Sie NWeinde.
Von Zohann- Mege-r-Berlin
Wie alle Tiere, Jo haben auch 'bie Zische -eine Menge von Seinben, wozu nicht nur sämtliche Ti-erklassen, sondern auch die Pflanzen -ihren Anteil stellen.
Der berüchtigste Räuber ist die Zischotter. Sie wird bis Deinem Meter lang un-b 10 -bis 15 Kilogramm schwer, Mart /ich im Februar oder März und dringt nach 9 Wochen zwei bis vier Zunge zur Welt. Hie gräbt sich Höhlen am Ufer, welche unter dem Wasser münden, hält sich oder -auch auf in vom Wasser entfernten Z-u-chs, unb D-ach-sbauer, ist sehr scheu und schlau und geht nur Nachts auf den Raub aus. Auf dem Lande plump und -unbeholfen, schwimmt mob taucht sie im Wasser mit großer Gewandtheit und ist im Stande, durch wenige Besuche eine große Menge Zische zu erbeuten. Dabei zeigt sie sich als Feinschmecker und läßt, wo sie Zorellen und andere Ldel- fische haben -kann, die minderwertigen Zische in Ruhe. Man fängt die Otter dautsächlich in Tellereisen, mit dem Schla-g- baum und der sehr praktischen Sch-ueck-enfa-lle.
Lin anderer gefährlicher Feind ist der Reiher. Lr brütet in Kolonien auf -hohen Bäumen in der Nähe des Wassers, von wo aus er zu regelmäßigen -Tagesstunden die Lewässer besucht. Man schießt ihn auf dem Anstande oder fängt ihn in besonderen Tellereisen, auch mit vergifteten Zischen, die man an das Ufer legt, kann er vernichtet werden.
Noch ein anderer, sehr schädlicher Räuber aus dem Reiche des Gefieders ist der LisvogSl sKönigsfischer, User-, Wasser-, Seespecht, Martinsvogel). Ls ist dies ein dis zu 15 Zentimeter langer, prächtig gefärbter Vogel mit -lasurblauem grünlichem Rücken, rostrotem Bauche, weißer Kehle und korallenroten Züßchen. So hübsch sein Kleid ist, so plump erscheint er von Gestalt, wozu der 'lange Schnabel, die kleinen Füße und der kurze, abgestrumpfte Schwanz beitragen. Lr nistet am Wasser in tiefen Löchern unter Baumwurzeln, nährt sich hauptsächlich von kleinen Zischen und ist den Brutbächsn äußerst gefährlich, umsomehr, da er viel zahlreicher vorkommt, als gewöhnlich angenommen wird. Um die Zische zu -erhaschen, setzt er sich auf einen über das Wasser hängenden Zweig usw. und späht von da nach Beute; hat er ein Zischlein -erblickt, so stürzt er sich wie ein Pfeil -darauf, spießt es mit seinem spitzen Schna- Hpl durch und verzehrt es am Ufer. Auf diese seine Gewohn- Heit werde» die Mittel zu seinem Zange gegründet. Man schlägt nämlich -in entsprechenden Lntfernungen kleine, etwa 150 Zentimeter lange Pfähle in -ben Bach, nagelt darauf oben kleine Brettchen unb 'befestigt darauf kleine, für diesen Zweck eigens angefertigte Tellereisen. Der Lisvogel setzt sich auf den Geller, um nach Beute auszuschauen, und fängt sich sofort.
Die meisten Waffervögel sind schädlich, wenn sie auch weniger den Zischen nachstellen, so zerstören sie doch den Laich.
Daß die Zische einander selbst aufzehren und sich wohl gegenseitig selbst die größten Zeinde sind, dürfte bekannt sein.
Skizze von Wolfgang Zederau.
X Als Arved Ronn eck die Aufforderung seines Zreundes er- hält, ihn in seiner jungen Häuslichkeit zu besuchen drehte er die Linladung lange Zeit unschlüssig in den Zingern hin und her.. Lr hatte eigentlich seit jeher eine grundsätzliche Abnei- gung gegen neuvermählte Zreunde. Sie erschienen ihm in jeder Beziehung bedenklich und befremdlich, und oft schon hatte er Beziehungen zu seinen früheren Kameraden plötzlich abgebrochen, weil sie sich verheiratet hatten. Dann wurden sie meist unleidlich, wurden in unangenehmer Weise verliebt, rodeten ihnen Freunden zu, doch gleichfalls zu heiraten, sprachen mit schwärmerischen Augenaufschlag von dem Segen eines Heims — kurz, es war widerwärtig. Und schlimmer noch die Zrauen dieser Freunde. Sie waren selten hübsch, meist dumm u. fast immer süßlich. Kaum, daß man eine interessante Frau auf diese Art kennen lernte — wenn doch, dann wars gefährlich und aufregend.
Arved ging trotzdem, eigentlich, nur, weil ihm kein Grund zur Ablehnung einfiel. Was er vorfand, war in jeder Be- ziehung eine angenehme Lnttäuschung. Lionel Otawa empfing ihn mit der gewohnten Herzlichkeit, er hatte sich in keiner Weise geändert — noch immer ganz Kopf und Geist, mit dieser hohen, reinen Stirn, hinter der so viele kluge Gedanken schlummerten. Vornehm^reseroiert und kühl — kühl und ernst auch gegen seine zunsAe Frau. Was aber war dies für eine Zrau! <3n bei Mitte der Zwanzig mit reifen Formen, dem Profil einer Zuno und mit Augen, die wie Zlammen sich -in die Seele ihres Gastes hineinzubrennen schienen. Ungeheuer temperamentvoll, Mmte sie offensichtlich gar nicht zu der Wesensart ihres Gattin. Arved konnte bei größter Aufmerksamkeit nicht die lei- Mten Zärtlichkeiten zwischen den beiden entdeckten. Und so Hr er Zärtlichkeiten von Gatten in Gegenwart dritter verwünschte, so unnatürlich erschien ihm doch ihr vollkommenes Fehlen nach so kurzer Lhe.
Und es geschah das Unerwartete, daß Arved Ronneck der Stimme, die ihn vor dieser Zrau warnte, erstmalig die Gefolg- lchaft versagte, daß er in demselben Augenblicke, da sich die Flicke dieser beiden Menschen zum ersten Male in der Unendlichkeit eines phantastischen Raumes kreuzten, die mühsam er- Kampftem Sicherheiten eines bewußt geformten Lebens hinwarf, a L wören es törichte Zefseln. — Sie sprachen kaum viel mit- und diese Frau, die gar nicht schöner war als 0s au ere Weib, bas er kalt und lächelnd übersehen hat- J". er '^^wes besaß: eine fast tierische Gesundheit b. ' '“ fLlQS ^idenschaftliche 'Temperament -einer dege-
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- Wenn der Hecht und andere berüchtigte Räuber offen und kühn ihre B-eut-e verfolgen, so treiben -die „Zriedfische" im Stillen ihr Zerstörungswerk am Laich -und Brut. Auch Frösche, Salamander, Schlangen sollen sowohl Lier wie junge Zische vertilgen.
Mehrere Wasserkäfer und -andere Wass-erinsbkt-en, wie auch deren Larven, zerstören Lier -und Z-ische von jeder Größe. -Hierher sind besonders -die Schwimm- und -Tauchkäfer zu rech- n-en. Z-erner haben -die Zisch-e mit einer 'M-m-ge von Parasiten -zu kämpfen. Der bekannteste davon ist -die Kaupfenlaus. Auch mikro-Skopisch-e 5-chm-a-rotzer nisten -si-ch -in Kiem-en und Haut -ein und führen so -den Tod der Zische herbei. Auch Bauch- würm-er bis zur Länge von 1 Meter finden sich oft in Zischen. Zuletzt sei -noch -der Schimmelpilze ged-acht, welche hauptsächlich in wärmeren Wasser Liern- und Zischen gefährlich werden -und besonders Lrst-ere oft in -unglaublichen Mengen zerstören.
Unbesiegbare SeBövie.
Vo-n Wilhelm M-art-ens-Berlin.
Wir sind -geneigt, uns als die mächtigsten und unüber- w-indlichsten Mitglieder der -Tierwelt zu -betrachten und -als uns nä'chstfblgend im R-ange folch-er Tiere, wie -des Löwen, des Tigers, des Bären und -des Llef-anten -anzufehen, fähig, die -ihrigen gegen jeden 'Gqgner, sei es in -einem Gefecht des einen gegen -den -anderen, sei es -in -einem so-lch-en der Massen -gegen eina-nd-er, siegreich zu verteidigen. Doch hierin -sind wir sehr -auf -dem Holzwege, weil wir -einfach Körperumfaug und Muskelkraft im Auge hab-en und der Lnergie und -int-ellectuel-len Ver- a-n-la-gung nicht Rechuun-g -tragen, welche -eines der winzigsten G-eschöpf-e — wenn es in zahlloser Menge auftritt, -w-i-e man es immer findet — zur furchtbarsten Landmacht -der Tierw-el-t stempelt, die man sich denken kann. Z-rag-t man daher, welches wir unter -den Tieren für bas -unwiderstehlichste halten, so w-er- -den wir nie fehl gehen-, wenn wir an-tworten, daß, wenn kri-e- gerische B-etäti-gung -gemeint ist, die „Soldaten — und Lreiber- -ameisen" in Ze-ntralafrika weit und breit die un-Uberwind- -lichsten, un-besi-egbarst-en G-eschöpf-e sind, mit denen wir in Berührung kommen können.
Man -sieht sie in unzählbaren Bataillonen, alle militärisch in Reih und Glied -ge-ordn-et, gleich -einem sehr langen, breiten, schwa-rzen Bande, -einhe-rzi-ehen. W-oher kommen sie? Wohin gehen sie? Ri-chts kann -sie -aufhalt-on, noch -kann irgend -ein Hindernis ihre Richtung -ändern. Zst's -ein lbbl-os-er G-e-gensta-nd so schaffen sie -ihn -einfach bei Seite und ziehen weiter; ist's aber etwa s Lebendes, so greifen sie es -wütend an, indem eine -auf die andere steigt -und -zum Angriff schreitet, während das Groß der Armee -geschästlsmäßig und schwesg-end vorwärts mar- schie-rt. Zst das H-i-nder-n-is ein Grabe-n oder ein Zluß, so vereinigen sie sich an dessen Rand zu -einer kompakten Masse. Ge- sch-'-e-ht -dies, -um Rat zu- -pflegen? Sehr wahrschsi-ülich, denn -bald nem um so heftigeren -G-eg-ensatz feines Zchs wurde, als -hier einer -un-gewöhnlich-en Bergeisti-gung -auf der einen Seite eine über das übliche hin-ausgehende Triebhaftigkeit seitens ber Zrau gegenübersta-n-d. Auf alle Fälle -eignete dem M-ann-e ein sehr -starkes Besitzbewußtsein, das ihn zu -einer überlegten -und kalten Art der Lifersucht befähigte.
Li-nes Abends plauderte L-i-on-el f-ehr angeregt -in seiner feinen und etwas -überlegenen Art über irgendein Problem der Kunst u. ließ ein Brill-antfeue-rwerk bu-ntgeschliffm-e-r Paradoxe, au ff lammen. Arv-ed hörte kaum darauf unb -mühte sich, Znteresse zu erheucheln. Sein Auge hing an dem Antlitz d Zrau — sie lächelte -stolz, ein bißchen -gelangweilt und fast verächtlich. Da stand Lionel plötzlich auf unb erklärte, sich vorsichtig entsch-uldM-nd, er hätte noch eine kurze Besprechung in der nahen Stabt und würde in einer oder anderthalb Stunden zurück sein. D-an-n, seinen Zreun-d sehr lange -a-nsehend, bat er die Reiben möchten -doch die wunderbare, mo-ndhelle -und frvst- klirrende Wi-nt-ernacht zu einem Spaziergang benutzen und -ihm auf halbem Wege -entgegen kommen. Arved, von der Aussicht, eine Stunde lang mit Lionels Zrau -allein zu fein, jäh -überwältigt, sagte freudig zu-, unb Lionel -entfernte sich mit einigen -gemessenen Worten.
Ls Konnte nicht aust»leiben, daß die mühsam zurückg-e- dämmte Begierde die Zurückbleibenden ohn-e langwierige -Lin-- leituizgen bereits in der -nächsten Viertelstunde -einander in die Arme warf. -Tatsäch-Iich lag der Zrau jegliche berechnende Lr- wä-gung und Vorsicht fern, unb Arved -besiegte -leichte Mahnungen 'des Gewissens mit der 'Skrupellosigkeit einer langsam gesteigerten Leidenschaft. So -mußte es kommen, daß bei der sorgsam erwogenen vorzeitigen Rückkehr Lionels -di-eser an den -entspannten Mienen der -anderen das Vorhergeigange-ne dc-utlich zu erkennen vermochte, ohne daß -es ihm gelang, die U-eberrumpelu-ng zu -einer vollständigen zu machen. Und die wechselnde Nöte, welche die -Wangen seiner Z-rau überflog, konnte ihm nur sagen, was das -erschöpfte und b-lasse Antlitz Arveds ihm doppelt bestätigte. — Lionels Zrau unb Arved hatten in dem Taumel der letzten halben Stunde Lwigkeiten zu durchleben geglaubt, und jeber Verdacht, daß der Freund- es auf eine Ueber raschun-g abgesehen hätte, lag ihnen völlig fern. Arved, -erschöpft und mit klingenden Nerven, -entfernte sich bald; und Leo -nore — so hieß Lionels F-ra-u — mar gerade im Begriff, sich mit einem konventionellen Kuß zu verabsch-leden, als ihr Mann sie mit einer ruhigen Bewegung am Handgelenk -ergriff und -auf die Veranda -hi-nauszog, die mit dem Zimmer direkt in Verbindung stand. Ls war bitter kalt und -ein Iheftiger Qstwi-nd warf sich auf -den zarten Körper der nur leicht bekleideten Frau. Sie -empfand jeden- -Windstoß wie einen Messerstich -und stöhnte vor Kälte, -aber sie wagte kein -einziges Wort. Denn sie erkannte -wohl, daß hier auf kein Lrbarmen zu rechnen war. Lionel führte sie die Treppe hinunter dann stieß er die leise Wimmernde mit einem -harten Schlag in -das Dunkel -des Par- kes. Drei Sekunden später, stand er schon im Zimmer und verdunkelte die Fenster, «ohne seinen Augen zu erlauben, -noch einmal nach der -weißgekleideten Frauengesta-lt auszuspähen.
Leonore, sich duckend unter den brutalen Peitschenhieben des -Winterstu-rmes, kannte den -eisernen Willen -ihres Mannes -und die Unlbeugfamkeit seines tief verletzten Stolzes. So dachte sie -nicht für eine Sekunde daran, den Versuch einer Rückkehr in das Haus zu -unternehmen, vor -dem -ber Zorn und die Verachtung des Herrn lagen wie gierige und wilde Hunde. Ls gab für sie nur eine Rettung, die Flucht -zu Arved. Sie brauchte seinen Schutz und seine Hilfe- und mußte ihn zu- -erreichen suchen,
rührt sich die Menge und bewegt sich vorwärts, durchkreuzt dm Graben od. Strom und setzt ihren geheimn-isvol-len Lllarfch ohne Unterbrechung fort. Line ganze Abteilung dieser Soldatm wird für das Wohl der Allgemeinheit -geopfert u. diese Legionen, welche nicht -wissen, was es heißt getötet zu werden, marschieren über die -Leichen der Opfer -unentwegt auf ihr Ziel los.
Gegen die winzigen Feinde vermag kein -einzelner, -noch eine Mehrheit kein Löwe oder Tiger -noch eine Herde von Elefanten -etwas anderes, als -möglichst schnell das -weite zu suchen. Unter dm Barvtse-Lingeboreuen ist es eine gebräuchliche Form der Todesstrafe, daß man den ‘Delinquenten mit Fett bestreicht und vor die Front einer marschi-ermden Armee von Soldaten- Am-eisen wirft. Die Schnelligkeit, womit -der arme Sünder ins Zense-its befördert wird, -ist -erstaunlich, -wenn man -erwägt, daß jede Ameise nichts anderes tun kann, als nur -ein winziges Teilchen Fleisch -abzureisen und fo-rtzuschleppen. Dessen ungeachtet wird das sich windende und krümmmde Opfer in unglaublich kurzer Zeit in ein Skelett von so rein polierten Knochen oer- wandelt, daß es den Reid eines geschulten Anatomen wach rufen könnte. Allen Bewohnern jener Gebiete ist es bekannt, daß diese Armeen von Ameism- ein tropisches Dorf völlig in Beschlag nehmen, dessen von Schrecken erfaßten Linwohner vertreiben und nach Verlauf weniger Tage, oft selbst Stunden es -reiner wieder verlassen, als Oie ordnungsllebenden Bewohner es je hätten machen -können. Ls sind dies nicht -etwa- Märchm und Lrfindu-ngen von Reisenden. Die gewaudeste Zeder -ist -nicht im Stande -demjenigen, der es nicht mit -eignen Augen gesehen hat, einen annähernden Begriff zu geben, mit welcher alles -durchdringenden Gründlichkeit diese G-eschöpfe ein Ha-us von jebem Bissen animalischen und veg-etab-lischen Stoffes -entblößen.
Bekanntmachung.
Verordnung über Maßnahmen gegen Wohnungsmangel.
Auf Grund der B-ek-anntm-achung über Maßnahmen gegen Wohnungsmangel vom 23. September 1918 (R. G. Bl. 1143) in der Fassung- des Gesetzes vom 11. Mai 1920 (R. G. Bl. S. 949) und des Wohnungsmangelges-etzes vom 26. Zuli 1923 (R. G. Bl. 1. 754) wird mit Lrmächtigung des Herrn Pr-eußisch-sn Ministers für Vol-Kswohlfahrt und mit Zustimmung des Herrn Ve ich sarfbeitsminifters
für den Kreis Fulda mit Ausnahme der Stadt Fulda folgendes ang-eordnet:
§ 1.
Ohne vorherige Zustimmung des Kreisauschusses dürfen a) Gebäude oder Teile von Gebäuden -nicht -abgebrochen b) mehrere Wohnungen zu einer -nicht vereinigt werden. Räume, die bis zum 1. Oktober 1918 zu Wohnnugszwecken bestimmt ehe er noch die Stadt betrat. Um seinetwillen hatte sie fortgeworfen, was -das L-e'ben einer Frau hätte ausfüllen können. ! Lhre, Ansehen, den Frieden eines Heims und, wenn -nicht -dis Liebe so die Achtung eines -vornehmen unb klugen Mannes. Leonore besann sich keinen Augenblick mehr. Noch ein Blick auf die verdunkelten Fenster, hinter denen sie die Trauer eines betrogenen Mannes ahnte, -dann machte sie sich auf den Weg. Keuchend, hustend, verzweifelnd zuweilen, -immer aber wiss-end, -daß irgendwo vor ihr in der schr-eckl-ichen Finsternis ein Mann -einherschritt mit dem satten Lächeln des Zufriedenen, den sie einholen mußte, wenn sie nicht sterben wollte. Lr -war ein harter Weg für Oie müden, frierenden Füße. Und manchmal loderte es wie H-aß -in ihr -auf, wenn sie an den da vorne dachte. Lndlich, als ihre Füße sie kaum mehr trugen, sah sie vor sich einen Schatten und wußte, daß es Arved war. Zhr Rufen verhallte in -dem brausenden Lied des Sturmes, so stürzte sie vorwärts und fiel ihm in die Arme -wie eine Tote. Arved erschrak s-e-hr, doch bedurfte -er keiner Erklärung. Gewohnt, jede Handlung bis in die -letzten Konsequenzen zu oertreten, tat er das Nächstli-sgende und barg die Heimatlose in seinem Haus.
Während sich bei Leonore die Lrschütt-erungen dieser Nacht in einem wilden Fieber aus tobten, erhielt Arved einen Brief von Otawa. Zn knappen Worten teilte Otawa -ihm mit, daß er es abl-ehnen müsse, wpgen des Borg-ef-a-ilen-en die Klinge mit Arv-ed zu kreuzen. Lin M-ann-, -der sein Zreu-nd zu sein vorgebe und ihn -bestöhle, habe si-ch zu tief -erniedrigt, als daß er ihn als -ebenbürtigen Gegner anerkennen könne. Die Lhre seiner Frau zu verteidigen, wäre keine Veranlassung, da sie diese selbst fortgeworfen -hätte. Lr -erwarte jedoch, daß Llrved sich bemühen -werde, diese verlorene Lhre wenigstens nach außen hin wieder herMstellen, indem er Leonore seinen Namen gebe.
7 Arved empfing mit blassen Lippen die Beleidigung, für die es keine Sühne gab. Zwei LN-onat-e später war die Lhe geschieden, und schon im -nächsten Herbst genoß er die erste legitime Umarmung Leonorens.
Unb nun begann jenes Inferno, -das die -Lhe mit unenb- lichen Qualen -erfüllte. Nie vergaß Arved jene erste Vereinigung — und jeder Augenblick, in dem er seinem Weibe fern war, führte ihm diese Stunde vor Augen. Zn der Erinnerung an die plötzliche Hingabe, mit der -Leonore sich dem Geliebten, -dem doch fast Fremden, in die Arme warf, erwuchs ihm schreckhaft die Vorstellung, es könnte jetzt, eben jetzt, ein Dritter seine Abwesenheit sich zunutze machen. Dann jagte ihn die Lifersucht nach Hause, und mit mißtrauischen Worten suchte er zu -erkunden, was Leonore während seiner Abwesenheit getrieben habe. Zedes Erröten leigte er in seinem Sinne aus, -und hinter dem Gleichgültigsten witterte er ein Geheimnis. So oer- fehlte er den -einzigen Weg, der eine engere Bindung hätte -erzielen können — das Vertrauen Leonore ihrerseits sah ernüchtert, daß sie die Freiheit gegen bas Gefängnis vertauscht hatte, unb bäumte -sich um so 'heftiger gegen d ese Erkenntnis auf, als sie sich die V-erechtigu-ng der Zweifel Arveds nicht verhehlen konnte. Zene dunkle Nacht, die sich auch ihrer Seele unvergeßlich eingeprägt -hatte, ängstigte sie -dennoch hinreichend, um sie vor den -abenteuerlichen Lockungen ihres heißen Vlutes zurückbebsn zu lassen, unb -so trugen die beiden fortan gerne infam an der Last einer Kette, die zu zerbrechen -ihnen bereits Mut -und Wille fehlte.
Einmal stieß Arved auf Li-onel, -der ihn ruhig und fast -gierig betrachtete, mit einem harten, -wissenden Lächeln. Von dieser Stunde an haßte Arved Ronneck seinen -ehemaligen Freund. Denn er erkannte die -Züchtigung!