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Ar. 167

Donnerstag, den 23. Zull 1925.

Mische Morgenreituns

Beiblatt.

Verlag: Fulda, Kaualstratze 44

Aus Cultus klastischer Zeit.

Von Dr. Rud. Kayser.

W«e Bethlehem in' Füda tein und grotz das war das be- lowbere Los «nicht «nur «Weimars Im fernen großen Tagen. Wie am W Kleines lWeümar «leuchtete «damals Lutin im «GlanzS GÄstigon «Lebens; -auch dieses Städtchen, das schönste unter den 'bo-lNrtW^ feW iei'ne Klastische Zeit.

^jpia^ Mn- «Wieland und Herder, kein -Goethe und Schiller Waren hier -GsPesfürsten; kein August und Mäzen sammelte, M,^r memtavische Herzog die ersten des deutschen Volkes um sich. Aber auch «diese kleine «Residenz mit «ihren 2000 Einwoh' wem «hatte ihren Mittelpunkt -in âhren «Landesherrn, dem Fürst-- dischas von Lübeck und Herzog von «Qld«eNburg aus dem hol- ftâ-gottorpschen «Hause, Peter -Friedrich Ludwig, der väter­lich «freundlich und -gewissenhaft mit seinem trefflichen Minister dem 'Reichsgrafen Holme«r, sein k-leines Land regierte und, -ohne an «die Gaben und die Bedeutung Karl Augusts Ihsrauzureichen, doch «im testen «Grunde den Anlatz -gab, datz -geistig lebendige und bedeutende Männer in den «Mauern Lutins -sich«, oft auf -Sahre«, zusammen fanden. -Lr zog die Maler Strack -und «Wilh. «Tisch- -bein in seinen Di-enst und au seinen «Hof, -sammelte «wertvolle Gemälde «und -gründete «eine Kapelle.

Durch die «nahen -Beziehungen zwischen dem dänischen und dem «oldenburgischen Fürstenhaus -geschah -es, datz «Graf Fried­rich «Leopold -Stolberg von Kopenhagen «in den Dienst des «eu- ÄNischen Fürsten trat, der für ihn das Amt «eines Oborschenken ohne Pflichten ausser denen höfischer Sturmes und Dranges -hatte -er mit seinem älteren Bruder -Christian dem «Göttinger Hainbund angehört, sie, die Grafen«, «unter «den- «so «Bürgerlichen, einem Höllty, Miller, Lsmarch, Woie, Leisewitz, Votz. Aber -er vergast die alten Freunde -nicht.. AIs -der Bektor des -alten Gymnasiums -zu Lutin sein Amt verli-etz, machte der Graf den Minister a-Nf Soh. Votz aufmerksam, «der «als Rektor «in dem Hadeler Marschstädtchen «Otterndv-rf allzus«ehr der Welt «ent­rückt -war. Lr folgte -gern «inLutins fruchtwalloNdes -Seeta-l" dem Ruf -an die kleine Lateinschule «und freute sich, wieder «Tä­ler, Hügel «und Buchenw-älder zu sehen und die Rachtigallön zu hören. Mochte «er -auch an seiner idyllisch kleinen «Schule mit ihren «kaum 20 Schülern im 3 Klassen zuweilen über seine 32 Schulstunden seufzen, so -behielt «er doch -noch Zeit genug für Dichtung -und Wissenschaft. Die 20 Lutiner Sahre sind «die fruchtbarsten und bedeutendsten seines «Lebens «geworden. «Hier -studierte «er fleißig. «Sprache und Bersbau, «hier vollendete «er seine «Homer-iUeborsetzung, seinen Sdgllen-Kranz-Luise. Ein «ländliches Gedicht" «und «eroberte sich seinen Platz aus «dem «deut schon Parnatz, den «ihm auch «die Grössten in Weimar -willig zu- «erkannten. Ls «war -ein friedliches und in sich befriedigtes Ge- lshrtsnlobon in unermüdlicher .Geistesarbeit, seit «der «Herzog Stolbergs ilndenbes-chattetes «Haus -an der Kieler Stratze -für èhn angekaust hatte. Bo>n seinem Arbeitszimmer schweiften seme Blicke «über den obstreichen Garten hinweg auf «den pro­tzen See, den wogenden Helder und B-uchenhaine -umrahmten-.

KMNM aber schuf ihm sein. Häusliches Glück Hrau Lvnefüne, seines Hrou-ndes «Bvie Schwester, «von «FlonSbur-g«, die verständ­nisvoll au -seiner «GelWesorboit -teilnahm. Sie «waren glücklich

in den «ein-fachstsn Berhältnifson und «mochten «es verschmerzen, «wenn der Rektor der «Lateinschule bei Hofe mit dem fürstlichm K-ammerdimor rangierte, bis «er «durch -den «Hofratstitel höher stieg. Den liebsten Berkehr genoß «er doch mit seinem Stolberg so lange seiue «liebreizende und l-iebenswürdiige -Gattin Agnes von «Witzleben Häuser -und -Herzen mi-teina-ndor verband. Wir ibsgleiten «sie, «wie sie gemeinsam hinausfuhren zum Kollorsee «und über Siolbek hinabstesgsn zum «tief -eingebetteten, träumerischen Waldsee des Utei, «wie sie 'im Pfarrhaus zu «Malonte beim -eiüstigon -Lutlner Amtsgenossen, «einLehren, dem-rdigen Pfarrer von Grünau", «und über «die «Steine bei der hLuisen- quelle" im Prinzenholz die «Z-rauen -geloi«ten. Allzufrüh «wurde die Gräfin Agnes diesem K-röis. entrissen, -und «als dann «nach län-geren Sa-Hren Stolberg aus seinem -Landdrostena-mt «in' «Olden bürg als Präsident der Regierung wied«er «nach Lutin zurück- «kehrte, da gingen «seine und Bötzens «Wege au«seina-nder. Der Reichtum seiner zwei«te«n L«he «geistattete «ihm «gir-ötzersn Prunk, die^Hurückhaltung der «ernsten, «mehr -geachteten «als geliebten Gräfin Sophie «on-tfremdete die Hrsunde-, und «immer -mehr öff- uete sich bar tiefe -Abgrund, der «die politischen, 'gesellschaftlichen

. ^eMosen MemuuLien «beider «Männer schied: Stollberg, der gbmwmge W der Westhuunen", hier «Graf und Verfechter aller Borrechte des Adels, schon stark zur «katholischen Kirche geneigt; Botz «der Mann -aus «dem Bolk, -begeistert für die Aeufranken für Hreiheit, Demokratie, und Aufkxirung, b'or Haffer alles Pfaffentums. M« schm«erzte >es «ihn, «wenn sich- «der Kreis derer rundete, «die «es mit Stolberg «hi«eWn. -LiUst kam Lavater, der Züricher, der Prediger bei «Lhristnsli-ebe, und nahm seine Hreündo für.mgstischbn -Unsinn" «e«in; zweimal «er- sch-i«sn mit «ihren Freunden die Fürlstsu SaMißiin von Münster, bie vom «Goethe so ^^^^g^^^^«^^^^^, um «ihre Gleichgesinnten in Wand-s«b«ek, -in lHolsteiin «und -Lutin zu sehen umb Stolberg für 'ißren Glauben und lihre «Kirche zu gewi-nuen; -öfters begrützte man den sch«lichtgläubigen Matthias «Llau-dius von lW-andsbek, j-a de-n hochgeehrten «Oden- «und M«e-ssi«assänJer -Klopstock von Ha-mbu-rg. Aus seinem -rheinischen Sampel fort flüchtend, l-ietz beb der«Glaub-ensphil-osoph" Füied-rich «Heinrich Saeobi mit Win«sn beibeu '5«chw«estern für längere Sahre -in Lutin -nieder, öhm folgte Go«ethes ve-vwi-tw«ete-r -Sch«ma-ger, So«h-a«nn Georg Sclüosser oom «Frahk-fu-rt, bedeutend als R-ech«tsgelehrter -und Uebers-etzer .griochüsch-er -Schriftsteller; seine -Lo>chter «Luise Myrte Stolbergs Schützlings Heim, Georg Ludwig Aic-olovius, Sekretär bei der Kammer in Lutin. «Stolbetzg md Sacabr «miede um zogen eine Anzahl fronzö-sischer Lmi-granten herbei, «die boirt

Sahre der Revolution u«n«d «der Schreck-encherrsch-aft vor- übe-rgeheu ließen. Fühlen wir noch dazu so «manche 3 »mite

bie sich ua-ch Lübeck, «na-ch Ki«el mit seiner «Unloersität, «nach Hamburg «hinüberf-pann, so «umfasssn mir den -ganzen Kreis der Menschs dee damals die -stillen St raßen Lutins «belebten,. Was sich dann «endlich äußedieß schied, -war innerlich schon angst getrennt. Stolberg «und Botz geßbrten schon zwei Per» J Wenen iWeltsn an, als jener 1800 feine eutinische«» Remter ^ederlsgte und in Münster zur katholischen Kirche übertrat Wer, dem nach dem Bruch,e -mit bem Sugendsreund -Lutin' verobef erschien, 1802 nach Sena «und «Heidelberg übersiedelte;

als «die anberen alle -in ihre -Heimat zurü-ckkehrten -und nur -der Herzog der «Oldenburg -an Rapol-eon verloren, in Lutin seine bleibende Residenz -nahm. -

Dahin ist die Feit, gestorben sind die Menschen, und «doch «berühren uns «noch auf Schritt und Tritt die Lrinnevungen. Vor dem Gymnasium grüßt «uns das Bild bes Rektors, «und das alte Rektorhaus am See öffnet j-etzt als ,Votzhaus" anders unb «doch, wie damals, gastlich feine Pfort-m-, und unser Blick streift von «ihm über den See Mit seiner schönen Snssl, «einst nach Stolbergs Gattin Ag-neswerder -benannt. -Tafeln an den Hächern melden uns, «wo Stolberg, Saovbi, Rioolo-oi-us wbhnten wo der Sohn «des fürstlichen Kapellmeisters uüd Stadtmüslkus, Karl Maria v. «Weber, «eben damals 1786 geboren- wurde. Roch «Heute «ist es für uns, wie für Votz, den großen Naturfreund, ein -Lntzücken, den Schlotzpark am See Mit seinen hohen schma­len Lindenalleen zu Lurchwandern,.-den damals «eben der Herzog nach eigenem Plane umgeschaffen, und in «dem alten Schlotz mit seinem malerischen Hof, den Wassergräben, «die bie alte Burg- anlage zeigen, schäum «noch die Ahnen des Gottorpschen «Hauses «der Herzog P-eter «im Bilde auf uns herab. Roch- ragt die -alte romanische Kirche mit -ihrem mächtigen «Turm über bie niedrigen Häuser hinaus, und «wenn der schöne «Sommertag uns hinauslockt in bieholsteinische Schweiz", so u-mrauschsn uns Wa«ld und See, wie sie «damals den Fvsund-en rauschten.

Kultur und AviltWon.

Ban Thomas Kamppru.

-Ls gibt Menschen, die diese «beiden Beg«riffe vergleichen und gegeneinanber -werten. Das $t grundfasschl und «bedeutet ein völliges Verkennen der Feitströmungsn. Pessimisten und Aestheten prophezeien mit dem Sieg ber Technik «worin sich doch heute fast ausschlietzlich die Fivilisation «in-karNiert «das Schwinden jeglicher Kultur. Dagegen bäumen sich die Schwär­mer und die unentwegtReuen" auf und suchen ihr Heil «im Maschinensturm. Sie reden von der Allgewalt geistiger «Güter und verdammm sedon für bie Welt so «notwendigen Fortschritt, wenn er uicht allein geistigen B-edürfniss-m «entspringt. Beide Richtungen kämpfen um die Macht. Aber -eine- Vorherrschaft gebührt «keiner. Die gesamte Lntwicklun-g «etwa ber letzten fünfzig Sahre weist «darauf «hin, baß nur -ein Fusammen- und Snoinanderaufgehen von Kultur -und Fibi-lisatio-n bem Reich «und der Volksgemeinschaft dienen kann.

Die Fivil-isation als Weg zur V«efriedigung «aller körperlichen und sachlichen -Bedürfnissen -eines Staates feiert heute unerhörte Triumphe. Und bas mit Recht! Sa, es «wäre Frevel, -wollte man ihren Ablauf «hemmen oder den ungeheuren, vielseitigen «Wert, der in ißr «liegt, -ableugnen. Das -Fsitaltor ber Technik, des Dampfes und der -L-lektrizität «besteht! Das haben mir anzuerkeunen und uns -damit abzufinden. Aber «wir können und müssen dafür sorgen, baß «nicht alles -andere «rings­herum -erdrückt wird, baß die Zivilisation «Nicht zur All-einhsrr- «fchaft über alles Lebende -gelangt.

Das «Stiefkind des gOgenwärtigon Sahrhunderts ist die Kultur. «Wir bezeichnen Mit diesem Ausdruck den «Willen, den die Menschheit -zum geistigen und seelischen Aufstieg hat. Obwohl sie in jedem einzelnen Menschen bas -ist, was «ihm das Dasein «erträg-lich und überhaupt erst «leben-swert macht, gelten ihre Träger nichts im wirklichen Leben. Kultur birgt jeder Mensch in -sich, der eine «bewutzt, ber -andere nur ahnend- und sie als stilles «Heiligtum hütend. Aber ihre «Wertschätzung erfolgt nach den praktischen -B-edürfnissen des Brotkampfes. Und ber verlangt das Hirn des «Menschen, «nicht fern Herzl

Der Streit um bie Macht darf nicht bis zu einem Lntwe- der Ober durchgeführt «werden. Shre vollkommene «Lsben-s- beriebtigung tragen beide Kräfte «durchaus in sich. Zivilisation ohne Kultur «ist Wahrsi-nn, erstarrt zu- Stahl und Forni. Kultur ohne die -tatsächlichen Segnungen der Zivilisationen- bas Wort ist -bewutzt und mit voller Absicht -gebraucht ist Schön geisteret, die auf die Dauer «Niemand befriedigen kann.

«Wie es heute bei uns -aussieht, braucht nicht betont zu werden. Mit aller «wirtschaftlichen Macht oder besser, -ats Fol ge ber ausschließlichen Wirtschaftspolitik unserer Zeit wird die Kultur langsam «er-drosselt. Dagegen «wollen und müssen «wir -kämpfen. Doch- nicht um die Vormacht, unser Ziel muß Jein, die Durchdringung aller Zivilisation mit dem B-l-ut ber M-en- «schen aus dem Seift «der Kultur, Vernichtung der Herrschaft der ^a^^^te und «ihre Lino-rduung unter ben «Willen des Le- «bendi-gen!

Die Fivilisation lebt! Aber über «ihr ist die Kultur! Wir hoffen auf ein Schicksal, bas «beide eint, u. unserem Volke seine wahre Bestimmung zumeist: das Reich zu scha-ffen.

Tavana M derWeiße Elch .

-siVon unserem Sch«ivoizer -Korrespondenten).

Zürich, im bull 1925.

Bor ben Gerichten Luganos begann kürzli-ch der Riesen- prozetz gegen den ÄndianerprinzeN «Tava-na Rai, genannt der Weitze Llch". Dieser «Hochstaplerprozetz dürfte weite Kreise -interessieren^ «ist «doch ber«Weitze Llch" eine «internationale Pei sönlichkeit -durch bie -Grotzzügigkeit seiner -Schwindeleien -geworden. Tavana Ra«i- heißt mit seinem «bürgerlichen Ramen Ldgar -La Plante und stammt aus Pawtucket auf Rhode Js» laub. -Lr tauchte in Luropa wie ein -M-eteor auf «und erregte bas Sntereffe bes -ganzen Kontinents für feine, ihrer bagb- gründe -beraubten, «vertriebenen unb bem Untergang geweihten Volksgenossen. Lr -wollte nach Genf -gehen, um beim Völker­bund für seine Stämme ein zu treten. Lr wollte auch Luropa glücklich machen, «indem er die Armen mit seinem Webers Ins? an Gold beschenkte mit vollen Händen teilte -er aus: -in Florenz gab er 250 000 Lire- für die Armen, der Stadt Bari schenkte er 50 000 Lire, bem Papst gab er für bie Audienz, die «derselbe ihm gewährte «wid für ben päpstlichen Segen 8000 -Lire für wohltätige Zwecke ja er nahm in Ancona sogar bie fasoi- st-!-sche ^ntli} zu Hilfe, um sein Geld unter das Volk verteilen zu können. Wohin er «kam, «wurde der Onbiauerprin; mit esse» non Armen empfangen. Bürgermeister und Generäle -wett-

- eiferten- mit kirchlichen Würdeträgern, ben -indianischen Prin­zen «gebührend zu bewirten. Lr mürbe zum Ehrenbürger, ja so­gar zum «Wehrenfascisten «ernannt. Aach diesem Triumpfzug durch Italien, der an die Rückkehr der alten römischen Kaiser von ihren Feldzügen erinnert, kam derWeitze Llch" n-achTu- rin, -wo er sich «im Spital von seinen Festen -und Feiern etwas aus ruhen wollte. Hier erreichte ihn auch der Ausweisun-gbe- f-chl ber «italienischen Regierung, der diese «unheimlichte Begei- istevung etwas eigenartig vorkommen mutzte unb bie wahrschein sich «Lunte -gerochen hatte. Run «wandte sich ber Sndianerprinz der Schweiz zu, wo er sich im Spital zu Bellinzona, dann Ar verschiedenen Hotels und nachher -in Lugano aufhielt, um Theater, -wo er sich seine Abenderholung suchte, machte er auch «hohe Bekanntschaften mit Tessiner Regi-erungsräten, u. er «er­reichte sogar, baß er von der Regierung offiziell begrüßt wurde Bald wurde es aber demWeitzen Llch" auch in Tessin etwas warm «und er zog es vor, die Alpen -zu- durchfahren und sich -in ben Jura zurückzuziehen, wo er Jein Domizil zuerst in Neuen­burg aufschlug. Dort also «beinahe!:n Genf, wohin er eigent lieb «wollte, erreichte ihn aber der Arm ber Gerechtigkeit. Lr wurde im vergangenen 'Januar verhaftet, unb nach Bellinzona zurückgeführt. Diesmal allerdings nicht im Salonwagen, wie er ben Gotthard bas erste Mal passiert hatte.

Nun erscheint ber Kinolschastspieler unb Artist Ldgar La Plants vor ben «Tessiner Gerichten. Der Geri-chtssaal -erhält eine kriegerisches Aussehen durch- den Kopf-Federschmuck des Häuptlings, durch bie «Waffen «und Gürtel unb sogar durch bie Mokassins unb «das -hirschledern-e Gewand, bas auf dem Rich- -terti-sche liegt. Ldgar Da Plante «kam im Dezember 1922 im Auftrage der Paramount-Fi lmgesellschast mit einigen Voll- blUtindianern nach Luropa, um hier einige Aufnahmen für den «bekannten FilmDie Karawane nach dem «Westen" -zu machen. -Gleichzeitig lag es -ihm ob, mit seinen «indianischen Begleiter, die nötige Reklame für den Ries-enfilm «in Szene zu setzen. Zu diesem Zweck -hatte sich ber Jährige La Plante bereits in Amerika die nötige Jnbianertracht ungeeignet «und «sich in Ta­vana Rai, genannt berWeitze Llch", Thef «des Srokesen-Bol Kes verwandelt. Der -Reklamefeldzug mürbe mit Erfolg durch­geführt und eines schönen Tages, als sich die Reklametruppe aufzlllössn hatte, «unternahm La Plante auf eigene Faust die Weiterreise als Sndianerprinz. Er wandte sich «nach Jtalien «und stieg darauf «in Rizza ab, «wo es ihm gelang in ersten Krei­sen Eingang zu- finden-.

Ja Nizza lernte derindianische Prinz" Tavana Rai auch eine -österreichische Gräfin KHeroen- «Hüller kennen. Diese Dame, eine Dreißigerin, fand an bem «interessanten Indianer­häuptling Gefallen -und führte -ihn mit Hilfe -ihrer Mutter lin die Gesellschaft des «Lu-xushotels ein, wo er das mondäne Leben zu Jtubieren trachtete. Beide Damen vechahen -ihn, wie La Planta vor Gericht «behauptet, freimfiltig und -ohne baß -er ba» rauf anspielte, mit ausgiebigen Geldmitteln. Er «wurde zum Schluß «nach der Villa der Damen nach Triest mitgenommen, wo er es sich über einen Monat Wohlergehen ließ. Unb von Triest aus trat er dann seinen Triumpfzug durch Jtalien an, ber «ihn nicht nur weltberühmt «machte, sondern ihm auch die Aus­weisung ber Regierung aus ben italienischen -Gefilden «eintrug.

«Man schätzt «in unterrichteten Kreisen bie Geldmittel, die der »Weitze -Llch" -durch die Gräfin Khewen Hüller «in Umlauf brachte auf etwa eine -Million Lire. Ol er «diese Mittel erschwert beste, «indem er «ihnen vorplauderte, er -erwarte riesige Summen aus Amerika, das Wirb «nun ber Strafprozeß zutage zu fördern «haben. Auf alle Fälle «waren die beiden gräflichen Gefoppten «nicht -angenehm überrascht, als sie plötzlich vernehmen mußten, baß hinter berpvin-Kchen Hoheit" nur ein kleiner Filmschau- spieler unb großer Hochstapler steckte. Sie «erhoben sofort Strafanzeige gegen den -indianischen S-chwi-ndler unb lasten sich nun als Zivilpartei bei bem interessanten Prozetz in Lugano vertreten. La Pl-ante «bödauert -allerdings, baß er es ablehnen muß, von «den beiden Damen Geld «erschwindelt -zu- «haben. Er habe nie Geld gefordert, sie «hätten es -ihm als Geschenk über» geben, die er im guten Glauben angenommen hätte. Daß er «irgendwie einen Zwang dabei angewendet habe, streitet er euer» gijeh ab. Das geheimnisvolle dieser Bekanntschaft «und bas romanhafte bes -girL flich-prinzlichen Verhältnistes wird in Lu­gano kaum gelüftet werden. La Plante verweigert jede nähere Auskunft unb erklärt, er werbe nur sprechen, wenn er ben bei­den Damen gegenübergestellt werde, was diese jedoch -nicht wünschen. «Wahrscheinlich wird ja 0er famose Filmschauspi-eler auch noch «nach Italien ausgetiefert unb dort dürfte er Gelegen Heft haben«, bie «Gräfinnen« wiederzusehen. Jn Lugano ist er nur bes Betruges von «etwa 5000 Franken an geklagt unb geht -dann sein Schuldenregister zu Händen der italienischen Gerichtsbe­hörden weiter.

Die Testi ner «Gerichte, vor «denen La Plant» steht, haben wenig Sinn für bie ulkige -higur dieses Hauptmanns von Löpe- nick". Man hält «ihm vor, baß er in Lugano und Bellizona Seitungsreporfern -gegenüber von seinen Ländereien -erzählt -habe, man weiß von seinen Kapitalien Einzelheiten, über die er ebenfalls, plauderte. Tr gab an, er sei Doktor ber Uni oèrfi» tät Chicago unb sogar burbonischer Abkunft! Man hat ihm das früher -geglaubt und heute bringt man es vor, um den Lügner zu -entlarven. La Plante ist großartig vor dem Rich- terstn-hl. Lr verliert bie Grandezza nicht «und leugnet weiter Bettelbriefe an die österreichischen Gräfinnen werden verlesen «er will sie -nicht kennen. Ueber sein Geld -befragt, gibt er zu, baß er von Damen Geld erhalten habe aber er habe von Damen überhaupt immer viel Geld erhalten. Ob er nicht ver- suckt habe, «den Jrrtum aufzuklären, baß er kein Prinz sei? Doch einmal lim Spital von Turin- aber da sei es schon zu spät «gewesen. Enblkh nach langem Kreuzverhör gibt La Plante sogar zu, er «ha-be oerfprochen, bas Geld ben Gräfinnen zu­rückzubezahlen. Damit ist der Jubianerprinz gefa-ngen. Er ver wickelt sich nun im Verhör in weitere Bibelsprüche. Er gibt zu, auch in der Schweiz unter betrügerischen Angaben Geld «er- halten zu haben-. Das Gerich«t hat «nun Unterlagen. DerWeitze Eid) wirb nun nach -all dem Luxus Gesängnisluft zu atmen be kommen. Unb wenn er seine Strafe in ber Schweiz verbützt hat, da kommt Jtalien an die Reihe. Daß er aber ein genialer Kerl ist, baß läßt er sich nicht «nehmen. Èr hat nicht nur zwei Damen, er hat -ein ganzes Volk an der Rase «herumgeführt. Das soll ihm einer nachmachen.