der Güter-preise. Die Schraube wird wieder angedrc-ht und wenn der Arbeiter oder der Beamte seine Lohn und Ge halt ser- hö-hun-g s-e-in-es Nomiualei-nkommens, nicht aber seines Realein- -ko-mmcns foststân müssen.
Die Hoffnung der beteiligten Kreise, auf diese Weise eine Besserung der -L-e'benshaltun-g herbei Zufuhren, würde also ?u Schanden werden. Lohn- und Gehal ts-e-rHöhungen können unsere zeitige Wirtschaftsdepression auf keinen Fall bessern. Der Ruf nach Verbilügung der Produktion ist von den verschiedensten Seiten erhoben worden. Der Weg führt über die Aus- schaltung des Kettenhandels und über die Verkürzung des Ws- ges, den dir' Ware jetzt von der Produktion 'bis Mr Konsumtion durchläuft. GemsmsE muß zwischen Llrbeitgebern und Arbeitnehmern an diesem Ziel gearbeitet werden, wobei wirtschaftliche Einsicht bei den Führern beider Parteien vorausgesetzt werden muß.
Aus der ZMsgWMe.
Stresemann und die Optantenfrage.
wtb. Berlin, 1. August. Fn einer Unterredung, de Reichs- außenmin-ister Dr. Stresemann einem Bortreter der „Bros auer Neuesten Nachrichten" über die Optantenfrage gewährte, erklärte der Minister u. a.: Während deutscherseits seit Fahr. der Standpunkt vertreten worden ist, daß die beiderseitigen Optanten zwar das Recht, nicht aber die Pflicht haben, ihren Wohnsitz, in den Staat zu verlegen, für den sie optiert haben, ist polnischerseits geltend gemacht worden, daß die Optanten Mr Abwanderung verpflichtet sind. Nach dem Wiener Abkommen vom 30. August 1924, das in Deutschland und Polen Gesetz geworden ist, ist der Optant zur Abwanderung nur dann verpflichtet, wenn er von der Regierung die Aufforderung dazu erhalten hat. Die polnische Regierung hat nun bereits Anfang dieses Sahres von ihrem Recht Gebrauch gemacht. Daraufhin hat sich selbstverständlich auch die deutsche Regierung M dem gleichen Schritt -entschließen müssen. Borhandlungen sind ergebnislos verlaufen. Sch kann nur auf das Nachdrücklichste betonen, so schloß der Mmister, daß die deutsche.Regierung alles getan hat, um in der Optantemfrage zu einer den Grundsätzen eines friedlichen Husammenlebons zwischen den Völkern entsprechenden Lösung zu kommen. Wenn trotzdem die Welt das traurige Schauspiel mittelalterlicher Austreibung Gau- sender von Heim und Herd erleben muß, so liegt die Schuld daran wahrhaftig nicht bei uns.
Fürsorge für die vertriebenen Optanten.
wtb. Berlin, 1. August. Reichsarb-c-itsministerium und Reichsarbeitsverwaltung haben bereits vor Monaten mit dem Reich Sinnenministerium und den zuständigen Ministerien der Länder, denen die allgemeine Fürsorge für die Optanten obliegt Vorbereitungen getroffen, um den deutschen Optanten, die aus Polen vertrieben werden, so schnell wie möglich Arbeitsstellen zu beschaffen. Es sind erhebliche Mittel der produktiven Er- werbslosenfürsorge zum Bau von Landarbeiterwohnungen für die Optanten bereit gestellt, um die Unterbringung verdrängter Landarbe ite rfami!i en in der Landwirtschaft zu ermöglichen. Den Arbeitsnachweisäintern hat das Reich besondere Mittel Mr Verfügung gestellt, um ihren Bezirken den Optanten Arbeitsstellen zu vermitteln. Fn Schneidemühl ist schon im April unter besonders fachkundiger Leitung eine eigene Optantenv-ermitt- lungsstelle eingerichtet worden. Bis Ende Suli hat diese Ver- Mittluhgsstelle einschließlich Familienangehörigen 4 000 Personen Arbeit verschafft. Furzeit werden die ledigen Optanten noch am Gage ihres Eintreffens we-iter-gele-itet. Die Verhei
rate ten müssen mit Rücksicht auf die Schwierigkeit der Wo-h- uungsbeschaffung gegenwärtig meist zwei Wochen im Lager verbleiben, bis ihnen Arbeit vermittelt werden kann. Fn letzt.. Feit ist das Personal der Vermittluugsstelle erheblich verstärkt worden, sodaß sie auch dem gegenwärtigem starken Andrange genügt Der Präsident der Reichsabbeitsverwaltung hat sich heute persönlich zur A-rbeitsvermittlungsstrK nach Schn-eide- mühl begeben.
Severing in Schneidemühl.
wtb. Schneidemühl, 3. August. Der preußische Minister des innern Severing ist gestern Abend in Schneidemühl in Begleitung des Ministerialsrate's Rathenau eingetroffen, um sich von der Unterbringung der Optanten im Durchgangslager zu überzeugen, Die Vertreter der Regierung, der Stadt Schneide- mühl, der Schutzpolizei und der Presse sowie ein geschlossener Reichsbannerzug hatten sich zum Empfang des Ministers auf dem Bahnhof eingefunden. Als Vertreter der Regierung waren u. a. erschienen Oberpräsident von Bülow, und Vicepräsi- dont Happ, als Vertreter der Stadt Schneidemühl waren anwesend Oberbürgermeister Krause mit Stad trat Schwob. Beim Einfahren des Fuges in die Bahnhofshalle erklang von der Musikkapelle des Reichsba-mwrs das Republikanerlied. Der Minister begrüßte auf dem Bahnsteig die Spitzen der staatlichen und städtischen Behörden und begab sich sogleich im Auto nach den Optantenlager. Dort angelangt begrüßte der Minister zunächst den Lagerverwalter Oberst a. D. Englein. Daran schloß sich ein sofortiger Gang durch das Lager, damit der Minister, wie er selbst sagte eine Vorstellung von dem nächtlichen Lager erhalte. Die Haupt-besichtigung des Lagers erfolgt heute vormittag. Daran anschließend findet eine Konferenz statt in der darüber beraten wird, wie die Lage -der Optanten zu I bessern sei. Der Minister wird seine Maßnahmen -darlegcn. Der Minister durchschritt in Begleitung der von zahlreichen Vertretern der Regierung, der Stadt, und der Presse die riesigen Hallen des Lagers, in denen die Flüchtlinge, teils in Kojen getrennt auf Holzpritschen, teils auf bloßem Stroh schliefen. Ein ganz besonders trauriges Bild bot sich dem Minister, als er in die große Halle kam, in der etwa 500 vertriebene Männer, Frauen mit Säuglingen-, junge Männer, Mädchen und Kinder auf dünnem Stroh dicht gedrängt beieinander liegen. Dazu herrschte in diesem Raume eine erdrückende Schwüle und -sch-lech te verbrauchte Luft. Der Minister erkundigte sich bei dem Lagerkommandanten nach der Anzahl der i-m 'Lager un-terge- brachten Kinder. Man antwortete ihm, daß von -den zurzeit im Lager un-tergebrachten sechstausend Menschen rund der vier te -Geil Kinder wären. Der Minister gab seiner Verwunde- ru-ng darüber Ausdruck und -sprach sogleich von der Unterbringung der Kinder in einem Kinderheim.
Vereidigung des holländischen Kabinetts.
wtb. Haag, 3. August. Die Königin wird heute nachmittag das neue Kabinett in ihrer Sommerresidenz het Loo zur ! Beeidigung der Minister empfangen.
; Verlängerung des griechisch-holländilchen Handelsvertrages.
wtb. Haag, 3. August. Der gr'i-echifch-hollä-ndisIch e Ha-n- j dels- und Schiffahrt svertr-a: vom 24. Februar 1843, det am 10. Dezember 1924 außer Kraft getreten und dessen Gültig- Keitsdauer inzwischen provijorisch verlängert worden ist, ist aber mals bis zum 31. D-ezAmber 1^25 verlängert worden.
Für Lage in Marokko.
wtb. Paris, 3. August. Havas bestätigt in einer Meldung aus Fez im Wesentlichen die Angaben, die in einer heute I früh bereits übermittelten Agenturmeldung über die 'Lage an der französischen Mar-okkofront enthalten waren. Er betont f ebenfalls die sehr guten Resultate, die man durch Anwend-ung
von zahlre-ichen Eanks an der Schlachtlinie erzielt habe. Die französischen Gruppen hätten den Posten von Bad Mnvudj ohn-e Schmierigkeiten wieder -verproviandier-t. Von dem -östlichen Frontanschritt sei nichts von Bedeutung zu melden.
Der Stand der marokkanischen Friodonsverhandlungen.
wtb. London, 3. August. Nach einer Meldung -der „Gi- mes“ aus Tanger sin-d -di-e abgesandten Abdelkria-s aus Getuan nach langer -zu-riickgegan-g-c-n, überzeugt, daß e-in wenn auch nur geringer Schritt im der Richtung des F-riedens untern-ommem wurde. &inem Telegramm aus Rabat zufolge hat Abd el -Krim eine Prokl-amati-on an -die Rifstämme veröffentlicht, in der er verkündet, daß er über einen Frieden nur unter der Bedingung der v-ovheri-gen ousich-c-rung der illnabhängi-g-keit bes Rifge- bietes vdvhand-oln -werde.
Aus Stadt und Land.
Fulda, den 3. August 1925.
Wetlervoraussagen für Dienstag. Die südlichen Winde bringen wieder zunehmende B-ewölku-ng bei etwas wärmeren Temperaturen. 5m übrigen zei-tw-eilig aufbeiternbes unb trok- kenes Wetter.
Familiennachrichten aus Fulda. Am 4. August vermählten sich: Fräulein Lisa Werner mit Herrn Karl Bandemer und Fräulein Sybra Kapp mit Herrn Richard Nüdling. — Verstorben ist Alfred- Köllner (37 Fahre ältst
Eine Bischofskonferenz, wie sie alljährlich in FUlda statt- findet und -an ber alle deutschen B'schüfe t-e-ilnehm>e-n, wird am 18. August hier ab gebarten -werden. Die Ko-nferenz steht unter dem Vorsitz des Kardinal-Fürstbisch-o-ffs Bertram sBr-eslau).
Autounsall. Wie uns W. T. B. meldet, stießen in ber Nähe von Steinau bei Schlüchtern an einer scharfen Kurve zwei Automobi le zusammen. Di-e Gatt in des L-i körfab r ikam-t en Dessauer aus Fulda wurde aus einem der fahrenden Wagen geschleudert und erlitt schwere Verletzungen. Favrikant Ttefsauer mürbe nur leicht verletzt. Die übrigen Fahrttcilneh-m-er kamen mit iei-chten VerletzurGen davon und konnten «nach An-le-gung von Rotverbänden die Heimreise antreten. Frau Dessauer b-e- si-ndet sich bereits -auf dem W-e-ge der Besterun-g.
Sunggesellen an die Front! -Rach der letzten Vo-!ks;ä-h- lung hat Deutschland rund 62, 5 Milstouc-n -Ein-MW-err Davon sind 30,2 Millionen mämrlichen und 32,3 Mi-ll-ione-n- w-eib- lich-e-n Geschlechts. Demnach sind in Deutss-chlaud rund 2,1 Millionen mehr Frauen als Lü-ä-nn-er. Während vor dem Kriege auf 1000 Männer 1029 Frauen kamen, beträgt die entsprechen» de Fahl heute 1074. 5a den großen -Städten ist -diese Fahl sogar -noch größer; für diese beträgt sie nämlich im Durchschnitt 1200. Großstädte mit übernormalem Ue-berschuß an Frauen sind Wiesbaden, Bresl-au, Plauen i. V. und Königsberg, du Wiesbaden- kommen auf 1000 Männer 1300 Frauen, in Königsberg 1200 Frauen, in den -beiden anberen -Städten 1196 und 1183. Für Berlin beträgt die Mtsprechonde Fahl 1170 und für Dresden 1165. Es gibt aber -auch Städte — es sind dies namentlich die Plätze der Schnveviuimstrie — di-e keinen Frauen-, sondern -einen Mänuerüverschuß -haben. Sâ 5mm» born, wo auf hundert M-ämter nur 873^yyign 'komnö^ burg mit der Fraueuzahl 959, Oberbaus en mit . 961, -G-els-en- kitu/en mit 965, Bochum mit 969. 5n D-ortmuud, .^ü-ühlheim a. d. Ruhr und Essen -ist das Ge-schlechtsver-HAtmis ziemlich gleich, eine seltene E-r-sch-einun-g. Mit dem -gesamten hW-uen- übe-rschuß in Düntsch-land von 2,1 'Millionen könnte man zwei Sichte wie Hamburg bevölkern aber zehn -Städte wie KiÄ
Ser FntendMt Md AneWchter.
Roman von Peter Prior.
Sopyrigt bg M. Feuchtwanger (Halle).
27. Fortsetzung.
„Prenzlow, ich will es ü-hne-n sagen, was -ich noch vor kurzem selbst nicht ahnte: -ich -hätte es vor kurzem auch- nicht für möglich gehalten. Aber jetzt weiß ich es -ich liebe Golb- schmidt. 5a, ich liebe diesen alten, kranken Wann der nicht imstande ist, jemandem etwas Mleide zu tun der ein großer Künstl-er ist und als Mensch alle Vorzüge in sich 'vereinigt, die ein Mensch haben kann. Während seiner Krankheit bin ich mir darüber klar geworden . . . Solange -ich noch bei meiner Familie lebte, stand mir von -allen Menschen meine Mutter am nächsten. Auch sie f.cbme'bte eine Nacht lang zwischen Tod und Leben. Aber ich habe in dieser Nacht lange nicht solche Aen-gste gelitten als bei Goldschmidt. Und sehen Sie, wirklich lieb hab ich sonst von allen Menschen eigentlich nur meine Schwester. 2Sir sind völlig auseinanbergekommen. Wir schreiben uns seit 5af>r -und Gag nicht mehr. Doch das Oe fühl daß wir zueinander gehören wird neuerdings immer stärker in mir. 5cb weiß wenn ich ihr -schriebe: Komm zu mir, ich brauche dich nötig, so wäre sie am nächsten -Tag bei mir. 5d) bin überzeugt sie hat mich -ebenso lieb wie ich sie. Doch diese Liebe ist nicht mit der zu ver gleichen, b.e ich für Goldschmidt -empfinde. Goldschmidt ist heute von allen Menschen der, her mir am nächsten steht. Was aus mir -würde, wenn er -heute stürbe, ich weiß es nicht. Fch möchte -es mir auch nicht ausbenken.“
Martin mar tief ergriffen von diesem Geständnis. Es w-ar ihm vorgekommen, als ob Käthe noch nie so -ehrlich und in» nerheb überzeugt zu ihm gesprochen hätte. Doch schon am nächsten Sag wurde er mißtvavrisch ihrem Geständnis gegenüber Als sie es ausgesprochen hatte, hatte sie rückhaltlos gesprochen Slber ob ihre Gefühle nicht -auch nur einer vorübergehenden Stimmung entsprungen waren?
An dem Gag, an dem man Goldschmidt aus dem Krankenhaus in seine Wohnung fuhr, traf aus Posen in Berlin Frauen Fda Goldschmidt ein, hie Schwester des Gheaterdirektors, die -erklärte, bei ihrem Bruder -bleiben ' zu wollen. Obwohl sie nur um wenige Fahre älter als Franz Goldschmidt war, sah sie wie eine Greisin aus. Tausend Fältch« hatten sich in ihr Gesicht- -gefurcht. E-m -spitzes Kinn, gelber G-ein-t, eine scharfe Aast und kumm-ervolle Augen zoigten, d-aß sie ein -freudloses .Geben hinter sich hatte. Käthe wußte die ersten Gage nicht was sie mit ihr anfangen sollte. Sie sprach- -zu dem alten Frän- M Äas nicht von der Seite feines Bruders wich, wie man zu einer schwachen kranken Frau redet. Aber das Sräulein ach
tete'kaum auf Käthes '-Worte. Es saß stumm neben dem Bruder, mit M-samm-LNgepreßte-n Lippen und gab nur die notwendigsten Antworten. Nach einigen Tagen äußerte sich Käthe zu Martin sehr unwillig über die Fremde. Sie habe hier gae nichts zu suchen. Ein Leben lang -habe sie sich nicht um Goldschmidt gekümmert: so brauche man sie auch jetzt nicht.
Aber Soldschmidt schien sich mit her Anwesenheit der Schwester sehr zu freuen. Martin beobachtete, wie er häufig zärtlich über die welken Hände der Alten strich unb wie er sich Handreichungen aller Art nicht oon Käthe sondern von der Schwester machen -ließ.
Goldschmidt war geistig wieder auf -der Höhe, über er war körperlich vollständig gebrochen. Nur mühsam konnte er sich durch das Rimmer -bewegen. Von seiner -früheren Elastizität war keine Spur mehr wahrMne-hm-en.
-Zwischen Käthe und 5ba Goldschmidt brach1 bald offene Feindschaft aus.
Als Käthe ihrem Freund -einmal 'langstielige Rosen -mitbrachte, nahm Sba die Blumen hinaus. Käthe fragte pikiert, was das bebeuten solle. 5ba erwiederte, der Patient könne den starken Duft nicht vertragen.
Käthe fuhr sie fauchend an: „Was -heißt das? Er hat Blumen immer sehr gern gehabt . . . Die Rosen sollen sofort wieder he rein geholt werden." 4
Doch das alte Fräulein ließ sich -nicht -einschüchte-M. „Fetzt bin ich hier, seine Schwester. Unb ich habe allein bestimmen.“ Goldschmidt machte eine einten kenbe Handbewegun-g, aber die Frauen ließen sich nicht 'beschwichtigen. Käthe sagte -zu ber Seinb in, daß sie -hier nur störe, daß man sie nicht brauche- und daß alle fr-o-h wären, wenn sie wieder abreife.
„Das geht Sie gar nichts an,“ erwiderte 5ba. „Kümmern Sie sich um Fhr -Theater und lassen Sie meinen B-ru-d-er feinen - Frieden."
„Empörend!" rief Käthe. „Fch bitte, Sie, Goldschmidt, helfen Sie mir gegen diese Person!"
Aber Goldschmidt stand ihr nicht bei. Gesenkten Kopfes antwortete er, er habe in Käthe sine treue -aufopfernde Freundin. Doch 5ba sei feine Schwester unb seit vielen -Fahren schon habe er sie gebeten, zu ihm zu ziehen. Nur weil sie von der Theaterluft nicht habe atmen wollen, sei sie allein geblieben. Er freue sich, daß sie jetzt bei ihm fei und er werbe sich Mühe geben, es ihr so angenehm -wie möglich zu machen. D!ie D-amen- soliten sich doch vertragen.
„Dann -habe ich ja hier nichts mehr M Juchen“, sagte Käthe unb verließ das Zimmer.
Rach wenigen Stunben -erschien Martin im Auftrag G-oid- febmibts und suchte -ei-n-zu-lenken. Käthe blieb -hart. Als aber Goldschmidt im Laufe der nächsten Tage immer wieder um ihren * Besuch bat, -entschloß sie sich, zu Goldschmidt zu gehen.
Doch- di-e beiden alten Freunde blieben sich fremd. —
Martin arbeitete wieder den -ganzen 'Gag im Atelier. Seine Arbeit war dort dringend nötig.
Käthe erledigte die Theater-geschäfte, ohne Mt und Liebe. Sie -fühlte sich müde unb matt. Sie war noch ein junges Mädchen und kam sich alt vor. Sie dachte jetzt häufig an Hedwig und an Win-kelglück. Manchmal legte sie sich die Frage vor, ob Jie nicht zu Hedwig fahren solle, ohn-e sich zuvor -anzu-melden. Aber ihr Stolz -ließ es nicht zu. Gewiß -hätte sich Hedwig -ge- freut, aber im stillen hälts sie sich doch gedacht, nachdem es ihr draußen in der Welt nicht gut gegangen sei, komme ja wieder nach Haufe. '
Sie ging nur mehr selten in Gesellschaft. Wenn Jie sich unter Menschen zeigte, war sie ausgelassen und stbenvM Kein Mensch ahnte daß sie unglücklich und unzufrieden war. Martin der es genau wußte, konnte ihr nicht helfen.
Seit dem Gage, an dem -Goldschmidt verunglückt war, hatte sich das Be-rhältuis Küthes zu M-artin geändert. Sie behandelt ihn.nicht mehr als Untergebenen, sondern als Freund Doch sie schien sich -in feiner Gesellschaft zu langweilen. Was ihn interessierte, -Theater- und Kunstdin-ge, schien -i-hruela-ncf- los. Wenn er von feinen Arbeiten ober vom Deutschen Theater -erzählte, bat sie ihr nicht davon zu berichten. Sie höre den -ganzen -Gag -mehr als genug davon.
An einem Abend schien es, als ob sich die beiden finden wollten. Sie sprachen stundenlang von Oberammergau1, von beider Kindheit und von Hedwig. Käthe -erzählte, wie sie unter der -Trennung leibe, sie wisse bestimmt ihre Unzufriedenheit und ihre Einsamkeit seien zu Ende, wenn sie wieder mit Hedwig ver eint sei.
Martin wandte sich ab. Schließlich -erwiderte er träumend: „Sie ist ein Mensch anderer Art als wir. Sie ist. zart und fein und man -muß sie behutsam anfassen, sonst -entzieht sie sich einem.“
„Rein", sagte Käthe -lebhaft. „Wir klügeln unb hüsteln. Wir sind -empfindlich und -gereizt. Hedwig dagegen ist -fest unb hart. Sie geht geradeaus ihren Weg. Während wir für kurze Zeit ein eingebildetes Glück genießen, ist sie das -ganze Geben lang zufrieden und erfüllt ihren -Zweck."
„So ferne und weit liegt das zurück." sprach Martin leise vor sich hin. „Damals waren Oberammergau unb Ettal bie ganze Welt. Zwischen M-ün-ch-en und Garmarsch bewegte man sich und war sein eigener Herr. Damals verstand man noch jeden Baum. -Wenn- einem das kleine Mädel aus der Villa entgegenkam, dann fangen die Englein und der Himmel weilte auf Erden. Unb heute! Heute ist man -berühmt und hat 'Selb und wird von geschminkten Damen angebetet und trinkt Sekt unb ist doch recht, recht unzufrieden . . .“