gemachten Aufwendungen schadenersatzpflichtig. Liegt aber ein unverschuldeter wichtiger Grund -für den Rücktritt vor, tritt die Lrsatzpflicht nicht ein (Paragraph 1299).
Lin etwas prekäres Kapitel schneidet Paragraph 1300 des B. G. B. an. Ls gibt nämlich Brautpaare, 'die etwas feurigen Gemütes sein müssen oder bei denen anscheinend nicht immer Mutter, Tante oder ein sonstiger Anstandswauwau Wache hält. jedenfalls muß wohl der Gesetzgeber angenommen haben, daß so etwas ab und zu vorkommt, denn er regelt eben den Paragraph 1300 B. G. B. für den Zall, daß eine Verlobte — nun wie sag ichs meinem Kinde? — also lieber gleich in der Sprache des Gesetzes: daß eine „unbescholtene Verlobte ihrem Verlobten die Beiwohnung gestattet hat." Trifft dies zu, so kann sie auch hierfür eine „billige Lntschädigung" in Gelb verlangen. Wohlgemerkt: das betreffende junge Mädchen — das unter Umständen gar nicht mehr so jung zu sein braucht — sie kann auch nach der Rechtssprechung eine ehrbare Witwe oder schuldlos geschiedene Frau sein — muß „unbescholten" sein, was eben nicht gleichbedeutend ist mit „Virginität" (Jungfrau- lichkeit). Umgekehrt kann nach der Rechtssprechung des Reichs gerichts eine zweifelsfreie Jungfrau moralisch „beschulten" sein. Sie hat dann keinen Anspruch auf Lntschädigung. Dieser Paragraph 1300, der eine ziemliche Aehnlichkeit mit den englischen und amerikanischen Bestimmungen über „breach of pro- mise" (verlobungsbruch) hat, ist denn auch, ähnlich wie in Amerika oft eine Quelle von Erpressungen und undelikaten Klagen, bei denen die Besprechung von Dingen, mit denen man sonst gern hinter dem Berge hält eine große Rolle spielt.
Dieser höchst persönliche Anspruch aus Paragraph 1300 ist nur dann übertragbar und geht auf die Erben über, wenn er durch Vertrag anerkannt oder rechtshängig, d. h. ein gerichtliches Verfahren eingelegt worden ist.
Ludet das Verlöbnis nicht mit der Lhe, so kann jeder Verlobte von dem andern die Herausgabe der Geschenke, die er ihm zum Zeichen des Verlöbnisses gemacht hat, verlangen.
Alle diese vorerwähnten Ansprüche verjähren in zwei jähren von der Auflösung der Verlobung an.
Sa, ja: der Wahn ist kurz, die Reu ist lang . . .
Die Mesta in Spanien.
Von Paul Habermann- Lichtenberg.
Die Geschichte kennt kaum ein zweites Beispiel, daß bis Landwirtschaft eines Reiches in so kurzer Zeit und mit einer solchen Verblendung zu Grunde gerichtet worden wäre, wie dies im 16. und 17. jahrhundert in Spanien durch eine Sitte oder Unsitte geschehen ist, welche unter dem Namen „Mesta" historisch geworden ist.
Spanien war schon im frühen Mittelalter ein Land, in welchem die Schafzucht stark und mit grohem Erfolge getrieben wurde. Aber man ^hätte es sich wohl nicht träumen lassen, daß dieser Lrwerbszweig der sich jahrhunderte lang mit der Landwirtschaft trefflich vereinigen ließ, diese mit der Zeit zu Grunde richten würde. Ein Anlaß, der die Zucht großer Schafherden in gewissen Gegenden Spaniens lohnender erscheinen ließ als den Getreidebau, waren die langen Kämpfe der Ghristen mit den maurischen Bewohnern des Landes, deren letzte Reste erst im 16. jahrhundert vertrieben wurden. Diese Kriege mach ten die Zelder zu einer steten Gefahr für ihre Besitzer, da man kaum einen Sommer sicher war vor Zerstörung, Brand und Raub. So entstand der Brauch, große Schafherden zu halten, die Aecker in Weideland zu verwandeln und beim Einfall des Feindes mit den Herden zu flüchten. Dabei machte man die Beobachtung, daß durch diese 'häufigen unfreiwilligen Wanderzüge das Zleisch der Schafe schmackhafter und auch die Wolle besser wurde, was neben dem Wechsel der Luft, des Wassers und der Nahrung auch wohl daher gekommen sein mag, daß die Tiere sich vielfach in Zelder verirrten und mit Futter sättigten, das eigentlich nicht für sie angebaut war.
So kam es, daß sich die Sitte der wandernden Schafe in Spanien und Portugal erhielt, nachdem längst der letzte Muselmann aus dem Lande vertrieben war. jähr für jähr er» gossen sich die zahllosen Herden über das freie Land, und besonders die Provinzen Andalusien und Eftrebabura wurden von ihnen überschwemmt, sehr zum Vorteil der Herdeubcsitzer, aber sehr zum Schaden des Landmannes. Wenn sich die gefräßigen Herden der Merino-Schafe den Sommer über auf den Bergen von Burgos und Toledo gesättigt hatten, so brachen sie im Herbst nach den fruchtbaren Afern des Gradina auf, überall aber fielen sie auf ihren Zügen ungestört in die schutzlosen Zelder der Bauern ein. Ja, die Herdenbesitzer, die meistenteils große Herren, Granden, Bischöfe, Klöster, Zünften waren, er» warben von der Krone das ausdrückliche Recht, die Tiere längs des Weges auf den Zeldern weiden zu lassen.
Dieses Recht aber, das unter der Bezeichnung der „Mesta" mehrere jahrhunderte bestaub® wurde ein Fluch für ganz Spa» nien. Schon im 16. jahrhundert taten sich alle großen Her- denbesitzer zusammen, um das Privilegium nach allen Regeln ausschlachten zu können, und bald erlangten sie obendrein noch das Recht, über alle Beschwerden und Klagen selber ben Richter zu spielen. Damit war natürlich für den Landmann jede Hoffnung auf Recht und Gerechtigkeit dahin. Es wurde sogar verboten, die Felder durch Gräben oder Zäune von der Landplage der Merino-Schafe zu schützen, und mit gebundenen Händen sah der Bauer zu, wie sein Korn von den Schafen des Ebel» marines gefressen und zerstampft wurde.
Die Folgen traten jetzt schnell zu Tage. Spanien, zur Rö- merzeit die Getreidequelle für bas südliche Europa, wurde jetzt zur Linöde und mußte alljährlich ganze Slotten Korns aus der Ostsee holen lassen, um nicht zu verhungern; die reichste Provinz Eftromabura, bei guter Bebauung imstande, halb Spanien zu ernähren, verwandelte sich in eine nur von Schafen bewohnte Wüste, ganze Landesbeste entvölkerten sich und daneben gab es Klöster, die mehr Schafe besaßen, als manche Provinz Menschen, und Provinzen, die mehr Schafe beherbergten als ganz Spanien an Bewohnern. Allein Gastilien hat im 16. jahrhundert über sechs Millionen Merinos besessen.
Alle Klagen, jede Eingabe an die Regierung, jede Vorstellung beim König war umsonst; denn wer immer im Lande eine Stimme hatte, war Merino-Züchter und fand es bequemer, seine Herden auf fremden Boden zu mästen, als der zugrunde gerichteten Landwirtschaft aufzuhelfen. ja, der König selbst war meist Besitzer großer Herden, und seine eigenen Mestabeamten und Schäfer peinigten den Bauern ebenso wie die eines jeden Granden oder Bischofes.
Das ganze 16., 17. und 18. jahrhundert hindurch blieben diese furchtbaren Zustände unangetastet bestehen. Selbst im 19. jahrhundert hat die Mesta in Spanien noch über zwei Menschenalter lang ihre dreisten Uebergriffe gegen das Eigentum'' des Ländmannes ungestört fortsetzen dürfen. Das Land ist mit unglaublicher Verblendung bis an den Rand des Verderbens gebracht worden, bevor dem Bauern auch nur die geringste Er» leichterung gegen die Landplage der Merinos gewährt wurde. Enbgültig abgeschafft wurde die Mesta erst im Sabre 1873, in» dem die Errichtung von Zäunen um Felder und Wiesen erlaubt wurde, um bas Eigentum des einzelnen gegen die frechste Räuberei zu schützen.
Vermischtes.
Eine Sammlung für Professor Stopes., Zugunsten des Professors Scoppes, der im Affenprozeß' bekanntlich zu 100 Dollar Geldstrafe verurteilt wurde, ist eine Sammlung eröffnet worden, um ihm die Fortsetzung seiner biologischen^ Studien zu ermöglichen. Bis jetzt sind bereits 10'000 Dollar gezeichnet worden.
Gefärbte Hunde. Gegen Enbe der Londoner Saison sah man eine neue Modeschöpfung des Londoner Highilfe: gefärbte Hunde. Nicht nur, daß die Hunde dem Kleid der Besitzerin
angepaßt gefärbt werden mit entsprechenden Streifen und Kq. ros, sondern auch Blumenverzierungen werden den treuen Begleitern auf das Fell gemalt, jn einer Zuschrift an eine Londoner Tageszeitung beruft sich eine solche Modedame darauf daß die Tiere auch von Natur aus für besondere Zwecke geJ i färbt würden, wie beispielsweise die Hunde in Serbien.
Schachspiel als Pflichtfach in der Schule, jn sämtlich^ Mittelschulen Englands ist bas Schachspiel als Unterrichtsfach eingeführt, da man die Erfahrung machte, daß das Schach j ausgezeichnetes Mittel ist, die Kinder zur „Konzentration" ^ f erziehen. Vn Ungarn besteht bereits eine „Schachschule für . streute und schwache Kinder", die der Schachmeister Zo^ Balla leitet. Die Schule hat prächtige Erfolge zu verzeichn^
Der geheizte Handschuh. Ein genialer Kopf hat sich eine» „geheizten Handschuh" für Chauffeure gesetzlich schützen, lasst, und glaubt damit einem tiefgefühlten Bedürfnis abzuhels«. t jeder Wagenführer weiß, wie entsetzlich die Finger frier«, j wenn man sie bei Wind und Wetter, bei schneidendem Sturm’ bei großer Kälte ständig am Steuerrade halten muß. Da hilft ' selbst der dickste Wollhandschuh nicht; wenn er — nicht gebest ist. Als Heizkörper seines Handschuhs dienen Widerstände; sie haben Kontakte an der äußeren Fläche, und diese werden an die Stromleitung gelegt, deren Kontakte am Steuerrade liegen. Hoffentlich erfindet der Herr noch geheizte Hüte und Stiefel.
Die letzte deutsche Verbrecher-Verbrennung. Es klingt fast unglaublich, daß im gleichen jahrhundert, das qns Lisen- , bahn und Telephon brachte, in Deutschland noch eine Hinrichtung auf dem Scheiterhaufen stattfand. Diese mittelalterliche Strafe wurde aber tatsächlich — wenn auch glücklicherweise zum endgültig letztenmal — am 28. Mai 1813 in Berlin voll- j zogen und zwar an dem Verbrecherpaar Peter Horst und Lhri- ’ fti ane Delitz. Die beiden waren überführt, gemeinschaftlich mehr als 45 Brandstiftungen in Preußen, Sachsen und Oesterreich begangen zu haben, in der Absicht, bei Gelegenheit des Brandes zu stehlen. Dabei hatten sie sechs Menschen ermord/ und einen Schaden von 300 Talern angerichtet.
Die Schlange im Reisebüro. Lin friedlicher Hindu sprach dieser Tage in Paris in einem Reisebüro nächst den großen Boulevards vor, um eine Zahrkarte nach seinem Mutterlande zu kaufen. Als Reisegepäck hatte er eine kleine Handtasche, । die er neben sich auf den Boden stellte, als er die nötigen For- 1 malitäten am Schalter zu erledigen im Begriff roar. Er bemerkte nicht, daß ein Kind mit dieser Handtasche zu spielen i anfing, daß es ihm sogar gelang sie im Handumdrehen zu off- ' men. Plötzlich fuhr aber das Kind zurück, indem es einen 1 Srhrerkensfchrei ausstieß, denn aus der halbgeöffneten Hand- | lasche schlich gemächlich eine riesige Schlange, die nicht weniger E als drei Meter besaß. Eine jagd begann nun nach dem Rep- i til, das bald in das Zimmer des Direktors einzuschloichen gewußt hatte. Hier wurde es aber oonv seinem Besitzer wieder eingefangen und sorgfältig verpackt.
Den Aebenbuhler niedergeschossen. Der 24 jahre alte Architekt Richard Bloch aus der Aostitzstraße m Berlin schoß im Hause seiner Braut in der
buhier den 45 jahre alten Berliner Kaufmann Melzer weder. Lr verletzte ihn durch drei Schüsse, die Hn in den Bauch, in den Unterarm und den linken Unterschenkel trafen. Kurz vor 8 Ahr kam der Kaufmann Melzer in die Wohnung der BerMaunstraße und begehrte Einlaß. Als ihm auf sM klingeln nicht geöffnet wurde, schlug er mit den Fäusten gegen die Gür. jetzt öffnete der Vater des jungen Mädchens, ja demselben Augenblick faßte der Kaufmann Melzer in did Lasche, und es schien so, als ob er einen Revolver herauszog.. Da der Bräutigam des jungen Mädchens, der Architekt Bloch, mit geöffnet hatte und diese verdächtige Bewegung ebenfalls erkannt hatte, zog er seinerseits einen Revolver und gab auf den Aebenbuhler drei Schüsse ab, die diesen-schwer versetzten.
Mouika-
Skizze von Marga Stiehler.
Der, den sie geliebt hatte, mar tot. Verwaist stand sie allein in der Welt. Am liebsten wäre sie auch selbst gestorben, aber unser Leben steht in Gottes Hand. Es bleibt ein kostbares Gut, auch wenn wir es nur für andere leben dürfen.
So wurde sie Diakonisse — mit vierundzwanzig jähren.
Schwester Monika. j
Es war im Sommer 1918.
Hinter der Front, in einem- teutschen Reservelazarett wurde sie stationiert. — Wenn sie in den krankens aal trat, leuchteten die Augen der Verwundeten auf. jhre Kühlen, weißen Hände schienen Wunder zu bewivken.
Wen sie damit berührte, der vergaß feine Schmerzen, wem sie über die fiebernde Stirne strich, der wurde still, jhre eigene Lebensenergie schien auf die anderen überzugehen.
Sie selbst wurde immer blasser.
„Es geht so nicht weiter, Schwester Monika", mahnte der Generalarzt. „Sie müssen unbedingt eine Nacht Ruhe haben, vollkommene Ruhe — so richten Sie jhre eigene Gesundheit zu Grunde". •
Ein weiches Lächeln legte sich um ihren feingeschnittenen Mund, ihre blauen Augen strahlten.
„öcb fühle keine Müdigkeit und bin so glücklich, daß ich helfen darf."
,/Alles gut und schön, Schwester Monika, aber für heute Rächt befehle ich Ruhe — Schlaf. Morgen sind Sie dafür doppelt frisch."
Sie verneigte sich und ging.
Angekleidet legte sie sich auf ihr schmales Bett, und bald darauf senkte sich ihre Brust in gleichmäßigen Atemzügen — sie schlief.
Da — sie fuhr auf — man hatte sie gerufen, ganz deutlich: „Mo— ni— Kal"
Sie erhob sich und trat auf den langen Korridor hinaus.
Die Nachtschwester saß am Tisch und wickelte Binden. Sie blickte auf.
Monika sah sich fragend um.
„Wer rief mich?"
„keiner, — bas haben Sie wohl geträumt, Schwester Monika."
Sinnend ging Monika in ihr Kämmerchen zurück, aber kaum hatte sie sich wieder ausgestreckt, als abermals ihr Name gerufen wurde, nur dringlicher als bas erstemal. Sie sah sich um. — Diesmal war es ihr,, als käme der Ruf von draußen. — Sie öffnete das schmale Fenster und blickte hinaus. Niemand war da. Nur in der Ferne Megen bunte Leuchtkugeln auf, und bas Donnern der Geschütze erschütterte die Erbe.
Noch einmal legte sie sich nieder, aber mit dem Schlaf war es vorbei. Und zum dritten Male klang ihr Name durch den engen Raum.
,;Mo—ni—kal"
So heißes Bitten lag in dem einen Wort, daß sie ent» schlossen war, dem Ruse zu folgen. An der Nachtschwester vorbei, die über ihrer Arbeit eingenickt war, schritt sie, wie von unsichtbaren Händen geführt, den Blick imsWeite gerichtet, hinaus — durch den mondbeschienenen Garten, über zerrissene Wiesen und aufgewühlte Aecker.
Und sie wanderte — wanderte —
jhr Fuß stockte.
Dort — an ein zertrümmertes Geschütz gelehnt, ruhte ein Mann, mit zerschmetterten Gliedern.
Er hörte ihr Kommen und hob den brechenden Blick.
„Beten", röchelte er.
Sie faltete seine Hände ineinander und betete mit ihm.
„Vater unser--“
Sein Kopf sank zur Seite — er war, tot. Sanft fegte. Jie ihn nieder, drückte ihm die verglasten Augen zu und ging weiter. Und plötzlich stieg ihr die Gewißheit auf: Dreimal war Jie gerufen worden drei bangende Seelen verlangten nach ihr!
Der Mond hatte sich hinter aufziehendem Gewölk verborgen. Mattes Dämmerlicht breitete sich über das weite Feld
Lin Hund heulte auf — klagend — jammervoll.
Sie ging d/m Klänge noch und fand einen großen, blonden Offizier. Langsam riefelte bas Blut durch das zerrissene Hemd, über die Rechte, daran der Trauring funkelte. Ein grauer Schäferhund stand bei ihm, leckte seine Hände und sah zu der jungen Schwester auf, als ermatte er Hilfe von ihr — Hilfe für seinen Herrn.
Unb bie Hilfe kam. Behutsam setzte Schwester Monika dem Leidenden die Feldflasche an die brennenden Lippen und blieb bei ihm, bis auch er die Augen schloß — für immer.
Der Hund legte den Kopf auf die Knie seines Herrn und hielt treue Wacht.
Monika ging weiter — Uchend — narb dem Sitten.
„Mutter!"
Leise, tastend rief es in ihrer Nähe
Sie lauschte. . M
Unb wieder zitterte es durch die Luft:
„Mutter!"
Der Wolkenschleier vor dem Monde jerr^ ^SÜbeM Strahlen warfen ihr bleiches Licht über das Elenb der West
Dort bewegte sich etwas — richtete sich mühsam auf.
„Mutter, bist du endlich dE ■
Monika eilte über Steine und Trümmep und sah ein junges Menschenkind — ein Knäbe noch. —. Groß waren feine Äugen aufgeschlagen — die armen blinden, Augen, jetzt hörte er Monikas Schritte in seiner Nähe.
»Ach Mutter, daß du doch gekommen bist — wie schön ich mar so allein und es ist so dunkel. Will es denn gar i?^ Tag werden?"
Sie kniete neben ihm nieder. Zärtlich legte er beide UM um ihren Hals.
»Nimm das Tuch vom Kopf, butterte, damit ich bei ne wèi eben Haare fühlen kann."
Sollte sie ihm seine jllusion zerstören, ihm sagen, daß sie nicht seine Mutter sei? — Nein, ach nein, Sott würde ihr verzeihen, daß sie den freundlichen Traum eines Unglücklichen nicht Meiß.
jft nicht oft in unserem Leben ein schöner Wahn unser ei«* ziges Glück?
Schweigend löste Jie die Haube. Sanft und tröstend sie dem jungen über sein weiches Gesicht, jhre Tränen troff* ten nieder.
Er wühlte seine Hände in ihr blondes Gelock.
„Nicht meinen, Mutterle — nicht meinen, mir bleiben nun immer beisammen. Mutterie — er bettelte — Mutterle, küsst mich!"
Sie beugte sich tiefer zu ihm. Fest preßte er seinen Mund auf ihre bebenden Lippen.
Wie in blaue, reine Höhen fühlte sie sich emporgetragtn, in ihr war ein Singen und jubeln, in der Luft ein Klingen und Pfeifen.
Dicht neben den beiden sich unschlungen haltenden Menschen schlug das Geschoß ein — alles nm sich her vernichtend.
I Sie kam niemals zurück — Schwester Monika.