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Morsenzeituns
Ml-aer KreisbSatt, Anzeiger für Rhön und Vogelsberg, Fulda- und Haunetal
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— Für den Ständefrieden
Nummer 202
Ivomrstag, den 1 September 1925.
59. M Lehrgang
Schritte zur Beilegung der deuljch-rutttfchen WirtfEaMkrile.
BerR», 2. September lLig.-Fuformatronsdinifi Telegr.) Wie wir hören, sind gegenwärtig in den denych-ruMchen Wirt schaftsverhandlungen noch lebhafte Bemühungen im Gauge, ei- neu Abbruch der Konferenz zu verhüten. Der Führer der dest- fchen Delegation, Dr. von Körner, ist von der Reichsregieruug erjucht morden, feine Abreife aus Moskau juoch um einige Lage zu verschieben. Ueber die Aussichten einer Beilegung der Krise läßt sich zurzeit keinerlei Voraussage treffen.
Konferenz Stresemann-Mher über die politische Lage.
Berlin, 2. September. (Elg.-Fnformationsdiewst Selegr.s Bou «unterrichteter Seite erfahren wir, daß Außenminister Dr. Stresemann sich im Laufe der nächsten Woche zum Reichskanzler Dr. Luther begeben wird, um mit ihm über die politische Lage zu konferieren. Die Zühlungnahme der beiden sStaats- mäuner erscheint notwendig, um im gegebenen Moment neue Entschließungen der Regierung voirbereiten zu können.
Bor Kindrabargs NMebr.
Berlin, 2. September. sSig.-Snsormationsdienst Telegr.) Wie wir hören, beabsichtigt Reiä-spräsident von Aindenburg bereits in einigen Lagen nach Berlin zuriickzukchren. Der Reichspräsident ist während seines Erholungsurlaubs durch besondere Kuriere, die ständig zwischen Dietramszell und Berlin unterwegs sind, über den sSang der Regierungsgcschäfte unterrichtet worden. Während seines Srholungsurlaubs ist der Reichspräsident von einer solche Masse von Deputationen tmd Bittstellern überlaufen worden, daß Mittel und Wege gefunden werden mußten, den (Aufenthaltsort des Präsidenten in weitem Umfange zu isolieren, um die erforderliche Ruhe und die Möglichkeit der Erholung überhaupt zu gewährleisten. Reben dem Reichspräsidenten sind natürlich auch Reichskanzler Dr. Lucher der sich auf Westerland befindet, sowie Reichsaußenminister Dr. Stresemann in Rorderneg stets über alle Angelegenheiten der inneren und äußeren Politik auf dem Laufenden gehalten worden.
Beilegung im Vermögensstreit mit den Hoheryollern.
Werkn, 2. September (Eig.-Suformaüous-ieu! belegt.) Wie wir hören werden die Verhandlungen Mischen, den Preußischen FiuanMmisterimn und den Vertretern des Hauses Hohenzollern über eine friedlich e Beilegung der Vermögungs- anseiuandersetzungen weitergeführt. Der Abschluß des Vergleiches soll erst dann erfolgen, wenn der preußische Knauzmi- nifier mit den Parteien des Landtages Fühlung genommen haben wird. Das Ergebnis bet Bergleichsverhaudtuugen kann erst dann der Oeffenttichksit mrterbreitet werden, wenn die einzelnen Punkte des Abkommens endgültig festgelogt sein werden.
Die Londoner Sachverständigen-Konferenz.
Die Konferenz d-er juristischen Sa-chvebständigen in London ist nunmehr im Gange. Ra-ch selhr june Hälftigen Mitteilungen ist keineswegs bea-bsichtigt, den Eniw-u-rf des -Si-cherheitspa-ktes schon bei diesen -B-era-tunige-n o-us-zuarb-e.i-1-e-n, da hierzu nicht genügend Feit vorha-nden ist und es der deutsch« Regierung in der Hauptsache darauf a-nkomm-t, erst -ei-n-m-al die Vorschläge der alliierten ReWierungen kennen zu lernen. Die Lnstruktion-en, die der den-1sch-e Vertreter, Mi-niister-iald-irek-t-or Dr. Ga-u-ß vor seiner Abreise nach London vo-n de-r Meichsregierung erha-lten hat dürften auch keineswegs dazu ausre-ich-e-n, schon j-etzt den eutsczon L!andp-u)i-Kt auf -irgend einen Pakt-e-ntwu-rf fest'ege-n- zu wollen Aus all diesen Gründen hat man sich dazu enftchlof- V ' ,^^. c“ ^^^"^ UN- hinsichtlich -es etwa Hermlskommeu-
L.*5 ^er Sachvorstän-igen-Konferenz keine ausführ- S M-in-isteriâektor Dr. tretier in' '^"pstms ^r deuls-chen- Preffeoer- sichtiote ivaenjbmo-l ^ââunjg -a-b-geg-cbeii, daß -er nicht -b-eäb- lichkeit ergehen zu lassen ^M« a'" ^ Oeffe-n-t-
öu dein deutschen Regi-e-rungskreisen- erma^o,»! imirt„ â«â»ir»,°r »r. »^ „„„ ,â,»e iw «X
Rach Mitteilungen von unterrichteter nichtamtlicher Seite soll aber kein öweifel daran bestehen, daß es gelingen wird, eine gerichtliche Austragung der Vermögensauseinandersetzung mit den Hoheuzollern zu vermeiden.
Zur Räumung von Lleve.
wtb. Eleve, 2. September, telef. Fu der gestern erfolgten Räumung von Eleve durch die Vesatzungstruppen ist noch zu melden, daß bisher U»r die neue Kaserne zurückgegeben, die alte jedoch vorläufig noch beschlagnahmt geblieben ist. Eine kleine Abteilung Infanterie ist hier eingetroffen; sie soll die Rärrmungs arbeiten vornehmen.
Weitere Codesopfer der Cgphusepidemie in Hanau.
wtb. Hauau. 2. September telef. Die Hanauer Lgphus- Spidemie hat drei «weitere Todesopfer gefordert, sodaß l 7 Personen der Krankheit erlegen sind. (Siehe auch den Rotiz unter Aus Stadt und Land. Die Red.)
Hafenbrand in Aewgork.
wtb.' Berlin, 2. September telef. Rach einer Meldung der V. F. ist im Hafen von Rewgork in einem riesigen Petroleum-Reservoir 5euer ausgevrocheu. 150 Personen, die durch die Dämpfe halb erstickt wurden, sind ins Krankenhaus überführt worden.
Aufhebung des Mform-Berbotrs.
Reichspräsident o. Hor' orig hat -nachstehende Verordnung erlassen;
§ 1. Die Verordnung des Reichspräsidenten vom 30. AnMst 1921 betreffend Verbot des Tragens der Miktär- mliform wird aufgehoben.
§ 2. Diese Verordnung tritt mit Verkündung in Kraft. Dietramszell, den 26. August 1925.
gez. Geßler, gez. Hindenburg.
Reichswehrmimster. Reichspräsident.
Der Erlaß des Rei-chspräsidente» Eb-evt der -n-uumehr durch feinen Nachfolger nach vier Fahren aufgehoben worden ist, hatte sehr unsichere Rechtsgrundlagen^. Das Recht zum Tragen der Uniform -hatte» nicht etwa sämtliche Offiziere und Reserveoffiziere des alten- Heeres, sondern es wurde auf Grund langjähriger Dienstleistung -u-nd besonderer Auszeichnung bei der Verabschiedung anâürklich -ve-rl-ieheu. Man hat zu -unterscheiden zwischen 'denjenigen die mit besonderem Einverständnis ihres bisherigen Truppenteils ihre Regi-men-tsuniform weiter tragen durften, und solchen, die nur -allgemein eine Armee-uniform zu tragen «berechtigt sind. Diese wohl erworbenen Rechte waren auch durch die Revolution nicht angetastet und in der Ver-
ilrlanbort des Außenm'ünisters Dr. Streseman-n begeben, um ihm persönlich über d-en- Verlauf der Sa-chverständigen-B-efprechung Bericht zu erstatten.
Nach beu Mitteillmgcv bet alliierten Preffe soll bas Sicher beitsabkommen ben Eharakter eines Jogenannten Rheinpaktes trajgsn, das heißt -daß es sich -nicht nur um eine Garantierung des Friedens, soüd-crn au-ch um die Sicherung des gegenseitigen trrntroaien Besitzstandes ha-nld-eln würde. Das Rhein-la-ndprob- iem selbst diirfte Salbei eine sehr große Bedeutung gewinnen-, da es für die Dauer des S-icheche-itsabikomme-ns ei-n-e un'veftetzliche Fon-e darstelle-n soll, bereu vollständige Unantastbarkeit durch besondere R-ech-tsparagpaPhe-n fchgelegt werden müßte. Der Pakt würde beispielsweise alle -Garan, tie-n -dafür n-u schaffen ihabeu, daß das Rheinl-and unter, keinen U-mstände-u als militärischen Äufma-rschs-, oder O-pera-tivn-sgeb-iet weder vo-n der einen noch von der anberen Seite benutzt werden kann, so daß dadurch zweifell-os d-ie von -deutscher Seite aufgeworfene Frage akut werden würde, welche Rückwirkungen der Sicherheitspakt auf das B-efatzu-ngsregime -n-otwe-n-digeriveise ausüben muß.
Dies sind bie Umrisse d-er bisherigen Erörterungen, über d-ie naturgemäß -nicht viel -gesagt Werben kann-, da sich a-lle De- -tails -noch in einem -gan-z ungeklärten Stadium der Vorbesprechungen befinden. Nach -eutfcher Auffaffmtg wir- noch sehr viel Feit vergeßen, ehe ein wirklich fertiges Projekt zur Diskussion -gestellt werden ikan-n. F-m-m-erhi-n ist es von Wichtigkeit, die Rhe"!n-!andfra-go -u-n-Ier 'Berücksi-ch-t-igung der besonderen, Um- stände -immer wieder in den Vordergrund zu stell-en, da sie in rochtbicher -und materieller Hinsicht die Grundlage aihler Abmachungen «bilden -müßte.
fassung ausdrückl-ich garantiert worden. Die Offiziere, die -durch Erl-aß -des Reichspräsi-de-nten Ebert in -den Fahren 1919 und 1920 verabschiedet w-urden, -erhielten längst niest alle das Recht auf die Uniform. Fnfolgedeffen werden auch in Fukunft nur eine beschränkte Anzo-Hl von Offizieren die alte Uniform anlegen können, und es ist zu wünschen, daß die Kontrolle streng gehandhäbt wird, damit, nicht, wie es vorgekommen ist, Unbe- rechti-gt-e das Ehrenkleid des Soldaten tragen. Damit wird die -beste Sarantie geschaffen, daß mit der Uniform kein Mißbrauch getrieben wird.
Der Ebert-Erlaß vom Au-gust 1921 hatte eine bedenkliche Rechtsu-nsicherheit geschaffen. Verschiedene Gerichte -hielten sie einfach für ungültig und sprachen jF-nwiderhandei-nde frei. Das R-eichsw-ethrmi-nisteri-um hatte zwar diesen Standpunkt nicht anerkannt, war jc-boch be-müht, auf gesetzgeberischem Wege volle Klarheit zu schaffen. Seit Fahren liegt ein Gesetzentwurf des Reichswehrmi-nisteri-ums vor; aber her Reichstag kam nicht -dazu, ihn zu verh-andeln. Wir erinnern uns der un-glaublichen Skandal- und Rüpelszenen, die schon bei der ersten Lesung des Uniformgefetj.es im Reichstag von der äußersten Linken, aufgeführt wurden. Hätte d-ie Opposition in rußiger Arbeit das Gesetz mit verabschieden helfen, so brauchte sie sich jetzt nicht über den Erlaß des Reichspräfide-ntcu zu entrii "ten, der schließ- ließ nicht mbhr bebrütet als,die Wiederherstellung eines Rechts- Zustandes.
Durch die Verordn-ung wird das alle Gesetz wieder in Kraft -gesetzt. Rach -ihm gilt die Erlaubnis zum Kragen der Uniform nicht etwa unbeschränkt.
Das Tragen her Uniform wird erlaubt sein bei Aufstellung und A-usrückung von Vereinen, bei Vereinsfestlichkeiten, bei der Be-erdigung von Veremsmitgliederu, bei sonstigen vaterlän- S-isch-en Festen und bei her eigenen Trauung.
Die törichten A-nW-iesuugeu gewisser Linkszei-tungeu auf au-ßcn-p-olitische Folgen des Hindenburg schon Erlasses werden auf die Regierung wohl kaum Eindruck machen. M-an weiß im Ausland ganz genau, daß durch die Auflösung des Heeres die alten Offiziere nicht aus dem Leben geschieden sind. Sie werden für die -En-bente nicht gefährlicher, wenn sie bei feierlichen Anlässen das Ehrenkleid der alten Armee anlegen. Mit den Bestimmungen des FrieL-ensvertrages hat das nichts zu tun.
Aus den Momenten.
Hauptausschuß des preußischen Landtags.
Der Hauptausschuß des Preußischen Landtags trat nach der Sommerpause am 31. August nachmittags wieder zusammen, um die ,Vorberalung des Kultus-Haushalts zu beginnen. Der Ausschuß -wandte sich zunächst dem Kapitel: Ministerium und allgemeine Verwaltung und geistliche Verwaltung zu. Fu der allgemeinen Aussprache übte Abg, Oelze <Dn.) scharfe Kritik -an der Personalpolitik des Ministerium Becker. Außer vielen anderen Fällen beweise der Fall Lessing in Hannover, daß der Minister den nationalen Snte reffen nicht Rechnung trage, sondern den linksgerichteten Parteiwüuschen in erschreckendem Maße entgegenkomme. Die gesamte parteipolitische Beläti- gung unserer Fugend müsse grundsätzlich verboten werden. — Abg. Lauscher zF.) beda-uerte, daß bei der Reform des -höheren Schulwesens die Forderungen des Fentrums bezüglich der Rel-i- Wonsftunde, nich-t erfüllt, worden seien. Das «höhere Schulwesen mäste auch bekenntnismäßig eingestellt werden. Das Monopol der staatlichen Schule müsse fallen. Die Pftvatschule sei einheitlicher und -billiger. Ein Konkordat sei notwendig. Bis zu seinem Ltbschluß müsse für die katholische Kirche ein erträgliches Provisorium geschaffen werden. — Abg. Boelitz (D. Vp.) erkannte an, daß die letzte Maßnahme des Ministeriums auf schulpol-itischem Gebiet die Fortsetzung der Gesamtreformen gebracht -hätte, die in maßvoller ruhiger -Form -eiugeieitet worden seien. Der Gni-ndschule -habe der Minister durch sein allzustar- res Festhalten an dem Dogma der vi-erjährigen Schule eher -geschadet als genutzt. — Abg. Graue <D.) beklagte, daß die Volksschulen konfesfion-alisiert seien. Die Konfestioualisi-erung der höheren Sch-ule sbi abzulehn-en-, sie führe zur Aufspaltung unserer Kultur. Die Kon-korü-atsfrage sei sehr schwierig u-n-d -dürfe md)} übers Kure gebrochen werden. Der Redner wan-dte sich gegen Iben politische-» Mißbrauch -der Kirche, der die B-e- williMng großer Mittel sehr schwer -ina-che. Die Austri-ttSbe- wegung richte sich -nich-t -gehen die religiöse sondern gegen 'd1ö ,politische Ei-nstellung der Kirche. -Die katholische Kirche W^ sich im -allg-em-eiuen mit den veränderten politischen Vevhält- niffen abgefunden. Wenn sie -Politik treibe, so tue sie es zu Gunsten her Kirche, evangelische Geistliche da-gejge-n zu Gunsten -einer Pa-rt-si. — Abg. König (5.) betonte, -daß der Landtag in der Frage der Lehr-erb-ildu-n-g nicht immer eine einheitliche Linie -eingehal-ten «habe. Die -kon-festione-Ile G-estaltu-ng sei aufs schwerste zu .verurteilen. Für die Kirche könnten- größere Mittel nicht bewilligt werden. — Abg. Kilian sK.) ipolem-istiert-e igegen die sozialdemokratische Schulpolitik. Auf dem -Gebiete der Schule bestehe ein Thaos. Darin sei nur Flickarbeit geleistet worden.