Hessische
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Ful-aer Kreisblatt, Anzeiger für Rhön und Vogelsberg, Ful-a un- Haunetal
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Nummer 179
S«merstag, den 8. August 1SB.
59. (2.) Jahrgang
Die Mumung der Kölner Rhelnlan-rene bei der Besprechung Brinnd-Lhamberlaln.
Berlin, 5. August. (Lig. -2 nformationsdienst. Telegr.s Aus den Berliner diplomatischen Kreisen erfährt man, daß die Frage der Räumung der Kölner Rhoinlan-zone voraussichtlich bei der Besprechung zwischen Briand und Lhamberlain jur Erörterung gelangen wird. Die englische Regierung würde die Suitiative dach ergreifen, schon jetzt eine Einigung unter den alliierten Regierungen über diese Frage herbeizuführen.
Hilfsaktion für den Ruhrbergbau.
Berlin, 5. August. sLig.-Snsormationsdienst. Telegr.) Die von der Reichsbank in Aussicht gestellte Hilfsaktion für den Ruhrbergbau, die in der Lombardierung der auf dem Ruhr zechen lagernden Kohlenbestände bestehen soll, ist im höchsten Grade davon abhängig, welche Stellungnahme die Reichsre- gierung dazu einnehmen wird. Wie wir hören, dürften sich die in Frage kommenden Kreise, darunter auch die Reichsbahn, nur dann in positive Verhandlungen mit der Reichsbank ein- lassew, menn die Regierung sich hinter die Hilfsaktion stellt. Man steht allgemein auf dem Standpunkt, baß die Reichsbank mit chrem 1,1 Milliarden Goldmarkbestand sehr wohl in der Lage sein dürfte, erhebliche Mittel zur Uebernahme der Kohlenvorräte zur Verfügung zu stellen. 3n Sn-ustriekreisen denkt man sich die Matznahme so, datz die Reichsbank zunächst auf eigene Rechnung den Zechen die Kohle abkauft und dadurch die Zortführung der Zechenbetriebe ermöglicht. % Reichsbank würde sodann die Kohle unter gleichzeitiger Gewährung eines längeren Zieles den Großverbrauchern zur Verfügung stellen, fobaß also der kohlenverbrauchenden Industrie zur Zeit für die Anschaffung von Kohle keine baren Ausgaben erwachsen dürften. Als Hauptabnehmer dürfte die Reichsbahn in Trage kom men. Sie ist aber nicht in der Lage, für den Transport dieser Kohle einen ermäßigten Tarif zu gewähren, sondern diese Kohle könnte nur zu denselben Tarifen befördert werden, wie es bei der Reparationskohle der Zall ist. Auf jeden Zall erwartet man in den beteiligten Kreisen, datz die Reichsbank nun endlich alle erforderlichen Schritte bei der Reichsregierung zur Durchführung der Hilfsaktion in die Wege leitet.
Auftverttmesverbön-e und Sozialdemokratie.
Berlin, 5. August, ( Lig.-Snsormationsdicnst. Telegr.) Wie wir hören, sind die Vorstände der Arbeitsgemeinschaft der Auf wertungs- und Sparer-Organisationen mit verschiedenen politischen Parteien in Verhandlungen eingetreten, um gemeinsame Vorbereitungen für die Durchführung eines Volksbegehrens in
Die preußische Regierung verteidigt sich.
Vertreter der preußischen R-egi-orun-g wandten sich in einer Besprechung mit ber Presse sehr scharf gegen dis Angriffe, die wegen ber katastrophalen Zustande im Schneidemühler Flüchl- lingslager für die -ansgewiesen-e-n deutschen Optanten gegen die preußische Regi-er-un-g amd in-sb-esond-eve sgegen den Innenminister Severi-ng -gerichtet worden sind-. Dabei dehwuptetè -die prou- ßische Regi-ernngsstells, datz vom Ministerium des Innern sofort die erfoTberlichen Geldmittel zur Verfügung -gestellt unb die Anordnungen über die Un-tevbrmgimg der wusgewiessnen -Optanten verteilt worden ssivn. Wenn Äbtephaupt von- einer Verantwortlichkeit deutscher Behörden für die mangelhafte Unter- bringung der Optanten- die Rede fein könne, so beziehe sie sich allein auf diejenigen Stellen, die an Ort und Stelle die Unterbringung der Flüchtlinge -auf Anordnung ber preußischen Regierung durch Mühren ha tten . De r Luge rk-ommundan't sei als alter Militär gewöhnt, sich nicht an -Zivilstellen sondern an M-ili-tärsteilon zu wenden. So sei es -gekommen, datz er -vor 5 agen 9000 Decken beim G rnppenkommando 3. a-n-ge fordert hat, die bis heute noch nicht -ein-ge-troffen sind. Dagegen seien die -n-unme-hr vom Minister Severing in Berlin angefard-erten Decken dere-its heute in Schneidemühl -eingetroffen.
Die gesamte Presse forderte von ber Regierung eine Klipp unb klare Aeußerung -darüber, -w-en, nun eigentlich die Schuld an Iben katastrophalen Zuständen im -O-ptanten-lage-r trifft. D-e-r Vertreter ber preußischer Regierung meinte, daß bas Auswärtige Amt hier in Fr-aW käme.
Der Vertreter bes Auswärtigen Amtes verwahrte sich dagegen und meinte, seinerseits sei hier die Länderrsgierung ver antwortlich. Der Vertreter der pr-e-n-ßischen Regierung'verwies auch auf bas Reichsm-i-nistevium des 3-nnevn. Der Vertreter eines Deutschnationalen Blattes führte ans, datz er beim Reichsministerium des 3 intern angefragt habe wegen der Opiantonlage, das Aeichsministerium des Innern habe aber ge-
-er Aufwertungsfrage zu treffen. Da es in der Hauptsache darauf ankommt, die notwendigen Stimmen zur Herbeiführung eines VolksentschLides aufzubringen, wird die Sozialdemokratie hierbei eine große Rolle spielen. Wie es heitzt, haben die Sozialdemokraten ihre Stellungnahme davon abhängig gemacht, -atz die Aufwertungsverbän-e sich mit -eu Linksparteien auf einen gemeinsamen Programmentwurf einigen, -er die neuen Aufwertungsforderungen enthalten soll.
Beendigung des Pforcheimer Streikes.
wtb. Pforzheim, 5. August, telef. Nach zweitägigen Verhandlungen über die Lohnstreitigkeiten im Pforzheimer Schmuck waren-Gewerbe, kam im Reichsarbeitsministerimn in Berlin ein Ausgleich zustande, wonach am Montag die Arbeit wieder ausgenommen wird.
Das spanische Wimotum fürAb-elKrim.
wtb. Paris, 5. August, telef. Aach dem Korrespondent des „Sourual" aus Madrid würde die Ab- el Krim zur Bekanntgabe einer Antwort zugebilligten Trist den 16. 8. wahrscheinlich nicht überschreiten. Nach Ablauf dieser Zrist würden die spanischen Truppen, wenn die Antwort negativ sei, die Ofen sive ergreifen, die mit einer Landung an mehreren Kostenpunkten, besonders an der Mündung des Ued Lau und Sibi Ditz beginnen würde.
Kirchenraub in Jtalien.
wtb. Rom, 5. August, telef. 3n der Kirche St. Dominicus in Ravenna haben sich unbekannte Täter nachts über einschlietzeu lassen, und mehrere kostbare Gegenstände gestohlen. Dagegen gelang es ihnen nicht die Schränke in der Sakristei zu öffnen. Von den Tätern fehlt noch jede Spur.
Große Überschwemmung in Polen.
wtb. Warschau, 5. August, telef. 3n der Nacht von Montag zu Dienstag ist in der Gegend von Krakau ein Unwetter niedergegangen. Wolkenbrüche richteten großen Schaden an. Die Gebirgsbäche sind an verschiedenen Stellen über die Ufer getreten und setzten etwa 1200 Morgen Land unter Wasser. Von der Ueberschwemmung sind ungefähr 3000 Za- milien betroffen.
EMorammiKssKgiramnmESKEni
I antwortet, datz es mit der ganzen Sache überhaupt nichts zu tun hätte. Hier sei das preußische Snnenmi-n-ist-ermm matzgebend. Auf jeden Fast scheint keine -einzige der Regierungsstellen sich schuldig zu fühlen, jeber versucht, die Schuld auf eine andere Stelle -abzuwä-lzen.
Schließlich wurde ber Vertreter Polens im Auswärtigen Amt herbeigeholt, der erklärte auch -nur -unsicher auf Befragen, daß Deutschland allerdings nicht in der Lage gewesen sei alle in Deutschland wohnenden polnischen Optanten zu erfassen unb -atz tatsächlich nur ein Tünftel festgestellt worden seien. ön- fo-lgedesfen konnsn auch «nur diese das Ausweis-ungszwangsoe-r- fahren v-ngewand-et wenden.
'Ti-ne -lebhafte Debatte entstand zu ben Ausführungen, des Vertreters eines Deutschuationalen Blattes, der mit se-nsatio- «lle-n EntlhullmMn -über die katastrophalen Zustände im Flücht- i!ngslager drohte. Tin großer -Zug mit Optanten sei an der Grenze von bem Sreuzkommamdeup .feftgoß,alten worden, weil ber zuständige Tierarzt -nach «richt ba sei. Außerdem sei es nicht zulässig, Rinder mit nach Dou-tschlan-h -hiueinzUbr ringen, weil bie Einführung von Rindern ans Polen auf Grund der Bestimmungen des Zollkrieges -untersagt sei. Dieser Opta-ntenzug habe von morgens 6 bis abends 7 Uhr in- strömenden Regen auf freiem Felde geftanben, bis schließlich ein Berliner beim Srenzkomm-a-ndeur energisch die Herbe-irusu-ng des -Tierarztes verlangte. Die Herbeiholun-g wurde abhängi-g -gemacht vo-n der Hin-terlegung von 30 Pfennig für das Te-lephonges-präch. Nachdem dieser Berliner mit bem Fahrrade iw die nächste Kreisstadt gefahren war, stellte es sich heraus, daß der zuständige Tierarzt sich im SwineiinÄnde MN Kuraufenthalt befindet unb seitens der zuständigen Regi-erungsstell-ekl -überiha-upt keine Vorkehrungen zur Dutepsuchung des über die Grenze kommenden Viehes der Optanten getroffen waren. Der Vertreter der preußischen, Regierung sagte zu, eine Untersuchung dieses Falles sofort in die Wege zu leit en.
Törichte Angriffe gegen den Stahlhelm.
Scßmußige Wäsche soll man nach Möglichkeit im -eigenen Hause waschen, -und -nicht -auf der Straße. Das gilt nicht -nur so lesen wir im Stahlhelm" W-och-en'sch-rift des B-undes der Fr-ontsoldat-en, für den einzelnen, sondern -auch für Persönlichkeiten -und Organisationen-, die im öffentlichen Löben stehen.
Deshalb hat der Stahlhelm bisher -auch dann stets -ge- schwi-egen, we-nn -ihm an Trscheinungen der nationalen B-e- wegunge-n eine Kritik sachlich -notwendig -erschien. Rur -einmal -mußten wir aus -unserer Reserve heraustreten. Das war, als der Hochmeister des Sungbeutfchen Ordens Mahrau-n im März ds. 3s. den Stahlhelm öffentlich in seiner Zeitung angriff. Wir Frontsold-ate-n im Stahlhelm sind du-ldsam -genug-, um schweigend Zusehen zu können, wenn oribere Leute ihre Dummheiten machen. Greifen sie uns aber an, dann haben sie die entsprechende Antw-ort zu gern artigen.
Auch heute müssen wir uns wieder mit einem Angriff -auf den Stahlhelm b-esch-äftigen, Tr kommt demerkenswerterweife abermals aus derselben Tcke wie der eben erwähnte: aus dem Schoße der Ord-ensl-eitung des Sungboutjchen Ordens. Der Ord-e-nskan-zl-er Born-eman-n -hat ge-legentlich einer Sonnwendfeier der Ball-ei Altmark -in Seehausen eine Preffelbesprechung abgeßalten, in der er nach dem übereinstimmenden- Bericht mehrerer altmärkischer -Tageszeit-ll-nigsn unter anderem erklärt hat:
Der Stahlhelm hat in feinen führenden Männern zu viel Konvention beachtet und ist vielfach reaktionär, während der Orden evolutionär ist.
Mit dem Reichsbanner haben wir mehr Berührungspunkte als mit dem Stahlhelm!
Herr Bornemann ist nicht irgend ein beliebiges Mitglied des Sungbeufjcheu Ordens, über dessen Tuttzl-eisung man kühl lächelnd hinw-egsohen- -kö-nnte, sondem ber Kanzler, d. h. der Gm-erals-ekretär Mahvauns unb seine Worte müssen daher als die Ans-chauan-g der OTbensteitung gewertet werden.
Versuchen wir zuwächst, uns sachlich mit seinen V-orwür- fon gegen den Stahlhelm «ruseina-ndsrzusetzen. Ss ist bezeich- «end, daß -er' die - -beiden- angeblichen Ligenschaften des Stahlhelm, an bemen er Äwstoß nimmt, mit zwei Fremdwörtern b-e- zeichn-et. Ls ist bas ein Kunstgriff, wie er auch von sozialistischen Volksred-uern -gern gebraucht wurde. (Siehe Goethe-: „Demi -eben, wo Begriffe fehlen, da stellt ein Wort zur rechten. Zeit sich ein.“)
Unter dem Vorw-urf baß der Stahlhelm zu viel Konoontion •beachtet -habe, kommen wir uns beim besten Willen nichts rechtes vorstel-len, jedenfalls nichts, w-as uns in irgend einer Weise vom Sungdeutschm Orden u-nterfchiebe. „Konvention beachten" können wir auch unter ouhilfen-ahme eines Ko-nversations- Lexikons nicht gut anders übersetzen als „-das Herkommen, die Ueberlieferung -achten." Abgesehen davon daß der Stahlhelm in den beinhalb wahren seines Bestehens sich selbst eine Ueberlieferung geschaffen hat, pflegt er -s-elbstverständ-l-ich stolz die Ueberlieferung der ruhmvollen alten Armee unb der de-ut- ,sehen Geschichte. 3n wie fern ihm bas von dem Kanzler eines Bandes zum Vorwurf gemacht werden -kann, der selbst seine äußere d-or-m in enger Aui-ehuung -an Erscheinungen der alten deutschen -Geschichte -gebildet hat, ist -uns nicht recht -erfmdlich oder sollte Herr Bornemann mit „Konnontion“ -gewisse Aeutzer lichke-iten des Auftretens unb des gegenseitigen Verkehrs ge- meint haben - Ls wäre ihm bann -allerdings zu raten, vor fei- -n-en Reden jeweils ein Fremdwörterbuch zu Rate zu ziehen. Auch so gemeint würde seine Kritik unseres Trachtens eher ben Sungdeutschen- Orden als den Stahlhelm treffen. Mit dem Vorw-urf zu viel Konvention beachtet zu haben können wir also so dankbar wir für sachliche Kritik wären herzlich -wenig -an- f-an-gen.
Aeh-Ulich geht es uns mit dem zweiten Vo-rwurf der Stahlhelm fei' vielfach reaktionär. Die Entfache, daß der Stahlhelm -dieses Beiwort bisher -nur von der Reichsba-n-n-erprefse erhalten hat, könnte -uns, im Zusammenhang mit der Erklärung des Herrn Bornemann über feine Berührungspunkte mit bem Reichsbanner, auf den Gedanken- bringen, daß er bas Material M feinem Augriff gegen den Stahlhelm aus jener Treffe entnommen habe, -ohne sich mit der Bedeut-ung des W-ortes „reak- tionär -vertraut -gemacht zu haben. Reaktionär ist, wer ohne Rücksicht auf b:e dazwischen -liegenden Ereignisse -einen früheren Öuftamb bedi-ngn-ngslos wieder hepsteKow möchte. Unb nun, Herr Vornemann: Hand aufs Herz (die -Geste liegt Shn-en ja!) und ohne Phrasen (die Shn-en- leider Mich -liegen), wer im Stahlhelm ist reaktionär?
Wir haben -feststellen müssen, baß die öffentlichen Angriffe des Ordenskan-zlers Bornemann -ohne fachlichen Gehalt ge- wefen sind. Ls erhebt sich die Frage, weshalb sie überhaupt -ausgesprochen -wurden. Vielleicht liegt in der folgenden Lr- Klärupg Bornemanns, „ber Sii-ngdeutsche Orden habe mit dem 'Reichsbanner mehr Berührungspunkte als mit dem Stahlhelm, ber Schlüssel zur Beantwortung ber Frage. Bereits vor einiger Zeit haben wir bie, zahlreichen Mitgliedern der Su-ngde-utschen