Hessische
Morsenzeitung
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Nummer 1S4
Mittwoch, den 12. August 1925.
59. (2.) Fadrgaag
Keim
der vreuWlden Reglerumstrage.
Berlin, 11. August. !Lig.-2nformationsdienst. Lelegr.) 2m Reichstag war heute das Gerücht verbreitet, daß infolge des Konfliktes zwischen der Sozialdemokratie und dem Zentrum das Verbleiben der jetzigen preußischen Regierung unmöglich geworden fei, und daß Ministerpräsident Braun nach dem Wie- -erzusammentritt des Landtages mit dem gesamten Ltaatsmini- sterium zurücktreten werde. Gegenüber diesem Bericht erfahren wir von maßgebender Leite des Zentrums, daß sich die Zentrumsvorstände völlig darüber einig feien, die preußische Re gierungsfrage nicht wieder aufturollen, bevor nicht die preußischen Rechtsparteien an die gegenwärtigen Regierungsparteien herangetreten seien. Eine Aenderung der preußischen Regierung komme also vorläufig nicht in Frage, und würde erst dann akut werden, wenn der ursprüngliche Plan einer überparteilichen Re gierung unter Heranziehung der Deutschnationalen und der Lo- zialdemokratie verwirklicht werden sollte.
Berständisung mit der Apposition?
Berlin, 11. August. (Lig.-Lnformationsdienst. Lelegr.) 2m Reichstag haben am Montag andauernd Besprechungen zwischen den Führern des Zentrums, der Demokraten und der Sozialdemokratie stattgefunden, um eine Verständigung über die Durchführung der Zollberatungen zu Ermöglichen. Das Zentrum dessen Vermittlung von den anderen Regierungsparteien angenommen wurde, hat einen Kompromißvorschlag gemacht, dessen Annahme eigentlich nur noch von der Sozialdemokratie abhängt. Man nimmt daher in den parlamentarischen Kreisen an, daß bis Mittwoch eine Linigung erzielt sein wird und die Zollvorlage dann spätestens bis Donnerstag Abend oder Freitag Mittag verabschiedet sein wird.
Polen will einlenken!
Berlin, 11. August. iLig.-Lnsormationsdienst Lelegr.) Wie wir zu dem neuerlichen deutsch-polnischen Rotenwechsel über die Optantenfrage erfahren, hat der polnische Gesandte in Ber lin dem Außenminister Dr. Ltresemann gegenüber die /Erklärung abgegeben, die polnische Regierung wünsche die gegenwärtig eingetretene Spannung zu beseitigen und mache daher den Vorschlag, die Optantenfrage durch eine beiderseitige Erklärung als erledigt zu betrachten. Des weiteren wünscht die polnische Regierung die Wirtschaftsverhandlungen mit Deutschland sort- zusühron. Hierzu wird uns noch mitgeteilt, daß von deutscher
Deutschland und die russische Außenpolitik.
2u den «letzten Lagen ist «durch verschiede«ne Vorkommnisse die Aufmerksamkeit der deutschen Diplomatie auf die gegeu- wävtiige Außenpolitik der russischen Lomjetregievung igefcinkt morden^ die alles daran liegt-, kühle Zurückhaltung gegenüber Deutsch-land und freunbli-ch>e-s «Entgege-nkommsn «gegenüd-er Frank -reich zu markâein. Ob«w«oh«l bei miede-rhoAen di«plvma tischen Zwischenfällen mehrmals d-ie G efahr -e iner Lrüdung Iber deutsch- -rusfischen Beziehungm gegeben roar, die «nur durch «das korrekte und /konziliante BerhaGen des -Berli«ner Auswärti«gen Amtes oeM-ieden we-rde«n «konnte, wird von russischer Seite neuerdings behauptet, daß die deutsche Politik sich immer mehr nach dem Westen hin orientiere und aus diesem Grande das bisherige Freundschaftsverhältnis zwischen den beiden Ländern anfgehört habe, zu bestehen. Für die deutsche Regierung erhebt sich nunmehr die Frage, welche Haltung Deutschland gegenüber einer solchen Orienârunlg der -ruWchen Außenpolitik einnehmen «soll. Loll Deutschland bie russischen! «Unfreundlichkeiten mit ber gleich ch« Münze /heimzahlen oder soll es seine bisherige Poetik fort s-e-tzou«, bie do«rouf «gerich-tet ist, bie Beziehungen zu Ruhland mit b^rKpÄ^E Sorgfalt zu- pflegen? Die Beantwv«rtu«ng ist augen-
, >ch sehr schwer, da «man deutsch-ers-eits «noch nicht voraus- Myen > >a«nn«u-, wie sich die Verhandlungen zwischen Rußland «mb e ui in reirt) geüalten werden-. Kommt eine Verständigung zwi- osi an««. Paris zustande-, «so würde bies natürlich ge- lr ?'^'^^ ^«ie bisherigen Beziehungen zwis-ch«en Entweiiiduu "^l'i l^^ ^^'ben, bie aber noch nicht mit einer Entfremdung g!e el hebeutenb wären. Die deutsche Diplomatie Kn b4m^ h0?™»-“?6 ^W die Aufgabe, dafür zu die kick hi/LfU\ Cl v ?"âr keine Vereinbarungen >eing«eheu, u b t deutsch!, richten könnten. Sollte edoch wffi ^frwjf^ Annäherung Zustandekommen, ^minb die Moskauer ^egnerwg «von selbst ?u bem bisherigen VJeg ber frem^ua^ 'B«ezichnn.gen gegenüber W tob Mruckkchrm müssen. DeuOchers.«it«s wurde mm h-mu Ikei^
Veraniasfung haben die MMe™»^ Legierung lirgenb wie zu umwerben, denn n«a«ch «wie «mw wird bie deutsch« Qtoen^ .MM an dem Grundsatz festhoiten, keine einseitigen Freund-
Leite aus vorläufig die größte Zurückhaltung gegenüber den polnischen Annäherungsversuchen geübt werden wird.
Seine Beseitigung des ReiAwekr- Sberbefehls.
Berlin, 11. August. sLig.-2nformationsdienst Lelegr.) Wie verlautet, sollen die Verhandlungen mit der interalliierten Mili tärkontrollkommission über die Lntwaffnungsfrage eine nicht ungünstige Wendung genommen haben. Danach stehe zu erwarten, daß eine der härtesten Bedingungen der Lntwaffnuugsnote, die Forderung auf Beseitigung der Stelle des Lhefs der Heeres leitung der Reichswehr von den alliierten Regierungen fallen gelassen werden soll. Trifft diese Mitteilung zu, so würde Gene ra! von Loeckt den Posten des Lhefs der Heeresleitung weiter behalten können.
gnfernntiennle Regelung der Kohtenfrage.
Berlin, 11. August. (Lig.-Lnformationsdiench Lelegr.) Wie wir hören, sind gegenwärtig Bestrebungen im Gange, um die ernste Krise des europäischen Kohlenmarktes durch eine gemeinsame Konferenz der beteiligten Vergbaumdustriellen wirksam zu bekämpfen. An dieser Konferenz würden Lngland, Deutschland die Lschechoslowakaj und Polen beteiligt sein. Man hat den Lindruck, daß die englischen Kohlenindustriellen befürchten, Deutschland könne ebenfalls seiner Kohlenindustrie durch staatlichen Geldzuschüsse zu Hilfe kommen und dadurch den deutschen Auhrbergbau in die Lage versetzen, seine Kohle noch billiger als der englische Handel auf dem Markt zu werfen.
Die Loge in Nlorokko.
wtb. Paris, 11. August, tolef. Die Lage an der Marok kofront wird folgendermaßen von Havas nach einer Meldung aus Fez vom 10. August geschildert. 2n der ganzen westlichen Gegend herrscht Ruhe. Die Uled Bider, deren Unterwerfung mitgeteilt wurde, haben einen feindlichen Angriff Abgeschlagen. Die Mobiltruppen von Quezzan sind vormittags in Richtung Djebel Azjen abmarschiert. 2m mittleren Frontabschnitt wachten sich bei den Uled Ausa und Lhirarga, die ihre Dörfer wieder in Besitz genommen haben, eine Entspannung bemerkbar. Die Gegend von Lazo ist ruhig.
schaftSb-eziiehuugen -einzugehen, durch bie1 eine Lrschw-erung der Beziehungen- zu der «anderen- Seite .«eintreten würde. Die Poktik bie die R«eich«sr-e«gi«eruug seit Ve-rtra«g -von- R-a«palio gegenüber Ruißlland-s getrieben hat, hat -oftmol-s sehr b«ed«enkii-che- -Litua- tionen geschaffen, «denn immer -wieder «wurde von alliierter Seite bie Verdächtigung ausgesp-rochen, bie Rei-chsregi'-erung «hätte mit Rußlan«d ein Geheimbüuduis «geschlossen. Durch- derartige V-erdäch«tigun!ge«ii «ist schon so viel Unheil -angevi-rhte! «wobden, baß Deutschland die denkbar größte Rücksichtnahme auf die Lra«gw«eite d-erartiger 'außenpolitischer Smipenberaibilien «walkten lassen «must. Die Moskauer Diplomatie da-rs büber nicht damit rechnen «wollen, baß Deutschland die gegenwärtige russis«ch«e- Poli t««k zu«m tollaß nebmen mürbe, mit irgendwelchen Angeboten an Ruitzland heranzutret«eni, «um es davon ahzuha«lt«eiu, sich «mit Paris zu verständi«gen.
D«e>r ste-llvertr«eteüd«e russischs Qlüißeniminifter Li«win«ow hat dieser «Lage in einer Besprechung mit bem deutschen toßen- winistor Dr. «Stresemann die «gegenwärtig zwis«ch«en Deuts-chlan'd «und den «alliierten R«egierung«en- schw-ebenden Fragen ang-es-chn-it- ten «und dabei bie iLatsache zur Sprache gebra-cht, baß die heutsche «Regierung bei «ihren Entschließungen- von dem «festen Vorsatz «a«us«gega«nge«n sei, bie «Neutralität Deutschlands «im Fall«e eines «Konfliktes zwischen -Rußland «und den W«estmächten si«ch«er- zustellen. Dies«e Ha«ltu«ug «der Rèichsregierung finde in «Rußland weitgehendstes Verständnis «und gebe die «Gewähr -dafür, daß ber Frieden zwischen den beiden Cänbenn «gewahrt bleibt. Diese freundlichen «Worte Ciroiinws stehen in krassem Gegensatz zu ben -Erklärungen^ bie der russische Bvtschafter in Paris, ^raj- sin, «noch vor «wenigen La«gen der fra-nzö,fischen «gSMÜiber a!b- geben «hat. Aus diesem Vorkommnis (kann man« sehr «deutlich erkenn-e-n, «daß bie Moskauer Diplomatie -sich sowohl «in Berlin als «auch in Paris besondere LgMMthien erwevben «will, um auf jeden Sali bie Bildung eines antibolschewistischen «eu-ropäischen Blockes zu verihüteir. . Unter «diesem Gesichtswinkel erscheinen daher gewisse «beunruhigend-e Moment«? «nicht so -tmgis-ch^ als man sie «im ersten Aug«enb«lick in Verl in beurteilt Iha«tte.
Fünf Personen bei einer Expiosion getötet.
wtb. Wiesbaden, 11. August. telef. Wie das „Wiesbadener' Lageblatt" meldet, ist heute vormittag, aus bisher unbekannter Ursache in der chemischen Fabrik Mondorf und Mauer berger in Dotzheim bei Wiesbaden, in der Filmstreifen hergestellt werden eine Explosion entstanden. Vier Frauen verbrann- / ten, während der Fabrikant Mondorf mit schweren Brandwunden in das Krankenhaus eingeliefert wurde, wo er kurz darauf verstarb. Außerdem trug sich ein Feuerwehrmann eine Lchlag- aderverletzung zu. Die Wiesbadener und die Dotzhümer Feuerwehr löschten schließlich den Brand.
Der Auftakt zum ökumenifchen Weltkongreß in Stslkbotm.
Stockholm, 9. August 1925.
Große Ereignisse werfen immer ihre Schatten «voraus «ab so hat als Auftakt zum bkc ’imenijcben Weltkongreß, ber weit Koniferen; für praktisches Qbriftentam, welche hier vom 19. bis 30. August tagen« soll, bie Zusammenkunft ber WeltverÈlguug für Frieden und Einvernehmen durch die verschiedenen Kirchen ihre Eröffnungssitzung «abgelhaltsn. Es ist bie sechste Konferenz welche bie „World millionte“ ,abhält, unb gegen 150 Abg-esaudbe aus 30 Saubern haben sich zu berffelben einigefumben. Die World Alllanos -ist eine Bo-rkrleigsgvünbuug unb ihre erste Konf-erenz hätte 1914 in Konstanz sta-t-tfinben.«sollen, als bie Nachricht von , her K'vlegseÄärung DeuHchlan'ds an Rußland ein traf «mb bie Abhaltung ber Konferenz «daher unmöglich wurde, aber bie Mit ! gheber ber „World Allianc-e" haben «doch während bes Krieges gute Arb-oi-t im Verborgenen geleistet «und -insbesondere von ■ deutscher Leite, bie zum Kongresse 60 Personen stark «unter ber Führung bes Reichsgerichtspräsident-en Dr. Li-mvns, bes Pro- feffors Reißmann, ber Herren Dr. Spieker, Dr. Si-egmund- Schulze «und -anderer erschienen «ist, wurL-e Hervorragendes für bie Kriegsgefangenen «geleistet, natürlich «konnten biefe Leistungen nur baburch erreicht merbèn, baß bie ber „World Alliance" «anges-chlosssnen Kirchen -sich trotz ber -offiziellen Feinds-sl^ei-ten -eifrig am Vierke beteiligten.
Unter ber deutschen Delegation fällt insb-es-onde-rs Dr. Spieker auf, ber wie ein Lheologe «aussieht, aber «als Kaufmann in -leitender Stellung bei Siemens «mb Halske -wirkt. Spieker -ist zud«sm Ehrendoktor ber Berliner Universität. Professor Deißmanns Persö-nlichksit -ist in kirchlichen Kreisen «und darüber «hinaus weit bekannt; er kann als «derjenige a-ngöschen «werden, dem es «schon vor dem Kriege gelang, insbeifianbere zu ben eng- lifchm K-i-rch«e«n eine Brücke zu schlagen, oder -bester gesagt, zu den «ongloomeri«kan-ischon Kirchen, denn seine «evangelischen -Wochenbriefe «waren allen, bie englisch sprachen, wohlbekannten und gerne -gesehen^ Die römisch-katholische Kirche steht außer» halb, der World Alliance, «n-i-cht feinbtich, aber doch reserviert, «da sie ans natürlichen Gründen keinen Einfluß auf diese Vereinigung haben «kann; «umso «mehr verwunderlich -erscheint die An «wese«nheit bes Profestors Hoffmann ans Breslau, welcher bem Kongresse als inoffizieller Repräde-ntant beiwohnt und der Mei- «nun«g ist, daß sich in dieser Bereinigung alle Kirchen- bie Hand ri 'chen können, baß aber von einer offiziellen Leilnahm-e ber ka thol ischen Kirche «kaum in absehbarer Zeit bie Rede sein kann
Der Organisator der Stockheimer Konferenz ist der sch-w-e- d-isch-e Lrzbis-chof Vatan Lödeiblom; -er ist, wie von verschiedenen Seiten gesagt «wurde, einer der wenigen Bischöfe, die lachen kön-nen. Von enormer Vitalität, sprachenkundig «wie «wenige und interessiert für alles, -was in der Welt vorgeht -und mit ber Kirche in irgend einen Zusammenhang gebracht werden- Kana, «i-st Erzbischof 5öderbloo«m trotz seiner Lugend — er «ist 59 Lahre . alt — ein weltbereister und weltbekanu-ter M-a-nn, der es -in ^r Mnzen West -verstanden- hat, sich eine -Stellung wie vielleich-t kein anderer Kirchenfürst M schaffen. Die großen Arbeiten wie die Klemen macht er selbst; so «hat benn «auch auf diesem K-on groß alles wunderbar geklappt. Nicht nur, baß jeder Kongreß teilnobmer vom Bahnhöfe «abgeholt und «in sein Quartier -geleitet (mürbe; jeder erhielt seine Kv-ugreßm-arke, die aber mit beim Namen «des Mitgl-iedes ausgeftatt-et -ist, so daß bie «besondere Vorstellung mit undeutl-ich «gemurmelten Vamen wegfällt, jeder erißielt seine -Wa-chstuchmappe mit «allen Drucksachen und «wer von den Kongreßmst-gliederu, die alle -nicht schwedisch sprechen können, mit beim Kongreßbüro sprechen «will, «braucht am -Dele-- Phott nur die -magischen Vierte „«Life and Work" auszusprechen, um sofort mit dem Büro «in Verb-ind-uirg-en zu sein-, W-o «immer in ber Stabt er dies tut, im -Hotel, «im Restaura-nt -im «Lelephon- automoten, oon überall im Lande kommt er — -ohne bie Landes spräche zu kennen — an bie richtige Nummer. So soll man Kongress-è- arrangieren «und «nicht «wie so oft, nur E-iniadungen auchenden unb bann die westgerei-sten-, chndesfremden ^omgrcß- «mitglieder in der fremden Stadt hilflos lassen«. Die Verhand- «lungss-pvache «ist englisch-, französifch und deutsch; die ‘Dolmetsche übersetzen sofort.