch wahrhaftig genug Stimmen, die nach einem Frieden, um jeden Preis schreiben, Die Rationalisten^ ha­ben diesen Beobachtungen gegenüber einen schweren Starb und trotz alter Mühe gelingt es ihnen nicht, die Affäre i rin rie­siges Licht zu tauchen. Lin Befriebigungskriejg wird b:e Lache genannt alber trotz des schönen Wortes hört das Volk nichts als Krieg, und voar dem 'hat es ja gerade genug. Um sich w I den BorivürfM der Linkspresse zu schützen, sucht man rechter- seits nach einem Sdylb und «findet ihn 'in den Deutschen. Abb el Krim ist nichts als ein deutscher Sa ebm alter. Hat man »ihn zu Anfang der' Affäre noch für einen ehrgeizigen muselma. - uischen Glaubensheros auLZ,qabb,en, ber das Ziel erstrebte, die gesamte islamitische Welt unter seinem Scepter zu vereinigen, so sieht man i>hm heute lebiglich als einen von auswärtigen Han­delsfirmen engagierten Prokuristen an. Der Finanzsophismus muss herhaltein: Die gro-ssen Gnubengefellschaften^ sind die Ur­sache des Konfliktes: Ab del Krim führte schliesslich nicht mit Steinen den Krieg. Man vergesse nicht, bass er von einem gro­ssen auswärtigen Konsortium unteithalten wird^ dem er die Reichtümer des Riffs zugeschanzt ihat, die übrigens ihm nicht gehörten, weil sie Eigentum des Sultans von Marokko siind. Daher ist bei den Käbglen keinerlei Vaterlandsliebe am Werke, wenn sie sich erheben. Sie sind ein Völkerstamm, 0er nur vom Raub und Plünberunjg lebt, und der den Krieg zum Zwecke eigener Bereicherung angefangen hat. Sowei t die Meinung der Rechtspresse. Man mag zu ihr stehen,, wie man will; eines bleibt unibestreitbar: Die Mejgierung ist wegen der ^Marokko-An gelegenheil in einer sehr prekären Lage, zumal da selbst der französische Patriotismus nicht ausreicht, um genügend Streit- Kräfte für das Riff Herbeizuschaffeu. Wenn den Rcservenoffi- zieren bereits bis Erlaubnis erteilt werden musste, an den- Ope­rationen -M Marokko teilzunehmen, so spricht dieser Wink mit dem Z-aunsthal Bände.' Was soll man aber zu dem zweifel­los von der Regierung 'inspiriertet Vorschlag sagen, den ein Rechtsblatt soeben macht, dass das Fa-milienobechaupt, das sich in Lüarokko befindet ober dessen Lohn dort weiitz steuerfrei wär-e! Die Familie der französischen Republik stellt allerhand an und 'kostet viel und das in dem Augenblick wo man nun wirklich sparen wollte!----

In der letzten -Zeit zeigte sich in Frankreich noch eine wei­tere TrscheinuiUi, die -man in dem vbsn bargelsgten Sinne als Famil-is bezeichnon könnte, bis -allsrbings bis angcnshms Ligsn- schaft 'bat, nur vorübergehend oufzutrelsn, um, nachdem sis an Vsihcmenz singebüsst hat, sich völlig zu verlisrem Ls hanbett sich um den Streik der Bankbeamten. Zehn Jahrs, hindurch- war der Zustand des Streiks in Frankreich nie singetreten unb man hätte seine Udbuing ijkiift völllig vergessen. Aber seit zwei Jahren ist er wieder aus der Vergessenheit anfgetaucht, in die ihn bis grosse Vaterlandslisbs des frau-zösis-chsn Arbeitsnehmers wäh­rend des Krieges verbaut hatte. Das Recht des Arbeiters, nicht zu arbeiten, beginnt wieder feine Rolls zu spielen und zwar in einem Masse, das über jede Vernunft binausgeht. Zugegeben dass -es angängig sein mag, -iveun Leute, bis schlecht bezahlt sind, -ihr Missfalisn in deutlichor Weise kundtun und Llbhiilfe -ver- tonigien. Hat 'bann ihr Schritt -Lrfolg gezeitig-t-, so nehmen sie chre Arbeit wieder auf, und Arbeituehm>er wie igeiber werden zufrieden sein-, der eine, weil er seine sage gebessert, der andere weil er sich einen "freudigen Arbeiter vsrschafft hat. M-er wenn der Streik kein Resultat gezeitigt hat? Warum daun in «der ArbeitsrUhe fo-rüfahren, die früher -oder später beide Seile, so­wohl Arbeitgeber wie -n-ehmer, nrinieren muss? Wir kennen dieses System in Deutschland und "haben unserm- furchtbo-reii -Lchaden gehabt. In Frankrei ch iha-L man nicht -von- uns -gelernt. Wie die Ind-ividuen, so liegen die Völker Wert darauf aus dem