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schnuppe durchfliegt den Himmel, weil dort keine Lust existiert und mit ihr die Reibung, die das einschlagende Meteor glühend macht. Vierzehn Lage währt die Nacht und ebenso plötzlich, wie sie gekommen ist, verschwindet sie, und ein neuer Lag beginnt sein Regiment.

ömmer dasselbe Bild keine Abwechslung, kein Frühling, kein Sommer und Winter, nur Schatten und Licht, Hitze und Kälte. So geht es da oben zu, eintönig, stumpf und tot; wie ein aus­gebrannter Vulkan richtet der Mond sein Antlitz auf seine Herrin, die Grde.

Aus schienenen Nummer"

Raubtier-ressuren.

Von A. H. Kober.

dem empfehlenswerten, im Ullstein-Verlag er» neuen Buche von A. H. KoberDie große

veröffentlichen wir nachstehenden Auszug:

Im Oftober 1923 stand Sarrafani auf dem Holsten- platz in Hamburg-Altona. Wir gaben da die letzten Vor- stellungen in Europa, schon standen die beiden Stinnes- Dampser bereit, die uns nach Südamerika bringen sollten. Den ganzen Sommer hindurch hatten wir schonHafer- Währung" gehabt d. h. wir nahmen auf unserer Tour nee durch Schlesien als Eintrittsgeld nicht mehr das

mit jedem Augenblick im Wert finkende Papiergeld, son­dern Futter und andere Naturalien. Es waren bitterböse Zeiten. Nun in Hamburg kam zu alledem noch Straßen­kampf und Beschränkung der Polizeistunde! Wir ersehnten die Stunde der Abfahrt.

Aus jenen Schreckenstagen bleibt mir unvergeßlich das Bild: Tilly bei ihren Löwen. Sie steht den ganzen Tag über vor dem Güterwagen, in dem die acht Bestien stehen oder liegen und spielt mit ihnen. Sie beobvchtet ihre Löwen wie eine Mutter ihre Kinder in der Ainder- stube, sie paßt auf, ob sie zu essen haben, ob einer von ihnen Zeichen eines Schmerzes oder eines Unbehagens äußert, ob sie etwa Wehwehchen haben. Manchmal kommt einer nach vorn ans Gitter und steckt die Pfote durch, dann faßt Tilly sie und schüttelt sie, und sie sehen sich beide an, als wollten sie sagen: Ja, ja, diese Zeiten! Aber man muß sehen, wie man durchkommt!

Ich führte einmal einen Dichter durch den Stall. Er meinte, man müsse eine Novelle schreiben: von einer Dompteuse, die nur mit ihren Löwen zusammenlebt und in Akkord von erotischer Libido und Grausamkeit dann endlich zerfleischt wird. Tilly stand unterdessen wie immer bei ihrem Aäfig und handelte für ihre Löwen ein Pferd aus, das einem Fuhrmann in der Nähe des Zirkus ge­fallen war. Im herzigsten Weanerisch suchte sie ihn zu rühren und den Preis zu drüken. Sie hatte furchtbare Angst, der Zoo könne ihr den fetten Biffen wegschnappen. Denn dessen Raubtiere und unsere mufften um die Wette hungern; es gab keinen Kadaver in Hamburg.Dös arme viecherl kriegt ja nur alle zwei Tag zu fressen", das sagte sie in einem so mütterlichen Tone, daß man an seine eigene Aindheit dachte.

Abends und dreimal noch nachmittags arbeitete Tilly mit ihren Löwen. Sie sprangen durch den Gittergang von ihren Wagen in den Zentralkastg. Die Musik schmetterte SousasEinzug der Gladiatoren^. Dann kam Tilly, im prallen Eowboykostüm, in die Manege Zarter Walzer und das Spiel begann. Ein Spiel, denn von den einst üblichen Gewaltszenen mit Stachel und peitsche ist nichts mehr geblieben bei den modernen Dres­surnummern, bei diesen Gruppen, Figuren, Tänzen, die Menschen und Tier miteinander stellen. Das Ganze ist im Grunde nichts anderes wie die Fortsetzung des Spiels oder des Zusammenlebens, das man morgens beim- wenkäfig beobackten kann. Tilly legt sich auf ihren Lö­wen nieder und steckt ihren Kopf dem größten in das weit aufgesperrte Maul.

Während der Ueberfahrt nach Südamerika stand der Löwenkäfig auf Deck. Wie immer hielt sich Tilly tagsü­ber bei ihren Lieblingen auf. Wir ließen von unseren Pferden einige alte Klepper schlachten, und die Löwen hatten Festtage. Wie ihre Herrin auch: sie hatte unter dem Schiffspersonal einen Landsmann gefunden, mit dem sie sich in ihrem reizenden Wienerisch vortrefflich unterhielt. Man munkelte sogar---. Aber der Bärendompteur, der sie seit zwanzig Jahren kannte, erklärte kategorisch, Tilly würde nie heiraten. Sie habe in ihrem Leben wohl drei Dutzend Anträge bekommen, jedesmal aber sei die Sache im letzten Augenblick daran gescheitert, daß sie sich von ihren Bestien nicht trennen wollte. Und kann man einen Mann zumuten, Löwen mit in die Ehe zu nehmen, in die Gute Stube vielleicht?Dös arme Viecherl," klagte Tilly, als sie bei Maderia dem LöwenNerro" den Splitter aus der Tatze zog. Sie hatte die Kleiderärmel hochgeftreift,

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und ich sah, daß ihre Arme über und über mit Narben bedeckt waren.Die Löwen haben eine so scharfe Zunge," erklärte sie mir,wenn sie tätscheln, und noch schärfere Aralien und Zähne, wenn sie ungezogen sind."

barrafani spielte in Montevideo, in Buenos Aires, in den argentinischen Provinzstädten. Tilly lebte und ar- beitete mit ihren Löwen wie stets und überall. (Eines Tages ist der alte Airchhecker in meiner Wohnung, um meinem kleinen Maltes erkund die Haare zu schneiden. Dabei erzählt er allerhand aus seiner fünfzigjährigen Praxis als Dompteur und kommt auch auf Tilly zu sprechen. Er kennt ihre Anfänge. Sie war in einer wandernden Mena» gerie, neben dem Hauptdompteur Nordsick uur Assistentin. Nordsick hatte eine Löwengruppe fertig gemacht, die ins Engagement gehen sollte. Als eines Nachmittags ein Zirkusbesitzer aus Paris kommt um die Nummer anju» sehen, ist Nordsick nicht zu finden. Tilly führt statt seiner die Gruppe vor, zu voller Zufriedenheit, so daß der Ab­schluß perfekt wird. Bald daraus kommt Nordsick zurück, etwas angeheitert, hört daß die Löwen gearbeitet haben, ist in seinem AünsÜerehrgeiz getroffen und treibt die Tiere nochmals in den Aäfig. Er werde dem Franzosen erst mal zeigen, was sie wirklich könnten! Die Bestien be» merken seine Unsicherheit; fallen über ihn her, er wird tot aus der Manege getragen. Die rasenden Löwen werden in die Aasige zurückgetrieben. Eine Löwin fehlt schließlich noch. Man sucht sie. Endlich sieht einer aus der Tür der Gaderobe, in der Nordsicks Leiche liegt, eine Schwanz- quafte heraushängen: das Tier frißt an den Toten weiter. Am nächsten Morgen reiste Tilly mit diesen Löwen ins Engagement. Drei Tage später debütierte sie mit ihnen im é)irfus in Paris. Mit Erfolg. Die schöne Tilly Bebe wurde als Löwendompteuse eine internationale At. traktion.

Ich hätte dies AapitelSawade" überschreiben müs­sen, wenn ich die Größe aller deutchen Raubtiernummern ausführlich hätte schildern'wollen; aber ich schriebTilly", weil die Menschlichkeit dieser kleinen Frau mich so gerührt hat. Satvades Erinnerungen hoffe ich bei einer anderen Gelegenheit erzählen zu können, Manchmal, wenn wir beieinander sitzen, gibt der ernste, gefaßte Mann ein Stück­chen zum besten. So kam er neulich auf das verhängnis­volle Debüt ty|O in Buenos Aires. Gleich der erste Tiger durchbiß ihm die rechte Hand, so daß er die Waffe nicht gebrauchen konnte, dann fielen die andern über ihn her. Aber: Sarvade trieb alle 18 Bestien in ihre Käfige zurück, riegelte ab und legte sich dann für acht Mona» te ins Hospital. Sarvade brachte Löwen, Tiger, Bären Leoparden, Pumas, Zebras und Doggen zusammen in I den Zentralkäfig. Eine Arbeit, die man heute nicht mehr zu sehen bekommt, weil kein Dompteur die mühselige lang- wierige Dressur probieren kann. Die teuren Tiere müssen möglichst schnellfertig gemacht werden, um Geld zu bringen. Durch die von Sarvade geleitete Stellinger Dressurschule sind unzählige Raubtiernummern in alle Welt hinausgegangen. Heute führt Sarvade nicht mehr vor, er ist Direktor und Teilhaber der Earl Hagenbeckschen Zirkusunternehmungen. Sein Nachfolger in der Dressur- schule ist Earl Haupt. Dessen erste" Frau war jene Mar- guerite, die (9(2 den Löwen zum Opfer fiel, seine zwei­te Frau arbeitet ebenfalls alsSonja" mit Löwen und zeigt jetzt wieder die einst berühmte Nummer des Löwen zu Pferde". Als die schönste Frau, die je im Löwenkäfig gestanden hat, wird Elaire Heliot gepriesen. 1893 begann sie ihren Siegeszug mit den Löwen des Leib- ziger Zoloogischen Gartens. . 1907 setzte sie sich auf ihrem Gut bei Stuttgart zur Ruhe und schrieb ihre Memoiren. Im Kriege hat sie wie so viele Artisten ihr ganzes Vermögen verloren und frisiert nun in einer süddeutschen Stadt Damen. Von der Löwenmähne zur Damenfrisur ein Artistenschicksal . . .

Der Fachmann unterscheidetzahme' undwilde" Dressur. Bei der zahmen Dressurnummer sehen wir Raub- tiere ruhig ihre kunstvollen Gruppen und Stellungen, ihre wohleinstudierte Exerzitien ausführen. Bei der wilden Dressur dagegen fauchen die Bestien ihren Dompteur wild an, fletschen die Zähne, springen auf ihn los, beißen sich in die vorgehaltene Stahlstange fest, zerbrechen Holzknüppel, schlagen mit den Tatzen. Besonders schön als aufregendes Bild solcher Wildheit sind die Königstiger, die Sailer-Iackson vorführt. Da überläuft den Zuschauern die beliebte Gän- sehant. Sailer kann diese Gruppe auch zahm produzieren, was nickt etwa die Ungefährlichkeit der wilden Dressur er- weist, sondern: die Meisterschaft dieses Mannes. In je- dem Falle, in jeder Vorstellung nämlich ist eine Raub­tierdressur ein Vabanquespiel. Daß der Dompteur seine Tiere unschädlich machen könne dadurch etwa, daß er sie

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vorher faulfüttere, oder durch den vielzitierten starren stechenden Blick, das ist Unsinn. Das Geheimnis dev Dressur beruht allein in der Kenntnis der Tiere, in der Gewöhnung mit ihnen. Aber: wie sie nun heute in der Vorstellung gerade gelaunt sind, kann auch der gewiea. teste Dresseur nicht vorher wissen, wenn er ihnen inr Aäfig gegenübersteht, dann allerdings vermag er ihnen ihre Stimmung vom Gesicht ablesen (bei Bären ist das nicht möglich), aber damit ist er nur gewarnt, nicht ge- schütz. Er kann nicht aus dem Zentralkäfig herauslaufen und die Vorführung absagen; er muß sehen, wie er mit den schlecht gelaunten Biestern fertig wird. Keine Angst haben das ist die Kardinaltugend jedes Raubtierdres­seurs.

Aufruf.

Am Sonntag, den 22. August 1925 sind in der Gememde

Lahrbach (Rhön)

infolge eines Blitzschlages 8 Wohnhäuser nebst Stallungen und Scheunen vollständig medergebrannt. Die gesamte Grate in be« abgebrannten Gebäuden ist ein Raub der Flammen gewordr«. Auch das Mobiliar und insbesondere sämtliche Kleidungsstücke, Hausgeräte usw. sind mitverbranut, da die von dem Brande betroffenen fast alle auf dem Felde weilten fund deshalb aus den Häusern nichts retten konnten. Durch das Schadenfeuer sind über 40 Personen nicht nur obdachlos geworden, sondern infolge des Verlustes chrer gesamten Habe auch mittellos und hllfsbe- dürftig geworden.

Pflicht der Nächstenliebe ist den Bedrängten beizustehen, um die große Not, soweit es nur möglich ist, lindern zu helfen.

Die Unterzeichneten bitten deshalb, daß jeder nach seinen Kräften eine milde Gabe so rasch als möglich für die Abge­brannten gebe.

Jur Gntgegennahme von Gaben ist die städtische Spar­kasse bereit. Die Verteilung der eingehenden Gelder wird so rasch als möglich im Ginvernehmeu mit den zuständigen Stelle« geschehen.

Fulda, den 26. August 1925.

Dr. Antoni, Oberbürgermeister.

L. A. Arnd, Kaufmann und 1., Beigeordneter,

Ludwig Bellinger, Fabrikbesitzer, Vorsitzender des Arbeitgeberverbandes,

Bispink, Gutsbesitzer, Vorsitzender des Kurhessischen bauernverehts,

Fuchs, Malermeister,

Stadtverordneter und Vorsitzender der Handwerkskammer, Neitzert, Kommerzienrat,

Vorsitzender der Industrie u. Handelskammer Frankfurt a. M Hanau, Geschäftsstelle Fulda,

Schmitt, Oskar, Kaufmann, Nidda, Vorsitzender des Kartells der freien Gewerkschaften^

Vorsitzenderder Vereinigung Fuldaer Handelsgeschäfte, Schmitt, Peter, Konrektor, Stadtverordneter und Vor­sitzender des Veamteudundes,

Schultheiß, lRechtsanwalt und Stadtverordneten- Vorsteher.,

S t a h l, P e t e r, Stadtverordneter und Vorsitzender des Kartells der chriMcheu Gewerkschaften.

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